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In Zug spriessen die Barbershops – und die Fussballer stehen Schlange
  • Wirtschaft
Arkan Nuri bei der Arbeit in seinem Barbershop. (Bild: Pirmin Ulrich )

Wartefristen von über einem Monat für Bartpflege In Zug spriessen die Barbershops – und die Fussballer stehen Schlange

5 min Lesezeit 16.02.2019, 05:14 Uhr

Barbershops boomen im Kanton Zug mehr denn je. Sportler wie Josh Holden oder Blessing Eleke schwören auf den Dienst. Doch wer seinen Bart oder die Haare getrimmt haben möchte, muss erst mal anstehen, denn die Wartelisten werden lang und länger.

Sie waren eigentlich ein Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen. Eines, das man auf alten Schwarz-Weiss-Fotos betrachtet und sich vielleicht zum Satz hinreissen lässt, dass früher alles besser gewesen sei. Die Rede ist von Barbershops.

Das sind jene Läden, wo sich Barbiere um alle möglichen Haare am und auf dem Kopf kümmern. Bekannt sind sie vor allem für die Bartrasur. Dieses vermeintliche Relikt erlebt dieser Tage ein gewaltiges Revival.

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Plötzlich wieder im Mittelpunkt

Der globale Barttrend hält seit einigen Jahren unvermindert an. Die aktuelle Welle der Gesichtsbehaarung hatte zur Folge, dass plötzlich die Barbiers-Handwerkskunst und die Barbershops wieder in den Vordergrund rückten.

«In anderen Ländern ist dieser Trend schon viel länger präsent.»

Erdem Tatlici, Inhaber «Erdem’s Barbershop»

Oftmals kommt die Einrichtung im klassischen Stile der 1950er-Jahre daher inklusive blau-weiss-roter Stange. Diese Stange, auch «Barberpole» oder «Barbierpfosten» genannt, zeigt, dass sowohl Bart- als auch Kopfhaare getrimmt werden.

Zurück nach Zug gebracht

Der Trend macht auch vor dem Kanton Zug nicht halt. So beispielsweise an der Schmidgasse in Zug, direkt neben dem Kino Seehof. Dort ist seit 2014 «Erdem’s Barbershop» beheimatet. Inhaber Erdem Tatlici war einer der Ersten, die das Barbershop-Phänomen zurück nach Zug gebracht haben. Er sagt: «In anderen Ländern ist dieser Trend schon viel länger wieder präsent. Und in den USA waren Barbershops eh nie weg.»

Das fast komplette Team um Inhaber Erdem Tatlici (hinten).

Das fast komplette Team um Inhaber Erdem Tatlici (hinten).

(Bild: Facebook Erdem’s Barbershop)

Erdems Meinung nach steckt mehr dahinter als bloss ein kurzfristiges Hoch, das schon bald wieder abflaut. «Der Bart hat sich durchgesetzt, ist auch in der Geschäftswelt salonfähig geworden», sagt der Steinhauser. Sein Barbershop bietet nicht bloss einen Service für Bärte, sondern auch für Haare und fürs Färben. Doch Erdem sagt: «Mindestens jeder Dritte kommt wegen der Bartpflege zu uns.»

Die Sache mit dem «Wohlfühlpaket»

Er hat gute Gründe, weshalb man einen Salon wie seinen aufsuchen soll – obwohl man doch auch in den eigenen vier Wänden die Gesichtsbehaarung stutzen könnte. «Natürlich kann man sich auch zu Hause rasieren. Doch wenn der Bart länger ist, wird es bereits schwieriger, die Ausläufe und Konturen sauber hinzukriegen.» Entsprechend kämen viele Kunden mit längerem Bart zu ihnen. Zudem gehe es nicht bloss um die Rasur an sich. Bei ihnen gebe es ein «Wohlfühlpaket für Herren».

Ridauro Carvalho (links) mit dem gebürtigen Luzerner Chris Kablan, aktuell beim FC Thun.

Ridauro Carvalho (links) mit dem gebürtigen Luzerner Chris Kablan, aktuell beim FC Thun.

(Bild: Facebook Mir Barber & Beauty Lounge)

Wobei bei Erdem nicht nur die Herren der Schöpfung zum Zug kommen. Auch Frauen lassen sich die Haare in «Erdem’s Barbershop» machen. Die Kundschaft sei sowieso sehr breit gestreut, die Mehrheit bewege sich in einem Alter zwischen 25 und 40 Jahren. Auch viele Expats seien unter den Kunden. Und sowieso: «Zu uns kommen vom Bauarbeiter über den Banker bis zum Sportler alle möglichen Kunden», so Erdem.

