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«Ich kann mit über 30 nicht mehr über billigen Vodka aus dem Coop rappen»
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Emm und Kackmusikk: Der eine ist von Tattoos übersät, der andere ist MC mit Krawattenjob – das passt zusammen. (Bild: Marco Bach)

Luzerner Rap: Emm und Kackmusikk «Ich kann mit über 30 nicht mehr über billigen Vodka aus dem Coop rappen»

6 min Lesezeit 8 Kommentare 22.04.2015, 14:33 Uhr

Emm und Kackmusikk haben vergangene Woche ihr Debutalbum, eine Symbiose aus Rap und Electronica, herausgegeben. Im Interview sprechen sie über Torschlusspanik, die 041er-Crew und weshalb sie nicht am B-Sides Festival spielen.

Mario Wälti, alias Emm, und Raphael Spiess, alias Kackmusikk, sitzen im Helvetia und kurbeln den Verkauf für ihr neues Album «Thank God it’s Monday» an. Die sozialen Netze richtig zu bespielen, hilft und funktioniert – innerhalb der «041» Szene auch aus Loyalität – bringt der eine etwas raus, teilen es ein Dutzend andere. Unter dem Namen «041» hat sich die aktuell boomende Luzerner Hip Hop-Szene zusammengeschlossen (zentral+ berichtete). Der Rapper und der Produzent gehören mit ihren knapp über 30 zu den Älteren der Bewegung.

Dass genau diese zwei zusammen eine Produktion herausgeben überrascht, denn ihre Lebensentwürfe sind ziemlich unterschiedlich: Während Wältis zielstrebig die Karriereleiter hochstieg, wusste Spiess nie so recht, wo er beruflich hingehörte. Nach einer Lehre im Reisebüro arbeitete er als Versicherungsvertreter und jobbt nun temporär bei der Kantonsarchäologie.

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Musikalisch hatten jedoch beide schon früh den Dreh raus: Emm ist seit über zehn Jahren Teil des Schweizer Hip-Hop-Kuchens während Kackmusikk sich als Electronica-Produzent etabliert hat. Die Beats und Lyrics der beiden vereinen sich auf einer Platte, die dem Zeitgeist entspricht und trotzdem ausserhalb von Konventionen steht.

Neben der 041er Crew bekommt man auf der Platte auch Muriel Rhyner von den Delilahs oder den Luzerner Singer und Songwriter Damian Lynn zu hören.


zentral+: Was darf man von der Platte erwarten?

Emm: Inhaltlich ist es ein klassisches Generation Y Album mit 30 Plus struggle Themen. Es war ein Grundsatzentscheid, über unser echtes Leben und nicht über unser Traumleben zu rappen. Zu 99 Prozent hören wir völlig anderen Rap: Dort dreht sich alles um Autos, Knarren, Ketten, Frauen. Immer die Hände oben und so schwarz wie es nur geht. Auf der Platte befassen wir uns hingegen mit dem Sinn des Lebens, der Liebe oder den Systemgegebenheiten, wie im Track Pitbull:

«Ufgwachse imne Land voller Druchschnitt
Dronder daffsch ned, dröber packsch ned, d Mönsche
Werded so lang glichgschalte bis ne Wurst isch
So viel wegknallt am Wochenend bis nömme wössed was de Durscht isch
Ich bruch en Ufstieg, aber d Medie
Lueged dass mis Hirni zwösche Angst und Dummheit versuft mer
Bliebed gfange zwösche Drock und em Usbroch
Hipster sii isch Usdrock für wiiter ufe brucht’s no
Meh Chraft und ich ha sie nömm, und dorom machi jetzt
Nix gang do nor go schaffe während ich im Kafi setz»

zentral+: Musikalisch hast Du die Fäden in der Hand, Kackmusikk. Woher holst Du deine Inspiration?

Kackmusikk: Ich höre keinen Schweizer Rap und hole meine Inspiration auch nicht da, sondern von verschiedensten elektronischen Genres. Mein Anspruch ist es, mit Emm total anders zu klingen. Das mag arrogant klingen, so bin ich aber überhaupt nicht. Die Beats in der Schweiz sind mir einfach zu langweilig. Es gibt zwar gute Produktionen, doch es ist immer das Gleiche: Die Schweizer Rap Produzenten brechen in der Regel nicht aus.

zentral+: Welchem Hip Hop Klischee entsprecht ihr?

