«Ich werde nie mehr für den FCL arbeiten»
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Eine Absage ohne Begründung – das nimmt Trainer René van Eck den FCL-Verantwortlichen übel. (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

René van Eck fühlt sich respektlos behandelt «Ich werde nie mehr für den FCL arbeiten»

4 min Lesezeit 10 Kommentare 24.12.2019, 16:11 Uhr

René van Eck kann damit leben, dass er beim abstiegsbedrohten FC Luzern nicht neuer Cheftrainer wird. Aber er hat kein Verständnis dafür, wie er von den FCL-Verantwortlichen in den letzten Tagen behandelt wurde. Dazu gehört, dass der 53-jährige Holländer keine Begründung für die Absage erhielt.

René van Eck, der seit dem Aufstieg mit dem FCL im Jahr 2006 schier Kultstatus bei vielen Anhängern geniesst, wird nicht Nachfolger des vor neun Tagen gefeuerten Thomas Häberli (zentralplus berichtete). Am Mittwoch wurde er aus Amsterdam eingeflogen, um der FCL-Führung um Präsident Philipp Studhalter, Sportchef Remo Meyer und Scout Pasquale De Simone darzulegen.

Aber es ist eine Erfahrung, die Van Eck in unangenehmer Erinnerung bleiben wird. Er sagt: «Ich wurde respektlos behandelt.»

zentralplus: René van Eck, es hat mit Ihrer Rückkehr als Cheftrainer zum FC Luzern nicht geklappt. Was löst das in Ihnen aus?

René van Eck: Ich wusste, dass der FC Luzern auch mit anderen Trainer-Kandidaten redet, und deshalb kann ich es problemlos akzeptieren, wenn die Wahl auf jemand anderen fällt. Aber die Art und Weise, wie mit mir umgegangen wurde, kann ich nicht verstehen. Ich empfinde sie als respektlos.

zentralplus: Was ist vorgefallen?

Van Eck: Ursprünglich wurde mir am Freitag in Aussicht gestellt, Bescheid zu erhalten. Aber ich hörte von Remo Meyer erst am Samstagabend wieder mit dem Hinweis, es werde Montag für eine Entscheidung. Dann war wieder nichts, weil die Sache am Montagabend noch im Verwaltungsrat besprochen werden musste. Hingegen werde ich wenige Stunden vor Heiligabend mit einer Absage konfrontiert. Nicht unbedingt der Tag für Geschäftliches.

zentralplus: Wie lautete die Begründung?

Van Eck: Das ist der Hammer: Ich erhielt nämlich gar keine. Selbst auf explizite Rückfrage nicht. Remo Meyer sagte bloss, dass es keine gäbe. Das habe ich bis zum heutigen Tag noch nie erlebt.

zentralplus: Und dann?

Van Eck: Ich sagte Remo Meyer: «Sorry, aber das hast du doch vorher schon gewusst. Und dann hättest Du mich schon vor der Sitzung anrufen können oder auch noch danach.»

«Für mich ist das Tischtuch zerschnitten und das Kapitel FCL definitiv abgeschlossen.»

René van Eck

zentralplus: Und was heisst nun das für Sie?

Van Eck: Für mich ist das Tischtuch zerschnitten und das Kapitel FCL definitiv abgeschlossen. Ich sagte Remo Meyer offen, dass ich öffentlich machen werde, wie ich seit 2006 von den Klubverantwortlichen behandelt wurde. Das lasse ich mir nicht mehr länger bieten.

zentralplus: Dabei stehen Sie bei den Fans hoch im Kurs.

Van Eck: Ich habe drei Kinder, die in der Schweiz leben. Und sie haben soviele positive Rückmeldungen von FCL-Fans erhalten, als meine Kandidatur bekannt wurde. Diese Unterstützung zu spüren hat mir gut getan, und mir bleibt nur zu sagen, dass ich für diesen Verein und die Fans alles gemacht hätte.

zentralplus: Hatten Sie wegen Ihrer langen Haartracht und Ihren Tattoos überhaupt je eine Chance in der obersten FCL-Führungsetage?

Van Eck: Das weiss ich nicht. Aber wenn es ein Problem war, warum hätten sie mich dann mit einem Tagesticket einfliegen lassen sollen?

«Ich kann mir keinen Reim darauf machen, ob das wirklich bloss Zufall war.»

zentralplus: Vielleicht diente Ihre Personalie dem FCL bei der Trainerwahl bloss als Ablenkungsmanöver?

