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In der Höhle der Löwen
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Die SVP-Magistraten zu Besuch in Luzern: Der Zürcher Nationalratskandidat und Weltwoche-Chef Roger Köppel, alt Bundesrat Christoph Blocher und Nationalrat Christoph Mörgeli.

Köppel, Blocher und Mörgeli in Luzern In der Höhle der Löwen

4 min Lesezeit 3 Kommentare 08.10.2015, 00:15 Uhr

«Stopp dem Asylchaos», hiess die Wahlveranstaltung der SVP am Mittwochabend in Emmenbrücke. Die Partei-Schlachtrösser Blocher, Mörgeli und Köppel redeten um die Wette. Wir waren live dabei. Was sie sagten, war für den Autor aber nicht ganz nachvollziehbar.

Die Meinungen sind gemacht. Zumindest hier drin im vollen Gersagsaal in Emmenbrücke. Es ist Mittwochabend und die SVP Schweiz lädt zur Wahlveranstaltung ein. Alle warten gespannt auf die Stars des Abends.

Das Thema lautet: «Stopp dem Asylchaos». Politischer Zündstoff ist somit vorprogrammiert. Doch um diesen geht es hier nur am Rande. 

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«Auch Schweizer mussten in der Vergangenheit auswandern. Nach Nordamerika und auch in andere Orte der Welt.»

Christoph Mörgeli, SVP-Nationalrat

Interessant sind die Auftritte der Magistraten. Es sprechen die drei grossen Schlachtrösser der Schweizer SVP. Blocher, Mörgeli und Köppel – wow! Eine geballte Ladung Wahlkampfpower stellt sich heute auf die Bühne. Die Erwartungen sind gross.

Inhaltlich ist der Schreibende aber gar nicht auf gleicher Linie. Das muss man hier fairerweise sagen. «Ich bin nur aus Interesse hier», sagen viele Besucher. Dieses Motto wird übernommen. Hier folgt sozusagen das Best-of des Abends.

Mörgeli macht «Namedropping»

Zuerst aber noch eine Vorwarnung: Was die Politiker sagen, sei mal so dahingestellt und ist mit Vorsicht zu geniessen. Thematisch wurde es dem Autor vielfach zu verwirrend, weil irgendwie unlogisch, aus seiner Sicht. Oder es ging zu schnell, kann auch sein. Entschuldigung.

Der Historiker und Zürcher Nationalrat Christoph Mörgeli beginnt mit – was sonst – Historischem. Bravo und frenetischer Applaus, schon bevor er die Bühne betreten hat. Dem Verlauf seines Vortrags kann der Autor, wie vorgewarnt, zwar nicht ganz folgen, inhaltlich geht es aber um die Bibel, dann um den Bundesbrief und um verschiedene Luzerner Persönlichkeiten aus der früheren Geschichte. Bemerkenswert ist seine ganz eigene Art des «Namedroppings» (Wikipedia: Durch die ständige Nennung prominenter Namen den Anschein zu geben, die genannten Personen wirklich zu kennen).

So weit, so gut. Was das mit Asyl zu tun hat? Keine Ahnung. Schlüssig war das nicht. Inhaltlich geht Mörgelis Rede in etwa in diese Richtung: «Auch Schweizer mussten in der Vergangenheit auswandern. Nach Nordamerika und auch in andere Orte der Welt.» Der Unterschied zu den heutigen Flüchtlingen sei aber gross. «Schweizer trafen keine ausgebauten Sozialwerke an», sagt er. Das heisst rudimentär übersetzt: Fast alles Sozialschmarotzer, diese Flüchtlinge. Und wir Schweizer waren früher besser. Zudem seien die Linken häufig Schuld an heutigen «Missständen». So viel wurde notiert.

Zum Glück hat der Autor mitgefilmt. Sehen Sie hier, wie Christoph Mörgeli den Luzerner Asyl-Filz entdeckt:

Blocher: Verdächtig witzig

Nun zum zweiten Redner. Ja, wenn’s doch nur so einfach wär… . Alt Bundesrat Christoph Blocher ist ein ebenfalls brillanter Rhetoriker. Eine gewisse Bewunderung für seine Redekunst ist durchaus angebracht. Aber wie kann man ein so ernstes Thema Asyl derart spassig finden? Blocher erklärt der Menge als Erstes leicht und süffisant, was denn ein «echter» Flüchtling sei: «Die Begriffe werden heute durchmischt, meine Damen und Herren. Wir sollen nur die nehmen, die an Leib und Leben bedroht sind. Alle anderen sind von mir aus Asylsuchende oder eben illegale Einwanderer.»

Das Publikum ist erstaunlich amüsiert, gefesselt, lauscht gespannt und lacht an den dafür vorgesehenen Stellen. Und trotz längerer Rede, der kurze Sinn: «Man soll alle ‹nicht echten Flüchtlinge› aus dem Land weisen.» Aha. Den Rest kennen wir ja.

Passend dazu hier Blochers Müsterli aus seiner Rede über den Status von Eritreern. (Wie gut er sich aber wirklich mit dem Thema auskennt, sei dahingestellt. Man erinnert sich vielleicht an eine Schlagzeile vom vergangenen Juli. Blocher wollte in Eritrea Ferien machen und einen Augenschein nehmen, wurde aber gemäss «20min.ch» nicht ins Land gelassen.)

