In Cham soll bald wieder ein Riese in den Himmel wachsen
  • Regionales Leben
  • Architektur
  • Umwelt
Ein Mammutbaum in voller Grösse. Der neu in Cham angepflanzte Baum wird vorerst nur 5,5 Meter hoch sein. (Bild: jwy)

Neuer Mammutbaum im Nestlé-Garten In Cham soll bald wieder ein Riese in den Himmel wachsen

4 min Lesezeit 08.08.2017, 18:18 Uhr

Nachdem der rund 130-jährige Mammutbaum wegen schweren Pilzbefalls gefällt werden musste, ist den Chamern ihr höchster Weihnachtsbaum abhanden gekommen. Nun können sie sich auf seinen Nachfolger freuen – der aber erstmal wie ein Bonsai anmutet.

Ein Baugesuch liegt derzeit bei der Gemeinde Cham auf. Die Nestlé AG will den rund 38 Meter hohen Mammutbaum, der Anfang dieses Jahres wegen Hallimaschbefalls an den Wurzeln aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste, nun ersetzen (zentralplus berichtete). Ebenso den früheren Thuja-Baum, der auch der Motorsäge zum Opfer fiel. Ausserdem soll der kleine Park um das Gebäude des Nestlé-Aktienregisters neu gestaltet werden. 

Weihnachtsbaum – mit Schattenseiten

«Die Idee ist nun, einen Ersatz-Mammutbaum zu pflanzen, der dann in Zukunft wieder als beleuchteter Christbaum genutzt werden kann», sagt Stephan Wirz, Leiter des Nestlé-Aktienregisters, das seinen Sitz an der Zugerstrasse 8 in Cham hat.

Wobei das mit dem Christbaum wohl noch einige Jahre warten muss. Denn der Mammutbaum ist vorerst ein «Winzling». Nur 5,5 Meter wird der Baum hoch sein, der im Prinzip bis in schwindelnde Höhen von 80 Meter wachsen kann. Also, so hoch wie der Park-Tower in Zug. Unglaublich!

Dass das Baugesuch positiv beschieden wird – davon ist auszugehen. Denn Nestlé stand in den letzten Wochen und Monaten mit der Gemeinde Cham in engem Konktakt, um das Parkprojekt abzustimmen. Und direkte Nachbarn gibt es auch kaum welche, die sich über den neuen Mammut ärgern könnten.

«Wir werden auf jeden Fall darauf achten, dass der Grenzabstand nicht verletzt wird.»

Stephan Wirz, Leiter des Aktienregisters von Nestlé, Cham

Doch Wirz ist vorsichtig. «Ich habe schon Stimmen aus der Nachbarschaft gehört, die sagen, dass es auch so schön sei – ohne Schatten und mit freier Sicht. Wir werden auf jeden Fall darauf achten, dass der Grenzabstand nicht verletzt wird.»

So soll ein neuer Pilzbefall verhindert werden

Doch zurück zum Mammut-Winzling. Dieser soll mit einer derart geringen Höhe angepflanzt werden, weil zum einen nicht beabsichtigt ist, in einer Grossaktion einen ausgewachsenen Riesen per Helikopter einfliegen zu lassen. «Und wenn wir einen kleineren Baum aus einer Baumschule ausgraben, ist das Risiko kleiner, dass dabei die Wurzeln verletzt werden, die dann in unserem Park wieder vom Hallimasch befallen werden können», erklärt Wirz.

So soll der neue Park beim Nestlé-Gebäude in Cham aussehen.

So soll der neue Park beim Nestlé-Gebäude in Cham aussehen.

(Bild: zvg)

Der gefällte Mammutbaum an der Zugerstrasse in Cham dürfte etwa im Jahr 1888 auf Wunsch der Gebrüder Page gepflanzt worden sein. Die aus Illinois USA stammenden Brüder George H. und Charles A. Page hatten 1866 gemeinsam mit weiteren amerikanischen Geschäftsleuten die «Anglo-Swiss Condensed Milk Company» gegründet. Das neue Unternehmen wandte als erstes auf dem europäischen Festland ein in den USA entwickeltes Verfahren zur Haltbarmachung von Milch an und produzierte in Cham ab 1867 Kondensmilch, ab 1877 auch Milchpulver. 

Mammut bleibt nicht alleine

1905 fusionierte die «Milchsüüdi» mit der Firma Nestlé, und 1932 wurde die Kondensmilchproduktion in Cham aufgegeben. 1876 liessen die Gebrüder Page inmitten des Fabrikgeländes, das sich zwischen Lorze, Eisenbahnlinie und dem heutigen Einkaufszentrum Neudorf erstreckte, ein neues Verwaltungsgebäude erstellen und den entsprechenden Vorgarten mit dem Mammutbaum bepflanzen. Der dreigeschossige Bau aus Sichtbackstein an der Zugerstrasse 8 ist heute der Sitz des Aktienbüros der Firma Nestlé. Die Produktionsstätte von Nestlé hat ihren Sitz in Vevey.

Ziemlich verwahrlost sieht derzeit der Garten der Nestlé-Villa in Cham aus. Die Statue des Gründers der Anglo-Suisse Condensed Milk Company, George H. Page, steht verwaist im Kraut. Direkt hinter der Statue wird der neue Mammutbaum angepflanzt.

Ziemlich verwahrlost sieht derzeit der Garten der Nestlé-Villa in Cham aus. Die Statue des Gründers der Anglo-Suisse Condensed Milk Company, George H. Page, steht verwaist im Kraut. Direkt hinter der Statue wird der neue Mammutbaum angepflanzt.

(Bild: woz)

Doch zurück zur Natur. Zusätzlich zum neuen Mammutbaum, der auch aus der Schweiz kommen soll, um keinen Klimaschock zu erleiden, ist geplant, zwei gelbe Rosskastanien anzupflanzen. Zudem wird der Park um das Nestlé-Gebäude vom Chamer Landschaftsarchitekten Benedikt Stähli neu gestaltet. «Die Kieswege werden unter anderem frisch gemacht», sagt Wirz. Wobei die Statue von George H. Page dann wieder wie früher direkt neben dem Mammutbaum zu stehen kommen wird.

Für die Öffentlichkeit nicht zugänglich

Einziger Wermutstropfen: Der neue Park wird für die Öffentlichkeit nicht als kleine, innerstädtische grüne Lunge zugänglich sein. «Nein, der Park ist nicht öffentlich – dafür müssten wir extra eine Aufsichtsperson einstellen», schildert Wirz das Dilemma. Denn ohne Aufsicht würde sich schnell Unrat in dem Park ansammeln.

Wenn alles klappt, will Nestlé schon im Herbst mit den Parkarbeiten beginnen. Das Ganze ist auch eine finanzielle Frage. Denn allein für die Fällaktion musste Nestlé rund 50’000 Franken berappen. «Der neue Park und die Anpflanzung des neuen Mammutbaums wird sicher auch einge 10’000 Franken kosten», so der Leiter des Aktienregisters.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.