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In Luzern stinkt’s: Ist nur die Hitze daran schuld?
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Nicht selten rümpfen Gäste beim «Nix» am Reusssteg die Nase – denn ein übel riechender Geruch liegt in der Luft. (Bild: ida)

Restaurants beklagen im Aussenbereich üble Gerüche In Luzern stinkt’s: Ist nur die Hitze daran schuld?

4 min Lesezeit 04.08.2018, 11:01 Uhr

In der Stadt Luzern macht sich ein übel riechender Geruch breit – der Duft von faulen Eiern, Urin und Fäkalien. Ein Luzerner Barinhaber hat damit zu kämpfen. Die Hitze und der fehlende Regen allein seien nicht schuld daran, meint er. Was sagen die Verantwortlichen?

In der Stadt Luzern stinkt’s. Ein übler Geruch nach faulen Eiern. Ein Gemisch von Urin, Fäkalien und Co.

Luzerner, die ein Feierabendbier geniessen wollen, machen ihrem Ärger Luft. Besonders im Bereich des Reusswehrs sei ein penetranter Geruch wahrnehmbar: «Wir mussten im ‹Nix› an einen anderen Tisch sitzen, weil es dermassen gestunken hat», sagt ein zentralplus-Leser.

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Die Hitze und der fehlende Regen machen’s …

Wie Miriam Asanger, Bereichsleiterin Siedlungsentwässerung und Naturgefahren der Stadt Luzern, erklärt, trocknen die Kanalisationen bei geringen Niederschlägen zwar nicht komplett aus. Aber: «Momentan läuft durch die Kanalisation nur sehr wenig Wasser, sodass Fäkalien und andere Feststoffe länger liegen bleiben. Geraten diese mit Luft in Kontakt, werden Gase durch den Abbau des organischen Materials freigesetzt.»

Die Mehrheit unserer Kanäle sind Mischwasserkanäle – in denen sich Schmutz- mit Regenwasser vermischt. Alle Gullydeckel könne man nicht verschliessen, denn das Regenwasser muss reinkommen, die Gase entweichen: «Würde man alle Öffnungen verschliessen, würden sich diese Gase eine andere Öffnung suchen – beispielsweise durch den Toilettenabfluss in den Haushalten», erklärt Asanger.

Romantische Rendezvous bei Gullygeruch?

Nikki Schwethelm, Inhaber des «Nix’s in der Laterne», hat mit dem Geruch schon seit Monaten zu kämpfen. Manchmal komme der Gestank von den Gullys – jedoch nicht immer.

«Begonnen hat alles mit der Sanierung des Krienbachkanals», sagt Schwethelm. «Man hat mir versprochen, dass der penetrante Geruch verschwindet, wenn der Kanal wieder zu ist. Aber das war wohl nichts.»

Es sei kein Dauergestank, denn er komme jeweils schwallweise. Gerade abends nach 18 Uhr sei es besonders schlimm. Und dies habe verheerende Folgen für den Inhaber des Restaurants. Praktisch täglich beklagen sich Gäste über den Gestank. Andere werden umplatziert. Oder aber, sie setzen sich gar nicht erst hin.

Quartierpräsident ist Thematik nicht bekannt

Des Öfteren habe Schwethelm bei der verantwortlichen Baufirma, die für die Sanierung des Krienbachkanals zuständig war, und mit der Stadt gesprochen. Immer wieder sei er auf Unverständnis gestossen.

Matteo Schaffhauser, Präsident des Quartiervereins der Kleinstadt Luzern, wurde über die vorgelegte Problematik von Schwethelm aufgeklärt und befindet sich nun mit den Projektleitern im Austausch. Ihm selbst sei der Geruch bis anhin nicht aufgefallen. Auch habe er diesbezüglich keine Rückmeldungen von Quartierbewohnern erhalten.

Ist die Sanierung des Krienbachkanals schuld am Geruch?

Die Luzerner Kleinstadt war 18 Monate lang eine einzige Baustelle. Mitten im Zentrum wurde der Boden aufgebrochen und im Untergrund saniert. So auch eineinhalb Kilometer des Krienbachkanals sowie unter anderem die Wasser-, Brunnen- und die Siedlungsentwässerung (zentralplus berichtete).

Gemäss Nikki Schwethelm wird der unangenehme Geruch seit Sanierung des Krienbachkanals wahrgenommen. Unterlief bei den Arbeiten ein Fehler?

Der Blick in die Vergangenheit: Der alte Kreinbachkanal aus dem späten 19. Jahrhundert.

Der Blick in die Vergangenheit: der alte Krienbachkanal aus dem späten 19. Jahrhundert.

(Bild: giw)

Verbreitetes Phänomen

«Unangenehme Gerüche aufgrund der anhaltenden Trockenheit während der heissen Jahreszeit sind ein verbreitetes Phänomen», sagt auch Angelo Garofalo, zuständiger Projektleiter.

«Im Vergleich zu früher ist beim Krienbachkanal in Bezug auf die Geruchsemissionen eine wesentliche Verbesserung festzustellen.»

Angelo Garofalo, Projektleiter Tiefbauamt der Stadt Luzern

«Dass die unangenehmen Gerüche in der Kleinstadt durch einen Fehler bei der Sanierung des Krienbachkanals hervorgerufen werden, kann ich mit ziemlicher Sicherheit ausschliessen.» Die Kanalisation sei überprüft worden. Die Aussage stimme so nicht und könne er so nicht bestätigen.

Verbesserung der Geruchsemission

Bei der Instandsetzung des Kanals habe man explizit darauf geachtet, dass alle Anschlüsse zum Kanal einen Geruchsverschluss – funktionierend wie ein Siphon – haben. «Im Vergleich zu früher ist beim Krienbachkanal in Bezug auf die Geruchsemissionen eine wesentliche Verbesserung festzustellen», fährt Angelo Garofalo fort.

Dem schliesst sich auch Martin Zumstein, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Recycling, Entsorgung, Abwasser Luzern (real) an. Darüber hinaus seien die neu installierten Rohre innen viel glatter als das ehemalige Bachbett des alten Krienbachkanals, sodass das Schmutzwasser ohne grössere Ablagerungen durchfliesse. Auch dann, wen nur selten Regenwasser den Kanal durchspüle.

Vor der Erneuerung habe man immer wieder Schachtdeckel in der Nähe von Boulevardrestaurants gesehen, die mit Bierdeckeln verschlossen wurden, damit keine üblen Gerüche austreten, wie Angelo Garofalo erklärt. Dies treffe er heute nicht mehr an.

Auch auf der anderen Seite stinkt’s

Auch auf der anderen Seite der Reuss wird der unangenehme Geruch aufgeschnappt. «Momentan riecht man es extrem», sagt Alois Keiser, Geschäftsführer der «Rathaus Brauerei». Insbesondere am frühen Morgen, wenn ein frischer Wind wehe, sei der Geruch intensiv.

Gäste seines Restaurants hätten sich jedoch noch keine beklagt. Leute, die klammheimlich den Platz wechseln, habe er noch nicht gesehen.

Keiser zeigt Verständnis für die Umstände. «Wir sind nicht die Einzigen in der Stadt, die auf Wasser hoffen.» Machen könne man nicht viel – gerade weil man momentan sparsam mit dem Wasser umgehen solle.

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