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«Ich komme keinen Berg mehr hinauf»
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Tony Rominger mit einem superleichten Rennvelo in der Hand. (Bild: rob)

Was macht eigentlich … Tony Rominger? «Ich komme keinen Berg mehr hinauf»

6 min Lesezeit 06.06.2015, 05:00 Uhr

Eigentlich gibt Tony Rominger keine Interviews mehr, zu sehr haben ihn die Berichte über die Trennung von Francine Jordi und die ungewollte Vaterschaft im letzten Jahr genervt. Für zentral+ macht der Velo-Champion eine Ausnahme – und erzählt exklusiv über seine Liebe zu Zug und über sein Leben als glücklicher Single.

Im Velodrom in Grenchen herrscht grosser Rummel, eine Aktionärsversammlung sorgt in der näheren Umgebung für ein grösseres Verkehrschaos. Darum erscheint Tony Rominger zu spät. «Ich zahle den Kaffee», sagt er und entschuldigt sich für die Verzögerung. Der 54-Jährige ist nett, bescheiden, zuvorkommend. Dabei ist er einer der grössten Velo-Champions, welche die Schweiz je hatte, zudem war er in den letzten Jahren regelmässiger Gast in allen möglichen Magazinen und Klatschblättern. Grund: seine Liaison mit der Schlagersängerin Francine Jordi, dann die Trennung und später die ungewollte Vaterschaft mit der neuen Partnerin im letzten Jahr.

Ärger über Medienberichte

Der ganze Rummel um seine Person ist ihm zuwider. Vor allem stört es ihn, dass sein Privatleben immer und immer wieder in der Öffentlichkeit ausgebreitet wurde. «Ich war nie einer, der das Scheinwerferlicht gesucht hat.» Es passt ihm überhaupt nicht, dass so viel über ihn berichtet wurde. «Mein Privatleben geht niemanden etwas an», meint er bestimmt. Dass sein Beziehungsleben derart breitgeschlagen wurde, kann er nicht verstehen.

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Auch jetzt will er nicht über private Dinge reden. Nur dies ist ihm zu entlocken: «Ich werde in Zukunft keine Äusserungen zu meinem Privatleben mehr machen.»

Lieber Rotwein als Cüpli

Geben die vielen Berichte im «Blick» und in anderen Boulevardblättern ein verzerrtes Bild von Rominger wider? «Mich interessiert es nicht, was die Öffentlichkeit über mich denkt», stellt er klar. Wichtig sei, was seine Freunde und sein Umfeld von ihm halten. Auf jeden Fall ist das Bild eines Tomy Rominger, der sich oft und gerne in der Welt der Promis aufhält, falsch. «Promisüchtig» sei er auf gar keinen Fall. «Mich sieht man nie an einem Anlass, an dem sich die Cüpli-Szene trifft.» Er trinke lieber ein Glas Rotwein mit Freunden oder Gleichgesinnten.

Und ein Lebemann sei er auch nicht, gibt er zu Protokoll. «Heute lebe ich allein, bin Single und fühle mich sehr glücklich.»

Organisator von Veloferien

Nun aber zur Sache: Was macht Tony Rominger heute? Er, der den Giro d’Italia, die Vuelta gewonnen und einmal Zweiter an der Tour de France geworden ist? Beruflich sei er im Moment noch an zwei Orten beschäftigt. Als Manager vermittelt er zum einen seit vielen Jahren junge Sportler. «Diesen Job werde ich aufgeben, wenn diejenigen, welche ich zurzeit noch betreue, aufhören. Ich werde also meine Fahrer bis zum Schluss ihrer Karriere begleiten.»

Tony Rominger gewann 1992 die Vuelta in Spanien – einer seiner grossen Triumpfe.

Tony Rominger gewann 1992 die Vuelta in Spanien – einer seiner grossen Triumpfe.

(Bild: Keystone)

Seine neue berufliche Leidenschaft sind Veloferien. Beim Anbieter Hürzeler ist er im Management und im Marketing tätig, er geht aber auch ab und zu mit auf eine der angebotenen Reisen. Und das bereitet ihm grossen Spass. Dieses Jahr wird er an der Fernfahrt von Seattle nach San Francisco teilnehmen. «Darauf freue ich mich riesig», so Rominger.

13 Jahre kein Velo angerührt

Aber die meiste Zeit verbringt er nicht auf dem Velo, sondern im Geschäft. «Ich bin sehr gerne im Büro», sagt Tony Rominger. Er gehöre nicht zu den ehemaligen Radprofis, die auch nach der Karriere noch dauernd auf dem Zweirad anzutreffen sind. «Die ersten 13 Jahre nach meiner Profikarriere habe ich kein Velo mehr angerührt», verrät er. Erst seit vier Jahren fährt er wieder. Seinen heutigen Fahrstil bezeichnet er als «sehr hobbymässig». «Ich komme keinen Berg mehr hinauf», sagt er und lacht. Zwischen 4’000 und 7’000 Kilometer macht er pro Jahr – früher waren es 40’000. Auch fährt Rominger heute nur noch bei schönem Wetter – und auch dann nicht immer nur mit überschwänglicher Freude. «Aber dank dem Velofahren darf ich essen, was ich will, und muss nicht auf die Kalorien achten. Mit Freunden oder in Gesellschaft steige ich gerne aufs Rad, aber allein zu fahren, ist immer noch mit Arbeit verbunden, deshalb muss ich mich ab und zu überwinden.»

