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«Ich kann keine Witze erzählen. Das ist so peinlich, aber es stimmt»
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Jonny Fischer (Bild) und Manuel Burkart gibt es seit 2002 als Comedy-Duo Divertimento zu sehen. Falls man denn ein Billett ergattern konnte. (Bild: wia)

50 Fragen an Divertimento-Mann Jonny Fischer «Ich kann keine Witze erzählen. Das ist so peinlich, aber es stimmt»

13 min Lesezeit 01.01.2018, 16:51 Uhr

Er ist einer der erfolgreichsten Comedians der Schweiz. Der Wahlzuger Jonny Fischer steht seit 15 Jahren mit Divertimento auf der Bühne. Im 50-Fragen-Interview erzählt der 39-Jährige von seinem schlimmsten Bühnenerlebnis, wie sein Coming-Out war und warum er immer wieder dafür kämpft, sich selber schön zu finden.

Das Hallenstadion mehrmals füllen? Schaffen sie mit links. 100’000 Tickets innert zehn Minuten verkaufen? Easy. Das Cabaret Divertimento schafft mit Leichtigkeit, wovon andere Schweizer Comedians nur so träumen können. Seit 2002 sind Manuel Burkart und Jonny Fischer als Duo unterwegs. Höchste Zeit, Fischer, der sich mittlerweile stolzer Stadtzuger nennen darf, mit 50 Fragen auf die Pelle zu rücken.

Eine Minute zu spät, wie Fischer selber betont, tritt er ins Hafenrestaurant in Zug ein, setzt sich und widmet sich, ohne zu murren, unserem Fragenkatalog. Den Smalltalk schenken wir uns.

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1. Jonny Fischer, wo stehen Sie politisch?

Ich habe eine politische Meinung, tue diese jedoch nicht öffentlich kund. Einige würden wohl sagen, ich hätte zu wenig Eier, doch ich finde, das sollte kein öffentliches Thema sein. Ich habe meine politische Haltung zum ersten Mal im Rahmen der No-Billag-Abstimmung geäussert.

2. Sind Sie auch privat eine Ulknudel?

Das bin ich auch auf der Bühne nicht unbedingt. Und im Privaten gibt es Abende, da habe ich grad einen Lauf und kann einen ganzen Raum während Stunden unterhalten. Dann wiederum bin ich sehr froh, wenn das andere übernehmen. Ich bin nicht der Unterhaltsamste unter meinen Freunden.

3. Woran glauben Sie?

Aufgewachsen bin ich in einer Freikirche. Persönlich glaube ich zwar an einen Gott, aber nicht unbedingt in religiöser Hinsicht. Es gibt einfach Fragen, auf die ich bis heute keine schlüssige Antwort gefunden habe.

4. Wenn Sie mit Manu Burkart als Divertimento auf der Bühne stehen, scheinen Sie immer riesigen Spass zu haben. Ist das so oder trügt der Schein?

Das ist schon so. Es kann sein, dass wir vorher Krach hatten, oder dass die private Situation schwierig ist, doch wenn wir auf der Bühne stehen, wandelt sich irgendetwas, und es macht tatsächlich Freude. Das sagen wir uns auch immer wieder: Dass wir aufhören müssen, sobald es keine Freude mehr macht.

5. Welches war die schwierigste Show, die Sie je hatten?

Anfangs Rathausschüür, heute Hallenstadion

Jonny Fischer lernte Manuel Burkart während des Lehrerseminars in Zug kennen, bald darauf ergaben sich erste gemeinsame Auftritte. 2002 feierte Divertimento seine Premiere in der Rathausschür in Baar. Mittlerweile füllt das Cabaretduo das Hallenstadion. Aktuell läuft die zweite Sabbatical-Tour, die notabene ausverkauft ist. Jonny Fischer, heute 38-jährig, ist verheiratet und wohnt in der Stadt Zug.

Da könnte ich einige aufzählen. Früher, als wir noch an Firmenevents auftraten, hatten wir ein paar ganz unglückliche Auftritte. Einmal wurden wir beispielsweise für einen Event eines Telefonanbieters engagiert, bei dem alle Gäste nur Englisch sprachen. Das war hart. Und als wir dann ein Musikstück vortrugen, standen plötzlich alle auf der Bühne und wollten tanzen, weil sie dachten, wir seien die Band. Das muss man dann einfach durchziehen.

