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Im «digitalen Backstage» vernetzen sich ab jetzt Luzerner Musiker
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Der Vorstand von Other Music Luzern (von links): Jeremy Sigrist, Céline-Giulia Voser, Marcel Bieri, Claudia Kienzler, Stoph Ruckli. (Bild: Daniela Kienzler)

Plattform «Other Music» geht an den Start Im «digitalen Backstage» vernetzen sich ab jetzt Luzerner Musiker

5 min Lesezeit 29.01.2019, 05:06 Uhr

Die neue Plattform «Other Music Luzern» ist das digitale Pendant zum Backstage: Ein Ort, wo sich Musikerinnen und Veranstalter austauschen. Der Verein denkt an ein Basler Vorbild und bereits einen Schritt weiter.

Dass das kleine Luzern immer wieder erstaunliche Musik hervorbringt, bestreitet wohl keiner. Nur harzt es mit der Vernetzung, mit dem Sprung über die Kantonsgrenze und mit der Konstanz. Der neue heisse Scheiss von heute sitzt morgen im Proberaum auf seinen frisch gepressten Platten.

Das ist überspitzt, Ausnahmen gibt es genug, wenn man aktuell die Auslandabenteuer von Schnellertollermeier, Visions in Clouds oder Long Tall Jefferson anschaut.

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Aber es täte der Luzerner Musikszene gut, wenn sie ihre Kräfte besser bündelt. Darum ist im letzten Herbst der neue Verein «Other Music Luzern» – kurz: OML – an den Start gegangen, der die Luzerner Musikszene besser vernetzen will.

«Musik muss eine gewisse Dringlichkeit haben.»

Claudia Kienzler

Dies tut er im Auftrag von Kanton und Stadt Luzern sowie der Regionalkonferenz Kultur (RKK) zunächst für eine Pilotphase von drei Jahren. Pro Jahr hat der Verein 60’000 Franken zur Verfügung, neben der öffentlichen Hand hat sich auch die Albert-Koechlin-Stiftung beteiligt (zentralplus berichtete).

Ein fünfköpfiger Verein treibt OML voran – neben Initiant Marcel Bieri (B-Sides) sind es allesamt Musikerinnen und Musiker:

  • Claudia Kienzler ist Violonistin, Komponistin und Veranstalterin, unter anderem im 21st Century Orchestra, dem Ensemble Montaigne oder Duo Hitschtschitsch.
  • Die Musikerin, Sängerin und Videokünstlerin Céline-Giulia Voser veröffentlicht im April als Cégiu ihr zweites Album.
  • Gitarrist Jeremy Sigrist hat bei Alvin Zealot begonnen, heute unter anderem bei Hanreti oder Yser.
  • Stoph Ruckli ist Bassist und arbeitet für das Kulturmagazin «041».

Am Dienstag folgt nun der Schritt an die Öffentlichkeit, das Netzwerk Other Music Luzern geht mit einer ersten einfachen Version der Website online. Es folgen drei öffentliche Anlässe für Musikerinnen, Booker oder Veranstalterinnen in Sursee, Kriens und Luzern (siehe Box). Dort kann man sich informieren, austauschen und den Vorstand mit seinen Ideen kennenlernen.

Klassik ist nicht dabei

OML spricht alle Bereiche des «innovativen, aktuellen Musikschaffens» an, insbesondere jene, die von der öffentlichen Hand gefördert werden. Gemeint sind die Sparten Rock, Pop, Electro, Jazz, Hip-Hop und Neue Musik. Die Klassik hingegen gehört nicht dazu.

Das geht nicht nur Profis an, aber: «Musik muss eine Leidenschaft sein und im Mittelpunkt stehen und eine gewisse Dringlichkeit haben», sagt Claudia Kienzler.

Als Nachwuchsförderung versteht sich OML explizit nicht. «Wir sprechen emerging bands an, wie es im Englischen heisst», so Bieri. Also die aufstrebenden, die bald den Durchbruch schaffen könnten.

