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«Ich wäre schwer enttäuscht gewesen»
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Cyrill Wiget herzt nach Bekanntgabe seines Sieges seine Familie im Foyer des Gemeindehauses. (Bild: bra)

Cyrill Wiget ist Krienser Gemeindepräsident «Ich wäre schwer enttäuscht gewesen»

4 min Lesezeit 23.08.2015, 15:39 Uhr

Er hat zwar etwas gezweifelt, aber dennoch an seinen Sieg geglaubt – und ist damit goldrichtig gelegen. Der Grüne Cyrill Wiget präsidiert neu die drittgrösste Luzerner Gemeinde. Warum sein Vorsprung nicht grösser als 13 Stimmen war, dafür hat Wiget eine Vermutung.

«Als ich heute morgen joggen ging, dachte ich: Doch, das kommt gut.» Dem frischgebackenen Krienser Gemeindepräsidenten Cyrill Wiget (53) steht der «Schock» seiner hauchdünnen Wahl noch ins Gesicht geschrieben, als er ein paar Minuten später vor dem Gemeindehaus zentral+ ein Interview gibt. Zuvor sei er sich aber überhaupt nicht sicher gewesen, obschon er viel Zuspruch aus der Bevölkerung erhalten habe.

«Offenbar gab es nur Kritik an meiner Parteizugehörigkeit, nicht aber an meiner Arbeit als Gemeinderat und Gewerbler», freut sich Wiget, der als erster Grüner Gemeindepräsident in der Zentralschweiz in die Geschichte eingehen dürfte. Sein Vorgänger in Kriens war Paul Winiker, der im Frühling als SVP-Vertreter in die Luzerner Regierung gewählt wurde. Vor Winiker hatte Helene Meyer-Jenni von der SP das Amt inne. Zuvor gab es «nur» bürgerliche Krienser Gemeindepräsidenten. Wiget vermutet: «Wäre ich kein Grüner, wäre mein Vorsprung eventuell etwas grösser ausgefallen.»

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Wiget, Vorsteher des Departements Umwelt, Sicherheit und Sport, entschied das Duell gegen seinen Gemeinderatskollegen Matthias Senn (FDP, 53) hauchdünn mit 13 Stimmen Vorsprung: Für Wiget wählten 3’261 Krienser, für Gemeindeammann und Bauvorsteher Senn 3’248. Das absolute Mehr lag bei 3’259 Stimmen – drei Stimmen weniger für Wiget, und es hätte einen zweiten Wahlgang gegeben. Dies bei einer Stimmbeteiligung von 36 Prozent. Als Vizepräsident des Gemeinderats führt Wiget das Gremium bereits seit dem 1. Juli 2015 ad interim.

Bei der Ersatzwahl für Paul Winiker in den Gemeinderat machte überraschend der CVP-Vertreter Franco Faé das klar beste Resultat. Simon Konrad (FDP) und Patrick Koch (SVP) schmierten ziemlich ab. Koch hat gegenüber zentral+ gleich nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses bekannt gegeben, dass er für einen zweiten Wahlgang nicht mehr zu haben ist. Unklar ist die Situation noch bei Simon Konrad. Eventuell gibt’s keinen zweiten Wahlgang, sondern eine stille Wahl von Faé.

«In Gedanken habe ich mich schon intensiv damit auseinandergesetzt, was ich als Gemeindepräsident wie umsetzen könnte.»

Cyrill Wiget, Neo-Gemeindepräsident Kriens

Wiget war in Gedanken schon Präsident

Wiget macht aber keinen Hehl daraus, dass ihn eine Niederlage schwer getroffen hätte. «Ich wäre sehr enttäuscht gewesen», räumt er ein. «Denn in Gedanken habe ich mich schon intensiv damit auseinandergesetzt, was ich als Gemeindepräsident wie umsetzen könnte.» Dass er diese Möglichkeit nun erhält, dafür sei er den Kriensern sehr dankbar. «Ich freue mich wahnsinnig, dass die Bevölkerung mir dieses Vertrauen geschenkt hat.» 