Van Eck: Dieser Gedanke ist mir schon seit Tagen durch den Kopf gegangen. Deshalb habe ich Remo Meyer darauf angesprochen. Und er entgegnete, ob ich ihn wirklich so einschätze. Aber von dem Moment an, als ich am Mittwoch in der Schweiz ankam, war ich bei verschiedenen Medien in den Schlagzeilen. Vielleicht bin ich einer, der auffällt und deshalb schnell erkennt werde. Als ich aber von Remo Meyer aus der Tiefgarage chauffiert wurde, stand plötzlich einer da, der ein Video machte. Ich kann mir keinen Reim darauf machen, ob das wirklich bloss Zufall war.

zentralplus: Stimmt es, dass der FCL Sie beim Gespräch auch danach fragte, ob Sie den Posten eines Assistenztrainers annehmen möchten.

Van Eck: Ja. So habe ich seinerzeit beim FCL angefangen, danach bin ich zum Cheftrainer aufgestiegen und habe in der Folge bewiesen, dass ich in dieser Rolle etwas reissen kann. Darum ist für mich nur der Job als Cheftrainer in Frage gekommen. Ich glaube, dass ich die Luzerner DNA, wie Remo Meyer das Profil des neuen Trainers umriss, in jedem Punkt erfülle. Aber was nicht passte, wurde mir nicht gesagt. Deshalb braucht mich nie wieder ein FCL-Verantwortlicher anzurufen.

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10 Kommentare
  1. lord, 29.12.2019, 22:46 Uhr

    RvE ist eine Heulsuse und…….1/2 Std nach Absage springt er zu den Journalisten. Was soll Meyer anders machen? Er hat ja persönlich abgesagt und RvE musste es nicht aus der Zeitung erfahren, wie es bei anderen unter Leitung Studhalter war.
    Zur FCL Kommunikation: nichts neues. Krienbühl produziert als GL -Mitglied und Leiter Kommunikation mit FCL TV lieber Schnulzen a la Glanz und Gloria. Studhalter als CEO /Präsi ist ein Phrasendrescher und wird sowieso nicht ernst genommen.
    Vision 2021 mit u.a. ehrlicher Kommunikation: die Macher zu dieser sind längst nicht mehr beim FCL (Kälin), jedoch Meyer hält sich dran, er ist in diesem Bereich einfach nicht geführt.

  2. Gelöscht99, 28.12.2019, 22:48 Uhr

    Es freut mich, daß es noch Männer mit Ehrgefühl gibt!
    Mir ist soetwas ähnliches vor 26 Jahren (präzise im Jänner 1993) am Stadttheater Klagenfurt passiert, wo man mich als deutschen Ausländer in Kärnten bei der Besetzung der Position des ersten Kapellmeisters einfach übergangen hatte und mir dann dreisterweise (Kapellmeister haben meist nur Jahresverträge) sogar nur eine Repetitorenstelle, dann die Chordiraktorenstelle anbot („Wie sich die Bilder gleichen“, Puccini, „La Tosca“, Cavaradossi 😉 ), obwohl ich dem scheidenden ersten Kapellmeister als festangestellter zweiter Kapellmeister ein paarmal einspringend „den Allerwertesten“ gerettet hatte und das Haus auch weit darüberhinaus längst wußte, was ich leiste.
    Vielleicht aber war es gerade dies, wie mir später ein Musikalienhändler hinterbrachte: Erfolg des Fremden erzeugt mitunter Neid bei jenen Einheimischen, die es nicht können.
    Man sollte zwar nie eine Tür zuschlagen, wenn es nicht nötig ist – aber in solchen intriganten Fällen ist es immer nötig!

    Geehrter Herr van Eck,
    ich bin kein Fußballfan und kannte Sie bis zu diesem Artikel, auf den cih zufällig stieß, garnicht (was ich nun schade finde!) Bin Dirigent für Oper, Konzert, Ballett, Operette, Musical . . . anyway – völlig unabhängig vom jeweiligen Fachgebiet: Die Menschenwürde sollte man sich von keinem noch so verschlagenen „Manager“ abkaufen lassen!
    Ich kann Ihre Haltung sehr gut nachvollziehen! Bravo!

