Impfpflicht: Spitex Luzern und Zug winken ab
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Abstandsregeln? Bei der Spitex kaum möglich. Darum braucht es andere Schutzmassnahmen. (Bild: zvg)

Würde Personalmangel weiter verschärfen Impfpflicht: Spitex Luzern und Zug winken ab

4 min Lesezeit 02.10.2021, 07:30 Uhr

Die Genfer Spitex stellt seit 1. Oktober nur noch Personal ein, das bereits vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist. In Luzern und Zug will man von einer solchen Impfpflicht nichts wissen – auch wenn Klienten und deren Angehörige teilweise Druck machen.

Den Zahlen nach ist der Kanton Genf beim Impfen typisch schweizerisch. So entspricht die aktuelle Impfquote im Westschweizer Kanton ziemlich genau dem nationalen Durchschnitt. Anders als in den meisten Kantonen präsentiert sich die Situation in Genf hingegen hinsichtlich der Impfpflicht in öffentlichen Unternehmen. So stellt das Universitätsspital Genf seit 1. September nur noch vollständig geimpftes Personal ein. Und seit dem 1. Oktober gilt diese Voraussetzung für Neuanstellungen auch bei der Genfer Spitex. Damit wollen die beiden Institutionen die Sicherheit von Patienten, Besucherinnen und Mitarbeitenden gewährleisten sowie die Pflege erleichtern.

Machen diese Beispiele aus dem Genfer Gesundheitswesen bald in der gesamten Schweiz Schule? Davon ist zumindest in Luzern und Zug nicht auszugehen. Sowohl die Spitex Stadt Luzern als auch die Spitex Kanton Zug dementieren mögliche Pläne für eine Impfpflicht.

So sagt etwa Tamara Renner von der Spitex Stadt Luzern auf Anfrage von zentralplus: «Wir haben keine Impfpflicht und es ist auch keine vorgesehen. Auch werden wir keine Zertifikatspflicht einführen.»

«Ich kann das Vorgehen in Genf nicht nachvollziehen. Wir müssen achtsam und respektvoll mit unserem Pflegepersonal umgehen, anstatt Spaltungen herbeizuführen.»

Tamara Renner, Geschäftsleiterin Spitex Stadt Luzern

Dafür gibt es zwei Hauptgründe: Einerseits würde eine Impfpflicht den Personalmangel im Gesundheitswesen weiter verschärfen (zentralplus berichtete). Carina Brüngger von der kantonalen Spitex Zug sagt dazu: «Eine Impfung als Teil des Qualifikationsprofils kann bei dem akuten Fachkräftemangel kein Kriterium sein.» Und auch Tamara Renner bestätigt: «Ich kann das Vorgehen in Genf nicht nachvollziehen. Wir müssen achtsam und respektvoll mit unserem Pflegepersonal umgehen, anstatt Spaltungen herbeizuführen.»

Zertifikat bringt trügerische Sicherheit

Zweitens, und dies betont vor allem Tamara Renner von der Spitex Luzern, würde eine Impf- oder Zertifikatspflicht eine trügerische Sicherheit vorgaukeln. Denn innerhalb des geimpften Personals ist es bereits zu Impfdurchbrüchen gekommen: «Vom Personal, das bei uns positiv auf Corona getestet wurde, sind auch einige geimpft. Die Zertifikatspflicht ist darum heikel, weil sie eine falsche Sicherheit ausstrahlt.»

Tamara Renner (links), Geschäftsführerin Spitex Stadt Luzern, und Carina Brüngger, Geschäftsführerin Spitex Kanton Zug.

Wichtig sei darum vielmehr die Sensibilisierung des Personals. So kontrolliert die Spitex Luzern jeweils den Impfausweis von Neuangestellten und berät sie in einem folgenden Gespräch über die Vor- und Nachteile möglicher Impfungen. Die Impfung gegen Covid-19 ist ebenfalls Teil dieses Gesprächs.

Gleichzeitig setzt man bei der Spitex Stadt Luzern auf die bewährten Schutzmassnahmen. Sowieso sei das Pflegepersonal – von Berufs wegen – sehr gut auf die notwendigen Hygienemassnahmen sensibilisiert, wie Renner erklärt. «Das Pflegepersonal will ganz bestimmt keine Übertragung des Virus verschulden. Darum bin ich sicher, dass unsere Mitarbeitenden sorgfältig mit dem Thema umgehen – unabhängig davon, ob sie geimpft sind oder nicht.»

Druck aus Umfeld und Politik

Allerdings stösst der Verzicht auf eine Impfpflicht auch auf Kritik. So erhalten die Spitex sowohl in Luzern als auch in Zug vereinzelte Forderungen vonseiten der Klientinnen und deren Angehörigen, dass das Pflegepersonal geimpft sein sollte. Darauf eingehen kann und will man bei der Spitex Luzern aber nicht. Stattdessen versuche man im Dialog Lösungen zu finden. «Oft ist Angst der Auslöser dieser Forderungen. Wir erhöhen dann beispielsweise die Schutzmassnahmen, wie durch das Tragen von FFP2-Masken.»

«Die Impfquote der Spitex Kanton Zug ist deutlich über dem Schweizer Durchschnitt.»

Carina Brüngger, Geschäftsführerin Spitex Kanton Zug

Der Druck auf das Pflegepersonal der Spitex kommt übrigens nicht von irgendwo, sondern von ganz oben. So hatte Bundesrat Alain Berset im Juli in einem Interview mit der «NZZ» gesagt, dass ihm die tiefe Impfquote bei der Spitex und den Alters- und Pflegeheimen Sorgen bereite. «Es scheint, dass sich ein beträchtlicher Teil des Personals der Heime oder auch der Spitex nicht impfen lassen will», so der Gesundheitsminister. «Das gefährdet ältere Menschen, sogar diejenigen, die geimpft sind, weil der Impfschutz nie hundertprozentig wirkt. Das darf nicht sein.»

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Ob Bersets Vorwurf der tiefen Impfquote beim Pflegepersonals zutrifft, ist schwierig zu beantworten. Darauf angesprochen, sagt die Zugerin Carina Brüngger: «Die Impfquote der Spitex Kanton Zug ist deutlich über dem Schweizer Durchschnitt.». Dies zeige eine anonymisierte Umfrage.

In Luzern hingegen liegt die Quote gemäss Tamara Renner zwischen 50 und 60 Prozent und somit unter dem Schweizer Durchschnitt. Allerdings gibt es eine Dunkelziffer, da die Spitex Luzern die Mitarbeiterinnen nicht aktiv nach ihrem Impfstatus befragt und somit nicht umfassend Bescheid weiss.

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