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In den Köpfen ist das Ägeribad schon gebaut
  • Politik
Der Traum vom Ägeribad: Ein Stück Weltformat im Ägerital. (Bild: zvg )

Ägeribad ohne Gegner In den Köpfen ist das Ägeribad schon gebaut

5 min Lesezeit 15.05.2014, 18:00 Uhr

Eine Gemeinde träumt den Traum: Ein Stück Weltformat in Oberägeri, man muss es nur noch bauen. Ob man sich das Ägeribad leisten kann? Kein Thema. «Wir dürfen keinen Hochmut haben, und keinen Übermut», sagt Gemeindepräsident Pius Meier, «aber ein wenig Mut, das dürfen wir uns gönnen.»

Voll ist der Saal und still, kein Gemurmel, kein Geschimpfe, kein empörtes Raunen: Es ist keine normale Informationsveranstaltung, die sich da in der Hofmatt abspielt. Oberägeri hat sich versammelt, um über seinen Traum nachzudenken. Der Traum vom Ägeribad, gross und leuchtend, mitten in der Natur, ein Stück Weltformat in der Berggemeinde. Im geheizten Aussenbecken liegen und über den See schauen. Die Idee braucht eigentlich keine Nachhilfe, sie ist im Ägerital ansteckend.

Trotzdem hat der Gemeinderat zur Debatte eingeladen. Es ist der zweite Informationsabend zum Ägeribad, der erste hat in Unterägeri stattgefunden: Die beiden Gemeinden wollen das Projekt gemeinsam stemmen. 36,3 Millionen Franken wollen sie für den Bau zusammenlegen, 21 Millionen Franken aus Ober- und 15 Millionen Franken aus Unterägeri.

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Teuer, ja, und schwierig: Gleich zwei Gemeinden müssen am 22. Juni dem Bad zustimmen, damit es gebaut werden kann. Wenn man aber die Besucher betrachtet, die sich hier versammelt haben, dann ist da kein Gärtchendenken, keine Polemik, kein Ober- gegen Unterägeri, keine der üblichen parteipolitischen Abgrenzungen, keine Angst vor dem finanziellen Aufwand. Im Saal herrscht Euphorie.

«Dass du Ja stimmst, finde ich fantastisch»

Und die Euphorie tarnt sich nur schlecht durch die vorsichtigen Budget-Fragen, wird nur gebremst durch die Befürchtung, es werde zu wenige Parkplätze geben. Oberägeri ist so aufgeregt wie vor dem ersten Autokauf. Und per Zufall lässt sich da ein wunderbarer Sportwagen erstehen, einer auf den man jetzt schon stolz ist. Können wir uns so etwas tatsächlich leisten? Können wir das tatsächlich bauen? «Wenn man sich über die Kosten im Vornherein klar gewesen wäre, hätte die Schweiz keinen einzigen Tunnel gebaut», sagt der Oberägerer Bernhard Nussbaumer und erntet Applaus, er trifft die Stimmung genau: «Ich stimme dem Bad zu, obwohl ich weiss, dass es teurer wird, als die Gemeinde jetzt sagt.» Worauf der Gemeindepräsident erwidert: «Dass du Ja stimmst, das finde ich fantastisch.» Sagt er und ergänzt: «Wir dürfen keinen Hochmut haben, und keinen Übermut. Aber ein wenig Mut, das dürfen wir uns gönnen.»

«Das sind sportliche Zahlen»

Dabei ist man sich über die Kosten sogar sehr klar: 36,3 Millionen Franken kostet der Bau, er zieht jährliche Kapitalfolgekosten von 1’583’500 Franken nach sich, inklusive Erneuerungsfonds und Kapitalzinsen. Dazu kommt ein geplantes Betriebsdefizit von 39’500 Franken und der Baurechtszins von 122’000 Franken. Zusammen müssen die beiden Gemeinden also mit jährlichen Ausgaben von 1’745’000 Franken rechnen, 60 Prozent dieser Summe übernimmt Oberägeri, 40 Prozent finanziert Unterägeri.