6.  Dann sind Sie froh, dass Sie solche Firmenanlässe heute nicht mehr nötig haben?

Naja. Klar ist es undankbar, bei einer Jungbürgerfeier aufzutreten, bei der es allen Gästen eh nur darum geht, gratis zu trinken. Das ist ein Riesenchrampf. Gleichzeitig muss man genau bei solchen Anlässen beweisen, was man kann. Und wenn dann am Schluss doch alle zuhören und applaudieren, ist das ein sehr schöner Erfolg.

7. Gibt es Personen aus dem Publikum, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Es gibt immer wieder Frauen, die ein sehr aussergewöhnliches Lachen haben. Und wegen denen lacht dann der ganze Saal. Das nimmt uns gewissermassen ein wenig Arbeit ab.

8. Kann man lernen, lustig zu sein?

Nein. Ebensowenig kann man Timing erlernen oder Sympathie. Um als Comedian erfolgreich zu sein, sind alle drei Punkte sehr wichtig. Wem einer davon fehlt, der muss kämpfen.

9. Mit wem wollen Sie nicht im Lift steckenbleiben?

Ich bin grundsätzlich eine sehr menschenliebende Person und komme mit fast allen «z rang». Wenn ich aber auf ganz blinde Leute treffe wie etwa Donald Trump, denen man alles hundert Mal erklären kann, und die’s noch immer nicht tscheggen, kann mich das zur Weissglut treiben. In dem Fall also Trump.

10. Haben Sie deshalb aufgehört mit dem Lehrerberuf? Denn es klingt ja nicht zielführend, wenn Sie Mühe haben mit den Leuten, denen man alles hundert Mal erklären muss und die es dann immer noch nicht verstehen.

Das war nicht der Grund, nein. Aber die Schüler haben mich tatsächlich häufig zur Weissglut getrieben. Auch wenn sie meistens wenig Schuld daran trugen.

«Ich bin eine Lerche. Obwohl ich eher ein Nachtmensch bin. Doch Eulen sind für mich undurchschaubare Federviecher.»

Jonny Fischer

11. Und mit wem wollen Sie unbedingt im Lift steckenbleiben?

Wie aus der Pistole geschossen. Roger Federer.

12. Sind Sie eher eine Eule oder Lerche?

Eine Lerche. Obwohl ich eher ein Nachtmensch bin. Doch Eulen sind für mich undurchschaubare Federviecher. Lerchen hingegen pfeifen wunderbar und versprühen eine solche Lebensfreude. Das entspricht mir vielmehr.

13. Was liegt auf Ihrem Nachttisch?

Eine Schlafbrille, denn ich kann nur schlafen, wenn es vollkommen dunkel ist. Und etwa 15 Bücher.

14. Welche?

Ähm. Das weiss ich nicht auswendig. Aber ich schicke Ihnen ein Bild, wenn Sie wollen.

Wir wollen.

So sieht es auf dem Nachttischchen von Jonny Fischer aus.

So sieht es auf dem Nachttischchen von Jonny Fischer aus.

(Bild: zVg)

15. Sie sind schwul und machen auch überhaupt kein Geheimnis draus. Finden Sie, als prominenter Mensch haben Sie diesbezüglich einen Botschafter-Auftrag?

Man hat mich auch schon gefragt, ob ich an einer Gay Pride als Redner mitwirken möchte. Ich habe das Angebot jedoch abgelehnt. Ich versuche eigentlich nur, ganz normal zu leben. Sprich, ich verstecke beispielsweise sicher nicht meinen Mann vor der Öffentlichkeit!

16. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie gern erscheinen Sie in der Schweizer Illustrierten?

Das kommt sehr drauf an. Wenn darin mein Privat- und Familienleben ausgebreitet wird, dann minus 15. Wenn es aber um unseren Beruf geht, dann plus 10. Da sind wir auch auf die Publicity angewiesen.

17. Sind Sie eitel?

Nein, bin ich nicht. Im Moment etwa habe ich immer wieder Pickel im Gesicht, keine Ahnung, warum. Doch würde es mir nicht in den Sinn kommen, diese abzudecken.

18. Was haben Sie bisher noch nicht erreicht, würden es aber gerne?

Roger Federer zu treffen. Ausserdem gewisse sportliche Ziele, kontrollierter singen zu können, und im Alltag eine heitere Gelassenheit zu erlangen.

19. Man könnte meinen, einem Komiker gelingt Letzteres mit Leichtigkeit.

Ich finde das schwierig. Wenn man etwa im Stau steckt, jemand 15 Minuten zu spät zu einem Termin kommt oder mein Mann eine andere Meinung hat als ich. Da kommt halt dann das italienische Temperament hervor.