Bands kurzschliessen

Im Moment teilt der Vorstand die Aufgaben und Ressorts unter sich auf, aber OML soll wachsen: Ein Beirat wird den Vorstand erweitern, zudem längerfristig eine Geschäftsstelle. «Wir müssen zuerst die Aufbauarbeit leisten», sagt Kienzler. Erst danach wolle man sich Gedanken über eine Stelle machen.

«Du läufst dein halbes Leben an gewissen Leuten vorbei.»

Marcel Bieri

«Zuerst wollen wir die Bedürfnisse der Musikschaffenden und verschiedenen Szenen erfahren», sagt Kienzler. Dies geschieht Face-to-Face oder über ein Formular auf der Website. «Wir wollen aufstrebende Musikschaffende möglichst komplett erfassen und über ihre aktuellen Projekte Bescheid wissen», sagt Marcel Bieri.

«Dann können wir anfangen, die Bands untereinander und mit der Branche kurzzuschliessen», sagt Kienzler. OML soll zu einer Drehscheibe werden und die verschiedenen Playerinnen untereinander vernetzen, aber auch mit der öffentlichen Hand: «RKK, Stadt und Kanton fördern, sind aber nicht so nahe an der Basis. Dafür sind wir da», sagt Kienzler.

Hemmschwellen abbauen

Zudem organisiert der Vorstand Teffen an Anlässen wie dem M4Music oder anderen Szenefestivals. «Wir schauen, dass man sich die Hand schüttelt und ins Gespräch kommt», so Kienzler. Bieri vergleicht die Plattform mit einem digitalen Backstage: Denn der Backstage an Festivals sei oft die beste Vernetzungsplattform, weil da verschiedenste Musikerinnen und Veranstalter zusammenkommen. «Hoffentlich werden wir zum Backstage von ganz Luzern», so Bieri.

Besteht die Gefahr, dass OML ein Szeneding bleibt? Dass man sich im ewig gleichen Dunstkreis austauscht? «Wir können andere Brücken schlagen, wenn das erwünscht ist», sagt Kienzler. Aber das passiere nicht einfach so, man müsse Hemmschwellen abbauen.

Other Music Luzern

Am 29. Januar geht die neue Plattform othermusicluzern.ch online. Anschliessend sind drei Anlässe für Musiker, Bookerinnen, Veranstalter oder Produzentinnen geplant: Somehuus Sursee (19. Februar, 18 Uhr), Soundfarm-Studio Kriens (20. Februar, 19 Uhr), Neubad Luzern (21. Februar, 18 Uhr).

«Den Zufall müssen wir herstellen», sagt Bieri. Mit einfachen Tools, um Leute zusammenzubringen, etwa mit Speed-Datings, bei denen man mit allen einmal reden muss. «Du läufst dein halbes Leben an gewissen Leuten vorbei, das wollen wir aufbrechen», so Bieri.

Ziel: unverzichtbar werden

Musikerinnen und Bands werden schon länger finanziell unterstützt, OML fordert nun professionellere Strukturen. «Strukturförderung ist Wirtschaftsförderung», sagt Marcel Bieri. Leider gebe es in der Musik noch keine Start-up-Förderung. Gibt es diesen Ruf nicht schon lange? «Ja, aber jetzt ist er so laut, dass die Behörden darauf eingehen müssen.»

OML ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Das Angebot soll in dieser Zeit stetig wachsen, etwa mit News, Playlists, Beratung und Informationen aus und für die Szene. Damit will die Plattform unverzichtbar werden: «Das Fundament muss so stark werden, dass alle den Mehrwert sehen und OML sich politisch etabliert», so Bieri.

Vorbild ist der RFV Basel – wie das Popnetzwerk und die Musikförderung beider Basel heisst und das zehnfache Budget von OML hat. Mit dem frei verfügbaren Handout «Rockproof» hat der RFV beispielsweise einen digitalen Leitfaden für das Musikgeschäft entwickelt.

Auch in Luzern ist das Ziel, dass nach den drei Jahren Aufbauarbeit mehr als die 60’000 Franken jährlich zur Verfügung stehen. Fundraising, andere Stiftungen oder Fördergelder über den Kanton Luzern hinaus sollen das möglich machen.

Marcel Bieri sagt es so: «Other Music steht nicht nur für andere Musik, sondern auch für ein anderes Denken.»

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