Damit sich das lohnt, müssen Besucher angelockt werden: Mit 130’000 zahlenden Gästen im Jahr rechnet das Komitee. Das ist knapp ein Drittel der Besucherzahl im Baarer Lättich (370’000) und etwas weniger als im Röhrliberg in Cham (190’000). «Das sind sportliche Zahlen», sagt Gemeindepräsident Pius Meier, «das sind wir uns bewusst. Aber mit einem guten Geschäftsführer können wir das erreichen.» Das Betriebsdefizit, über das im Moment nur spekuliert werden kann, mache in der Gesamtrechnung nur gerade zwei Prozent der Kosten aus, sagt Meier. Was zu stemmen ist, sind vielmehr die Kapitalfolgekosten und die Äufnung eines Erneuerungsfonds ab dem fünften Betriebsjahr. Und über diese Zahlen ist man sich unter Experten einig, so Meier: «Wir haben das von unabhängigen Stellen prüfen lassen, sie kommen alle zu diesem Ergebnis.»

Bahnenbelegungsplan gefordert

Das Ägeribad sieht gut aus auf den Bildern, es hat aber auch einen guten Anwalt: Thomas Spengler ist der Direktor des Hallenbads KSS Schaffhausen, er begleitet das Projekt Ägeribad als Berater. Und er ist offensichtlich begeistert: «Die Lebensqualität im Ägerital ist jetzt schon sehr hoch, aber dieses Bad wird das Ägerital noch massiv aufwerten», sagt er und macht den gedanklichen Rundgang durchs Bad: Erzählt vom Multifunktionsbecken, dessen Boden sich heben und senken lässt, je nachdem, ob gerade Kindergärtner oder Senioren darin unterwegs sind. Von der Rutschbahn mit Ampelsystem. Vom geheizten Aussenbereich. Von der Sauna mit Aussicht auf den See. Vom Sicherheitssystem mit Notschaltern, die den Bademeister zum richtigen Ort rennen lassen. Von den acht Bahnen, auf denen Kurse stattfinden können, und auf denen es trotzdem noch Platz hat für die Bevölkerung.

«Es wäre vermessen, jetzt schon einen Bahnenbelegungsplan zu machen», sagt Spengler. «Aber glauben Sie mir, in meinem Bad in Schaffhausen haben wir das mit sechs Bahnen und einem erfolgreichen Schwimmclub auch geschafft. Das wird in Oberägeri mit acht Bahnen noch besser funktionieren.»

Wie ist das mit den Parkplätzen?

Ein bisschen zu begeistert wird’s den Oberägerern dann doch: «Sie sind ein guter Verkäufer», sagt ein Besucher, «aber wie ist das jetzt mit den Parkplätzen?» Denn da bleibt ein grosser Vorbehalt: 60 Parkfelder sind geplant, vielleicht werden es mehr, wenn sich die ZVB in ein gemeinsames Bauprojekt einspannen lässt. «Wenn es bis jetzt mit dem Freibad geklappt hat, dann wird es auch mit dem Hallenbad klappen», sagt Spengler, und löst die erste Empörung aus an diesem Abend: Er solle doch mal an einem Samstag ins Freibad kommen, dann würde er schon sehen. «Wir müssen auf jeden Fall das Parkplatzreglement neu ausarbeiten», beschwichtigt Meier, «wir haben einfach nicht mehr Fläche zur Verfügung. Aber die ZVB hat angeboten, dass wir eine Verbindung von Bus-Ticket und Eintrittsbillet anbieten könnten.»

Wo sind bloss die Gegner?

Die Fragen sind hartnäckig, aber es sind Fragen nach dem Betrieb und der Ausgestaltung. Im Kopf ist das Bad schon gekauft und gebaut. Kein Wunder stösst der Chef des Pro-Komitees auf offene Ohren, wenn er seine Veranstaltung ankündigt: «Am Samstag kann man Herrn Spengler noch Mal Fragen stellen, wenn man sich hier in der grossen Runde nicht getraut hat. Und es gibt gratis Bratwürste.» Ob es im Dorf überhaupt Gegner des Bades gibt? «Nur vereinzelte», sagt Gemeindepräsident Meier nach der Veranstaltung zwischen zwei Händedrücken. Ein Gegenkommitee allerdings gibt es nicht: «Es wäre mir nicht bekannt, dass sich die Gegner irgendwie organisiert haben. Man spürt in der Bevölkerung eine grosse Zustimmung, das hat man ja auch heute Abend gesehen.»

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