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Im alten Gersag qualmen die Tanzschuhe – sieben Tage pro Woche
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Irène Straub im Saal des Gersag – sie freut sich auf die Premiere am Samstag. (Bild: pze)

Hinter den Kulissen: «Le Théâtre» vor der Premiere Im alten Gersag qualmen die Tanzschuhe – sieben Tage pro Woche

6 min Lesezeit 23.11.2017, 12:49 Uhr

Irène Straub ist in ihrem Element: Im neuen Musical des Le Théâtres singt, tanzt und spielt die Krienserin wieder. Es ist die erste Show im neuen Gersag-Saal. Grund genug für einen Probenbesuch und einen Blick hinter die Kulissen. Vorfreude herrscht, doch: Noch läuft nicht alles rund.

Auf der Bühne stehen die Darsteller, sie bilden gemeinsam eine Figur aus ihren Körpern. Was aussieht wie gymnastische Übungen, sind die Endproben des neuen Stücks «Ninety-Five – das Musical», welches am Samstag Premiere im ehemaligen Gersag-Gebäude feiert (siehe Box). 

Das Le Théatre weiht seine neue Bühne nach dem Umzug ein (zentralplus berichtete). Dafür werden die letzten Bewegungen synchronisiert, die Abläufe ein letztes Mal genau unter die Lupe genommen. Die beiden Choreographen geben gleichzeitig unterschiedlichen Künstlern ihre Anweisungen – geordnetes Chaos. Und auf ein Stichwort sind alle wieder geordnet und in Position.

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Timing muss sitzen

Bei unserem Besuch werden die grossen Probetage vom vergangenen Samstag und Sonntag besprochen. Irène Straub, Sängerin und Mit-Autorin des neuen Musicals, nennt es das «Chaos-Wochenende». «Dann treffen zum ersten Mal alle aufeinander: Tänzer, Schauspieler und die Band.» Man merke gleich, woran man in den letzten Tagen vor der Probe noch feilen muss.

Erinnert an Gymnastik: Die Probe im Le Théâtre.

Erinnert an Gymnastik: Die Probe im Le Théâtre.

(Bild: pze)

Zuvor hatte das Ensemble während Minuten darüber diskutiert, wann genau ein einfaches «Hm…» gesagt werden soll. Das Timing muss ganz genau sitzen, damit sowohl Wirkung wie Witz nicht verloren gehen. «Solche Kleinigkeiten fallen einem erst am Schluss auf», sagt Straub.

Kunst nicht neu erfinden

Straub liegen eigentlich die 80er-Jahre im Blut, die «Teenager-Disco» habe ihre eigene Jugend geprägt. Die 46-Jährige sagt, beim letztjährigen Musical «Summer of ’85» sei sie «aufgeblüht». Doch auch die 90er hätten ihren Reiz. «When You Believe» von Whitney Houston – da stehe das Singen im Vordergrund, ihre stärkste Disziplin – oder «Attenti al Lupo» von Lucio Dalla seien ihre Highlights. Doch ganz alle Songs, die sie im Musical singe, möge sie nicht übermässig. «Gewisse Arrangements sind eher etwas für die jüngere Generation», sagt sie lachend.

«Das Musical bleibt in seiner Form nahe beim Boden.»

Irène Straub, Musical-Darstellerin

Dass Musicals ein trivialer Ruf anlastet, stört die Sängerin nicht. Auf die Frage nach einer Erklärung dafür sagt sie: «Ein Musical ist Populär-Kultur, wir haben nicht das Gefühl, Kunst neu erfinden zu müssen. Das Musical bleibt in seiner Form nahe beim Boden, und damit beim Zuschauer.» Die Besucher eines Musicals würden bei der Vorstellungen erkennen, dass die Darsteller sehr vielseitig sein müssen: Singen, Tanzen und Schauspielern, all das verlange viel Training seitens der Künstler.

Internationale Künstler

Im Hintergrund übt die Choreographin gerade mit einem Darsteller Tanzschritte ein. Man habe spontan entschieden, dass er bei einem Song nun doch auf der Bühne stehen werde – nun muss er die Schrittabfolge pauken. «Er ist Profi und nimmt die verlangten Bewegungen schnell auf. Das macht es einfach», so Straub.

Im Keller des Gersag stehen Kleider und Requisiten.

Im Keller des Gersag stehen Kleider und Requisiten.

(Bild: pze)

Auf der Bühne werden mehrere Sprachen gleichzeitig gesprochen, die Darsteller kommen aus der Schweiz, Österreich, Italien, Deutschland und Spanien. Am Le Théâtre verweilen sie während drei Monaten. «Die zeitliche Begrenztheit gehört zum Job, viele haben bereits ein Anschlussengagement an einem anderen Ort», sagt die Luzernerin. Dennoch freue es sie immer, wenn Darsteller den Weg zurück in die Zentralschweiz finden. Bis auf vier waren alle Künstler bereits einmal im Le Théâtre engagiert.

