In seinem 13. Spiel: Thorell bricht den Bann und trifft endlich für die Zuger
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Zugs Torschützen Erik Thorell (Nummer 86) wird mit seinem ersten Saisontreffer ein Stein vom Herzen gefallen sein. Er lässt sich von Lino Martschini (rechts) und dem glänzend aufgelegten Jan Kovar gratulieren. (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

5:1 Heimsieg gegen die SCL Tigers In seinem 13. Spiel: Thorell bricht den Bann und trifft endlich für die Zuger

6 min Lesezeit 29.12.2020, 08:45 Uhr

An einem Abend, an dem rund um die Zuger Bossard Arena die Wege spiegelglatt waren, liess sich der EVZ diesmal von den SCL Tigers nicht auf das Glatteis führen und fegte die Gäste dank einer soliden Kollektivleistung vom Eis. Die Basis bildeten dabei vier ausgeglichene Linien, für die Glanzlichter sorgten einige Ausnahmekönner.

Im Unterschied zum letzten Heimspiel gegen den gleichen Gegner vor fünf Tagen, das der EVZ nach einem 0:2 Rückstand erst durch eine bemerkenswerte Wende im Schlussdrittel noch zum 4:2 Sieg hatte wenden können (zentralplus berichtete), zeigten sich die Zentralschweizer an diesem Abend von Anfang an bereit.

Zugs Coach Dan Tangnes hatte ohne Beisein seiner Liebsten über die Feiertage viel Zeit, sich einen Game-Plan für diesen nächsten Match gegen die Tigers auszuhecken. Insbesondere hat er seine Spieler in der Garderobe vor der heutigen Partie nochmals daran erinnert, was im letzten Aufeinandertreffen gegen die Langnauer geschehen war und dass eine solche Wende wohl nicht jedesmal gelingen würde.

Seine Worte schienen ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Ab der ersten Spielminute traten die Zuger konzentriert auf. Sie spielten konsequenter und schneller als noch vor fünf Tagen und machten auch deutlich weniger Fehler.

Die Linien-Zusammenstellung passt

Nach der Niederlage in Lausanne und der kurzfristigen Abreise von Ryan McLeod nach Übersee musste der Zuger Trainer leichte Modifikationen an seinen Offensiv-Blöcken vornehmen. Seit dem Sieg in Ambri zwei Tage danach laufen diese nun in unveränderter Form auf und die aktuelle Zusammenstellung der Linien scheint sich auszuzahlen.

Das Zusammenspiel in diesen vier Formationen funktioniert vorzüglich, alle vier Sturmlinien hielten den Druck in der offensiven Zone konstant aufrecht und dominierten den Gegner fast nach Belieben. 

«Es ist gut, dass wir alle Kräfte in Gang bringen.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Dan Tangnes streicht diese Tatsache nach dem Spiel auch positiv heraus: «Wir verfügen über vier ausgeglichene Linien mit mehr oder weniger gleicher Eiszeit, das ist ein grosser Vorteil. Es ist gut, dass wir alle Kräfte in Gang bringen.»

Bei fünf gegen fünf Spielern dominierte der EVZ die SCL Tigers klar. Defensiv liessen die Hausherren wenig zu. Das einzige Gegentor des Abends kassierten die Zuger dementsprechend in einem ihrer zwei Unterzahlspiele.

Das zwischenzeitliche 1:4 in der 34. Minute war eine praktisch identische Kopie des 0:2 vom 23. Dezember: ein Querpass von Marcus Nilsson auf den 19-jährigen Patrick Petrini, dessen Direktabnahme unhaltbar unter dem Tordach landete.

Dario Simion eröffnet Torreigen und setzt Schlusspunkt

Die Ausgeglichenheit über vier Blöcke schlägt sich auch auf die Zuger Skorer-Statistik nieder. Drei von vier Reihen steuerten mindestens einen Torerfolg bei.

Am produktivsten zeigte sich dabei die nominell zweite Linie mit Gregory Hofmann, Sven Senteler und Dario Simion. Letzterer eröffnete das Skore bereits nach viereinhalb Spielminuten, als er einen überhasteten Befreiungsversuch von Ivars Punnenovs, der das Tiger-Tor hütete, abfing und zum 1:0 einnetzte.

Dies war der zehnte Saisontreffer des Zuger Powerflügels. Den elften liess er dann 21 Sekunden vor dem Ende folgen, beim herrlich mit Gregory Hofmann herausgespielten Schlusspunkt zum 5:1.

Schön herausgespielter Treffer zum 3:0

Dazwischen hatte Simion auch beim 3:0 nach 23:30 Minuten seinen Stock respektive seinen Schlittschuh im Spiel. Mit diesem bugsierte er den Puck nämlich keck an der offensiven blauen Linie zu Raphael Diaz.