Kackmusikk: Keinem, weil ich einen komplett anderen Lifestyle habe. Ich sehe mich nicht als Hip Hopper, da ich aus elektronischen Kreisen komme und auch oft an Rockkonzerte gehe.
Emm: Schau dich doch mal an! Du bist ja wohl 100 Prozent Hiphop. Jeder der heute aussieht wie Hip Hop vor acht Jahren ist in unseren Augen uncool.

zentral+: Welches ist der Radiohit auf eurem Album?

Emm: Los Angeles
Kackmusik: Omega
Emm: Obwohl Mäntig und Lucky Luke könnten wegen Muriel Rhyner und Damian Lynn auch gespielt werden. Omega und Los Angeles sind aber so programmiert.

zentral+: Und welches ist euer Lieblingssong auf der Platte?

Emm: Armageddon oder Pitbull
Kackmusikk: Mäntig
Emm: Es ist lustig, dass dein Lieblingssong poppiger ist als mein Lieblingssong. Sonst ist das umgekehrt. Du bist sonst eher der Kunst-Typ.

zentral+: Wie enstehen eure Songs?

Emm: Meist liefert Kackmusikk zuerst den Beat, ich komme dann textlich irgendwo hin und wir nehmen auf. Wichtig ist zu erkennen, was man kann und was man nicht kann. Muriel und Damian wären nicht auf der Platte, wenn ich das gesanglich selbst hingekriegt hätte.

zentral+: Ihr habt ziemlich unterschiedliche Lebensentwürfe. Wie funktioniert das?

Emm: Das funktioniert sehr gut, denn emotional sind unsere Lebensentwürfe extrem ähnlich. Auch wenn wir karrieretechnisch andere Wege gewählt haben, beschäftigen uns doch die selben Themen.

zentral+: Habt ihr mit über 30 Torschlusspanik? Andere in eurem Alter planen Familie und Kinder …

Kackmusikk: Es war mal ein Thema, mittlerweile habe ich es zur Seite geschoben. Das ist genau so okey, wie mit 30 Vater zu werden.
Emm:
Diese Angst ist auch ein Thema auf der Platte. Es stimmt schon, dass es ohne Beziehung manchmal ein wenig einsam ist – Sonntag Abend als Single ist doch Scheisse. Am Ende der Plattenaufnahme waren wir beide ja in einer sexlosen Ehe. Jetzt ist es wieder angenehmer.

zentral+: Emm, inwiefern hast Du Vorarbeit geleistet für die 041er Bewegung?

Emm: Vor ein paar Jahren habe ich den einen oder anderen Streit vom Zaun gebrochen mit Radio 3Fach oder Radio Pilatus, weil die damals nur Indie Rock gespielt haben. Vielleicht habe ich damit Vorarbeit geleistet, behaupte aber nicht, dass der Boom ohne mich nicht zustande gekommen wäre.

zentral+: Kackmusikk, zählst Du dich überhaupt zur 041er Crew?

Emm: Schau mal sein Käppi an.
Kackmusikk: Ja ich zähle mich sehr wohl zu dem 041er Kern, obwohl ich eher aus der elektronischen Ecke komme. Ich habe zwar etwa zur gleichen Zeit mit Rap angefangen wie Emm, jedoch mit Leuten aus der Besetzungsszene. Unsere Musik war Dada – wir wollten mit inhaltslosen Texten provozieren. Dann bin ich in die elektronische Szene gerutscht und Emm hat mich wieder zurückgeholt.

zentral+: Wie ist die Rollenverteilung innerhalb der 041er Crew?

Kackmusikk: Die Rollenverteilung ergibt sich automatisch.
Emm: Ich kann mit über 30 nicht mehr über billigen Vodka aus dem Coop rappen. Das heisst nicht, dass die jungen Rapper nicht alle supererfrischend und bereichernd sind.
Kackmusikk: Nur weil das Album erwachsener und überlegter klingt, heisst das nicht, dass wir keinen Spass-Rap machen können.

zentral+: Kackmusikk, hast Du weitere musikalische Projekte?

