Isa, garantiert kompliziert
Kolumne

Der Lift des Grauens

Was wohl Isa jetzt wieder umtreibt? (Bild: Mike Bislin)

Liftfahren ist gruslig – doch es könnte auch romantisch sein. Die neueste «Isa, garantiert kompliziert»-Kolumne.

Letzthin landete ich im vermutlich schmalsten, stickigsten und schmuddeligsten Lift Luzerns. Ich bin ja nicht klaustrophobisch. Aber in einem Lift, der nicht mal so breit ist, wie mein Arm lang ist, das ist echt knausrig von diesem Liftmacher.

Der Boden knarrt, der Lift surrt, alles um mich ruckelt, ich fluche und leide still. Die Wand zur Treppe besteht aus einer Scheibe, so guck ich also dabei zu, wie sich dieses Ungetüm Zentimeter für Zentimeter in die Höhe rafft und mich näher in Richtung Hölle manövriert.

Kein Wunder, sind diese Dinger ein beliebter Schauplatz für Horrorfilme. Ein Lift sperrt Menschen ein, er führt ein Eigenleben. Er stranguliert unschuldige Frauen («Devil – Fahrstuhl zur Hölle») und enthauptet Wachmänner («Fahrstuhl des Grauens»). Ich bin überzeugt: Prozentual steigen mehr Menschen in einen Lift, als dieser wieder ausspuckt. Zumindest lebendig.

Liftromantik

Ich wär auch gerne eine von diesen Liftfahrt-Romantikerinnen. Wie Rocker Steven Tyler: «Love in an elevator, lovin' it up 'til I hit the ground», sang der Frontsänger der amerikanischen Band Aerosmith 1989. «Lingerie second floor, she said 'can I see you later & love you just a little more? I kinda hope we get stuck.»

Nein, Steven, so läuft das hier nicht. Komm mal wieder runter. Hier landet keine Unterwäsche im zweiten Stock, niemand will in einem Lift einen anderen später wiedersehen, niemand will hier stecken bleiben. Hatte schon wirklich jemand Sex in einem solchen Ungetüm?

Lifte sind mir suspekt. Jaja, ich weiss schon. Ich muss nicht jammern. Ich könnte ja einfach die Treppe nehmen. Aber mit einer Ladung Prösiflaschen in der Tasche oder einem hübschen Arthritis-Schub ist eine Fahrt im Lift wohl das kleinere Übel, als meine Gesundheit oder die meines Prosecco-Nachschubs zu gefährden.

Eingepfercht unter Fremden im Lift

Ich find Lifte einfach gruslig. Jenste Viren warten auf den Knöpfen nur darauf, sich auf deiner Hand einzunisten. Die meisten Lifte haben noch nie Tageslicht gesehen, noch nie den Windstoss gespürt. Und dann steht man da, eingepfercht mit anderen Eindringlingen in diesem sterilen, stickigen Kabäuschen, nur wenige Zentimeter voneinander entfernt.

Besonders schlimm: Wenn stark über-und-übel-parfümierte Menschen dazustossen oder Fahrstuhltürsteher. Meistens riecht es noch dazu nach einer Mischung aus Zigarettenrauch, nassem Hund und Kotze.

Und diese Stille! Kein Wort wird gewechselt, kein Blick eines anderen gekreuzt. Der Blick der Liftahrenden ist ein Kapitel für sich. Das ungeschriebene Gesetz lautet: Guck resigniert auf die Tür. Oder zur Stockwerkanzeige. Und dann vertrödelt man sich die Zeit, wortkarg wie alle sind, und wartet, bis das Gefährt im gewünschten Stock angekommen ist.

Grüezi oder Treppengang

Fürs neue Jahr nehm ich mir wenig bis gar nichts vor – aber ich wünsch mir einen Hauch Fahrstuhlromantik. Ein freundliches Grüezi – ein «Döffi metfahre?» – ein bisschen Small Talk. Oder ich nehm halt einfach öfters die Treppe.

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