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In Luzern verfallen zahlreiche Häuser
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Gehören zu den Liegenschaften, die verlottern: Im Bild die Liegenschaften an der Baselstrasse 5 (da wo auch der Antiquitäten-Laden ist), 7 («Bruch Brothers») und 9. (Bild: ida)

Nicht nur Gundula-Bodum mauert In Luzern verfallen zahlreiche Häuser

4 min Lesezeit 2 Kommentare 22.05.2019, 05:01 Uhr

Leerstehende Häuser wie die stadtbekannte «Gundula»-Villa an der Obergrundstrasse sind vielen ein Dorn im Auge. Auch der Stadt. Nun zeigt sich, dass in Luzern nicht nur die «Bodumvilla» verlottert. Auch an der Baselstrasse reihen sich vier Liegenschaften aneinander, deren Zustand zu wünschen übrig lässt.

Die Luzerner Baselstrasse: Multikulti, bunt – und manchmal präsentiert sie sich auch ein wenig verlottert. Risse in den Wänden eines Hauses, Schimmel und krumme Böden: Das erzählt eine Luzernerin, die diese Häuser kennt, gegenüber zentralplus.

Diese Liegenschaften werden nun zum Politikum: Denn die Liegenschaften an der Baselstrasse 3, 5, 7 und 9 befinden sich in einem kritischen Zustand. Dies schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf einen Vorstoss.

«Keine Belohnung, wer das Haus verlottern lässt»

Solche verlotterten Häuser sind vielen ein Dorn im Auge. So reichten die drei SP-Grossstadträte Cyrill Studer Korevaar, Gianluca Pardini und Claudio Soldati im vergangenen Dezember zu diesem Thema einen Vorstoss ein (zentralplus berichtete). Sie forderten: Wer sein Haus verlottern lässt, soll nicht noch mit einer Abbruchbewilligung belohnt werden.

Die Interpellanten befürchten, dass einige Grundeigentümer bewusst in Kauf nehmen, dass sich der Zustand ihrer Liegenschaft verschlechtert. Teils würden sie das sogar aktiv beeinflussen, um einfacher eine Abbruchbewilligung zu erlangen – zugunsten eines geplanten Neubaus. Als negativstes Beispiel nennen Studer Korevaar, Pardini und Soldati die «Bodumvilla» an der Obergrundstrasse. 2016 wurde die Villa besetzt, nachdem sie jahrelang leer stand. Die Liegenschaft hat ein löchriges Dach, ist der Witterung ausgesetzt. Offensichtlich lässt der Eigentümer, ein dänischer Multimillionär namens Jørgen Bodum, die Villa an der Nummer 99 verlottern.

Auch das Hotel Lion Lodge an der Zürichstrasse wird genannt, deren Besitzer das Hostel abreissen wollen, weil eine Sanierung infolge eines Hausschwamms nicht mehr zumutbar sei (zentralplus berichtete).

«Institutioneller Entwickler» scheiterte

In den betroffenen Liegenschaften an der Baselstrasse 3, 5, 7 und 9 sei in den letzten Jahren nur das Nötigste gemacht worden. «In die Aufwertung wurde nicht gross investiert», sagt Baudirektorin Manuela Jost. Die Liegenschaften an der Nummer 5 und 9 sind im Finanzvermögen der Stadt. Die Häuser an der Nummer 3 und 7, in dem auch das «Bruch Brothers» ist, sind privat.

Eine Aufwertung der Liegenschaften sei praktisch unmöglich. Für den schlechten Zustand der Liegenschaften könnten die Eigentümer jedoch nichts dafür: Der Zustand sei nicht bewusst in Kauf genommen worden, heisst es in der Antwort des Stadtrates auf den Vorstoss. Vor Jahren habe sich ein «institutioneller Entwickler», eine Firma, dessen angenommen. Aus verschiedensten Gründen, die Jost nicht nennen kann, seien diese langjährigen Bemühungen jedoch gescheitert. «Nun ist die Stadt derzeit daran, mit den privaten Eigentümern eine nachhaltige Lösung zu finden.»

Die Gespräche dauern an. Der Prozess erweist sich als lange, nicht zuletzt deswegen, weil sich die Liegenschaften in der Schutzzone B befinden. Man befände sich mit der Stadtbaukommission und der kantonalen Denkmalpflege in Kontakt, denn die Qualitätssicherung sei wichtig.

Blick zu den Liegenschaften an der Baselstrasse 5 und 7.

Blick zu den Liegenschaften an der Baselstrasse 5 und 7.

(Bild: ida)

«Gundula»-Villa: Gespräche dauern noch an

Die Befürchtungen der SP-Grossstadträte sind folglich nicht ganz unbegründet. Denn auch in einer ganz anderen Ecke der Stadt zeigt sich ein trostloses Bild: Die Rede ist von der «Gundula»-Villa an der Obergrundstrasse 99 und der Villa an der Obergrundstrasse 101.