Kackmusikk: Nach «2041» wollten viele Rapper Beats, hauptächlich waren dies jedoch «Rüümli Rapper». Das hätte zwar Geld gegeben, doch da bin ich ein genug grosser Musiknazi. Wenn jemand meinen Geschmack nicht trifft, mache ich nicht mit. Ich produziere für Marash und Dave, Mimiks, Greis und Steff la Cheffe. Auch für die elektronische Ecke remixe ich und weitere Releases sind geplant. Und das mit Emm geht weiter – wir haben eine Live-Band mit der wir Konzerte spielen.

Ich fühle mich im weissen Schaf nicht weniger als Künstler als die Typen im Meyers.

Emm, Rapper

zentral+: Emm, wann spielst Du am B-Sides Festival?

Emm: Ich würde mit Handkuss am B-Sides spielen, gehe aber nicht auf die Knie. Das Festival versteht sich als sehr künstlerorientiert – versteht uns aber offenbar nicht als Künstler.
Kackmusikk: Ich habe manchmal das Gefühl, die Luzerner Musikszene sei ein in sich geschlossenes System. Ich glaube auch, dass man uns zu wenig hört und würde mir von dieser Szene mehr Austausch wünschen. Ich bin offen für Kritik, dann wüsste ich, dass sie uns als Künstler wahrnehmen. Gerade in einer Stadt die nicht riesig, aber musikalisch aktiv ist, ist das schade.
Emm: Wir hängen halt nicht mit diesen Leuten ab, wir nennen uns nicht immer Künstler und gehen mit ihnen nicht ins sprichwörtliche Bett. Ich fühle mich übrigens im weissen Schaf nicht weniger als Künstler als die Typen im Meyers.

zentral+: Welche lokalen Musiker ausserhalb von Hip Hop empfehlt ihr?

Kackmusikk: Evje, Les Yeux Sans Visage – wenn sie noch etwas machen würden. Und Savenberg macht erstaunlich geilen Sound. Und Johnny Burn, den feier ich auch voll ab, vor allem als Mensch, der Typ ist so erfrischend.
Emm: Damian Lynn. Auch Gaia find ich abartig geil, die sollen die verdammte EP machen und zwar schnell.

Mit ihrer Promo wollen Emm und Kackmusikk «entwaffnend» wirken und haben auch gleich ein Magazin mit Songtexten und Interviews drucken lassen. Die Gäste reichen von Musikern wie Greis oder Muriel Rhyner zu Freunden wie Burgerboss Tyler, Kkade oder Ex-Juso-Präsident David Roth. Hier ein Auszug:

 
 
 

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8 Kommentare
  1. Tom Burri, 01.06.2015, 19:29 Uhr

    Wenn ich mich richtig erinnere, hat jemand (du Emm?) vor 5 Jahren im Vorfeld des Funk am See eine mehr oder weniger identische Diskussion angerissen. Die Jungs von GAD und Alvin Zealot gaben daraufhin die richtige Antwort:
    https://www.youtube.com/watch?v=9PYE1yp2Nj0
    Ein Ansatz in diese Richtung würde euch vermutlich weiterbringen, als gewisse Worte im Interview…

  2. Mario Wälti, 23.04.2015, 10:47 Uhr

    Haha, bald – und definitiv im Meyer!:-)

  3. Sam Pirelli, 23.04.2015, 09:59 Uhr

    Und wann gehen wir jetzt auf ein Bier? Muss ja nicht im Meyer sein … 😉

  4. Mario Wälti, 23.04.2015, 01:24 Uhr

    So, zu später Stunde noch (ich mach’s abschnittweise, ist ja sonst nicht zum Mitlesen hier):

