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IG Kultur: Eigenbrötler suchen nach Berührungspunkten
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Guteidgenössische Verständigung: Im Kulturbereich manchmal schwierig (Kappeler Milchsuppe von Albert Anker). (Bild: zvg)

Zuger und Luzerner planen Gespräche IG Kultur: Eigenbrötler suchen nach Berührungspunkten

6 min Lesezeit 2 Kommentare 28.03.2017, 10:09 Uhr

Warum gibt es keine gemeinsame Kulturplattform für die Zentralschweiz? Weil die Lobby-Organisationen nichts von Digitalisierung verstehen und im lokalen Gärtli-Denken gefangen bleiben. Immerhin reden sie jetzt miteinander.

Die IG Kultur Luzern und die IG Kultur Zug: Beide sind Dach- und Lobbyorganisationen für Kulturschaffende und Kulturvermittler in der Zentralschweiz, beide unterhalten Webauftritte mit Veranstaltungskalender und Kulturkritik, beide geben ein Kulturmagazin/eine Programmzeitschrift für ihr Verbreitungsgebiet heraus. Dennoch gehen sie sich so gut es geht aus dem Weg. Und dies obwohl viele Zuger gern nach Luzern in den Ausgang gehen. Obwohl «041 – das Kulturmagazin» gemäss Untertitel den Anspruch erhebt, ein Magazin für die Zentralschweiz zu sein – und diese bekanntlich nicht am Rotsee endet.

Nun scheint erstmals seit langer Zeit ein Frühlingslüftchen der Verständigung zu wehen. Jedenfalls sind Treffen geplant, um abzuklären, inwieweit eine Zusammenarbeit der beiden Interessensgemeinschaften Sinn macht. «Wir sind im Veranstaltungsteil von ‹041 – der Kulturkalender› schon aus Platzgründen nicht in der Lage, alle kulturellen Events aus den verschiedenen Zentralschweizer Kantonen aufzunehmen», sagt Urs Bugmann, der Präsident der IG Kultur Luzern. Einzelne Anlässe könnten für 041 aber durchaus von Interesse sein.

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Gesucht: ausserkantonales Publikum

«In Zug wären das etwa Ausstellungen des Kunsthaus Zug.» Das Museum hat immer wieder prominente internationale Künstler zu Gast, wie etwa den Isländer Monumentalbildhauer Olafur Eliasson, oder aktuell der Moskauer Konzeptkünstler Pavel Pepperstein.

Ansonsten konzentriere man sich eher auf das Geschehen in und um Luzern. «Hier ist viel los und Luzern ist auch das kulturelle Zentrum der Zentralschweiz», sagt Bugmann. Im Fall von Zug liegt das Interesse eher auf Seiten der grösseren Kulturveranstalter Theater Casino, Kunsthaus, Galvanik, Chollerhalle und Burg Zug, die Publikum auch von ausserhalb des Kantons anzuziehen versuchen. Sie sind bislang im Veranstaltungsteil von «041» kaum vertreten – ausser sie schalten Inserate.

Druck vom Kanton

Ob sich das ändert, ist ungewiss. Gemäss Urs Bugmann stehe eine redaktionelle Absprache im Vordergrund – man will vermeiden, dass beide Interessensgemeinschaften dieselben Themen vertiefen. Von einer Vernetzung im Sinn eines Austausches von Inhalten und Veranstaltungshinweisen ist nicht die Rede – digitales Zeitalter, geografische Nähe und staatliche Subventionen hin oder her.

«Wir sind sehr daran interessiert, dass beide Kulturmagazine Kooperationspunkte finden.»

Aldo Caviezel, Amt für Kultur des Kantons Zug

Ein prominenter Geldgeber dringt freilich darauf, dass es diesbezüglich Fortschritte gibt. Der Kanton Zug ist mit einem Jahresbeitrag von jährlich 90’000 Franken der grösste Sponsor der IG Kultur Zug. «Wir sind sehr daran interessiert, dass die Möglichkeiten der neuen Technologien ausgenützt werden und die beiden Kulturmagazine Kooperationspunkte finden», sagt Aldo Caviezel, Leiter des Amts für Kultur.

Staat finanziert Beilage für privaten Zeitungsverlag

Man denkt also auch an die Kulturkonsumenten. Muss man auch, denn der Kanton Zug und die Gemeinden subventionieren die IG Kultur Zug mit jährlich 171’000 Franken – was über die Hälfte ihres Budgets ausmacht.

Die IG Kultur Zug ist nach 20-jährigem Bestehen verknöchert und beschränkt sich seit mehreren Jahren darauf, ein Webportal zu betreiben und das Magazin «Zug Kultur» zu produzieren. Dieses wird gratis der «Zuger Zeitung» beigelegt und an die Abonnenten der Tageszeitung verteilt. Es wird auch gleich bei LZ Print gedruckt. Das heisst: Die öffentliche Hand finanziert eine Kulturbeilage für jene Zeitung mit, die der privaten NZZ-Gruppe als Cash-Cow dient.

IG Kultur Zug sucht nach Sinn

Nun kann man das Magazin «Zug Kultur» zwar auch gesondert abonnieren, aber der Preis von 7 Franken pro Ausgabe für ein auf billiges Zeitungspapier gedrucktes Magazin mit wenigen redaktionellen Eigenleistungen ist eher dazu geeignet, Interessenten abzuschrecken, als sie anzulocken. Das weiss man natürlich auch bei der IG Kultur Zug. Dass sie nun in Workshopveranstaltungen nach einem neuen Sinn sucht (siehe Box), ist wohl kein Zufall. Wo doch die Sponsoren – insbesondere der Kanton Zug – dauernd Sparpakete schnüren und nach Einsparungsmöglichkeiten suchen.

