Im Zeichen der Klobürste: Zuger Fasnachtsumzug trotzt Corona
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Einmal pro Jahr ist es offen: Remo III. der Einseifende und Nicolett II. die Hygienische laden zur Begehung des Zuger Schiissigässlis. (Bild: Rico Furter / Schiissigässlizunft Zug)

Die Schiissigässlizunft in historischer Mission Im Zeichen der Klobürste: Zuger Fasnachtsumzug trotzt Corona

3 min Lesezeit 11.02.2021, 18:40 Uhr

Pandemiegerecht hat in Zug diesen Donnerstag der «heuer wohl weltweit einzige Fasnachtsumzug» stattgefunden, wie ihn die Zuger Schissigässlizunft ankündigte. zentralplus war mit dabei und erlebte, wie Teilnehmer sogar prämiert wurden.

Fünf Grad minus, Schnee auf den Strassen, die Fasnacht offiziell abgesagt: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Oder versucht, den Schmutzigen Donnerstag seuchenverträglich zu würdigen. Schliesslich ist die Fasnacht in den Augen von Fasnächtlern keine Veranstaltung, sondern ein Naturereignis.

Die Zuger Schissigässlizunft, die am Schmudo jeweils eine Begehung des namensgebenden Verkehrsweges in der Altstadt durchführt, wollte darauf nicht verzichten. Sie führte ihren traditionellen Umzug als Kleinanlass durch – und übertrug ihn gleichzeitig per Livestreaming in alle Welt.

Grüsse nach Brasilien

Seiner grossen Verantwortung bewusst, sprach Zunftvater Remo III. der Einseifende vor dem Ereignis in sein Handy, das er vor sich aufgepflanzt hatte. Er begrüsste wortreich Freunde in Brasilien und führte Interessierte auf Englisch in die lokalen Bräuche ein. Derweil fanden sich erste Zaungäste in der Schwanengasse ein: Abgesandte der Hünenberger Guggenmusik Cocorico – bestens gelaunt und pandemiegerecht als Fünfergruppe formiert.

Die Gugger konnten freilich am Defilée nicht mitmarschieren. Sie hätten sich anmelden müssen, um die behördlich vorgegebene Obergrenze von fünf Personen einhalten zu können. Damit war ihnen eine Delegation des Vereins Zuger Chesslete und ein Mitglied der Baarer Guggenmusik Los Vas zuvorgekommen. Alsbald folgten diese den Schiissigässlizünftlern in die Gasse, welche ihnen die Welt bedeutet.

Hygiene grossgeschrieben

Um die Faszination des Ortes zu ergründen, schlich sich danach zentralplus in sicherem Abstand durchs Schiissigässli. Und fand eine mögliche Erklärung, warum sich Zunftmutter Nicolett III. den Beinamen «die Hygienische» zugelegt hat. Zwar dient die Gasse nicht mehr zum Leeren von Nachttöpfen – menschliche Fäkalien fehlen völlig – doch haben Tauben ihre Stoffwechselprodukte in Teilen der Gasse hinterlassen. Das Zunftmeisterpaar hat im kommenden Jahr einiges zu tun.

Zwei Gehörnte in Vollmasken beschlossen schliesslich als separater Zweierumzug die historische Begehung der Gasse – als Abgesandte der Zuger Moor-Dämonen, einer Guggenmusik, die heuer ihre Instrumente zu Hause lässt.

Ab 5 Uhr morgens im Einsatz

Weiter lässt sich rapportieren, dass sich die losen Grüppchen, die sich um den Greth-Schell-Brunnen versammelt hatten, schnell verloren. Die Cocoricos zogen sich in der Unter Altstadt in einen Durchgang zurück und sprachen ihren Frostschutzmitteln zu, die sie in einem Einkaufswagen herangebracht hatten.

Andere verliehen ihrer Entschlossenheit Ausdruck, nun zu einer Beizentour ansetzen zu wollen. «Wohin sollen wir gehen – ins Parkhaus?» Vorbei an einigen zerstreuten Grüppchen, die auf dem Landsgemeindeplatz Fasnacht feierten, begab sich die Zunftspitze nun zum Postplatz, wo sie auf den harten Kern der Zuger Chesslete um Jascha Hager und Claude Duvaud wartete.

Normalerweise organisieren diese den Schmutzigen Donnerstag auf dem Landsgemeindeplatz. Heuer hatten es sich die beiden nicht nehmen lassen, dort um 5 Uhr morgens als Einzelmasken Stellung zu beziehen.

Tagesform ausschlaggebend

Zwar fand der donnerstägliche grosse Kinder- und Schülerumzug in Zug heuer coronabedingt nicht statt. Doch weil sowohl Schiissigässlizunft wie auch die Chesslete dort jeweils mitmarschieren, liess sich zumindest eine Nummernprämierung durchführen: Zunftvater Remo III. winkte euphorisch mit der Klobürste, dem Zeichen seiner Macht. Die in Neonfarben gekleideten Vertreter der Chesslete mit ihrem mobilen Stand wirkten nach den vielen Stunden in eisiger Kälte ein wenig abgeschlagen.

In Ermangelung von Publikum musste schliesslich der anwesende Pressefotograf Stefan Kaiser die Jurierung vornehmen. Dank seiner motivierten Vorstellung sicherte Remo III. der Einseifende der Schissigässlizunft den Preis für die originellste Nummer des grossen Kinder- und Schülerumzugs – der nicht stattgefunden hatte.

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