    1. Das soll meine Replik nicht sein. Sorry dafür.:-)
    2. Ich unterstelle gar niemandem irgendetwas. Das Meyer (als Kulturbeiz) ist ein Symbol, das weisse Schaf ebenfalls. Ich verkehre übrigens in beiden Lokalen durchaus (im ersteren erheblich seltener als vielleicht noch vor 5 Jahren), womit auch klar gesagt sei, das keines der beiden ein Freund- oder Feindbild abgeben soll (so steht es auch im Interview nicht geschrieben, und so ist und war es nie gemeint). Wir haben gesagt, dass wir gemäss unserer Interpretation gewisse Kriterien des B-Sides nicht erfüllen, um dort hinzukommen. Wie gesagt: ich würde gerne. Wir werden aber nicht gebucht. Ob man das jetzt zu aufgrund von zu wenig Kunst oder zu wenig nonkommerzieller Kunst oder was auch immer so entscheidet, kann ich nicht beurteilen. Dass wir deswegen, wie Du schreibst, ein Feindbild “konstruieren”, von den bösen Künstlern, die uns (andere/kommerzielle/Nicht-)Künstler leugnen, ist doch komplett überzogen, das steht auch nirgends! Wir sind im Interview gefragt worden, warum wir da nicht spielen, unsere Antwort war, dass wir gerne würden, uns aber nicht verbiegen dafür, und dass wir das Gefühl haben, dass man uns da nicht will, dass wir zuwenig Kunst sind dafür. Das ist doch – an sich – eine eventuell falsche, aber nicht völlig unsachgemässe Schlussfolgerung. Nach wie vor: ich stehe zu der. Und Nein, ich konstruiere kein (Feind-)Bild. Trotz SVP-Vergleich.
    3. —-
    4. Ich arbeite ernsthaft null Defizit auf (Dieser Fingerzeig ist von jemandem, der sich gerne online prügelt, immer schon grundsätzlich heikel). Ich wage hier aber die Gegenfrage (und hoffe inständig, Du lässt sie unbeantwortet): Wie kann man an ein B-Sides nicht hinpassen? Rap geht ja offensichtlich (dafür gibt es andere Beispiele). Was sind wir also? Zu radiogen? Wir laufen ja nirgends. Zu erfolgreich? Wir haben ja keinen Erfolg. Was sollte “stilistisch” an uns falsch sein, bzw. für das B-Sides falsch sein können? Womit wir automatisch wieder bei der Kunstdiskussion wären, die halt in Gottes Namen auch mit einem Image oder einem Bild zusammenhängt und zu der ich unsere Position schon erklärt habe und diese nicht mehr aufzurollen vermag. Daneben steckt in diesem Abschnitt aber die eine oder andere Anfeindung, die ich bei einem knapp 50-jährigen Schreiber, der mir Defizite unterstellt, einfach mal unbeantwortet lasse. Fest steht: wir erlauben uns die gemachte Mutmassung. Insbesondere, wenn wir gefragt werden.
    5. —-
    6. Grosse Promo von Dir für uns, Danke hierfür!:-)
    7. Das mit den Nazis verstehe ich immer noch nicht. Aber ist egal.

    So. Genug Metaebene. Wir müssen nichtkünstlerisch(e) Platten verkaufen!:-)

  5. Sam Pirelli, 22.04.2015, 18:37 Uhr

    Das ist glaubs das erste Mal, dass ich hier eine Antwort auf einen Kommentar bekomme. Danke dafür.

  6. Sam Pirelli, 22.04.2015, 18:29 Uhr

    Du schnallst es einfach nicht, gell? Deine Replik ist eine weitere Ansammlung von Klischees, Unterstellungen und Fehlinterpretationen.
    Anfangen tust du mit “Haha” und der Unterstellung, ich hätte den Finger schnell und unüberlegt am Abzug gehabt und könne mich nicht zurückhalten.

    Dann kommt des Künstlerklischee nicht von den Leuten im Meyer selbst, sondern du unterstellst ihnen eine Selbstdefinition, die ich dort so von niemandem erfahre. Das ist schlicht deine ureigene Projektion – sie sagt wesentlich mehr über dich und deine (wie mich dünkt, doch einigermassen überraschen engstirnige) Weltsicht aus als über die Meyer-Gäste, über die du herziehst. Immerhin widersprichst du in deiner Antwort deiner eigenen oberflächlichen Betrachtungsweise – stellt sich aber die Frage: Warum baust du dieses Feindbild im Interview überhaupt erst auf? So richtig schön SVP-mässig (pardon): “Also so wie die Chogen sind wir dann aber gar nicht!” Handkehrum erwartet ihr dann wieder: “Ich bin offen für Kritik, dann wüsste ich, dass sie uns als Künstler wahrnehmen.” Da kommt man doch schlicht nicht draus. Und noch mal: Das Künstlerklischee, dem du in deiner Antwort widersprichst, habt ihr im Interview selber konstruiert.

