«Ich verlange Frühstück ans Bett, Schnittblumen und ein neues Küchengerät als Geschenk»
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(Bild: Juliane Liebermann/Unsplash)

Prominente Väter aus Luzern und Zug zum Vatertag «Ich verlange Frühstück ans Bett, Schnittblumen und ein neues Küchengerät als Geschenk»

7 min Lesezeit 2 Kommentare 06.06.2021, 12:00 Uhr

Er ist vielleicht nicht so bekannt wie der Muttertag – aber es gibt viele Gründe, ihn zu ehren: Heute ist Vatertag! Der Luzerner Comedian Dominic Deville könnte sich auch vorstellen, Vollzeitpapi zu sein, der Zuger Kantonsrat Stefan Moos hingegen wohl weniger. Und der Luzerner Rapper EffE hat dank seiner Kinder realisiert, dass er alt wird.

«Kenned ehr das Gfühl?
Die gspässig Vermuetig, dass es eui Familie weder mol gschafft hed?
Sie hed ehn vergässe.
De Vatertag.»

«Oh, Vatertag», haucht ein junger Vater, während er durch die Wohnung schlendert, sein Gesicht in den Vorhängen versteckt. Traurig und bestürzt, sein Blick. Denn sie haben ihn vergessen. Keine Geschenke liegen für ihn bereit. «Eis Jahr Vofreud isch förd Föchs.»

Na, wie sieht’s bei dir aus – hast du’s vergessen? Denn während uns Schokoladenfabriken, Blumen- und Schmuckläden zu Dutzenden daran erinnern, dass der Muttertag vor der Tür steht, ist beim Vatertag ein wenig mehr Eigeninitiative gefragt.

Für den Luzerner Comedian Dominic Deville ist der Vatertag «unglaublich wichtig», wie er auf Anfrage sagt. Sogar so wichtig, dass er ihm bereits einmal ein Lied gewidmet hat, in dem Väter ihre Trauer bekunden:

Dominic Deville ist zu 15 bis 60, manchmal auch bis zu 120 Prozent Hausmann

Er plant natürlich gar nichts. «Das sollen mal schön meine Kinder übernehmen! Ich verlange Frühstück ans Bett, Schnittblumen, Basteleien und ein neues Küchengerät als Geschenk.»

Der 46-Jährige ist Vater eines zehnjährigen Sohnes und einer achtjährigen Tochter. Was bedeutet es für ihn, ein guter Vater zu sein? «Meine Eigenschaften weitergeben zu können. Die Guten wie auch die Schlechten. Denn das bedeutet, dass meine Kinder und ich genug Zeit miteinander verbracht haben», meint Deville.

Der diplomierte Kindergärtner, der seit 2016 sonntagabends die Comedy-Sendung «Deville Late Night» auf SRF moderiert (zentralplus berichtete), ist auch Teilzeithausmann. «Ich würde sagen, etwas zwischen 15 und 60 Prozent, je nachdem. An gewissen Tagen sind es aber auch 120 Prozent.»

«Ich könnte mir sehr gut vorstellen, Vollzeithausmann zu sein. Auch wenn ich da wahrscheinlich sehr viel hinein romantisiere in diese Vorstellung.»

Dominic Deville, Luzerner Comedian und Vater

Das sei ganz projektbedingt bei ihm. Könnte er sich vorstellen, Vollzeitpapa und -hausmann zu sein? «Ja, klar!», sagt Deville. «Auch wenn ich da wahrscheinlich sehr viel hinein romantisiere in diese Vorstellung.»

Sein Beruf erlaube es, Freiheiten zu nutzen, um Beruf, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. «Das gelingt aber nicht immer.» An seine Grenzen komme er immer wieder. Zuletzt an dem Morgen, als Deville uns seine Antworten zumailte. «Meine Tochter weigerte sich, eine Jacke anzuziehen, obwohl ich genau wusste, dass es kalt sein würde! Frechheit. Eine Stunde später bin ich im See schwimmen gegangen. Die Sonne brannte.»