Grüne wittern Morgenluft

Nach dem Sieg von Cyrill Wiget machen sich die kantonalen Grünen nun selber Mut. In einer Mitteilung schreiben sie: «Zum ersten Mal wird im Kanton Luzern ein Grüner Gemeindepräsident. Das zeigt: Wir Grüne haben Rückhalt in der Bevölkerung und leisten konsequent unseren Beitrag zu einer lebenswerten, ökologischen und sozialen Gesellschaft. Die heutige Wahl ist zugleich ein kraftvoller Startschuss für die eidgenössischen Wahlen im Herbst – wir sind bereit!» Am 18. Oktober wird sich zeigen, ob das mehr als ein frommer Wunsch ist.

Kriens ist mit gut 27’000 Einwohnern nach Emmen und Luzern die drittgrösste Luzerner Gemeinde. Trotz Pilatus zur linken und Sonnenberg zur rechten Seite – ein wahnsinnig positives Image hat die Gemeinde nicht. Vielmehr gilt sie in den Augen von vielen noch immer als eine eher träge, gutbürgerliche Stau- und Schlafgemeinde. Auf die Frage an Wiget, ob sich an dieser Wahrnehmung durch seine Wahl nun etwas ändern könnte, sagt dieser: «Ich nehme Kriens schon heute anders – positiver – war. Unsere Gemeinde entwickelt sich sehr, wird immer urbaner und lebendiger.» Diese Entwicklung wolle er nun weiter vorantreiben.

Nun freue er sich zudem, dass er nach zwölf Jahren ein anderes Dossier übernehmen könne. Bekanntlich organisiert sich der Krienser Gemeinderat auf nächstes Jahr hin neu. Die Departemente werden umgekrempelt. Bis es aber soweit ist, behält Wiget, sowie die anderen Gemeinderäte, aber sein Departement.

Senn nimmts gelassen

Äusserlich nicht allzu beeindruckt von seiner hauchdünnen Nicht-Wahl scheint an diesem Sonntagmittag Matthias Senn zu sein. Wobei die grossen Emotionen auch nicht das Ding des stets besonnen und höflich auftretenden Gemeindeammanns sind. Auf die Frage, ob er sehr enttäuscht sei, sagt Senn: «Klar hätte ich das Amt gerne übernommen, aber ich hab nicht unbedingt damit gerechnet.» Senn deutet das Resultat nun so, dass die Bevölkerung ihn gerne im Amt als Bauvorsteher behalten möchte. «Erst gestern sprach mich ein älterer Herr an. Er entschuldigte sich fast, als er sagte, dass er Cyrill Wiget als Gemeindepräsidenten wählen werde, da er mich weiterhin als Bauvorsteher haben möchte», erinnert sich Senn und lächelt. Diese Variante könnte durchaus zutreffen, da Senn bislang tadellose Arbeit geleistet hat und bei ihm partout keine Leichen im Keller entdeckt werden.

Der knappe Verlierer Matthias Senn nimmt sein Ergebnis sportlich auf.

Der knappe Verlierer Matthias Senn nimmt sein Ergebnis sportlich auf.

(Bild: bra)

Im Frühling gibts Neuwahlen

Nächsten Frühling nun finden in Kriens die Gesamterneuerungswahlen statt. Diesen werden sich alle fünf Gemeinderäte stellen müssen, also auch die anderen Bisherigen: Lothar Sidler (CVP, Soziales) und Judith Luthiger-Senn (SP, Bildung und Kultur). Nach dieser Wahl, bei der auch das Gemeindeparlament neu bestimmt wird, wird darüber debattiert, welcher Gemeinderat welches Departement übernehmen möchte. Senn hat schon mal angedeutet, dass er sich auch für die Finanzen interessieren würde. «Je nach Ausgang der Gemeinderats-Ersatzwahlen werde ich mich dann entscheiden.»

Mehr Bilder von Cyrill Wiget und Matthias Senn aus dem Foyer des Gemeindehauses sehen Sie hier:

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