Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
«Ich wäre sehr gerne beim Pornodreh dabei gewesen»
  • Kultur
  • Gesellschaft
  • Kultur
(Bild: Anja Wurm)

Keine Hemmungen: Luzerner Fotografin Anja Wurm «Ich wäre sehr gerne beim Pornodreh dabei gewesen»

4 min Lesezeit 27.02.2016, 11:55 Uhr

Mit 24 Jahren ist Anja Wurm bereits selbstständige Fotografin und stellt als Jüngste an der Fotowerkschau Luzern aus. Und dies, obwohl sie sich für chancenlos hielt. Doch das Alter kann trotzdem Handicap sein.

Mit ihren 24 Jahren ist sie die jüngste Ausstellerin an der Fotowerkschau Luzern. Ihre bisherigen Arbeiten stellen stets den Menschen in den Fokus – vom Pornostar bis zur puren Ballettschülerin. In den Bildern, welche sie an der Fotowerkschau ausstellt, dokumentiert Anja Wurm nun ein Brauchtum aus Spanien – die katalonischen Menschentürme. Für die Veranstaltung reiste sie im vergangenen Jahr nach Spanien und mischte sich zwei Tage lang in die Menschenmassen. «Ich wusste überhaupt nicht, ob etwas daraus werden würde, ich hatte keine Ahnung von der Tradition, als ich mich auf den Weg machte», erzählt Wurm.

Chancenlos?

Doch vor Ort ging plötzlich alles sehr schnell. «Die Leute erkannten mich immer wieder, halfen. Ich habe Tradition und Leute kennengelernt. Es war dann einfach, nahe rein- und ranzukommen. Bis zu den innersten Kreisen.» Das sei besonders beeindruckend  gewesen – auch wenn Leute runtergefallen seien. Die Unfälle hat Wurm jedoch nicht dokumentiert. «Ich wollte die Leistung dieser Gruppen würdigen, da ich grossen Respekt davor habe, und nicht den Fokus auf das Scheitern legen.»

Unterstütze Zentralplus

Zwei Fotografien von Anja Wurm, welche derzeit an der Fotowerkschau in der Kornschütte ausgestellt sind. (Bild: Anja Wurm)

Zwei Fotografien von Anja Wurm, welche derzeit an der Fotowerkschau in der Kornschütte ausgestellt sind. (Bild: Anja Wurm)

Zwischen 300 und 600 Bilder entstanden in den zwei Tagen in Katalonien. Zwölf davon hängen nun in der Kornschütte. «Mir fällt es eigentlich immer relativ leicht, die erste Auswahl zu treffen – bis runter auf ungefähr 30 Bilder. Aber danach wird’s hart.»

«Ich solle mich in zehn Jahren wieder melden, haben sie gesagt.»

Bei der Fotowerkschau auszustellen, sei eine grosse Chance für sie, betont die junge Fotografin. Dazu gekommen ist sie, da sie Mitglied von Fotodok ist. Doch das Projekt habe sie ganz kurzfristig eingereicht. «Ich hatte die Fotos gerade erst gemacht und wusste nicht, ob überhaupt etwas daraus wird.» Zudem hielt sie sich erst auch gar nicht für qualifiziert. «Ich war sehr kritisch und überzeugt davon, dass ich chancenlos bin.» Es seien so viele gute Fotografen mit langjährigen Reportagen dabei. Da ist Wurm mit knapp zwei Jahren Erfahrung seit der Lehre und einer Arbeit, die innert zwei Tagen entstand, eine Ausnahme.

Niemals Selbstständigkeit!

2014 hat sie ihre Lehre erst abgeschlossen. Gleich danach machte sie sich selbstständig. Eine Herausforderung, die Wurm eigentlich nie für sich geplant hatte. Aber es gehe fast nicht anders. «In unserem Beruf ist Selbstständigkeit die beste Lösung.» Auch wenn sie sich eigentlich immer gesagt habe, dass sie nie selbstständig sein möchte. «Es entwickelt sich auch gut mit den Aufträgen, aber derzeit jobbe ich noch nebenbei.» Doch wenn man sich nicht als Produkt-Fotograf fix anstellen lassen möchte, dann sei das die beste Variante. «Und ich möchte den Fokus auf Menschen richten», betont Wurm.

Die Fotowerkschau 2016

Noch bis zum 5. März kann man die Fotowerkschau 2016 in der Luzerner Kornschütte besuchen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 16 Uhr

Die Ausstellenden: Gabriel Ammon, Natalie Boo, Mischa Christen, Lorenz Andreas Fischer, Heidi Hostettler, Kari Joller, Kuster Frey, Nique Nager, Christina Niederer, Anja Wurm
Special Guest: Georg Anderhub

Doch auch für Fashion-Fotografie kann sie sich begeistern – für richtig aufwendige Inszenierungen. «Leider sind solche Aufträge in der Schweiz kaum möglich. Hier wird selten geshootet. Und wenn, dann nehmen sie kaum junge Leute. Ich solle mich in zehn Jahren wieder melden, haben sie gesagt», lacht Wurm.

Porno im Alltag

Berührungsängste oder Hemmungen, das ist etwas, was Anja Wurm bei ihrer Arbeit nicht kennt. Für ihren Lehrabschluss nahm sie eine Pornodarstellerin ins Visier. «Ich wäre sehr gerne beim Pornodreh dabei gewesen, um dort zu fotografieren.» Aber die Dreharbeiten von Pornos finden meist in den USA oder in Deutschland statt. Und das habe schlicht nicht in den zeitlichen Rahmen gepasst. «Schliesslich haben wir uns dazu entschieden, eine Homestory zu machen und damit einen Einblick in den Alltag dieses Pornostars zu gewähren.»

Anja Wurm

Anja Wurm

Im direkten Gespräch wirkt die 24-Jährige jedoch sehr ruhig und zurückhaltend, fast schüchtern. «Das höre ich oft. Viele Menschen schätzen mich daher auch nicht so offen ein und sind dann von gewissen meiner Arbeiten sehr überrascht.»

In solchen porträtiert sie zum Beispiel eine Dragqueen. «Ich habe während der Lehre als Nebenjob oft im Club Loft fotografiert. Und besonders häufig an der Frigay-Night. «Manche, gerade männliche Fotografen zierten sich etwas und waren froh, wenn ich diese Events übernahm.» Ein Job, der ihr hingegen grossen Spass mache. «Ich habe tolle und extrem spannende Menschen dabei kennengelernt.»

Es sei ihr besonders wichtig, allen Leuten gleich zu begegnen – offen und ohne Vorurteile. «So wurde ich erzogen.»

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare