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«Ich will wissen, wie es wirklich aussieht»
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Am Samstag sind Marco Knobel und Andreas Lustenberger nach Lesbos abgeflogen. (Bild: zvg)

Zwei Zuger auf Lesbos Teil 1 «Ich will wissen, wie es wirklich aussieht»

3 min Lesezeit 21.12.2015, 16:00 Uhr

Genug Bilder gesehen: Zwei junge Zuger wollen sich tatkräftig für Flüchtlinge einsetzen. Dafür haben sie Geld gesammelt und sind auf die griechische Insel Lesbos geflogen, um vor Ort zu helfen. Wir haben mit Andreas Lustenberger vor dem Abflug gesprochen.

Die Frage ist: «Nützt das wirklich etwas, wenn wir gehen? Oder wäre es besser, das Geld zu spenden?» Das haben sich zwei junge Zuger lange überlegt– und sich dann für beides entschieden: Der grüne Baarer Kantonsrat Andreas Lustenberger ist am Samstag nach Lesbos geflogen, zusammen mit dem Chamer Marco Knobel – sie wollen in ihren Ferien zehn Tage lang Flüchtlingen helfen, die aus der Türkei übers Meer kommen. Und haben dafür in ihrem Bekanntenkreis Geld gesammelt. «Wir kommen also nicht nur als Helfer, sondern können auch finanziell unterstützen», sagt Lustenberger. Wir treffen die beiden kurz vor dem Abflug. Wo genau sie Hand anlegen können, wissen sie noch nicht.

«Das ist ganz anders als bei anderen Auslandeinsätzen», sagt Lustenberger. «Da ist nichts organisiert, du musst für alles selber besorgt sein. Essen, Wohnen, Mobilität: Du brauchst ein Auto. Die Organisationen schreiben auf Facebook, worum man sich alles kümmern muss.» Die beiden stehen in Kontakt mit mehreren Hilfsorganisationen auf der Insel. Bei welcher sie dann andocken können, ist völlig offen. Es gibt weder Vorstellungsgespräche noch Abklärungen. Wer da ist, hilft. «Was wir genau tun können, sehen wir dann, wenn wir vor Ort sind. Ich bin schon ein bisschen nervös», sagt Lustenberger.

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«Die Medien vermitteln uns ja ein Bild davon»

«Die haben auch gar keine Zeit, auf all die Anfragen ausführlich zu antworten. Sie schreiben nur zurück: Ja, kommt. Wir brauchen Leute.» Brauchen Leute, um die Unterbringung der Flüchtlinge sicherzustellen, um den Leuten an Land zu helfen, wenn sie anlegen, um Decken und Essen zu verteilen. «Wir haben ein Hotel gebucht, haben zwei drei Kontakte auf Lesbos, darunter auch ein Berner, der gerade vor Ort ist. Wir hoffen, dass sie uns helfen können, uns zu engagieren.»

«Natürlich machen wir das auch für uns selber.»

Andreas Lustenberger

Gehen oder spenden, die Frage hat die beiden nicht ganz losgelassen. «Natürlich machen wir das auch für uns selber. Ich will sehen, wie es da wirklich ist. Die Medien vermitteln uns ja ein Bild davon. Aber wie sieht es wirklich aus?»

Ein kleines bisschen angenehmer

Lesbos ist eine der griechischen Inseln direkt vor der türkischen Küste. Es sind knapp 10 Kilometer übers Wasser, deshalb ist diese Route stark frequentiert. Wenn Lustenberger sich hier einsetzt, macht er, falls er erfolgreich ist, die Route ein kleines bisschen angenehmer für die Flüchtlinge. Und beschleunigt damit die Migration. Will er das überhaupt? «Ja klar. Wieso schicken wir sie überhaupt auf diesen mühsamen Weg durch all diese Gefahren, wenn sie sowieso nach Westeuropa wollen? So schaffen es einfach nur die Fittesten, das kann ja nicht in unserem Sinn sein.»

Und was, wenn seine Vorstellung gar nicht zutrifft – wenn es nicht nur Familien sind, die auf Lesbos ankommen, sondern tatsächlich vor allem junge Männer, wenn es tatsächlich mehr Völkerwanderung als Flüchtlingsstrom ist, wie die SVP argumentiert? «Dann würde ich mein Bild anpassen, dazu halte ich mich schon in der Lage. Und das ist es ja auch, was ich will. Ich will wissen, wie es den Flüchtingen wirklich geht. Wie es wirklich aussieht, was wirklich passiert.»

Heute Montag sind Lustenberger und Knobel schon zwei Tage auf der Insel. Wie es den beiden geht, lesen Sie am Dienstag im ersten Erfahrungsbericht.

 

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