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In unscheinbarem Wohnhaus wurde einzigartiges Wandbild gefunden
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Restaurator Martin Hüppi und Hauseigentümerin Anita Dennler-Moser neben dem Hauseingang am Löwenplatz 5. (Bild: giw)

Luzerner Jugendstil-Bijou In unscheinbarem Wohnhaus wurde einzigartiges Wandbild gefunden

4 min Lesezeit 30.04.2018, 14:50 Uhr

Dank einer Renovation wurde in einem unscheinbaren Haus im Wey-Quartier ein aussergewöhnlich farbenprächtiges und einzigartiges Wandbild entdeckt. Dem Engagement der Besitzerin ist es zu verdanken, dass das Entrée nun erhalten bleibt – und in neuem Glanz erstrahlt. Dabei erzählt das Werk nicht nur Familien-, sondern auch Stadtgeschichte.

Von aussen ist es ein unauffälliges Haus, doch drinnen birgt der klassizistische Bau am Löwenplatz 5, gleich hinter dem Old Swiss House, einen aussergewöhnlichen Schatz: Im Entrée befindet sich eine für Luzern einzigartige Decken- und Wandmalerei aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Da hängen Blumen sowie Wasserpflanzen an der Decke, Schwäne und Enten schwimmen auf einem See und auch unruhige Wellen sowie Gischt zeigen sich dem Betrachter. Ausserdem wurde ein Frauengesicht umgeben von grünen Blättern gemalt. Alles zeigt sich in intensiven Farben und ziert den repräsentativen Eingangsbereich des Altbaus. «Es besteht kaum ein vergleichbares Werk aus dieser Stilepoche in Luzern», sagt Denkmalpfleger Mathias Steinmann. Das Haus selbst wurde um das Jahr 1880 gebaut – die Malerei folgte rund zwei Dekaden später. Die Liegenschaft befindet sich in Privatbesitz und wird als Wohnhaus genutzt.

Am Montag präsentierte Steinmann gemeinsam mit Restaurator Martin Hüppi, Architekt Pierre Abry und Eigentümerin Anita Dennler-Moser das Zeugnis aus dem Jugendstil. Die Motive wie Gesicht, Blumen oder Vögel sind stiltypisch – die Inspiration stamme wohl aus damals verbreiteten Katalogen oder Zeitschriften, erklärt Restaurator Martin Hüppi. Oft stammen die Ideen aus Städten wie Wien, die für den Jugendstil prägend waren.

Eine Zeit des Aufbruchs

Mit Jugendstil oder Art nouveau wird die kunstgeschichtliche Epoche am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert bezeichnet, die sich als Teil der Reform- oder Gegenbewegung zum traditionellen und rückwärtsgewandten Historismus verstand. Statt alte Stile wie Barock, Klassizismus oder Renaissance nachzubilden und an alte Zeiten zu erinnern, wollte man während der Jahrhundertwende etwas Neues schaffen. Dafür steht auch das Wandbild.

«Für mich hat das Werk eine grosse persönliche Bedeutung und zeugt von meiner familiären Herkunft.»

Anita Dennler-Moser, Hauseigentümerin

Luzern befand sich in dieser Zeit im Aufbruch, innerhalb weniger Jahre entstanden die Quartiere Hirschmatt, Bruch oder Wey. Auch der Tourismus florierte vor Ausbruch des ersten Weltkriegs. Der architektonische Aufbruch bedeutete auch eine Blütephase für das hiesige Kunsthandwerk.

Über Generationen in Familienhand

Dass das prächtige Entrée inklusive Linkrusta-Tapeten und verzierten Zement-Bodenfliesen in diesem Zustand erhalten blieb, ist ein Glück. Oft wurden derartige Elemente übermalt und sind verloren gegangen. Dass hier ein Zeugnis blieb, hat womöglich damit zu tun, dass das Gebäude immer in der Hand der gleichen Familie blieb.

Das bunte Wandbild in seiner ganzen Pracht.

Das bunte Wandbild in seiner ganzen Pracht.

(Bild: giw)

Die heutige Eigentümerin Anita Dennler-Moser ist die Nichte vom Malermeister Thomas Clavadetscher, der das Haus zusammen mit zwei benachbarten Liegenschaften vom Bauherr Anton Waldis erwarb. Der damalige Gründer des Luzerner Malerverbandes hat die Malerei vermutlich selbst gestaltet oder zumindest in Auftrag gegeben. «Für mich hat das Werk eine grosse persönliche Bedeutung und zeugt von meiner familiären Herkunft», sagt Dennler-Moser. Sie habe sich innerhalb der Familie durchsetzen müssen, damit das Gebäude an der begehrten Lage nicht veräussert wurde. Dennler-Moser ist zwar im Kanton Zürich aufgewachsen, hat aber im Haus regelmässig ihre Ferien verbracht und lernte im Luzerner Seebad schwimmen.

Nur wenige Jugendstil-Gebäude in Luzern

Rund 30’000 Franken haben die Restaurationsarbeiten laut Dennler-Moser gekostet. Einen kleinen finanziellen Beitrag leistete auch die kantonale Denkmalpflege. Während zweieinhalb Monaten hat Martin Hüppi das Entrée sorgfältig und umfassend restauriert. Dabei mussten nur wenige Stellen retuschiert und später aufgetragene Farbfassungen konnten abgelaugt werden. Das Bild an sich sei in einem relativ guten Zustand gewesen, wurde von Hüppi jedoch gereinigt. Zudem wurden sämtliche historischen Holz-Oberflächen wieder in die ursprüngliche Form gebracht. Hüppi selbst wurde im Jahr 2017 auf die aussergewöhnliche Malerei aufmerksam, als das Haus umfassend renoviert wurde.

Nun steht das Werk unter kantonalem Schutz und wird die Jahre überdauern – auch wenn das Haus vielleicht einmal in andere Hände gerät. Jugendstil selbst ist in Luzern nicht besonders stark verbreitet, wie Steinmann erklärt. Bekanntestes Beispiel ist die Pauluskirche, welche im Jahr 1912 fertiggestellt wurde. Wohnhäuser aus der Epoche finden sich etwa an der Pilatus-, Obergrund- sowie an der Voltastrasse.

Weitere Eindrücke aus dem Hausinnern:

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