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In der Zuger Altstadt fallen die Hüllen – mit Stil
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Burlesque: Das ist Koketterie, Humor und natürlich auch nackte Haut. (Bild: zVg )

Erotik und Humor bei Burlesque-Shows In der Zuger Altstadt fallen die Hüllen – mit Stil

4 min Lesezeit 24.02.2019, 17:02 Uhr

Vor kurzem hat ein Hauch von Erotik in der Zuger Altstadt Einzug gehalten. Im «Schabernack… partout Variété» veranstaltet Judith Weingartner seit kurzem auch Burlesque-Shows. Und sorgt damit, gerade bei jüngerem Publikum, für rote Ohren.

Man muss sich nichts vormachen. Die Zuger Altstadt ist noch immer verschlafen. Ganz im Gegensatz zu den Veranstaltungen, die neuerdings im «Schabernack partout Variété» in der Ober Altstadt 9 stattfinden.

Denn hier wird nicht nur Theater und Clownerie veranstaltet, nein, hier geht’s manchmal auch einfach um nackte Haut. Wobei, «einfach» ist die Sache mit diesem Burlesque überhaupt nicht. Die erotisch aufreizende, doch stets stilvolle Show, soll nämlich stets auch leicht humoristisch sein. «Es handelt sich um eine Gratwanderung. Eine Koketterie mit dem Publikum», sagt die Veranstalterin Judith Salome Weingartner, welche das Konzept vor kurzem nach Zug gebracht hat (zentralplus berichtete).

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Nackte Haut, ohne anrüchig zu wirken

Tatsächlich treffen bei Burlesque Komponenten aufeinander, die auf den ersten Blick nur mässig zueinander passen. Clownerie und Erotik etwa. Kann so was überhaupt gutgehen? Na und ob, ist Weingartner überzeugt. «Natürlich gehört es zum Programm, dass man auf der Bühne viel nackte Haut zu sehen bekommt. Doch wird es nie anrüchig.»

Die Clownfrau erklärt: «Nie ziehen sich die Schauspieler ganz aus. Schliesslich will man ja die Fantasie anregen.» Ausserdem sind die Shows jeweils auch gespickt mit Zwischenszenen, die nichts mit Burlesque zu tun haben.

Und weil in fast allen Szenen, egal ob Burlesque oder Clownerie, immer auch eine gehörige Portion Comedy steckt, sieht man das Publikum viel eher lachend als mit heraushängender Zunge.

Zusammenarbeit mit dem Restaurant Schiff

Erste Erfahrungen mit dem leicht erotischen Unterhaltungstheater hat Weingartner auf ihrer kleinen Altstadtbühne bereits gesammelt. Vor einem Jahr gab’s beim Primavera-Festival einen Vorgeschmack, im November folgte ein Burlesque-Varieté, erst eine Show im «Schabernack partout», daraufhin ein ausgiebiges Abendessen im Restaurant Schiff.

Nie ganz blutt, doch immer ein wenig Haut. Und zwischendurch Akrobatik.

Nie ganz blutt, doch immer ein wenig Haut. Und zwischendurch Akrobatik.

(Bild: zVg)

Dafür arbeitet Weingartner während dieser Anlässe mit Erich Barth, dem Geschäftsführer des besagten Restaurants zusammen. «Wir kennen uns und arbeiten schon seit Jahren am Märlisunntig zusammen. Dann haben Spieler und Spielerinnen aus allen Jargons ihre Bühne im Schiff», sagt die Zugerin.

Vor allem die Jungen werden rot

Und die Reaktionen auf die ersten Zuger Erfahrungen mit dem freizügigen Spektakel? «Sehr positiv», sagt die Clownfrau. «Letzthin waren auch ein paar ältere Damen hier, die recht beeindruckt waren», sagt sie schmunzelnd. «Ausserdem war eine Gruppe junger Männer dabei, welche direkt vom Morgartenschiessen kam.» Die seien anfangs doch etwas erschrocken bei der Show. «Viele wissen ja gar nicht, was Burlesque heisst», sagt Weingartner.

Deshalb brauche es gerade in Zug, wo das Publikum Burlesque nicht gewohnt sei, entsprechendes Fingerspitzengefühl. «Es sind jeweils Freunde von mir aus Berlin, welche im Schabernack auftreten. Denen musste ich anfänglich die Auflage machen, dass sie ihr Programm etwas mässigen. Denn in Berlin ist alles eine Nummer rotziger als hier.»

Ein schwieriges Varieté-Pflaster

Mit der Idee eines Burlesque-Varietés wagt sich Weingartner in ein Gebiet vor, dass nicht nur von Erfolg gekrönt ist. «Zug und Varieté, das ist ein schwieriges Pflaster. Das Risiko, dass nur wenige Leute kommen, ist gross.» Womöglich, weil das Thema eine gewisse Offenheit bedingt. Nicht nur der Nacktheit wegen, sondern auch, weil man, gerade in Weingartners kleinem Lokal, nah beieinandersitzt. «Ich hatte schon Rückmeldungen, dass das den Leuten zu intim ist», sagt sie.  Dass die Schauspieler während des Programms mit dem Publikum in Kontakt treten, dürfte für manche Gäste zusätzlich beengend sein.

Darum kommt es mal vor, dass selbst der kleine Raum des «Schabernack» nur spärlich besetzt sei bei Anlässen. Das sei frustrierend. Für die Schauspieler, aber natürlich auch die Veranstalterin. Nicht zuletzt deshalb, weil der Kanton die Unterstützungsgelder für ihre Kleinbühne halbiert hatte. Aufgeben ist jedoch keine Option.

Sie liebäugelt mit einem männlichen Burlesque-Künstler

Ende März folgt die nächste Show, im Oktober eine weitere. «Es wäre schon wünschenswert, wenn wir solche Burlesque-Aufführungen häufiger zeigen könnten. Und vielleicht auch in anderen Kantonen.» Zudem liebäugelt die Veranstalterin damit, einen männlichen Burlesque-Künstler an Bord zu holen. «Das wäre gerade für die Frauen interessant.»

Auch kann sich Weingartner vorstellen, dass solche Veranstaltungen vermehrt privat oder geschäftlich gebucht würden. «Eine Firma hat mich bereits wegen eines Mitarbeiteranlasses angefragt. Sie hat dann jedoch einen Rückzieher gemacht. Es war ihnen zu heiss», sagt sie und schmunzelt.

 

Zwei Boulesque-Künstlerinnen, eine Clownfrau und ein Zauberer stehen auf der Bühne.

Zwei Boulesque-Künstlerinnen, eine Clownfrau und ein Zauberer stehen auf der Bühne.

(Bild: zVg)

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