 

Christoph Balmer, Gründungsmitglied der IG Kultur Zug und Präsident, verweist auf die Entstehungsgeschichte des Zuger Kulturmagazins, das 1995 als Kulturkalender den konkurrierenden Tageszeitungen «Zuger Zeitung» und «Zuger Nachrichten» beigelegt wurde. «Darum haben uns die Kollegen aus Luzern immer beneidet: Wir brachten es fertig, mit allen Zeitungen vor Ort zusammenzuarbeiten.» Als die beiden zur «Neuen Zuger Zeitung» fusionierten, entstand die «Zuger Presse» als unabhängige Lokalzeitung und legte ebenfalls den Kultur-Kalender bei. Seit das Blatt 2006 von der LZ aufgekauft und zum Gratis-Anzeiger umfunktioniert wurde, gibt es für Balmer nur noch die «Zuger Zeitung» als Partnerin. «Zumal die auch einen grossen Teil der Vertriebskosten übernehmen», wie er sagt. Und so gratis zu Inhalten für ihre Leser kommt.

Auflage sinkt

Auf die Auflage hat sich diese Konzentration negativ ausgewirkt. Einst erschien der Zuger Kultur-Kalender in einer Auflage von 28’000 Exemplaren, vom Magazin «Zug Kultur» werden derzeit noch 16’100 Exemplare gedruckt. Die Subventionen hingegen sind gestiegen – wegen dem Webportal, das man vor einigen Jahren schuf.

Wenn der Print an Bedeutung verliert, wäre es denn nicht angezeigt, sich online besser zu vernetzen? «MySwitzerland, die Seite von Schweiz Tourismus übernimmt viele unserer Veranstaltungshinweise», sagt Balmer, «ebenso gemeindliche Seiten und Schweizer Kulturportale. (Damit meint Balmer Eventplattformen wie swisskalender.ch, die neben vielem anderen auch Kulturanlässe ankündigen).

Guidle sahnt ab

Die Vernetzung findet laut Balmer über Guidle statt. Doch genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Die Guidle AG vermittelt digitale Anzeigen und füttert etwa den Veranstaltungskalender von Zug Tourismus und jenen der IG Kultur Zug auf zugkultur.ch. Aber die Firma tut das nicht gratis.

Gäbe die IG Kultur Zug ihre Veranstaltungshinweise an die IG Kultur Luzern weiter, die ihren Eventkalender selber erstellt und kuratiert, dann hätte Guidle damit ein Problem – und würde gleich in Luzern nochmal die Hand aufhalten. Man hat den Veranstaltungskalender an eine Privatfirma ausgelagert, weil man eine bequeme Lösung suchte, aber so auch die Hoheit über die Daten verloren.

IG Kultur Zug will bessere Lobby-Arbeit betreiben

«Wir wollen zurück zu den Anfängen», sagt Christoph Balmer, «Köpfe zusammenbringen, die Anliegen von Zuger Kulturschaffenden fördern». Mit einer «Open Forum» genannten Workshopreihe möchte die Organisation dazu neue Ideen sammeln und sich erneuern. Denn früher hat die IG Kultur Zug mit der Spinni-Halle in Baar, später der Chollerhalle in Zug noch eigene Kulturhäuser betrieben, seit 2012 beschränkt sie sich aufs Webportal und Printmagazin «Zug Kultur».

«Wir wollen zurück zu den Anfängen.»

Christoph Balmer, IG Kultur Zug

«Es haben sich bereits zwei neue Leute für den Vorstand zur Verfügung gestellt», sagt Christoph Balmer, seit langer Zeit Präsident der IG Kultur Zug. Dies werde zu einer gewissen Erneuerung führen. Ansonsten will man sich für eine Verbesserung von Kulturvermittlung einsetzen, sich austauschen und – mehr Lobbying betreiben. Es gehe zum einen darum, Kultur sichtbarer zu machen, indem man etwa an Gewerbemessen oder öffentlichen Anlässen auftrete, sagt Balmer.

«Jammern auf hohem Niveau»

Zum andern gehe es darum, Kultur leichter finanzieren zu können. «Auf gemeindlicher Ebene ist das kein Problem, da sind die Wege kurz», so Balmer. Schwerer täten sich gemeindliche Behörden aber mit kantonalen Projekten und Institutionen, die ebenfalls eine Unterstützung erfordern. Da brauche es grosse Überzeugungskraft. Wobei: «Wir jammern hier im Kanton Zug auf hohem Niveau», sagt Balmer. «Das Verständnis der Behörden für kulturelle Anliegen ist vorhanden und es sind auch mehr Mittel vorhanden als in andern Kantonen.»

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2 Kommentare
  1. Roger Wechsler, 31.03.2017, 08:04 Uhr

    Auch zentralplus hat ihren Veranstaltungskalender an eine private Firma ausgelagert. Weil man eine bequeme Lösung suchte. Vor allem aber weil man Kosten sparen wollte.

    1. Redaktion Christian Hug, 02.04.2017, 22:19 Uhr

      Herr Wechsler, es ist korrekt, dass zentralplus die Veranstaltungsinformationen von einem Dienstleister übernimmt. Offenbar tragen Sie uns nach, dass wir mit Ihrem Unternehmen keine finanzielle EInigung gefunden haben. Anders als bei der IG Kultur wird zentralplus aber weder von der öffentlichen Hand unterstützt noch zum Preis von CHF 7.00 je Exemplar verkauft.

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