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Ihre Werke werden entführt und verbrannt – trotzdem macht die Puppenmutter weiter
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Ursi Achermann packt das Fasnachtsfieber jedes Jahr aufs Neue. (Bild: lef )

Rotkreuzerin schmückt Dorf zum zwanzigsten Mal Ihre Werke werden entführt und verbrannt – trotzdem macht die Puppenmutter weiter

3 min Lesezeit 23.02.2019, 12:17 Uhr

Das Zentrum von Rotkreuz ist seit einigen Tagen wieder mit den ausgefallensten Fasnachtsgestalten geschmückt. Dahinter steckt seit 20 Jahren die sogenannte Puppenmutter. Für sie ist es wie eine Sucht, auch wenn die Puppen manchmal verschwinden oder geklaut werden.

Zwischen den Clownskostümen, Guggengwändli und Fasnachtsmasken findet sie alles. Denn seit über 20 Jahren haucht Ursi Achermann alias «Puppenmutter» den schrulligsten Figuren im Depot der Rischer Feuerwehr ein Stück Leben ein. Hier verbringt sie Stunden mit Frisieren, Basteln, Kleben und Nähen.

Über 100 Puppen und Unmengen von Material lagern im Depot, das sie zu ihrer Werkstatt umfunktioniert hat. Dieses Jahr hat die 54-Jährige etwa 30 Puppen aus dem Keller geholt, um das Zentrum von Rotkreuz während der fünften Jahreszeit zu schmücken. In anderen Jahren habe sie aber mehr Fasnachtsgestalten aufgehängt, doch der Aufwand wurde irgendwann zu gross.

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«Wenn ich in der Werkstatt arbeite, dann sehe ich immer etwas, was zu kleben oder zu nähen ist», sagt Achermann. So könne sie in der Vorfasnachtszeit schon mal 20 Stunden pro Woche im Puppenkeller sein. Dies, obwohl Achermann eigentlich für die ZVB Bus fährt – am Schmutzigen Donnerstag auch verkleidet. «Wenn ich Spätdienst habe, dann komme ich am Vormittag in die Werkstatt.»

«Es ist wie eine Sucht.»

Ursi Achermann, Puppenmutter

«Obwohl ich schon mehrmals ans Aufhören gedacht habe, fange ich jedes Jahr wieder an», meint Achermann, «es ist wie eine Sucht.» Die Puppen müssten ja schliesslich raus. Solange sich niemand anders finde, würde das wohl auch so bleiben. «Denn die Tradition muss weitergeführt werden», meint die Puppenmutter.

Puppen finden sich in fremden Gärten wieder

«Natürlich kommt es vor, dass Puppen auch mal malträtiert werden», sagt Achermann. Sie hätte vor einigen Jahren auch schon gewisse Fälle zur Anzeige gebracht. Denn es seien auch schon Puppen abmontiert wurden.

Dieses alte Grosi hat das ganze Jahr schon auf ihren Einsatz gewartet.

(Bild: lef)

Vor vier Jahren hätte sich eine Frau bei Ursi Achermann gemeldet. Diese hat eines Morgens bei sich vor dem Haus eine Fasnachtspuppe gefunden. «Sie muss ganz schön erschrocken sein, plötzlich eine lebensgrosse, regungslose Gestalt im Gras aufzufinden», meint Achermann.

An einer Strassenlampe angezündet

Weiter erzählt die Puppenmutter: «Bei einer anderen Frau haben sie eine Puppe auf den Balkon im zweiten Stock geworfen und wieder ein andermal wurde eine meiner Puppen angezündet.» Die Fasnachtsgestalt war als Skifahrer verkleidet, so Achermann. «Übrig blieben nur noch die Skier.»

In letzter Zeit sei es aber nicht mehr so schlimm. «Ich glaube, dass es die Leute wieder mehr schätzen. Vielleicht sind die Vandalen auch einfach erwachsen geworden», sagt Achermann lachend.

Als Puppenmutter braucht es aber auch Fingerspitzengefühl, wie die Rotkreuzerin erklärt. «Beim Altersheim muss ich mich immer achten, welche Puppe ich wo aufstelle.» So sei es schon vorgekommen, dass die Bewohner dachten, jemand wolle vom Balkon springen. Ursi Achermann schmunzelt: «Wir mussten sie dann wieder runternehmen.»

Ein bisschen gruselig oder eher herzig? Dieser Clown begrüsst die Pendler am Bahnhof Rotkreuz.

(Bild: lef)

«Und einmal haben sie einer Figur die Töffstiefel geklaut», erzählt die Puppenmutter, «obwohl diese voller Leim waren.» Daraufhin hätte sie von Leuten aus dem Dorf Spenden von Schuhen erhalten, die sich nun in ihrer Werkstatt häufen.

Eine Tradition aus den 80er-Jahren

Begonnen mit den Fasnachtspuppen hat vor über 30 Jahren die bereits verstorbene Margrit Gnos. Im Jahr 1999 fing dann Ursi Achermann an, der Rotkreuzer Ur-Puppenmutter unter die Arme zu greifen. Diese hätte sich nämlich über die fehlende Hilfe beklagt.

«Es war ihr Lebenswerk und das musste ich einfach weiterführen», sagt Ursi Achermann. Heute kümmert sie sich fast im Alleingang um die Puppen. «Manchmal denke ich, dass Margrit sicher Freude daran hätte, die Puppen heute noch zu sehen.»

zentralplus hat die Puppenmutter einen Morgen lang begleitet:

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