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«Illegale Kaffeeverkäufer»: Remimag legt sich mit der Stadt an
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Remimag-Geschäftsführer Florian Eltschinger sorgt mit seinem Inserat für Irritation. (Bild: Emanuel Ammon / Bildmontage zentralplus)

Luzerner Gastronom provoziert mit Stelleninserat «Illegale Kaffeeverkäufer»: Remimag legt sich mit der Stadt an

4 min Lesezeit 28.02.2019, 17:16 Uhr

Laufen an der Luzerner Fasnacht «illegale Kaffeeverkäufer» durch die Gassen? Eine Stellenanzeige, hinter der die Rothenburger Gastro-Kette Remimag steckt, mobilisiert nun die Gewerbepolizei. Der Remimag-Geschäftsleiter Florian Eltschinger fühlt sich als Altstadt-Wirt von der Stadt Luzern diskriminiert.

Man könnte meinen, mit der Fasnacht verhält es sich wie mit der Satire nach Kurt Tucholsky: Man darf alles. Doch wenn es um fliegende Verkäufer und den Ausschank alkoholischer Heissgetränke an der Luzerner Fasnacht geht, verstehen die Behörden jedoch keinen Spass.

Vor allem die Wirte in der Luzerner Altstadt fühlen sich diskriminiert (zentralplus berichtete). Wenn Auswärtige mit ihren Verpflegungsständen das grosse Geld machen und illegale Wagen nicht mal kontrolliert werden, hätten dies die Wirte einfach zu akzeptieren. Oft dürfen die Restaurants während der fünften Jahreszeit auf ihren Flächen, für die sie Jahresmieten bezahlen, nichts verkaufen, so der Vorwurf der Wirte.

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Um diese Vorgaben zu umgehen und wohl um ein bisschen zu provozieren, hat ein Gastrobetrieb in der letzten Ausgabe der «Barni-Post» einen provokanten Aufruf gestartet. «Illegaler Kaffeeverkäufer gesucht!», heisst es in der Inseratezeitschrift. «Für die Fasnacht unter der Egg in Luzern suchen wir (…) Kaffee-Schnaps-Verkäufer.»

Stein des Anstosses: das Inserat in der «Barni-Post».

Stein des Anstosses: das Inserat in der «Barni-Post».

(Bild: Barni-Post)

Die Stadt weiss von nichts

Stefan Geisseler ist stellvertretende Leiter der Abteilung Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern. Er sagt: «Wir haben von der Anzeige Kenntnis genommen, bis jetzt aber nicht aktiv den Kontakt zum Inserenten gesucht.» Normalerweise brauche es für den Verkauf auf öffentlichem Boden eine Bewilligung. Bis jetzt sei aber keine Bewilligung seitens der Stadt erteilt worden. «Wir sind selber erstaunt über die Anzeige», gibt Geisseler zu.

Der Mediensprecher der Luzerner Polizei Urs Wigger erklärt, dass es für den Ausschank alkoholischer Getränke neben der Bewilligung der Stadt auch eine Bewilligung der Gewerbepolizei brauche. «Voraussetzung für die Bewilligung der Polizei ist der von der Stadt vorgängig bewilligte Verkauf auf öffentlichem Grund», sagt Wigger.

Die Kontaktangaben im Inserat lassen darauf schliessen, dass die Luzerner Gastrokette Remimag dahintersteckt. Das Rothenburger Unternehmen führt 28 Betriebe. Unter seinen sechs Betrieben in der Stadt Luzern befinden sich beispielsweise das Restaurant Opus bei der Jesuitenkirche und das Zunfthausrestaurant Pfistern «unter der Egg» – oder der «Anker». Schon da provozierte das Unternehmen mit Unisex-Toiletten, die erst nachträglich durch eine Gesetzesänderung legalisiert wurden (zentralplus berichtete).

Remimag steckt hinter dem Inserat

Florian Eltschinger von der Remimag bestätigt, das Inserat aufgegeben zu haben. Er führt seit 2014 mit seinem Bruder die Gastrokette als Geschäftsleiter. «Wir haben in der Vergangenheit schon mehrere Bewilligungsgesuche eingereicht, um an der Fasnacht draussen Getränke ausschenken zu können», sagt Eltschinger.

Die Stadt habe die Gesuche aber immer abgelehnt. «Auch der Verkauf ‹unter der Egg› beim Restaurant Pfistern wurde nicht gutgeheissen», fügt er an. Es bestehe ein erhebliches Sicherheitsrisiko, hätte es von Seiten der Stadt geheissen.

«Wir haben das akzeptiert, finden es jedoch fragwürdig, wenn zum Beispiel am Kornmarkt der Ausschank durch Guuggen erlaubt, toleriert oder ignoriert wird.» Diese dürften zwar nur einen «freiwilligen Beitrag» entgegennehmen, doch würden daran teilweise sehr gut verdienen, meint Eltschinger.

«Kaffee-Schnaps-Verkäufer stellen Sicherheitsrisiko dar»

«Dann kam ich auf die Idee mit dem mobilen Kaffeeverkäufer mit zertifiziertem Gerät, wie es auch bei Schwingfesten üblich ist», erzählt der Remimag-Geschäftsleiter. In einer Anfrage an die Stadt Luzern beantragte Eltschinger eine Bewilligung für mobile Kaffeeverkäufer «unter der Egg». Die Stadt lehnte den Antrag ab.

«Das ist ein Spiel ‹David gegen Goliath›.»

Florian Eltschinger, Geschäftsführer Remimag

Im Entscheid wird argumentiert, dass die Stadt die Evakuierung «unter der Egg» als «kritisch» bewerte. Zudem stelle ein mit heissem Wasser gefüllter Kaffeetank ein Sicherheitsrisiko für die Besucher der Fasnacht dar. Für Florian Eltschinger ist klar: «Das ist ein Spiel David gegen Goliath.»

Wird der illegale Kaffeeverkäufer kommen?

«Ich bin überrascht, was das Inserat für ein Echo ausgelöst hat», meint Eltschinger. Die Gewerbepolizei hätte sich auch schon bei ihm gemeldet. Eltschinger stellt eines klar: Er möchte sich nicht mit den Fasnächtlern anlegen.

«Allerdings finde ich, dass die Wirte, die das ganze Jahr durch in der Altstadt sind, auch vom Verkauf während der Fasnacht profitieren sollten. Denn links und rechts stehen wilde Bars und Stände, das ist ja auch nicht fair für die Wirte», sagt er. Ob und wie viele «illegale Kaffeeverkäufer» er über die Fasnachtstage anstellen werde, wollte er noch nicht verraten. «Ich bin gespannt, ob die Polizei alle erwischt», meint Eltschinger.

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