The Show must go on: Dominic Deville.

Zuger Kantonsrat hat drei Kinder und arbeitete «über-Vollzeit»

Stefan Moos, Zuger FDP-Kantonsrat und Unternehmer, hat erst durch das Telefon von zentralplus realisiert, dass an diesem Sonntag wieder der Vatertag vor der Tür steht. Dementsprechend hat der dreifache Vater auch nichts geplant. «Dass der Muttertag bekannter ist, ist historisch gewachsen. Ich hätte nichts dagegen, wenn auch der Vatertag verbreiteter wäre, fühle mich deswegen aber auch nicht als Vater diskriminiert.»

Moos wuchs in einer traditionellen Familie auf – eine Unternehmerfamilie, der Vater arbeitete, war selbst Stadtrat – und die Mutter kümmerte sich um Kinder und Haus. Anders hat er es nicht gekannt. Heute blickt Stefan Moos auf eine jahrelange Tätigkeit als Politiker und Unternehmer zurück. 17 Jahre lang war er im Zuger Stadtparlament vertreten, seit zwei Jahren sitzt er für die FDP im Kantonsrat. Von seinen Eltern hat er die Moos Bauingenieure AG übernommen, vor zwei Jahren die Einmannfirma Moos-zug.ag gegründet. Der heute 53-Jährige hat immer Vollzeit gearbeitet, manchmal auch «über-Vollzeit», wie er selber anfügt.

«Meine Kinder sind sicher mal zu kurz gekommen.»

Stefan Moos, Zuger Unternehmer, FDP-Kantonsrat und Vater

Wie blieb neben der Karriere noch Zeit für die Kinder? «Manchmal denke ich schon, dass es schön gewesen wäre, früher mehr Zeit mit meinen Kindern verbracht zu haben. Sie sind sicher mal zu kurz gekommen», sagt Moos. Umso mehr geniesse er heute die Zeit mit ihnen – alle drei zwischen 18 und 22 Jahren alt. Sie würden ein sehr gutes Verhältnis miteinander pflegen. «Je nach Alter können Kinder anstrengend sein», meint er mit einem Schmunzeln. «Aber in mir löst es auch heute noch ein Glücksgefühl aus, Vater zu sein. Ich war schon immer ein Familienmensch – wollte eine eigene Familie gründen und freue mich jetzt schon auf die Grosskinder, falls es mal welche gibt.»

In seinen Augen gebe es kein richtiges und falsches Modell – jedes Paar mit Kindern müsse für sich das richtige Modell finden und Kinderbetreuung und Haushalt unter sich abmachen. Er werte es überhaupt nicht, wenn ein Vater Vollzeit berufstätig sei und ein anderer Vollzeithausmann. «Zumal Hausfrauen und -männer eine unglaubliche wichtige und existenzielle Funktion für die Gesellschaft einnehmen. Ich bin manchmal überrascht, wenn ich von Frauen höre, sie seien ‹nur› Hausfrau.» Allerdings wüsste er nicht, wie er es mit seiner damaligen Partnerin vereinbart hätte, wenn auch sie eine Karriere hätte anstreben wollen.

Berufstätige Väter sind mittlerweile mit denselben Problemen wie berufstätige Mütter konfrontiert – schlechte Aufstiegschancen wegen Teilzeitarbeit und Pensionskassenlücken sind Beispiele. «Meiner Meinung nach gibt es berufliche Funktionen, welche nur mit Pensen von grösser-gleich 100 Prozent möglich sind, wie zum Beispiel als Geschäftsführer oder Geschäftsführerin eines KMU», findet Moos ganz pragmatisch. Würden solche Funktionen geteilt, könne es seiner Meinung nach schwierig werden. «Auch da müssen und können sich Paare frei entscheiden. Wenn man ‹nur› 60 oder 80 Prozent arbeiten will, muss man dann halt auf eine grosse Berufskarriere verzichten.»