Vom Herrenmagazin inspiriert

Die Zahl der Kunden in seinem Laden sei sehr konstant, sagt Erdem. Die steigende Zahl der Barbershops im Kanton Zug ist ihm nicht entgangen, doch sieht er der zunehmenden Konkurrenz gelassen entgegen: «Die Kundschaft verteilt sich auf die Barbershops.»

«Bei Barbershops geht es nicht bloss darum, sich Bart und Haar rasieren zu lassen.»

Ridauro Carvalho, Inhaber «Mir Barber & Beauty Lounge»

Sechs Mitarbeiter zählt das Unternehmen von Erdem Tatlici inzwischen, der seit zehn Jahren selbstständig ist. Seit 1999 arbeitet der gebürtige Türke als Coiffeur. Auf die Idee eines Barbershops kam er, als er in einem Herrenmagazin davon gelesen hatte. «Ich habe geschaut, wie es in den USA funktioniert, und anschliessend mein eigenes Konzept ausgearbeitet», erinnert sich Erdem. 

Mehr als eine Rasur

Erst im vergangenen April wurde die «Mir Barber & Beauty Lounge» an der Luzernerstrasse in Rotkreuz eröffnet. Ridauro Carvalho ist der Kopf hinter diesem Barbershop. Er war bereits zuvor Barbier, nun hat er sich selbstständig gemacht.

Nehmen Sie Platz, Herr Holden.

Nehmen Sie Platz, Herr Holden.

(Bild: Facebook Mesut’s Barbershop)

Er ist überzeugt, dass sein Laden eine langfristige Zukunft hat. Denn: «Bei Barbershops geht es nicht bloss darum, sich Bart und Haar rasieren zu lassen. Es dreht sich auch um die verschiedenen Stile – und um einen Lebensstil, der gepflegt wird.»

Von Thun bis Lugano

Obwohl sein Shop noch fast so frisch ist wie ein eben rasiertes Gesicht, hat sich Carvalho bereits einen Namen in der Region gemacht. Super-League-Fussballer wie Ruben Vargas, Blessing Eleke (beide FC Luzern), Noam Baumann (FC Lugano) oder Chris Kablan (FC Thun) gehören zu seinen Stammkunden.

Die hohe Popularität bringt auch seine Tücken mit sich. «Langsam geht uns der Platz aus», sagt Ridauro Carvalho lachend. Will man einen Termin bei ihm ergattern, muss man mit zwei Wochen Wartezeit rechnen. Dies hat auch damit zu tun, dass sie nur zu zweit sind.

«Umso wichtiger ist es, sich mit einem eigenen Konzept abzuheben.»

Arkan Nuri, Inhaber «Arkan Barber Shop»

Dass Barbershops bei Sportlern beliebt sind, zeigt sich auch am Beispiel von «Mesut’s Barbershop» an der Baarerstrasse in Zug. Dieser zählt unter anderem EVZ-Legende Josh Holden zu seinen Kunden.

Als Zehnjähriger begonnen

Noch länger warten muss man im «Arkan Barber Shop» in der Zuger Altstadt: eineinhalb bis zwei Monate. Den Einmannbetrieb von Arkan Nuri gibt es seit rund zwei Jahren. Sein Handwerk erlernte der gebürtige Kurde von seiner Familie. Dies vor über 20 Jahren – als damals Zehnjähriger!

Der Barbershop von Ridauro Carvalho ist gut ausgelastet.

Der Barbershop von Ridauro Carvalho ist gut ausgelastet.

(Bild: Instagram Mir Barber & Beauty Lounge)

Arkan bezeichnet sein Barbershop-Konzept im «California-Style» als «einzigartig» im deutschsprachigen Raum. Bei der Technik setzt er auf Dampf und Schaumrasur. Pro Kunde rechnet er eine Stunde ein.

… und dazu eine Zigarre

Und: Bei ihm kann man sich nicht nur Haare und Bart schneiden lassen, sondern sich fürs Gemüt auch eine Zigarre oder ein alkoholisches Getränk gönnen.

«Deswegen ist mein Barbershop erst ab 17 Jahren», sagt Arkan. Unter 20 Jahre alt sei jedoch kein Kunde. Auch 70-Jährige kämen zu ihm, fühlten sich an alte Zeiten zurückerinnert. «Ich habe Kunden aus der ganzen Schweiz», fügt er an.

Arkan ärgert sich, dass sich heutzutage so viele Läden Barbershop nennen. «Umso wichtiger ist es, sich mit einem eigenen Konzept abzuheben», sagt er. Seines scheint zu funktionieren. Er wurde auch schon von der Amag Zug beauftragt, an einem ihrer Events die Haare zu schneiden.

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