In der Luzerner «Metzgerhalle» fiel der Auktionshammer
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Auktionator Bühler versteigerte das Interieur mit Elan und Wortwitz. (Bild: chb)

Vom Tierschädel bis zum WC-Schild In der Luzerner «Metzgerhalle» fiel der Auktionshammer

3 min Lesezeit 2 Kommentare 23.07.2020, 22:08 Uhr

In ausgelassener Stimmung wurden Küchengeräte, WC-Schilder und Mobiliar an bieterfreudige Gäste versteigert. Grund dafür war ein bevorstehender Pächterwechsel im Lokal.

Das Restaurant Metzgerhalle in Luzern kündigte auf Facebook an, grosse Teile des Interieurs vor dem anstehenden Pächterwechsel zu versteigern (zentralplus berichtete). Zentralplus ist dem Ruf gefolgt. Die ersten Hinweise für die Auktion fanden sich bereits im Gartenbereich des Lokals. Viele der Tische und Stühle waren mit Nummern beschildert.

Auf einem Tisch beim Hintereingang lagen stapelweise Bücher. Von Globi über Dan-Brown-Thriller bis zum Sachbuch über die Hitler-Attentate konnte der geneigte Lesefreund alles finden – zum Wohltätigkeitspreis. Im Raum stand eine Blechbüchse für die Kollekte: «Gib dafür, was es dir wert ist» stand drauf. Sie gehörten nicht zur offiziellen Auktion. Das galt auch für den Nebentisch. Hier waren Brettspiele, Besteck, Kerzenständer und eine Vogel-Volière ausgestellt. Vieles mutete kurios an, gar nach Ramsch. Aber eben Ramsch mit Geschichte.

Dinge von sentimentalem Wert

«Metzgi-Geschichte für Zuhause» nannte es eine Besucherin. Ein bestimmtes Objekt hatte sie jedoch nicht im Blick. Sie wollte einfach mal schauen, wie es heute so wird. Ein wenig sentimental sei sie aber schon. «Ich war hier Stammgast», sagte sie. Das Lokal schliesst Ende Monat seine Pforten, bevor es am 14. August mit neuen Pächtern wieder eröffnet wird.

Von sentimentalem Wert war gemäss Gantmeister und Chefauktionator Bühler auch vieles von dem, was er unter die Leute bringen wollte. Stilecht in weissem Smoking und roter Fliege führte er die Verhandlungen im Schankraum des Lokals. Die Tische waren an die Wand gerückt worden. Stühle gab es keine mehr. Immerhin für Verpflegung war noch gesorgt. Beim Auktionspult waren einige der Kuriositäten und Raritäten aufgebahrt, die sich über die Jahre angesammelt hatten: Plattenspieler, Tierschädel, Bandposter und verschiedenste Schilder.

WC-Schild für 33 Franken gefällig?

Den Anfang der Auktion machte eine kleine Wollfigur, das «Metzgimonster». Als echt gehäkelte Handwerkskunst wurde es vom Gantmeister schelmisch angepriesen. Für acht Franken wechselte es schliesslich den Besitzer. Andere Dinge brachten mehr ein. Ein WC-Schild ging für 33 Franken an den Höchstbietenden, die Eismaschine für 35.15 Franken. Auktionator Bühler trieb die Preise mit viel Wortwitz und Elan in die Höhe. Das Publikum machte mit, lachte und applaudierte.

Bis 23.30 Uhr wird noch geboten, gekauft und getrunken. Wir gingen vorher, bevor man uns noch einen Gämsschädel aufschwatzen konnte – was beim hochmotivierten Auktionator Bühler durchaus möglich gewesen wäre.

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2 Kommentare
  1. Ursi, 24.07.2020, 16:54 Uhr

    Etwas sentimental könnte man schon werden. Gut geschrieben…

  2. Müller, 24.07.2020, 07:50 Uhr

    ein Stück Heimat geht verloren, schon wieder ,schade um das schöne einst Hochgelobte Luzern, in der Altstadt gab es eine Bar Nachmittags schon offen, man Trank, Sang, Es war immer Lustig ein Treffpunkt, man bestellte gleich ein Harässli Bier, war übrig tat es der Chef auf die Seite mit Namen, geklaut wurde nix, hatte man mal zu wenig Geld ,Zahlte man nächstes mal,

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