Längere Wege im Haus

Nach der Sequenzenprobe geht’s ans Schminken – später am Abend steigt ein Gesamtdurchlauf im Kostüm. Für das Schminken geht es zwei Stöcke tiefer, in die Kellerabteile des alten Gersag-Gebäudes. Die Räume sind klein und eng, überall sind Schuhe und Kostüme. Aber: Die Garderoben verfügen über fliessend Wasser. «Das hatten wir in Kriens nicht überall», sagt Straub. «Auch solche kleinen Dinge freuen uns.» 

Fliessend Wasser: Die Garderoben der Darsteller sind klein aber praktisch.

Fliessend Wasser: Die Garderoben der Darsteller sind klein, aber praktisch.

(Bild: pze)

Straub wird unterbrochen – ein Schlüssel wird verlangt. Sie legt den Lippenstift zur Seite und eilt zu Hilfe. Gleichzeitig Teil des Ensembles und des Hauses zu sein, habe eben Vor- und Nachteile, sagt sie lächelnd beim Verlassen des Raums. Kurz darauf ist sie zurück; das Schminken geht weiter.

Der Ruhepol im Chaos

Weit kommt sie nicht. Noé betritt den Raum. Die 11-Jährige singt im Musical mit – als eines von drei Mädchen, welche sich die 25 Vorstellungen untereinander aufteilen. Noé ist auf der Suche nach ihrem Skript. Es blieb während der Hauptprobe irgendwo liegen. Straub will ihr helfen, das Drehbuch zu suchen – nach der Maske. Also packt auch Noé ihr eigenes Make-up aus.

«Die Jüngsten von uns wissen nicht immer, wie man sich richtig schminkt, also zeigen wir es ihnen. Bald können sie es besser als wir alle», lobt Straub ihre junge Darstellerin. Für die 11-Jährige ist es die dritte Musical-Produktion – bereits beim letztjährigen «Summer of ’85» war sie dabei, ein Jahr vorher bei «Daddy Cool». Für Irène Straub ein Vorteil: «Die Mädchen lernen sehr schnell dazu.»

Die Garderoben sind voller Kostüme.

Die Garderoben sind voller Kostüme.

(Bild: pze)

Erneut braucht jemand einen Schlüssel und stört Straubs Schminkprozedere. Damit die Tür künftig nicht wieder zufällt, wird aus dem Nivellierfuss einer Kleinbühne kurzerhand ein Türstopper. Man müsse eben mit dem arbeiten, was man habe, sagt Straub. Sie bleibt in der ganzen Hektik ruhig – was in der «Bienenwabe», welcher der Backstage zuweilen gleicht, sehr hilfreich ist.

Premiere am Samstag

Das neue Stück «Ninety-Five – das Musical» wird am Samstag, 25. November uraufgeführt. Es ist an 25 Abenden bis zum 6. Januar 2018 in Emmenbrücke zu sehen. Tickets sind ab 49 Franken erhältlich.

Aus einem anderen Raum klingt ein erfreuter Ruf: «Dinner-Time!» Straub erklärt, dass die Schauspieler zwischen Maske, Warm-up und Probe noch essen müssen. «Es gibt nichts Schlimmeres als einen Hungerast auf der Bühne», weiss sie.

Neuer Raum für bessere Lichtstimmung 

Für Straub hat sich vieles verändert, seit sie im ehemaligen Gersag proben. «Die Wege im Haus sind viel länger als in Kriens. Man muss alles besser organisieren», erklärt Straub. Während der Show zwei Stöcke nach unten zu gehen, um etwas zu holen, sei nicht möglich. «Diese Abläufe kommen mit der Zeit», ist sie sich sicher.

«Zu Hause bin ich nur noch zum Schlafen.»

Irène Straub, Musical-Darstellerin

Künstlerisch ergeben sich durch den neuen Bühnenraum erheblich bessere Möglichkeiten. «Die Lichtstimmungen können hier deutlich besser wirken.» Aber die Grösse der Bühne hat laut Straub nicht nur Vorteile: Es habe mehr Requisiten auf der Bühne, das heisst für die Schauspieler, dass sie mit anpacken müssen bei den Umbauten. «Aber sie sind voll dabei», meint Straub.

Bis zur Dernière ständig auf Achse

Momentan arbeite sie sieben Tage die Woche. «Da ist einerseits die Büroarbeit im Haus und andererseits die Proben im Ensemble, nebenbei gebe ich noch Gesangsunterricht.» Ihre Tage würden mit Stretching beginnen, «damit mein Körper nicht jeden Tag Muskelkater anmeldet», sagt sie lachend. Danach fahre sie direkt zur Probe – in Pausen mache sie die Büroarbeit für das Haus. «Das geht jetzt bis zur Dernière so. Zu Hause bin ich nur noch zum Schlafen.» Aber nach so langer Zeit im Theater sei man sich das gewohnt.

Die Vorbereitungen sind vorbei, es geht ab ins Warm-up und danach steigt die erste Hauptprobe, damit am Samstag alles sitzt. Ob sie schon nervös sei? «Lampenfieber kenne ich zum Glück nicht», sagt Straub lachend, «aber in den letzten fünf Minuten vor der Vorstellung kommt dann auch bei mir dieses süchtig machende Kribbeln auf.»

zentralplus ist Medienpartner des Le Théâtre.

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