Im Zuger Tierheim war während Corona mächtig was los
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Tierpflegerin Angela Roth im Zuger Tierheim Allewinden. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

Junge Büsi und neue Hundebesitzer Im Zuger Tierheim war während Corona mächtig was los

4 min Lesezeit 07.06.2020, 17:00 Uhr

Auch an den Tierheimen in Zug geht die Corona-Krise nicht spurlos vorbei – praktisch alle Ferienplatzreservationen für Ostern wurden abgesagt. Doch das Team hatte mit jungen Büsi alle Hände voll zu tun. Für den Sommer ist das Team zuversichtlich.

Die Corona-Krise war für das Tierheim Allenwinden in Zug eine ereignisreiche Zeit: 28 junge Büsi wurden geboren und warten auf ihr neues Zuhause, bald kommen sechs bis acht kleine Katzen dazu. «Das sind ungewöhnlich viele. Im ganzen letzten Jahr hatten wir total neun trächtige Katzen mit ihren Jungen hier, gleich viele wie bis jetzt in diesem Jahr», erklärt Angela Roth, Tierpflegerin des Tierheims. Wieso es mehr gab dieses Jahr, ist ihr ein Rätsel.

Das Tierheim des Tierschutzvereins liegt schön im Grünen in der Riedmatt bei Allenwinden, die dazugehörige Hundestation befindet sich in Neuheim. «Dort haben wir etwa 50 Plätze, die aber normalerweise vor allem von Ferientieren besetzt werden.» Im Kanton Zug gebe es sowieso nur wenige Verzichts- oder Findelhunde.  «In den letzten Wochen seit dem 18. Mai hatten wir zum Beispiel nur vier Welpen, die wir vermittelten», sagt Angela Roth.

Während des Lockdown endlich Zeit für einen Hund

Doch gerade während der Corona-Zeit hat die Hundestation viele Anfragen bekommen. «Es gab im Prinzip zwei Gruppen Interessenten: Die einen haben im Lockdown plötzlich viel Zeit gehabt und gedacht, es wäre jetzt grad schön, sich einen Hund zuzulegen.»

Die anderen hätten sich schon lange mit dem Thema beschäftigt «und haben bemerkt, dass während des Lockdown eine gute Zeit ist für die Eingewöhnungsphase mit dem Hund», erläutert die Tierpflegerin. Die erste Gruppe hätte aber dann oft später festgestellt, dass man im Homeoffice nicht unbedingt Zeit für ein Tier habe.

«Es kommt aber auch vor, dass wir den Interessenten eine Absage machen müssen, weil wir der Meinung sind, dass sie dem Tier nicht gerecht werden können.»

Das Tierheimteam führt mit Interessenten intensive Gespräche, rollt die Geschichte des Tieres auf und macht auf die Ansprüche des einzelnen Tieres aufmerksam: «Eine Katze, die immer Auslauf hatte, braucht etwa auch wieder Auslauf. Wohnungskatzen geben wir nur zu zweit ab. Ein scheues Tier zu einer Familie mit Kindern macht vielleicht keinen Sinn», beschreibt Angela Roth.

Ein Teil der Interessenten würde sich dann selber zurückziehen, weil sie merken, dass der Charakter des erwünschten Tieres nicht zu ihnen passt. «Es kommt aber auch vor, dass wir den Interessenten eine Absage machen müssen, weil wir der Meinung sind, dass sie dem Tier nicht gerecht werden können. Die meisten verstehen das dann auch», sagt die Tierpflegerin.

Die Büsi sind sehr beliebt

Die vier Welpen, die in den letzten Wochen vermittelt wurden, sahen sich also einem Vielfachen an Aufnahmewilligen gegenüber. Auch die vielen jungen Katzen hätten gefühlt schon zwei, drei Mal platziert werden können, wie Angela Roth lachend verrät. «Aber man kann erst ab 12. Juni telefonische Reservationen machen und sie am 24. Juni auswählen kommen», schmunzelt sie.

Die vielen jungen Büsi stammen aus dem Kastrationsprogramm: Bauern können dem Tierheim ihre Katzen bringen, die dann für einen kleinen Beitrag kastriert werden. «Wir tasten die Tiere vorher ab und wenn sie trächtig sind, bleiben sie bei uns, bis die kleinen Büsi etwa zehn Wochen alt sind. Erst dann werden die Mütter kastriert und dürfen dann wieder nach Hause auf den Hof», sagt Angela Roth.

Das Kastrieren sei wichtig: Eine unkastrierte Katze kann innerhalb zehn Jahren mit ihrem Nachwuchs zusammen für eine Million Katzen sorgen. «Eine Katze kann zweimal im Jahr 4 bis 5 Junge bekommen. Und mit 6 Monaten sind sie schon geschlechtsreif», betont sie.

Jedes fünfte gefundene Tier geht zum Besitzer zurück

Im Tierheim sind neben den Katzen aber auch Vögel und Nager daheim. «Etwa ein Drittel der Tiere bei uns sind Ferientiere, zwei Drittel sind Verzichts- und Findeltiere. Im Sommerhalbjahr haben wir mehr Tiere als im Winter. Wahrscheinlich weil mehr Menschen dann draussen sind und streunende Tiere auffallen», vermutet Angela Roth. Hierzu gehören auch entlaufene Tiere oder Tiere, die als entlaufen angesehen werden, es aber nicht sind: «Rund 20 Prozent der Findeltiere gehen zurück an ihren Besitzer.»

Während der Krise musste das Tierheim für das Publikum geschlossen werden. «Wir konnten kein Katzenstreicheln oder keine Führungen mehr anbieten und den Schnupperlehrlingen mussten wir auch absagen. Ausserdem haben wir dann einen Vermittlungsstopp bis zum 18. Mai eingelegt. Das machen viele Tierheime auch zum Beispiel an Weihnachten – weil leider immer noch Leute Tiere als Geschenk unter den Baum legen», sagt die Tierpflegerin.

Neben dem vermehrten Wunsch, einen Hund aufzunehmen, hat das Tierheim aber auch andere Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren bekommen. «Schon vor den Osterferien haben viele ihren Ferienplatz storniert. Auch an den Feiertagen hatten wir praktisch keine Buchungen. Sonst sind wir in diesen Zeiten immer voll. Doch zum Glück sieht der Sommer noch gut aus, hier haben wir bis jetzt wenig Abmeldungen», ist Angela Roth erleichtert.

Auch diese Wellensittiche haben einen Platz im Zuger Tierheim gefunden. (Bilder: Natalie Ehrenzweig)

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