«Im Wasser bleibt ein Restrisiko»
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Einer der Unterwasser-Detektoren im Luzerner Hallenbad. (Bild: lih)

Nach tödlichem Unfall im Luzerner Hallenbad «Im Wasser bleibt ein Restrisiko»

2 min Lesezeit 1 Kommentar 13.10.2016, 05:12 Uhr

Trotz des tragischen Todes eines Vierjährigen – Schwimmen im Hallenbad ist grundsätzlich sehr sicher. In Luzern sorgen dafür nicht nur die Bademeister, sondern auch Hightech-Installationen. Das Sicherheitsnetz hat jedoch Lücken.

Wie riskant ist ein Hallenbadbesuch? Nicht sehr: «Nur» gerade zwei Personen ertranken 2015 in Schweizer Schwimmbädern, dies laut der Statistik der Schweizerischen Lebensretter-Gesellschaft (SLRG). Im Gegensatz dazu sind Seen und Flüsse um ein Vielfaches gefährlicher: In Schweizer Seen ertranken im letzten Jahr 22 Personen, in Flüssen sogar 23.

Am letzten Sonntag passierte einer der seltenen Unfälle im Hallenbad Allmend. Ein vierjähriger Junge blieb mehrere Minuten unter Wasser. Als man ihn entdeckte, wurde er sofort reanimiert, am Mittwochmorgen starb er jedoch an den Folgen des Unfalls im Spital (zentralplus berichtete). Karin Eisserle, Leiterin Kommunikation vom Hallenbad Allmend in Luzern, bedauert den Vorfall sehr und wünscht der Familie viel Kraft. «Das ist keine einfache Situation für alle, uns eingeschlossen.»

Zwei Bademeister und zwei technische Hilfsmittel

Ein Bademeister sei nach betriebseigenem Sicherheitsdispositiv vorgeschrieben, «wir haben aber meistens zwei, je nach Gästezahl», sagt Karin Eisserle. Diese kann wetterabhängig variieren, an guten Tagen sind teilweise bis zu 350 Badegäste gleichzeitig im 2013 neu eröffneten Hallenbad.

Doch die zwei Bademeister sind nicht auf sich allein gestellt: «Wir haben SOS-Taster und Unterwasser-Detektoren zur Unterstützung der Bademeister», zählt Karin Eisserle auf. Beide Technologien zielen darauf ab, den Bademeister noch schneller zu alarmieren. Total acht SOS-Taster sind im gesamten Badebereich verteilt und können von den Gästen betätigt werden: Im Notfall drücken sie einfach auf den Knopf.

Die Unterwasser-Detektoren sind eine Art technischer Überwachungsdienst: Unterwasser-Kamerabilder werden per Computer ausgewertet und auf stillstehende Objekte untersucht. Bewegt sich ein Körper für circa 15 Sekunden nicht, schlägt das Programm beim Bademeister Alarm. 40 solcher Kameras sind in den Becken verteilt und überwachen die Badenden.

Detektoren funktionieren im Nichtschwimmerbecken nicht

Doch perfekt sind die technischen Hilfsmittel noch nicht: Im Nichtschwimmerbecken geschieht es zum Beispiel öfters, dass sich ein Körper nicht bewegt, weil ein Erwachsener im Wasser steht oder sitzt. Die Kameras können also dort nicht eingesetzt werden, Fehlalarme wären vorprogrammiert. «Die Technologie ist auch noch relativ neu», sagt Karin Eisserle. Man setze aber darauf, dass in einiger Zeit auch funktionierende Detektoren für den Nichtschwimmerbereich entwickelt werden.

Ein Restrisiko bleibt

Doch egal, wie lückenlos das Sicherheitskonzept auch wirkt, «ein Restrisiko bleibt, wir arbeiten hier mit Wasser», sagt Karin Eisserle. Bademeister, SOS-Taster und Unterwasser-Detektoren: «Doch alle Vorkehrungen entbinden die Eltern nicht von ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern oder Badegäste von ihrer Eigenverantwortung», sagt Karin Eisserle. Und wie soll man die Verantwortung denn konkret wahrnehmen? Karin Eisserle: «Die Eltern sollen die Kinder im Auge haben, das ist wichtig.»

 

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1 Kommentare
  1. Markus Bucher, 13.10.2016, 14:15 Uhr

    Die Berichterstattungen über den tragischen Badeunfall vom letzten Sonntag im Hallenbad Allmend Luzern mit den verheerenden Folgen sind zum Teil widersprüchlich und werfen diverse Fragen auf. Offenbar ist seit der Eröffnung des Hallenbades im August 2012 ein Sicherheitssystem mit über 40 Unterwasserkameras installiert, welches Ertrinkungsnotfälle frühzeitig detektieren und dann Alarm auslösen sollte. Gemäss Aussagen des Bades (Frau Eisserle) hat dieses System aber vor allem im Lernschwimmbecken bisher nicht zuverlässig funktioniert. Ich vermute, dass in diesem Fall unangenehm viele Fehlalarme durch im Wasser stehende oder sitzende Personen ausgelöst wurden. Unklar ist für mich deshalb, ob das Alarmsystem im Lernschwimmbecken zum Zeitpunkt des Unglücks überhaupt eingeschaltet war. Je nach Medium (Radio Regionaljournal Zentralschweiz, Fernsehen Tele 1) gibt es dazu widersprüchliche Aussagen. Und auch in zentralplus der Luzerner Zeitung finde ich dazu keine eindeutige Stellungnahme. Entsprechend sind für mich folgende Fragen noch offen: 1) War zum Zeitpunkt des Unglücks das System abgeschaltet, um keine Fehlalarme zu generieren, oder war es eingeschaltet und hat im Ernstfall nicht funktioniert? 2) Wie kann es sein, dass das Alarmsystem seit über vier Jahren im Lernschwimmbecken installiert ist, obwohl es nicht zuverlässig funktioniert, und man seither nichts zur Verbesserung dieser Situation unternommen hat? 3) Hat man in diesen vergangenen vier Jahren den Badegästen fahrlässig „Sicherheit“ verkauft, ohne dass diese gewährleistet war? 4) Offenbar ist man beim Hallenbad derzeit damit beschäftigt, das bisherige Alarmsystem durch ein neues, verbessertes Produkt zu ersetzten. Im Interview auf Tele 1 macht Frau Eisserle dazu aber die Aussage, dass sie nicht garantieren könne, dass dieses dann besser funktioniere. Macht das Sinn? 5) Abschliessend: Hätte dieser tragische Todesfall nicht vermieden werden können?

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