Isa, garantiert kompliziert
Kolumne

Warum wir Verabredungen öfters sausen lassen sollten

Was wohl Isa jetzt wieder umtreibt? (Bild: Mike Bislin)

Es gehört zum schlechten Ton, Treffen mit Freunden oder Familie abzusagen, weil man sich nicht so danach fühlt. In der neusten Kolumne schreibt unsere Autorin darüber, warum wir es öfters mal tun sollten.

Alles war ready: Die Tickets ergattert, die Unterkunft gebucht, der Prösi beinahe schon kaltgestellt.

Das Festival rückte näher – und plötzlich war ich nicht mehr ganz so ready. Drei Tage geballten Techno in den Ohren, stundenlang für ein lauwarmes Bier anstehen und mich in Tausenden von Menschen verlieren? Ach nö. Mir war eher nach einer Hängematte unter dem freien Nachthimmel, irgendwo im Wald, ohne Menschen. Also schrieb ich meinen Kolleginnen, «dass ich grade so gar keinen Bock drauf habe». Weil ich im Moment ein wenig Zeit für mich brauche. Das kam nicht ganz so gut an.

Wer Freunde hat zu treffen, der treffe sie – Matthäus 13.9, oder so

Irgendwie ist es ein ungeschriebenes Gesetz. Es gehört nicht zum guten Ton, eine Verabredung auszuschlagen. Oder zuzusagen und dann wieder abzusagen. Jedenfalls nicht grundlos. Und nicht jeder Grund wird akzeptiert. Bereits verabredet, familiäre Verpflichtungen, viel zu tun auf der Arbeit, (körperlich) krank, ein gebuchter Töpferkurs – das passt. Wenn's sein muss auch der sich türmende Wäscheberg zu Hause.

Ein «sich gerade nicht danach fühlen» gehört da nicht dazu. Es vermittelt einen hart asozialen Eindruck. Als ob mit einem etwas nicht stimmen würde. «Ich mag gerade niemanden sehen, sondern möchte mit Schlamm im Gesicht und Gurken auf den Augen durch die Hütte tanzen. Zu den Backstreet Boys abgehen. Die Hornhaut von meinen Füssen schaben. Und nein, ich möchte dabei mit niemandem reden» sagt man irgendwie nie, wenn man Freunden oder Familie absagt.

Luxusgut «Me-Time»

Früher noch hab ich nach Ausreden gesucht, wenn ich Zeit für mich brauchte. Und noch früher hatte ich das Verlangen gar nicht, Zeit mit mir alleine zu verbringen. Lieber tanzte ich Nächte durch, hüpfte von der Uni zur Arbeit und dann in die Bar. Vermutlich fand ich mich selbst semi-spannend.

Tempi passati. Heute könnte ich nicht mehr Abend für Abend socializen. Ich geh auf Verabredungen erst gar nicht ein oder lass sie sausen, wenn ich mich nicht nach menschlicher Gesellschaft fühle. Denn ich habe gelernt, dass ich selbst diejenige bin, die auf sich achten muss. Jemanden aus reinem Pflichtgefühl zu treffen und dann absolut keine Lust zu haben bringt niemandem was.

Letzthin hat übrigens eine Freundin mich versetzt. Hab's zuerst ein wenig persönlich genommen. Aber wir alle haben schliesslich mal keinen Bock auf andere. Und das ist völlig in Ordnung.

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