    Und dann kommt folgerichtig der nächste Kick unter die Gürtellinie: “Da hattest Du wahrscheinlich schon aufgehört mit dem Lesen und bereits mit dem Kommentieren begonnen.” Ja, ganz sicher. Das entspricht natürlich genau meiner Art, schliesslich bin ich offenbar ein Teenie mit Aufmerksamkeitsdefizit – und nicht ein bald fünfzigjähriger alter Hund, der sein Geld noch dazu mit Lesen verdient. Und ich höre natürlich ebenso ganz sicher nach neun Zehnteln des Interviews einfach mit Lesen auf und lasse die letzten fünf (sic!) Zeilen aus.

    Dann das B-Sides. Hast du mit Marcel mal gesprochen? Oder woher kommt wieder diese Fixierung auf dein eigenes Künstlerklischee? Was für ein Defizit arbeitest du hier ab? Warum schreibst du Dinge wie: ” Also gehe ich (zurecht) davon aus, dass wir zu wenig Künstler (oder zu wenig gute Künstler) sind”? Könnte es ächt nicht auch sein, dass ihr da stilistisch nicht so ganz reinpasst? Oder euch etwas gar zu sehr am Mainstream orientiert? Warum schreibst du “zu Recht”? Wurde dir das so gesagt (was ich mir nicht vorstellen kann, denn das B-Sides ist das bodenständigste Festival, das ich kenne), oder handelt es sich erneut einfach um eine wilde Projektion? Würde das B-Sides “Künstler” erwarten, wäre ich mit meiner Psycho Radio Show – also uralter Scheisse – wohl sicher nicht gebucht worden. Wer hat dich in diesem Zusammenhang so verletzt, dass du dich einerseits derart verzweifelt um einen “Künstler”-Status bemühst – aber andererseits dieser Begriff von dir nur mit verächtlichen Klischees gefüllt wird?
    Deine Annahme, dass ihr nicht am B-Sides spielen könnt, weil ihr “zu wenig Künstler” seid, halte ich tatsächlich für vermessen – und ich entnehme deiner Schilderung nichts, was mich vom Gegenteil überzeugt. Das ist, denke ich, wiederum nur wilde Interpretation. Du ziehst Schlussfolgerungen aus unzureichendem Datenmaterial und lässt deine Klischees und dein Gefühl, nicht ausreichend wertgeschätzt zu werden, die Oberhand gewinnen.

    Ferner habe ich eben in den Spiegel geschaut: Mein Kopf ist noch dran. Aber wahrscheinlich stehts nur dir zu, sich abfällig über andere zu äussern – wehe, es schallt mal zurück. Und wenn du diesen Kommentar schon als “Rant” empfindest, solltest du mich mal erleben, wenn ich wirklich loslege. Aso bitte.

    Dass mir das Tonbeispiel nicht gefällt, damit wirst du leben müssen – und es auch locker können. Ich entspreche tatsächlich nicht eurer Zielgruppe; und Hip Hop hörte für mich seit Cypress Hill ziemlich auf. Das Urteil war harsch formuliert, aber harsch formulieren tust du schliesslich auch. Und mein Urteil hat für dich etwas die gleiche Relevanz wie deines es für mich hätte: Die Sixties-Musik und die trashige Koboi-Gitarren-Geschichte, die ich mit meinen Bands spiele, dürften dir etwa ähnlich gefallen. He nun, damit können wir beide leben. Immerhin: Wer das Ding nicht angeklickt hat und dann den Satz in meinem Kommentar liest, wird es sich doch noch anhören – und sich eine eigene Meinung bilden. Das dient, nicht?

    Zu den Nazis. Ich schreibe: “Aber ich bin halt auch kein ‘Nazi’ [das ist im Fall ein Zitat aus dem Interview, gell].” Wie du merkst, zitiere ich den KM, sogar mit Anführungszeichen. “Nazi” ist für mich kein Wort, das man leichtfertig in die Runde wirft. Das verharmlost das unermessliche Unrecht und Leid, das ebendiese Nazis begangen und verursacht haben. Darauf habe ich mich bezogen. Und es hat natürlich auch gut gepasst, finde ich, in Anbetracht eurer Äusserungen über “die Künstler”.