Roger Köppel: Dito zum Dritten

Roger Köppel, Leiter und Chefredaktor der Weltwoche sowie Nationalratskandidat (SVP Zürich), ist als Letzter an der Reihe. Auch er ist ein nicht minder begabter Mann des Wortes und spricht ungefähr vom Gleichen wie seine Vorredner. Nur hat er eben eine Brille an und gilt als intellektuell.

Sprüche wie «Jeder Asylbewerber, der es bis hierhin geschafft hat, macht Werbung in seinem Heimatland», «Die Migration ist hausgemacht, weil wir das Signal aussenden, es können alle kommen» und «Wir setzen unsere Asylgesetze nicht um» werden scharf platziert und gehen gut getimt über Köppels Lippen. Kurzum: Die illegalen Migranten müssen zurück. Das Publikum nickt. Der Autor staunt.

Das Fazit? Lösungen werden an diesem Abend keine präsentiert. Das war zu erwarten. Alle Ängste, alle Sorgen rund um das Thema Asyl wurden hingegen sehr gut bedient. «Es hat keinen Platz, es sind zu viele.» Fest steht: Es ist Wahlkampf und die SVP bewirtschaftet das Thema fleissig. Und es wird sich allen Prognosen nach auszahlen. Dem Vernehmen nach haben die gut 800 SVP-Fans im Saal ihre Wahlzettel schon eingeworfen. Die Partei mit dem Sünneli wird mit grosser Sicherheit zu den Wahlsiegern gehören. 

Hier zum Dessert: Roger Köppel spricht über Schlafstörungen.

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3 Kommentare
  1. Mark Imhof, 08.10.2015, 19:29 Uhr

    Herr Brunner hat bei einer Parteiveranstaltung vergeblich darauf gewartet, dass nützliche Lösungen präsentiert werden. Keine Überraschung! Den Nationalkonservativen gelingt es seit jeher, sich geschickt als Retter zu verkaufen. Tatsächlich sind sie jedoch selten konstruktiv und Ihre Stossrichtung dient mehr einem propagandistischen Selbstzweck, als einer zielorientierten Lösung. Inzwischen haben mehrere namhafte Wirtschaftsmagazine und -Verbände aufgezeigt: Die alten konservativen Parteien stimmen im Parlament weit weniger wirtschaftsfreundlich ab, als sie von sich selbst behaupten. Sie vertreten häufig Einzelinteressen und haben selten die gesamte Wirtschaft und das Gemeinwohl im Blick. Stattdessen war das Stimmverhalten der Grünliberalen und besonders des Luzerner Nationalrats Roland Fischer am wirtschaftsfreundlichsten.

    Die Wahl vom 18. Oktober wird für den Kanton Luzern damit zur Richtungswahl. Die Umfragen und die Konstellation der Listenverbindungen lässt die Vorhersage zu: Es wird keine erdrutschartigen Verschiebungen geben und fast alles bleibt beim Alten. Der einzige Luzerner Nationalratssitz, der wirklich auf dem Spiel steht, ist der Sitz des Grünliberalen Roland Fischer. Verliert die glp diesen Sitz, geht er mit grösster Wahrscheinlichkeit an die SVP. Gibt es aber eine FDP-SVP-Mehrheit im Parlament, so sind Umweltschutz und Atomausstieg ernsthaft in Gefahr. Gerade die FDP versucht vermehrt bei ökologischen Themen Fuss zu fassen, macht aber regelmässig einen Rückzieher, sobald es um konkrete Massnahmen geht. Bei der SVP haben Umwelt- und Klimaschutz seit je her keine Priorität. Am 18. Oktober kommt es zu einer Richtungswahl. Nur mit einer Stimme für die Grünliberalen und Roland Fischer sorgen wir dafür, dass die Richtung zu Gunsten der Wirtschaft und der Umwelt weiter stimmt.

    Mark Imhof
    Architekt, Luzern

  2. René Schmid-Bill, 08.10.2015, 17:21 Uhr

    Es stimmt leider, dass die SVP nie an den Lösungen beteiligt ist. Dies geht sogar soweit gegen ihren einzigen Bundesrat die Armee “abzuschiessen”. Dies ist neben der AHV Revision und weiteren “Fällen” in der letzten Legislatur kein Einzelfall. Es geht immer um Angstmache, sogenanntes “aufzeigen der Probleme” und um eine Politshow! Damit haben wir aber noch kein einziges Problem wirklich gelöst und die Schweiz kommt so nicht vorwärts. Nur immer NEIN sagen kann keine Lösung sein. Sie haben wirklich kein Interesse daran Lösungen zu bieten sind immer nur auf der NEIN und Populismus Schiene.
    Für mich nie wählbar! Aber leider wird es – hoffentlich trotzdem nicht – anders kommen am 16. Oktober.
    Schade. Irgendwann wird der Bevölkerung schon aufgehen, dass dies nicht in die Zukunft führen kann, wenigstens nicht in eine gute. Da hätte dann der “Brandstifter” ja auch schon wieder recht bekommen…..

  3. Jan Fischer, 08.10.2015, 10:50 Uhr

    In keinem der Videso werden irgendwelche Lösungsansätze seitens der SVP betreffend des selbstbeschwornen “Asylchaos” präsentiert. Den Leuten wird Angst gemacht und die Schuld den anderen Parteien in die Schuhe geschoben. Erbärmlich, aber nicht verwundellich, dass eine solche Partei den höchsten Wähleranteil erzielen wird.