Isa, garantiert kompliziert
Kolumne

Oben ohne baden – ein (fast) gescheiterter Selbstversuch

Was wohl Isa jetzt wieder umtreibt? (Bild: Mike Bislin)

Die ganze Welt soll oben ohne baden dürfen – doch: Will sie es auch? Für ihre neueste Kolumne hat Gesellschafts-Redaktorin Isabelle Dahinden blank gezogen. Dafür ist sie meilenweit gereist. Und hat dann doch wieder zum Bikinioberteil gegriffen.

Da lieg ich also. Halb blutt. Unten mit, oben ohne. Ich gewähr meinen Brüsten für einmal Auslauf. Und das mitten in freier Wildbahn. Wohlgemerkt aber nicht unter spienzlenden Blicken Dritter. Dafür habe ich nämlich vorgesorgt, jawohl.

Um das Oben-ohne-Baden ist in den letzten Wochen ein wahrer Aufruhr entstanden. Funiciello hat das Oben-ohne-Sonnen und -Baden schweizweit zum Politikum gemacht. In Luzern und Zug ist man so semi-bereit für oben ohne (zentralplus berichtete). Und ich ehrlich gesagt auch.

Oben ohne: von provokativ bis verklemmt

Aber ich wollte es einfach mal wissen. Wie sich das anfühlt, unter freiem Himmel und bei Tageslicht blankzuziehen. Aber die halbe Stadt Luzern braucht meine Boobies ja nicht zu sehen. Wie letzthin im Seebad. Einfach so, aus dem Nichts ist mein geschätzt fünfmal gesicherter Knoten von ganz alleine aufgegangen. Ich hab echt kurz geschrien. Und letzthin auf der Lido-Wiese habe ich auf dem Bauch liegend gröbste Akrobatik betrieben, um das nasse Bikinioberteil aus- den BH anzuziehen – ohne dass auch nur ein klitzekleiner Teil zu sehen war. Natürlich hat meine Kollegin noch die Stellung gehalten. Ja genau. So verklemmt bini halt.

Unglaublich, was diese Brüste auslösen. Schliesslich haben sie alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht. Nur gehört der Busen der einen verhüllt, verpackt und zensiert, während der männlichen Brust Freigang gewährt wird. Sinn und Logik, wo es keine gibt.

Kein Wunder, fühlt sich das jetzt irgendwie verboten an, so halbblutt hier zu sonnen. Irgendwie provokativ. Und wieder blicke ich nach rechts, nach links, nach vorne und hinten. Und atme tief aus: Glück gehabt, niemand da. Bahn frei für die Boobies!

Kurz mal eben in den Zug gestiegen

Ehrlicherweise muss ich zugeben, ich hab ja auch genügend Vorarbeit geleistet. Ich bin in den Zug gestiegen, meilenweit gefahren, entlang der Maggia spaziert und mit Flip-Flops über Felsen gekrabbelt. An einen Ort, wo mich niemand kennt.

Anfänglich noch merkwürdig, fühlt sich das Oben-ohne-Sein mittlerweile echt okay an. Beinahe schon befreiend, nicht aber empowernd. Irgendwie fühl ich eine innere Unruhe. Als ob ich nur so darauf warte, dass irgendwas passiert. Irgendein Spanner aus dem Busch nebenan springt oder so.

Panisch zum Bikinioberteil gegriffen

Irgendwann beginn ich zu meditieren. ✨ Embrace your naked Body ✨: Ich trichtere mir das so lange ein, bis ich's halbwegs glaube.

Und dann passiert's: fremde Stimmen.

Ich pack das, denke ich noch. Niemand, wirklich niemand schert sich um deine Brüste hier.

Schliesslich erscheinen die Gesichter hinter den Stimmen. Eine Horde Teenager-Jungs. Mit heruntergekippter Kinnlade stehen sie da und glotzen erst mal eine Runde. Ja, Brüste gibt's nicht nur in der «Bravo», liebe Jungs.

Mehr oder weniger elegant hechte ich bäuchlings auf den Felsen, greif zum Bikinioberteil und pack mir die Dinger wieder ein.

Jede, wie sie es mag und will: Doch für mich ist das Kapitel «Oben-ohne-Baden» für den Moment abgeschlossen.

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