Dieser lief in die offensive Zone, sah links von sich Hofmann in noch besserer Position und legte rüber auf den schnellen Stürmer, der den Puck schliesslich an Punnenovs vorbeibrachte, auch weil Diaz weiter Richtung Tor zog und so dem gegenerischen Goalie beim Vorbeifahren die Sicht nahm. Das Tor wurde nach Video-Check wegen möglicher Goalie-Behinderung von den Schiedsrichtern anerkannt.

Erwähnung verdient aber auch die Linie mit Yannick Zehnder, Yannick-Lennart Albrecht und Carl Klingberg, die positiv auf sich aufmerksam machte. Mal für Mal wirbelten die drei Offensivkräfte die Gäste in deren Zone mächtig durcheinander, schnürten den Gegner regelrecht ein und ernteten schliesslich in der 29. Minute den verdienten Lohn. Zehnder lenkte den Puck nach einem Schuss von Klingberg über Punnenovs´ rechte Schulter zum 4:0 in die Maschen.

Jan Kovar lässt seine Linienkollegen erstrahlen

Geradezu Historisches ereignete sich nach 18:10 Minuten. Lino Martschini behauptete den Puck im Angriffsdrittel rechts an der Bande, Jan Kovar übernahm und lancierte mit viel Übersicht Erik Thorell im Slot unmittelbar vor dem Langnauer Tor pfannenfertig. Der Schwede brauchte nur noch einzuschieben, Ivars Punnenovs war chancenlos.

Es war dies in seinem 13. Saisonspiel sage und schreibe das erste Tor für den skandinavischen Stürmer. Er ist damit der letzte regelmässig eingesetzte Angreifer im Dienste des EVZ, der sich als Torschütze feiern lassen durfte.

«Der Fokus war gut. Wir spielten schneller, machten weniger Fehler.»

Die leichte Aufwärtstendenz beim Schweden in den letzten Spielen, wie bei seinem Sturmpartner Lino Martschini, hat einen Ursprung: Jan Kovar. Der tschechische Regisseur macht jeden Mitspieler stärker, lässt jeden, der an seiner Seite auftreten darf, in neuem Glanz erstrahlen.

Er orchestriert das Zuger Ensemble mit seiner Spielintelligenz, seinem geschickten Positionsspiel und seiner beispiellosen Spielübersicht, die in der Schweizer National League wohl einmalig sind. Kovar ist überall auf dem Eis anzutreffen, steht an der blauen Linie, tankt sich den Banden entlang, positioniert sich auch im Slot, wo es weh tut.

Dazu kommt, dass er sich auch nicht davor scheut, defensiv zu arbeiten. Kurzum: Jan Kovar ist ein kompletter Zweiweg-Center, wie ihn sich jeder Coach nur wünschen kann. Nicht umsonst hatte Dan Tangnes vor Wochenfrist gegenüber zentralplus gesagt: «Jan Kovar ist einer der besten Spieler ausserhalb der NHL.»

Diaz: «Konstanz über 60 Minuten fehlt»

Gerade solche Ausnahmekönner wie Kovar können alles sehr leicht erscheinen lassen. Doch so einfach, wie es zwischenzeitlich vielleicht den Anschein hatte, war auch diese Partie gegen Langnau nicht.

Das findet jedenfalls EVZ-Coach Dan Tangnes: «Einfache Spiele gibt es in dieser Liga nicht. Es braucht immer viel harte Arbeit.» Zufrieden mit dem Spiel ist er aber alleweil: «Der Fokus war gut. Wir spielten schneller, machten weniger Fehler.»

Ähnlich sah es der Zuger Captain Raphael Diaz, angesprochen auf die Unterschiede zum letzten Spiel gegen die SCL Tigers: «Heute ging es leichter, weil wir wussten, was auf uns zukommt. Wir mussten den Langnauern wenig zugestehen und konnten unsererseits immer wieder gute Chancen kreieren.»

Auf die Frage, was denn sein Team künftig noch verbessern sollte, meint Diaz: «Die Konstanz über 60 Minuten, da müssen wir noch stabiler werden.»

Sportlicher und privater Ausflug nach Davos

Als Nächstes führt der Zuger Weg ins Landwassertal, wo am Mittwoch die Herausforderung gegen den HC Davos wartet.

Der norwegische Trainer gibt sich optimistisch hinsichtlich dieser Aufgabe: «Entscheidend wird sein, dass wir gut verteidigen, diszipliniert und strukturiert auftreten, denn die Davoser schiessen viele Tore.»

Davor wird Dan Tangnes ein paar Tage in Davos verbringen, gemeinsam mit seiner Familie, denn die ist wieder zurück in der Schweiz.

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