Isa, garantiert kompliziert
Kolumne

Lasst uns unsere Körper zurückholen!

Was wohl Isa jetzt wieder umtreibt? (Bild: Mike Bislin)

Frauenkörper werden begutachtet und beurteilt von anderen – Männern und Frauen. Vom Wunsch, einen Sommer zu erleben, in dem wir Körper einfach Körper sein lassen. Die neueste Kolumne von Isabelle Dahinden.

Die Röcke werden kürzer, die Nächte länger: Das hat der Sommer so an sich. Und dass wir Badetuch an Badetuch reihen, um unsere brutzelnden Körper zu sonnen.

Gewisse Spots in dieser Stadt ähneln eher einer Fleischschau – sind sie doch rappelvoll mit halb entblössten Körpern. Solargebräunte Bäuche werden eingezogen, Muskeln zur Schau gestellt – zweifellos, es gibt die Orte, wo's nur ums Sehen und Gesehenwerden geht. Und darum, sich dabei bestmöglich zu präsentieren.

Frauenkörper werden gemustert und bewertet

Ich sonne mich im Seebad, das warme Holz unter mir, der leichte Himmel über mir. Ich habe mich also mitten in diesen «Hüehnerstall» eingereiht, wie es eine gute Freundin von mir letztens betitelt hat. Weil «sich doch hier jeder nur präsentiert».

Aber ja: Wo die Hüllen fallengelassen werden und wo Körper sichtbarer werden, liegt es scheinbar in der Natur der Sache, zu gucken, zu vergleichen und bewerten. Insbesondere Frauenkörper werden in der Badi begutachtet und beurteilt. Ohne dass eine Frau je danach gefragt hat.

Und auch Frauen machen fleissig mit

Dass Männer dies tun, daran hab ich mich irgendwie gewöhnt. Aber dass Frauen genauso über andere Frauen und ihre Körper ablästern, das haut mich schon vom Sockel. Immer wieder.

Frauen in der Badi, die rumgeiern, jede von Kopf bis Fuss mustern, um dann mit ihren Freundinnen zu tuscheln. Frauen in der Damentoilette, die andere Frauen im Spiegel prüfen, um sich dann wieder gelangweilt ihrem eigenen Spiegelbild zu widmen. Frauen in der Bar, die die Freundin anstupsen, um gemeinsam eine vorbeilaufende Frau zu prüfen.

Die Drecksarbeit machen Frauen selbst

Das Ganze kommt nicht von ungefähr. Es sei ein «kluger Schachzug des Patriarchats», sagte die Feministin Florence Given. Beim Brutzeln in der Seebadi lese ich ihr Buch. Dort steht: «Frauen, die sich bekämpfen, verschwestern sich nicht.»

Sie schreibt in ihrem Buch darüber, dass auch Frauen untereinander Rivalinnen sind. Sich gegenseitig fertigmachen und herunterdrücken. Um selbst voranzukommen. Um schlauer, hübscher, schlanker zu sein als die andere. Laut Florence Given dienen Frauen also als Werkzeug des Patriarchats. Die Drecksarbeit erledigen wir gleich selbst.

An einem Strang ziehen

Unrecht hat sie damit nicht. Ich habe mein Verhalten reflektiert und lange gebraucht, um zu erkennen: Auch mein Blick auf andere Frauen ist manchmal abwertend.

Dies zu erkennen, tut weh. Ist aber auch nötig. Wenn sich jemand nicht gegenseitig den Weg verbauen sollte, dann sind das Frauen. Wir sollten aufhören, uns untereinander zu vergleichen und miteinander zu konkurrenzieren. Sondern am selben Strang ziehen. Um gemeinsam voranzukommen und Schönheitsideale zu brechen.

Ich wünsch mir einen Sommer, in dem wir Körper einfach Körper sein lassen. Einen Sommer, in dem es kein zu dünn, zu dick, zu rund oder zu flach gibt. Einen Sommer, der uns einfach uns sein lässt.

Verwendete Quellen
  • Buch «Frauen schulden dir gar nichts» von Florence Given
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