In Rischer Schutzzone: Stararchitekten bauen für Daniel Vasella
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Der Zugang zum Aabach ist abgeriegelt und videoüberwacht. (Bild: mam)

Ex-Novartis-Boss lässt Atelierhaus errichten In Rischer Schutzzone: Stararchitekten bauen für Daniel Vasella

3 min Lesezeit 3 Kommentare 19.04.2018, 09:01 Uhr

In der Rischer Landwirtschaftszone sind hinter hohen Hecken die Baumaschinen aufgefahren. Auf dem Landgut von Ex-Novartis-Boss Daniel Vasella realisiert das bekannte Basler Architekturbüro Diener und Diener einen Neubau. Noch vor vier Jahren betonte der Gemeindepräsident, Neubauten seien hier nicht möglich.

Nun wird im Rischer Aabach also doch gebaut. Vor fünf Jahren war dort das Renommierprojekt des Basler Pharmakonzerns Novartis beerdigt worden: Ein Tagungszentrum an den Gestaden des Zugersees, geplant vom Bündner Stararchitekten Peter Zumthor, in der Form von Gebäuden, die an die Pfahlbauerzeit erinnern.

Modellausschnitt von Zumthors Projekt für ein Tagungszentrum.

Modellausschnitt von Zumthors Projekt für ein Tagungszentrum.

(Bild: zvg)

Das Pfahlbauerdorf sollte in einem lichten baumbestandenen Park auf dem Landgut Aabach entstehen. Dieses liegt direkt neben dem Anwesen von Daniel Vasella, der Novartis jahrelang geleitet hatte.

Privates Weideland für Daniel Vasella

Doch dem Projekt erwuchs Widerstand, da das Gut in verschiedenen Schutzzonen lag. Zudem warf Vasella bei Novartis den Bettel hin, nachdem er jahrelang öffentlich als Abzocker-König unter den Managern angefeindet worden war. In der Folge realisierte Novartis sein Fortbildungszentrum in Basel.

Auf dem idyllisch gelegenen Landgut Aabach lassen die Vasellas bauen.

Auf dem idyllisch gelegenen Landgut Aabach lassen die Vasellas bauen.

(Bild: mam)

Das fünf Hektar grosse Gut Aabach wurde 2014 von Vasella privat erworben (zentralplus berichtete). Wegen der Vorgeschichte fühlte sich der Rischer Gemeindepräsident Peter Hausherr (CVP) damals bemüssigt, im «Blick» zu verkünden, man brauche keine Angst vor Neubauten zu haben – schliesslich könne die Fläche nur landwirtschaftlich genutzt werden. Vasella dürfe das Land brachliegen lassen, etwas pflanzen oder Kühe weiden lassen.

Daniel Vasella, 2010 als CEO von Novartis am World Economic Forum in Davos. Mittlerweile trägt er Bart.

Daniel Vasella, 2010 als CEO von Novartis am World Economic Forum in Davos. Mittlerweile trägt er Bart.

(Bild: Remy Steinegger)

«Geht alles mit rechten Dingen zu»

Es kam anders. Vasella betätigt sich zwar mittlerweile in Uruguay als Viehzüchter. Er hat seine Liegenschaften in Risch aber umgewidmet und an seine drei Kinder überschrieben. Das Gut Aabach gehört nun seiner Tochter Emilia.

Im letzten Jahr fassten die Vasellas den Entschluss, das Chauffeurhaus zu ersetzen, das sich in einem sehr schlechten baulichen Zustand befand, wie man bei der Gemeinde Risch weiss.

Der Bagger gräbt fürs neue Atelierhaus.

Der Bagger gräbt fürs neue Atelierhaus.

(Bild: mam)

Ein Baugesuch für ein Atelierhaus wurde im Sommer aufgelegt. Dagegen gingen keine Einsprachen ein. Im Dezember bewilligte die Gemeinde das Gesuch, nachdem es vom Kanton geprüft worden war. Nun sind die Bauarbeiter an der Reihe. «Es geht alles mit rechten Dingen zu», versichert Patrik Birri von der Gemeinde Risch. Das Atelierhaus gelte als Ersatzbaute für das kürzlich abgerissene Chauffeurhaus.

Novartis‘ Stararchitekten

Doch es ist nicht irgendwer, der für die Vasellas baut – sondern wiederum ein sehr bekanntes Architekturbüro. Nämlich Diener & Diener aus Basel, die zuvor auch für den Pharmakonzern Novartis tätig waren, als sie etwa auf dem Basler Campus einen kühnen Entwurf verwirklichten.

Daniel Vasellas Villa gleich neben dem Landgut Aabach, jetzt im Besitz seines Sohnes.

Daniel Vasellas Villa gleich neben dem Landgut Aabach, jetzt im Besitz seines Sohnes.

(Bild: mam)

Wie das Atelierhaus in Risch aussehen soll, war nicht in Erfahrung zu bringen. Man realisiere es als Privatprojekt, hiess es auf Anfrage bei Diener & Diener – und sei gehalten, der Presse keinerlei Auskünfte zu geben. Daniel Vasella seinerseits hat sich aus der Öffentlichkeit komplett zurückgezogen und ist auch über die Novartis-Büros in Rotkreuz nicht mehr zu erreichen.

Diener-und-Diener-Bau: Novartis Campus 3 in Basel.

Diener-und-Diener-Bau: Novartis Campus 3 in Basel.

(Bild: Christian Richters (wikimedia))

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3 Kommentare
  1. Franz Peter Dinter, 19.04.2018, 17:00 Uhr

    Warum sollte man den Kühen, die auf Vasellas Land weiden dürfen, das schöne neue Atelierhaus missgönnen? So ’ne Kuh ist doch auch nur ’n Mensch!

  2. Hans Peter Roth, 19.04.2018, 14:53 Uhr

    Schön, dass der Chauffeur jetzt in die Diener-Villa zügeln darf. Und dem Hausherr Peter (CVP) folgende Widmung: Geld ist wie Wasser. Es findet immer seinen Weg bis zum Ziel.

  3. Michel Ebinger, 19.04.2018, 10:17 Uhr

    Wer damals Nein zum Novartis-Projekt sagte, muss sich nun nicht wundern! Besser hätte man dieses Gebiet nicht schützen können

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