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«Ich will niemanden in die Pfanne hauen – ich bin ja nicht Daniel Bumann»
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Roger «Rime» Reinmann vor dem Doorzögli. (Bild: bic)

Luzerner Roger Reinmann ist legendärer Carchauffeur und Beizentester «Ich will niemanden in die Pfanne hauen – ich bin ja nicht Daniel Bumann»

6 min Lesezeit 12.01.2020, 16:21 Uhr

Roger «Rime» Reinmann ist ein Luzerner Original. Sowohl als FCL-Fan wie als Car- und Taxichauffeur ist er für viele schon fast eine Legende. Speziell ist sein jüngstes Projekt: Die Videos seiner Restauranttests erfreuen sich auf Facebook einiger Beliebtheit. 

«Ich möchte gerne einen Stumpen rauchen, während wir miteinander plaudern», sagt Roger «Rime» Reinmann, als wir einen Ort für das Interview vereinbaren. Deshalb treffen wir uns im «Café La Suisse», besser bekannt unter dem Namen «Doorzögli». Hier kehre er regelmässig ein, wie er erzählt. Was für ein umgänglicher und vor allem engagierter Typ Reinmann ist, wird schon nach den ersten Sätzen klar. 

Der 44-Jährige ist nicht nur Präsident der «Zunft zur Emme» und des FCL-Fanclubs «Blue Ecstasy», sondern auch Fahnenträger der «Musegggeischter», Luzerner Original sowie selbsternannter Restauranttester. Insbesondere mit diesem speziellen Hobby hat sich Reinmann in den letzten Jahren in Luzern einen Namen gemacht. Aber der Reihe nach. 

«Privatchauffeur» für FCL-Fans 

Geboren ist Reinmann in der Stadt Luzern, aufgewachsen in Littau. Als Jugendlicher absolvierte er eine Lehre als Servicefachangestellter im Restaurant Schwanen. Nachdem er einige Jahre in einem Lokal im nidwaldischen Ennetmoos «gekrampft» hatte, verschlug es ihn vor 22 Jahren in die Transportbranche, wo er auch heute noch als Taxi-, Limousinen- und Carchauffeur tätig ist. Heute ist er wohl einer der bekanntesten Carfahrer der Stadt. 

«Selber stehe ich aber nicht mehr in der Fankurve, dafür bin ich zu alt.»

Roger Reinmann, Carfahrer und Restauranttester

«Es gibt Gruppen, die explizit mich als Chauffeur wünschen, wenn sie eine Reise bei unserem Unternehmen buchen», sagt Reinmann mit einem Lächeln. «Oft buchen Gruppen sogar gezielt bei uns, obwohl es auch günstigere Anbieter gibt.» Jedes zweite Wochenende bringt er ausserdem einen Bus voller FCL-Fans an die Auswärtsspiele. «Selber stehe ich aber nicht mehr in der Fankurve, dafür bin ich zu alt. Wenn es geht, schaue ich die Spiele von einem Sitzplatz aus.» 

Auch generell würden ihm Partys und Ramba-Zamba nicht mehr so zusagen. «Ich bin aber gerne bereit, mich zu engagieren, wenn ich damit anderen eine tolle Zeit bieten kann», beteuert Reinmann. Er spricht von Polterabenden und Vereinsausflügen, die das gewisse Etwas haben sollen. «Hier kommen mir meine grosse Erfahrung und mein breites Netzwerk zugute. So schlage ich zum Beispiel eine Route mit coolen Beizen vor und organisiere alles entsprechend.»

Lustige Carfahrten mit Murmi als Special-Guest

Beim Ausüben seines Brotjobs geht Reinmann darum immer mal wieder eigene Wege und hat verschiedene Spezialangebote entworfen, die sich grosser Beliebtheit erfreuen. Einigen dürften seine so genannten «Fahrten ins Blaue» ein Begriff sein, die er mit ein paar Kollegen ins Leben gerufen hat.

Das Konzept: Man steigt am Morgen in Reinmanns Car, ohne zu wissen, wohin die Reise geht und was einen erwartet. «Um das ganze Erlebnis noch spezieller zu machen, habe ich einmal sogar alle Scheiben abgeklebt, damit niemand nach draussen schauen konnte», erzählt er. Das werde er aber nie mehr tun, habe er danach doch mehrere Stunden benötigt, die Fenster des fast neuen Cars von den Leimspuren zu befreien. 

Die rund 30-jährige Honda Goldwing ist Reinmanns grosser Stolz. In der Freizeit macht er damit gerne Ausflüge.

