Regionales Leben

Foodwaste wegen Gastro-Lockdown
In Luzern wandern tonnenweise Lebensmittel in den Müll

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentar: 1
Gerettete Lebensmittel – sie können zwar nicht mehr verkauft, aber noch immer gegessen werden.
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Gerade Frischprodukte wie Gemüse sind häufig von Foodwaste betroffen. (Bild: zvg)

Rund ein Drittel aller Lebensmittel wandern hierzulande in den Abfalleimer. Die Gastro-Schliessungen wegen Corona haben das Problem Foodwaste im Kanton Luzern massiv verschärft. Schuld daran sind gemäss dem Verband Gastro-Luzern die Behörden.

Nebst der Tatsache, dass den Gastrobetrieben, aufgrund der Corona-Massnahmen die Einnahmen wegbrechen, tut sich ein weiteres Problem auf: Foodwaste, also Essen, das weggeworfen werden musste.

Gemäss dem Verein foodwaste werden in der Schweiz jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgt – das entspricht etwa einem Drittel aller Lebensmittel in der Schweiz. Eine Zahl, die sich in Coronazeiten noch erhöhen dürfte. Hauptverursacher dabei sind die Haushalte und – in einem bedeutend kleineren Masse – die Gastronomie-Betriebe.

Ursache: Corona-Massnahmen

Im Kanton Luzern ist die Foodwaste-Situation gravierend, wie Thomas Tellenbach, Leiter der Geschäftsstelle vom Verband Gastro-Luzern, auf Anfrage erklärt. Grund dafür seien die kurzfristigen Anpassungen der Massnahmen im Zusammenhang mit Covid-19: «Dieser Foodwaste ist durch die katastrophale Kommunikation des BAG und der Kantone bewusst herbeigeführt worden», so Tellenbach.

«Leichtverderbliche Nahrungsmittel konnten nicht verwertet werden und eingelagerte Nahrungsmittel werden aufgrund der Schliessungen kurz- oder langfristig zu enormem Foodwaste führen», so Tellenbach weiter. Ausfälle, die der ohnehin schon belastete Gastronom oder Zulieferer jeweils selbst berappen muss.

Bisherige Bestrebungen werden unterwandert

Zwar könnten bestimmte Lebensmittel konserviert werden, aber gerade mit Frischprodukten sei das nicht möglich. Ein weiteres Problem ist, dass die eingekauften Lebensmittel in den seltensten Fällen zurückgegeben werden können. Und selbst wenn: «Dann verschiebt sich die Problematik zum Zulieferer und wird nicht behoben», wie Tellenbach erklärt.

Die vorherrschende Situation ist noch tragischer, weil «einige Grossbetriebe in den letzten Jahren enorme Anstrengungen gegen den Foodwaste unternommen haben», sagt Tellenbach. Und die Gastronomie hätte aufgrund der finanziellen Situation generell ein Auge auf das Problem gerichtet. «Mit der geringen Gewinnspanne dürfen kostenintensive und wertvolle Nahrungsmittel nicht im Abfall verschwinden.»

Abschliessend geht Thomas Tellenbach davon aus, dass sich die Situation in den kommenden Monaten noch weiter verschärfen wird. «Ich vermute, dass es mehrere Tonnen Lebensmittel sind, welche früher oder später entsorgt werden müssen.»

Kampf gegen Foodwaste läuft bereits

Im Kanton Luzern gibt es bereits mehrere Anstrengungen, Foodwaste zu minimieren. Eine davon ist die RestEssBar in Kriens, die vom Verein Koop-Teiggi betrieben wird. Dieser verteilt im Innenhof des Kulturquadrats jeden Samstag gratis gerettete Lebensmittel – auch während Coronazeiten. «Pro Samstag kommen meist zwischen 30 und 60 Menschen eine Tasche holen», schreibt Martin Jucker von der RestEssBar auf Anfrage.

Wie viel an einem Samstag verteilt werden kann, hängt davon ab, was der Detaillist übrig hat, von dem der Verein das Essen bezieht. «Die Menge der Essensreste schwankt jede Woche sehr stark und ist für uns auch nicht vorhersehbar», so Jucker weiter. Eine weitere RestEssBar gibt es noch in Ebikon.

Keine Qual der Wahl

Noch vor Corona hätten sich die Besucher die Lebensmittel aussuchen können. «Nun erhalten alle eine vorabgepackte Tasche, alle mit gleich viel Inhalt. Dies ist schade, weil unsere Abholenden so nicht mehr mitentscheiden können, was sie erhalten», sagt Jucker.

Kurz nach Ausrufung des Lockdowns sei es auch vorgekommen, dass an einem Samstag gar kein Essen verteilt werden konnte – weil die Regale des zuliefernden Detaillisten leergeräumt waren.

Kühlschränke für alle

Ein anderes Konzept verfolgt «Madame Frigo». Seit Januar 2020 stehen in Luzern öffentliche Kühlschränke, in der Lebensmittel abgelegt oder geholt werden können (zentralplus berichtete). Im Kanton Luzern gibt es mittlerweile sechs Kühlschränke: drei in der Stadt und je einer in Kriens, Emmenbrücke und Dierikon. Nina Deicher betreibt mit einer Kollegin zusammen zwei dieser Kühlschränke, einen beim Helvetiaplatz und einen beim Löwenplatz. Befüllt werden diese hauptsächlich Abends nach einer Sammeltour, wie Deicher gegenüber zentralplus erklärt.

Eine Mischung aus RestEssBar und Madame Frigo bietet «Food Save Luzern» an. Auch hier sammeln Freiwillige Lebensmittel – hauptsächlich Brot, Obst und Gemüse – und stellen sie für alle frei zur Verfügung. Statt einer monatlichen Abgabe werden die Lebensmittel in einem Kühlschrank beim Neubad an der Bireggstrasse in Luzern deponiert.

Was kannst du gegen Foodwaste tun?

  • Foodwaste beginnt oft schon beim Einkauf. Die Internet-Plattform «Savefood» bietet Tipps und Tricks für eine gescheite Einkaufsplanung und diverse Rezepte für Resteverwertung. Hinter der Plattform steht die Zürcher Umwelt-Stiftung Pusch.
  • Die «Madame Frigo»-Kühlschränke nutzen – oder selbst einen bewirtschaften. Infos dazu findest du hier.
  • Die App «Too Good To Go» bietet einen Abholservice bei teilnehmenden Geschäften. Nebst zahlreichen Restaurants, Bäckereien und Bars sind auch Grossverteiler wie die Migros auf der App vertreten. Der Kunde bezahlt im Vorfeld und kann seine Bestellung in einem festgelegten Zeitfenster in der jeweiligen Filiale abholen.

    Was man genau kriegt, ist oft eine Überraschung, da das Angebot jeden Tag variiert – je nachdem, was halt übrig bleibt. Ein Selbstversuch hat jedoch gezeigt, dass die Mengen in den meisten Fällen grosszügig bemessen sind – und auch Alternativen für Vegetarier bietet.

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1 Kommentare
  1. Yannick, 07.01.2021, 10:15 Uhr

    Ein grosses Hoch auf das Team hinter Madame Frigo.

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