Emotionale Erinnerungen an die Heimat

Überwinden muss sich Rominger auch, wenn es um Medientermine geht. Eigentlich gibt er keine Interviews mehr – für zentral+ macht er aber eine Ausnahme. Dahinter steckt seine alte Heimat Zug. Seine Liebe zum Ort seiner Jugend hat ihn weich werden lassen. «Immer wenn ich mal in Menzingen bin und meine Schwester oder meinen Vater besuche, weckt das Erinnerungen aus meiner Kindheit in mir.» Heute ist ihm die Gegend aber fast fremd geworden, so sehr haben sich Baar, Zug und Menzingen verwandelt. «Dennoch löst die Heimat immer noch jedes Mal ein wunderschönes Gefühl bei mir aus.» Gerne erinnert er sich daran, wie er mit seinem Vater auf die «Zuger Hausberge» gewandert ist – auf den Gubel, die Rigi oder den Wildspitz.

«Mein grösster Triumph war der erste Sieg 1992 an der Vuelta. Vorher hiess es immer, für die Königsdisziplin sei ich nicht fähig.»

Tony Rominger

Im Kanton Zug hat Tony Rominger auch die ersten Gehversuche auf dem Velo gemacht. Seine Karriere als Velorennfahrer begann zwar relativ spät – seinen ersten internationalen Erfolg feierte er mit 23 Jahren –, dafür legte er in der Folge eine beispiellose Karriere hin. «Ich durfte mehr als 120 grosse Siege feiern», erinnert sich Rominger mit einem Schmunzeln im Gesicht. Auf die Frage, welches sein grösster Sieg war, muss er eine Weile überlegen. «Der erste Sieg der Vuelta, das war das erste Mal, dass ich eine grosse Rundfahrt gewinnen konnte. Vorher hiess es immer, für die Königsdisziplin sei ich nicht fähig.»

Indurain – der ewige Rivale

Das war definitv eine Fehleinschätzung: Rominger gewann insgesamt dreimal die Vuelta, einmal den Giro d’Italia, zudem wurde er 1993 zweiter an der Tour de France – hinter Miguel Indurain, seinem ewigen Rivalen. Wurmt ihn das heute noch, dass er die Tour nie gewinnen konnte? «Ich war sehr nahe dran, alle drei grossen Rundfahrten zu gewinnen», sagt Rominger. Aber er habe gegenüber Indurain ein Handicap gehabt, räumt er ein. «Er ertrug die Hitze besser als ich. Immer, wenn es regnete, war ich im Vorteil.» Leider hat es mit der Tour nie ganz geklappt. «Ich hätte sie natürlich liebend gern gewonnen», gibt Rominger zu.

Dem verpassten Tour-de-France-Sieg trauert Rominger nicht nach. Die Tour werde ohnehin etwas überschätzt, findet er. «Von der Topografie her ist der Giro anspruchsvoller, es hat mehr Steigungen und weniger Flachetappen.» Auf das leidige Thema Doping möchte Rominger nicht eingehen. Er selbst wurde nie überführt, sein Name wurde aber im Zusammenhang mit dem italienischen Sportarzt Michele Ferrari wegen des Dopings mit EPO damals auch genannt.

«Ich bin glücklich, wenn ich möglichst unerkannt bleibe.»

Tony Rominger

Wie auch immer: Tony Rominger war ein begnadeter Velorennfahrer. Auf die Frage, was sein grosses Talent war, meint er: «Velofahren ist Fleissarbeit, aber es braucht auch viel Talent.» Die Schlüssel für seine Erfolge an den Rundfahrten waren seine Stärken im Zeit- und im Bergfahren. Da sei ihm die relativ kleine Körpergrösse zugutegekommen. «Ich war nicht zu gross, nicht zu schwer und so hatte ich optimale Hebelwirkungen.»

Will möglichst unerkannt bleiben

Freut er sich auch heute noch, wenn er auf der Strasse auf seine früheren Erfolge angesprochen wird? Rominger winkt ab. «Ich bin glücklich, wenn ich möglichst unerkannt bleibe.» Am Status des «ewigen Sportlerhelden» liege ihm nicht viel. Er habe gerne seine Ruhe und geniesse es, wenn er einfach ein ganz normales Leben führen könne.

 

 

 

 

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