Trotz seiner Lockerheit und seinem trockenen, unersättlichen Humor stellt Reinmann hohe Ansprüche an sich und seine Projekte. «Ich will den Gästen meiner Fahrten immer etwas Neues und noch Besseres bieten», sagt er. Deshalb habe er seit längerem keine Fahrt ins Blaue mehr angeboten.

«Viele Stargäste wie die legendäre Kinderfigur Murmi oder der Luzerner Komiker Johnny Burn, die uns auf einer Fahrt ein Stück begleiteten, habe ich schon eingeladen. Im Moment weiss ich nicht, wen ich noch engagieren könnte», so Reinmann.

Darum ist trotz grosser Nachfrage nach zwei Events bis auf Weiteres Schluss – ausser jemand organisiert das komplette Rahmenprogramm. «Ich will nur noch fahren, da mir der Aufwand sonst zu gross ist», so Reinmanns Begründung. 

Spontan zum Restauranttester geworden

Also musste etwas Neues her. Und was liegt einem ehemaligen Serviceangestellten näher, als Beizen zu testen? Auf die Idee kam Reinmann ganz spontan. «Eine Reisegruppe, die mit mir unterwegs war, ass im Restaurant Stucki in Basel zu Mittag. Deshalb fragte ich, ob ich auch gleich dort essen dürfe», erinnert sich Reinmann. Als er sich dann in einem separaten Raum verpflegte, filmte er sich selber mit dem Handy und vergab spontan Punkte für den Service, die Küche und das Ambiente.

Seither hat Reinmann zehn Restaurants im ganzen Land getestet. Von der Raucherkneipe bis zum Sternerestaurant ist alles dabei. Die Tests erfolgen meistens ohne Ankündigung. Zuletzt war das «Kränzlin» in Emmenbrücke an der Reihe. «Hier vergab ich glatt die maximale Zahl von zehn Punkten», zeigt er sich rundum zufrieden. Einfach so würde er aber nie die Bestnote vergeben, sagt Reinmann mit Nachdruck.

Drei Punkte gibt’s nie

«Es muss einfach alles stimmen, dazu gehört auch, dass der Teller warm ist. Ich bin sehr kritisch, auch wenn ich niemanden in die Pfanne hauen will. Ich bin ja nicht Daniel Bumann und man muss schon aufpassen, wenn man so etwas macht.» 

Drei oder vier Punkte würde er deshalb niemandem geben, auch wenn ein Restaurant eine derart schlechte Bewertung eigentlich schon einmal verdient hätte. Der Salat für 20 Leute ging einfach vergessen. «Ich habe den Test deshalb nicht aufgeschaltet», räumt Reinmann ein.

Die Tests sind mittlerweile Happenings

Seine Tests würden mittlerweile auf einige Resonanz stossen. Das merke er anhand der Rückmeldungen, die er von verschiedenen Personen erhalte, sagt Reinmann. Und auch die Anzahl Likes auf Facebook zeigten dieses Bild. 

Mittlerweile testet Reinmann die Beizen jedoch nicht mehr alleine. Er macht daraus eine Art Happening und besucht die Restaurants mit Gruppen von sechs bis sieben Leuten, die sich zuvor bei ihm anmelden. «Die Idee ist, dass mich dann jeweils eine der Personen filmt und ein paar Fragen stellt. Meistens entsteht daraus eine Art Sketch. Danach wird das Ganze geschnitten und auf Facebook gestellt», schildert Reinmann das Vorgehen. 

Zu wenig Zeit für die Tests

Da er beruflich und mit seinen anderen Hobbys stark eingespannt ist, komme er derzeit aber viel zu wenig dazu, neue Restaurants zu testen. «Ich sollte schon lange das Restaurant Mare in Hochdorf ausprobieren, habe es aber noch nicht geschafft», zeigt sich Reinmann etwas wehmütig.

Die Auswahl der Lokale basiere auch auf Inputs anderer Leute, so zum Beispiel beim «Mare». «Man kann mich aber auch anrufen und fragen, ob ich mit einer Gruppe eine Beiz testen möchte. So quasi als spezieller Ausflug, den wir dann mit meinem privaten Kleinbus, dem ‹Zunftmobil›, unternehmen», so Reinmann schmunzelnd. 

Ausserdem hat er schon im Auftrag von Privatpersonen Restaurants getestet. Zum Beispiel für eine Hochzeit oder eine Geburtstagsfeier. Diese Tests erscheinen allerdings nicht im Internet. «Es geht mir dabei auch nicht um das Geschäft», betont Reinmann. «Ich kann einfach auf Spesen in gediegenen Restaurants gute Menüs geniessen. Das reicht mir.» 

Hinweis in eigener Sache: Auch zentralplus testet Restaurants.

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