Oft sei er gefragt worden, wie er alles unter einen Hut bringe. Im Geschäft habe er sich von der Politik erholt, in der Politik vom Geschäft. «Und die Familie war und ist die Insel, die mich auffängt und mich zum Durchschnaufen bringt.»

FDP-Politiker Stefan Moos.

Beim Luzerner Rapper geht’s mal drunter und drüber

Der Luzerner Rapper Rafael Graf alias EffE weiss gar nicht, wann Vatertag ist. «Darum ist das immer eine Überraschung», sagt er.

«Ich glaube, nach bestandener Autoprüfung sind die Kinder die grösste Veränderung in meinem Leben.»

Rafael Graf alias EffE, Paketbote, Rapper und Vater

«Ich glaube, nach bestandener Autoprüfung sind die Kinder die grösste Veränderung in meinem Leben.» Er flucht nicht nur weniger als früher (zentralplus berichtete), sondern hat dabei wohl auch gemerkt, dass er älter und erwachsener wird. «Der Moment, an dem du wirklich realisierst, dass du Vater bist, ist der Moment, wenn deine Kids eingeschult werden. Dann stehst du da, neben all den Eltern und denkst, vor ein paar Jahre stand ich doch noch da …»

Seinen Kindern hat er auch schon einen Track gewidmet. «Oh schwarz-wiis – Liebesbewiis – mis graue Baby», heisst es beispielsweise in «Mis graue Baby». Ein Song, den er für seine Tochter geschrieben hat. In dem er ihr seine Liebe zeigt und ihr – wie es Eltern eben auch sein müssen – Lebensweisheiten und Werte mit auf den Weg gibt.

Für ihn bedeutet Vater zu sein, der Fels in der Brandung zu sein. «Die Kinder sollen wissen, dass sie immer auf mich zählen können.» Der 34-Jährige arbeitet auch heute noch Teilzeit bei der Post. Nebenbei studiert er in Zürich Audio Engineer, macht Musik – ist aber fast jeden Nachmittag bei seinen drei Kindern, bis seine Frau von der Arbeit kommt. «Ja, ich kann staubsaugen und Geschirrspüler ausräumen, wie der Profi», meint EffE. Vollzeitpapi zu sein, könnte er sich aber nicht vorstellen. Auch für seine Frau wäre das nichts. Darum teilen sie sich die Arbeit wie den Haushalt auf.

Auch er kommt immer wieder mal an seine Grenzen. Zum Beispiel, wenn seine 9-jährige Tochter mit seiner Frau streitet. Oder «EffEsinSohn» (3-jährig) sich den Fuss am Sofa angeschlagen hat und weint. Und dann «EffEsin2te Sohn» (2-jährig) Stroh vom Meersäulikäfig im ganzen Zimmer verteilt. Das ganze um 21 Uhr abends nach einem 18-Stunden-Tag. Und EffE weiss: Um 1 Uhr nachts muss er wieder aufstehen und zur Arbeit fahren.

Rafael Graf alias Effe.

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2 Kommentare
  1. Rudolf 1, 08.06.2021, 06:43 Uhr

    VÄTER, HALBIERT EURE ERWERBSARBEITSZEIT! Die äusserst zag­hafte In­itia­tive für einen vier­wöchi­gen Va­ter­schafts­ur­lau​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​b an­stelle eines ein­zi­gen Tages (!) geht der Stän­de­rat­s­kom­mis​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​­s​i​o​n​ zu weit. Sie hat sich aber zu einem Ge­gen­vor­schlag durch­ge­run­gen – zu zwei (!) Wo­chen. Man will die al­te Rol­len­bil­der​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​ nicht ab­hän­gen und den Vater zu 50% beteiligen ….
    https://www.vimentis.ch/dialog/readarticle/gleichstellung-vaeter-halbiert-eure-erwerbsarbeitszeit-/

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  2. schuler hans, 06.06.2021, 22:33 Uhr

    «Neville Late Night»
    hervorragend, aber bitte korrigieren im Artikel

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