    Sodeli, so viel zu dem. Wir könnens gern mal bei Bedarf bei einem Bier vertiefen. Bis dahin wünsche ich euch guten Plattenverkauf und ausverkaufte Gigs.

  7. Mario Wälti, 22.04.2015, 16:15 Uhr

    Haha, und schon ist der erste da, der mit ganz schnellem und unüberlegtem Finger am Abzug unterwegs ist und sich nicht zurückhalten kann. Danke dafür.

    Zum Statement:

    Ja, ich fühle mich wirklich nicht weniger als Künstler, egal ob im Weissen Schaf oder im Meyers oder in der Nachbar oder wo auch immer. Das ist kein Klischee, das ist die Wahrheit. Künstler ist man nicht weil man Rock ist oder Indie hört oder wegen engen/breiten Hosen oder was auch immer. Das wäre ja die oberflächlichste Betrachtungsweise überhaupt. Gerade darum erlaube ich mir, zu sagen, dass ich mich – egal an welchem Ort ich abhänge, was für einen Beruf ich ausübe und wie ich meine Haare trage – nicht mehr und nicht weniger als Künstler fühle als andere, die dem Künstlerklischee evtl. mehr entsprechen. Hier liest Du einen Vorwurf, den es gar nicht gibt.

    Dass wir wenig engstirnig unterwegs sind, siehst Du übrigens an der nächsten Frage/Antwort im Interview oder auch an unseren Gästen auf der Platte. Da hattest Du wahrscheinlich schon aufgehört mit dem Lesen und bereits mit dem Kommentieren begonnen.

    Tatsächlich – wie ebenfalls im Interview gesagt – würde ich übrigens am B-Sides mit Handkuss spielen. Liembd hat letztes Jahr versucht, mich dort hinzubringen. Erfolglos. Auch dieses Jahr ist bei mir kein Anruf eingegangen, und ich gehe mal davon aus, dass wir im letzten Jahr nicht zu wenig Musik gemacht haben (und auch nicht zu wenig Coverage hatten), als dass man uns schlicht nicht kennt. Also gehe ich (zurecht) davon aus, dass wir zu wenig Künstler (oder zu wenig gute Künstler) sind. Was an dieser Annahme nun vermessen sein soll (und Dich immerhin dazu bewegt, hier kopflos rumzuranten), erschliesst sich mir nicht, die Aussage ist nicht mehr als logisch. Du findest das ja anscheinend gerechtfertigt, so wie Du das “Tonbeispiel” beurteilst. Auch gut. Vielleicht bist Du auch einfach nicht unsere Zielgruppe, hahaha!

    Und zu guter Letzt: Wirfst Du uns jetzt vor, wir seien Kunstnazis? Und Du seist also keiner? Oder eben gerade nicht? Nochmals: guck unsere Gäste auf dem Album an. Guck unseren musikalischen Werdegang an. Guck an, auf wessen Platten wir uns freuen. Wir sind das absolute Gegenteil, und zwar objektiv betrachtet. Betonung liegt auf dem Wort “objektiv”.

  8. Sam Pirelli, 22.04.2015, 15:10 Uhr

    “Wir hängen halt nicht mit diesen Leuten ab, wir nennen uns nicht immer Künstler und gehen mit ihnen nicht ins sprichwörtliche Bett. Ich fühle mich übrigens im weissen Schaf nicht weniger als Künstler als die Typen im Meyers.” —Welch bemerkenswerte Ansammlung von Klischees. Hauptsache, man pflegt seine Feindbilder. Und tschüss. (Bin ich jetzt eigentlich ein “Künstler”, weil ich ein Rocker bin, CH-Hip-Hop mehrheitlich öd und doof und das Tonbeispiel grauenhaft und kitschig finde und im Meyer verkehre? So leicht wie bei Emm und Kackmusikk kommt man nie wieder zu diesem Titel. Und, Achtung!, ich lege dieses Jahr sogar an meinem Lieblingsfestival auf, jawoll, dem auf dem Sonnenberg. Aber ich bin halt auch kein “Nazi” [das ist im Fall ein Zitat aus dem Interview, gell].)