    Willkommen im Club! 😉

  3. Joseph de Mol, 26.12.2019, 16:09 Uhr

    Solche Entscheidungen – die jeder rationalen Analyse und nachvollziehbarer Grundlagen entbehrt – beschleunigt den invasiven Untergang des FCL nur noch! Sowas passiert unweigerlich, wenn sich auf der sportliche-operativen Ebene, der strategischen Ebene und der Ebene der Geldgeber zu viele narzisstisch- egomanische Einzelmasken wiederfinden, die komplett unfähig zur Reflexion und Kontemplation sind. Dies führt dann in der Konsequenz unweigerlich zu einer Art kannibalischen Selbstzerfleischung sämtlicher Substanz (die noch in Resten vorhanden wäre)! Zusammenfassend könnte man anmerken: Unprofessioneller gehts nimmer! Jetzt hilft nur noch ein uriger Doppelpack von Türkiylmaz!

  4. Diva, 26.12.2019, 04:45 Uhr

    Keine Begründung der Absage…. Ich sehe das Problem nicht?! Ist jemand verpflichtet, eine Begründung anzugeben?
    Van Eck’s Reaktion darauf macht deutlich: Der Entscheid war richtig.
    Er spielt die beleidigte Leberwurst und spring damit gleich zu den Medien…
    So benimmt sich eine Diva und das braucht der FCL nicht.

    1. Krieger, 26.12.2019, 11:08 Uhr

      Lesen sie auf der FcL Hompage die Vision 21 genau durch, dort ist von ehrlicher, transparenter, und volksnaher Arbeit die Rede, für mich ist dann gegenüber den Fans und auch von Rene van Eck
      eine Begründung nicht mehr als die logische Konsequenz. Aber die Vision 21 Ist sowieso nicht mehr wert als das Papier auf die es geschrieben wurde und mit diesem Sportchef gar nicht zu verwirklichen.

  5. dolfino, 25.12.2019, 16:43 Uhr

    Und wieder so eine Meyersche Kommunikationspanne. Bei der Anstellung von Weiler kam nichts nach aussen, bis klar war wer jetzt Trainer wird. Aber dieses verhalten im jetzigen Moment zeigt, wie wenig Respekt und Anstand Meyer hat. Es könnte natürlich sein, dass Alpstaeg sein Wort hält und RvE nicht wollte wegen seiner Haarpracht. Ist seine Meinung und halt wer zahlt befiehlt. Aber Meyer hätte den Besuch mit RvE wohl diskreter abhandeln müssen, nur kann man vom Sportchef FCL nichts anderes erwarten. In der Hoffnung es kommt gut Hopp Lozärn

  6. Krieger, 24.12.2019, 18:43 Uhr

    Anstand war noch nie eine Stärke der FcL Führungsriege

    Remo Meyer und seine Crew haben einmal mehr bewiesen das von oben nichts vernünftiges kommt in Sachen Kommunikation, da ist der fehlende Anstand wie man mit einer Person umgeht die immer alles für den Verein gegeben hat noch das kleinere Problem. Meyer hat doch an der letzten Pressekonferenz erklärt das er immer klar kommuniziere und der neue FcL Trainer eine Luzerner DNA haben muss wohl alles schon vergessen ist ja halt schon eine Woche her.

  7. Krieger, 24.12.2019, 18:00 Uhr

    Haben sie von Remo Meyer etwas anderes erwartet !!!!

    Ich habe von Remo Meyer nichts anderes erwartet als eine respektlose Absage an Rene van Eck.
    Ich hoffe schwer das er dann im Sommer auch weg ist, denn schliesslich hat er an der Pressekonferenz erklärt das der neue Trainer eine Luzerner DNA haben muss was kaum der Fall sein wird. Ich werde auf jeden Fall um die Swisspor Arena einen grossen Bogen machen solange
    Meyer dort tätig ist.

  8. Peter, 24.12.2019, 17:47 Uhr

    René van Eck wäre der richtige FCL-Trainer in der aktuellen Situation gewesen, davon bin ich absolut überzeugt. Sehr schade, dass der VR diese Riesen-Chance nicht sieht und sie packt.

  9. Adrian Wallimann, 24.12.2019, 17:34 Uhr

    Solange Hr.Studhalter und Hr. Meyer in diesem Verein tätig sind, werde ich keinen Fuss mehr in diesen „Laden“ setzen!
    Authentisch soll der Trainer sein?
    Die grösste Chance hat man jetzt vertan mit Rene van Eck!
    Trauriges Bild was da in Luzern geschrieben wird!

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