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In Zug ist ein seltenes Fabelwesen aufgetaucht
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Sagenhafte Entdeckung in Zug: Ein Einhorn. (Bild: flickr )

Das grosse History-Quiz zum Kolingeviert In Zug ist ein seltenes Fabelwesen aufgetaucht

4 min Lesezeit 12.03.2017, 13:49 Uhr

Sie interessieren sich für die Zuger Stadtgeschichte? Prima, denn Archäologen und Bauforscher haben in zwei Altstadthäusern magische Funde gemacht, sind einem Engel begegnet und haben ein Fabeltier ausgemacht. Testen Sie im Quiz Ihr Wissen und bringen Sie sich auf den neusten Stand der Forschung.

Zuger Archäologen untersuchen zurzeit zwei Häuser an der Kirchengasse in der äusseren Zuger Altstadt (zentralplus berichtete). Sie werden saniert. Ein 1999 abgebranntes Haus wird ausserdem durch einen Neubau ersetzt.

Was wir bisher wissen: Die Häuser wurden in Eile fertiggestellt und zwar aus Holz, das im Jahr 1436/37 gefällt worden war. Sie waren zusammengebaut und sind somit die erste Reihenhaussiedlung im Kanton. Sie waren ursprünglich nur zweistöckig und klein, wurden aber später aufgestockt und – im Fall der Kirchenstrasse 5 – auch seitlich erweitert. So wurden sie zu repräsentativen Bauten, die etwas hermachten.

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In der Kirchengasse 5 legte die Zuger Kantonsarchäologie in einem Festsaal Fresken frei, die sie am Freitag bei einem Baustellenbesuch vorstellte. Doch bevor wir näher darauf eingehen: Tauchen Sie erst mal in die Vergangenheit ein und testen Sie Ihr Wissen über Zugs Entstehung.

 

Jetzt ist klar, warum die Häuser an der Kirchenstrasse 3 und 5 gebaut wurden. Nach der Altstadtkatastrophe 1435 brauchte man Ersatz für jene Behausungen, die in den See gerutscht waren. Und die legte man ausserhalb der bisherigen Stadtmauern, auf bisher unbebautem Gebiet an, wie die Archäologen glauben. 

Aber was war mit Fabelwesen und Magie? Folgen wir Bauforscherin Anette JeanRichard dit Bressel in den ersten Stock der Kirchenstrasse 5, wo in einem Festsaal Fresken freigelegt werden. Sie stammen aus dem 17. Jahrhundert. Wenn Ihnen das nichts sagt: Es war die Zeit des Barocks, die Leute waren gekleidet wie die drei Musketiere.

Das Einhorn versteckt sich

Auf dem Fresko ist der Erzengel Gabriel zu sehen. Vor ihm rennen drei Hunde mit dem Namen Fides, Caritas und Spes. Es sind die lateinischen Bezeichnungen für Glaube, Liebe und Hoffnung, die christlichen Tugenden. «Sie jagen ein Einhorn», sagt Anette JeanRichard dit Bressel, ein Symbol für die Jungfräulichkeit Marias. Das Einhorn ist nirgends zu sehen, es liegt unter einer Schicht Farbe und muss noch freigelegt werden. Dass es trotzdem da ist, leitet JeanRichard aus ähnlichen Darstellungen derselben Szene ab, etwa auf einer Wappenscheibe aus der Burg Zug.

«Es ist nicht möglich, die Bauarbeiten zum vorgesehenen Zeitpunkt abzuschliessen.»

Paul Knüsel, Baudepartement Zug

«Es stellt sich die Frage, was wir mit diesen Funden machen, wenn wir die Häuser wieder bewohnbar machen», sagt Paul Knüsel vom Baudepartement der Stadt Zug. «Klar ist: Dieses Fresko kommt hinter Glas.» Was sonst noch in der Kirchenstrasse 5 an Malereien zum Vorschein kommt, ist ungewiss – hin und wieder lugt ein Wappen oder eine Dekoration unter der weissen Farbschicht der Wände hervor. Die muss jedoch noch fachgerecht abgetragen werden. «Es ist nicht möglich, die Bauarbeiten zum vorgesehenen Zeitpunkt abzuschliessen», sagt Knüsel, «das dauert länger.» Hingegen reiche der Kredit. Das Stadtparlament hat 12,2 Millionen Franken für die Arbeiten an den städtischen Liegenschaften im Kolingeviert bewilligt. 7,7 Millionen sind für die Sanierung der Kirchenstrasse 3 und 5 sowie der Liegenschaft Kolinplatz 19 vorgesehen.

Volksglaube an Geister

Doch zurück zu den Fabelwesen: «Das Einhorn ist ein für die Entstehungszeit ungewöhnliches Motiv mit Seltenheitswert, sagt Anette JeanRichard dit Bressel. Im Mittelalter häufiger dargestellt, galten Fabelwesen später als heidnisch und wurden von der Kirche argwöhnisch betrachtet.

Das Einhorn ist nicht das einzige fantastische Wesen, dem man begegnet. An der Kirchenstrasse 3 haben die Bauforscher Nadeln und spitze Gegenstände aus den Ritzen einer Holzwand geklaubt. Gemäss JeanRichard dienten sie der Abwehr von bösen Geistern, von Nachtwesen. «Der Toggel war in der Zentralschweiz häufig und man glaubte, dass er durch solche Ritzen ins Haus einsickern kann», erklärt die Bauforscherin. Zeichen für magische Abwehrrituale und Schutzzauber gegen sagenhafte Plagegeister seien in der Zuger Altstadt zahlreich, sagt sie und weist auf Brandspuren an den Wänden, wo Kerzen gestanden haben müssen. «Solche Brandspuren finden wir auch an der Kirche St. Oswald.»

Die Kirchenstrasse 3 ist ursprünglicher als das Nachbarhaus. Aus dem Mittelalter stammen Russspuren im 1. Stock, wo einst die Küche lag. Es gab keinen Kamin. «Die Feuerstelle war offen und der Rauch stieg bis ins Dach hoch, wo er sich dann irgendwie den Weg durch die hölzernen Dachschindeln suchte», erklärt JeanRichard.

Mehr Eindrücke von den archäologischen Funden sehen Sie in unserer Bildergalerie:

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