Crowdfunding für Medienfreiheit

Der Däne Jørgen Bodum kürzlich den «Goldenen Bremsklotz», einen Schmähpreis, erhalten (zentralplus berichtete). Er hat die zentralplus-Journalistin Jana Avanzini wegen Hausfriedensbruch angezeigt, nachdem sie eine Reportage über die Gundula-Besetzung machte.

Sich juristisch zu wehren, kostet Geld. Für die bisherigen Kosten im Umfang von rund 15'000 Franken kamen zentralplus und Private Spender auf. Für die nächste Instanz ist mit einem Betrag von rund 10'000 Franken zu rechnen. Um die Gerichtskosten finanzieren zu können, läuft seit kurzem ein Crowdfunding.

Auch der Stadtrat schreibt in seiner Antwort von einem «seit Längerem anhaltenden kritischen Zustand der beiden Liegenschaften» und von einer unbefriedigenden Situation. «Es kann tatsächlich festgestellt werden, dass bei diesen Objekten der Unterhalt vernachlässigt wurde.» Die Villa an der Nummer 101 darf zwar umgebaut und saniert werden. Die Baubewilligung steht bereit, ist rechtskräftig. Die Planung für den Neubau der Villa an der Nummer 99 harzt jedoch.

Die Stadt befände sich in regelmässigem Kontakt mit Besitzer Jørgen Bodum und dessen Planern. Das Ziel: eine «Verbesserung der Situation». Bis anhin ohne Erfolg. «Gegen den Willen des Eigentümers ist die Durchsetzung sehr aufwendig und mit grossen Prozessrisiken verbunden», heisst es in der Antwort weiter.

Baudirektorin ist zuversichtlich

Die Baudirektion betreibe einen grossen Aufwand, um eine Lösung zu erreichen, sagt Jost, die sich betreffend Bodum zurückhaltend äussert. Woran haperts? «Zu reden gab insbesondere das Volumen des geplanten Neubaus», sagt Jost. «Was Volumen und Grössen betrifft, herrschen unterschiedliche Auffassungen.» Denn auch die Liegenschaften an der Obergrundstrasse befinden sich in einer Schutzzone. Neubauten müssen sich ins bestehende Quartier eingliedern, sorgfältig situiert werden. Und auch was Volumen und Grösse betrifft, müssten Neubauten hohen Qualitätskriterien genügen, wie Jost erklärt. Die Gespräche dauern folglich noch an.

Seit 2014 befindet sich die Stadt bereits in Kontakt mit Bodum (zentralplus berichtete). Obwohl es nach einer scheinbar endlosen Geschichte klingt, sagt Baudirektorin Jost: «Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam eine Lösung finden.»

Trotz all den Brettern, Graffitis und Dornenbüschen sieht man dem Haus an der Obergrundstrasse 99 die schicke Vergangenheit an.

Trotz all den Brettern, Graffitis und Dornenbüschen sieht man dem Haus an der Obergrundstrasse 99 die schicke Vergangenheit an.

(Bild: jav)

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2 Kommentare
  1. Felix von Wartburg, 23.05.2019, 02:19 Uhr

    Und wie steht es mit der «Angelfluh» in Meggen und dem «Hotel St. Niklausen»? Die Familie Heer lässt sie seit Jahren bewusst verlottern. Das Verlotternlassen spült ihnen wegen den konstant steigenden Grundstückpreisen mehr Geld aufs Konto als Renovationen oder Investitionen. Ende April wurde das Traditionslokal «Storchen» in der Luzerner Altstadt geschlossen, sehr zum Bedauern von Tausenden von regelmässigen Besuchern und Gruppen (Hochzeitsapéros, Firmenanlässen, Fasnachtsgruppen, Weindegustationen, Fondue-Abenden, Gastköchinnen und -köchen usw. Der Grund ist exakt der gleiche. Dringende Sanierungen und wertsteigernde Investitionen wurden von der Familie Heer in den Wind geschlagen. Die Wünsche und Bedürfnisse von Menschen schlagen sie in den Wind. Das zeigt, wie destruktiv unser kapitalistisches Wirtschaftssystem ist. Mit Nichtstun kann man mehr Geld verdienen als mit Aktivität und Leistung. Wir sollten ein Gesetz schaffen, das das Verlotternlassen von Liegenschaften unter Androhung von Enteignung und Überführung in den Besitz der Allgemeinheit (Staat oder Genossenschaften) ermöglicht.

  2. Tonino Bucher, 22.05.2019, 14:05 Uhr

    Schade, dass auch hier die Stadt Luzern bzw. der Denkmalschutz ein Fassade mit einer Satellitenschüssel im Fenster toleriert…
    https://flic.kr/p/2fAKjmK
    und für Touristen ein trauriges Fotosujet präsentiert https://flic.kr/p/TsrpZh
    oder Disneyland lässt grüssen!