«Letztes Jahr war ich in den Flitterwochen, und da kamen Leute auf mich zu und fragten, wo denn der Manu sei.»

20. Gehen sich Manu Burkart und Sie manchmal auch zünftig auf die Nerven?

Wir kennen uns ja nun schon seit 20 Jahren und haben mittlerweile eine gepflegte Streitkultur entwickelt. Mittlerweile schaffen wir es, dass es dabei um die Sache und nicht um die Person geht. Das hat sicher auch damit zu tun, dass wir nicht mehr so häufig zusammen unterwegs sind. Wir haben bewusster angefangen, nebenbei eigene Projekte zu haben. Das ist uns wichtig, nicht zuletzt auch, um als einzelne Persönlichkeiten wahrgenommen zu werden. Für viele gibt es uns zwei nur im Doppelpack. Letztes Jahr etwa war ich in den Flitterwochen, und da kamen Leute auf mich zu und fragten, wo denn der Manu sei. Als ich sagte, dass ich am flittern sei, haben sie nur verständnislos geguckt und gefragt: na und?

21. Ist Ihr Ehemann denn nie eifersüchtig?

Nein, nicht eifersüchtig. Aber es ist sicherlich nicht gut, wenn ich den Manu viel öfters sehe als meine Liebsten.

22. Welche Dinge von sich geben Sie nicht preis?

Ich bin sehr offen, blöderweise zu offen. Lange habe ich geglaubt, dass das geht, solange ich aufrichtig bin. Das stimmt aber nicht. Mittlerweile rede ich nicht mehr über allzu Privates, etwa meine Familie, meine Freunde oder über Persönliches zwischen Manu und mir. Auch über zu Intimes von meinem Mann und mir spreche ich nicht. Und über Bettgeschichten.

23. Sie haben 2016 geheiratet. Würden Sie die Ehe weiterempfehlen?

Absolut! Gerade bei uns war’s ja nicht so, dass uns das Heiraten grosse Vorteile verschafft hätte. Im Gegenteil, steuerlich sind’s nur Nachteile. Doch emotional, da hat sich etwas in unserer Beziehung verschoben, weiterentwickelt. Das ist sehr schön.

24. Wie war Ihr Coming-Out?

Einerseits war es mega spät, nämlich mit 21 Jahren. Ich war ja im katholischen Männerinternat und, dass ich schwul sein könnte, war damals nicht in meinem Weltbild vorgesehen. Klar kannte man schon da prominente Schwule, etwa den SRF-Moderatoren Aeschbacher. Andererseits war es in meinem privaten Umfeld schwierig. Meine Familie – wie gesagt, sie war in einer Freikirche – hatte enorm Mühe. Und von meinen Freunden glaubte mir zuerst keiner, dass ich schwul bin. Ich mag Autos, Bier und Fussball. Als sie’s dann geglaubt haben, war alles völlig easy. Und zwar überall. Egal ob im Kickbox-Club, im Chor oder im Militär.

«Sobald Alkohol fliesst, verlieren die Leute ihr Nähe-Distanz-Gefühl und dann wird’s schwierig.»

25. Werden Sie auf der Strasse häufig erkannt?

Ja. Doch die Schweizer sind sehr höflich. Und viele, die mich erkennen, beginnen zu lachen, weil sie sich bei meinem Anblick an einen lustigen Moment erinnern. Das ist toll. Was heute nicht mehr geht, ist, dass ich an Volksfeste gehe. Obwohl ich solche Anlässe sehr mag. Denn sobald Alkohol fliesst, verlieren die Leute ihr Nähe-Distanz-Gefühl und dann wird’s schwierig.

26. Welches sind Ihre Lieblingsorte in Zug?

Die Katastrophenbucht, vor allem wenn es da stürmt und Wellen hat. Das ist wunderschön! Und der Blasenberg. Mit Freunden mit dem Taxi hinauffahren, dort essen und dann gemeinsam nach Zug laufen, das liebe ich.

27. Ihr Haus brennt. Ihre Liebsten sind in Sicherheit. Sie können noch drei Gegenstände retten. Welche?

Er denkt lange nach. Es gibt eine Statue vom Manu und mir, die wir nach den Shows im Hallenstadion bekommen haben. Die würde ich mitnehmen. Ausserdem die Urkunde, auf der steht, dass ich Stadtzuger bin. Vorher war mein Bürgerort Aarau. Und dann noch ein Geburtstagsgeschenk meines Manns: ein Fotoalbum unserer langweiligsten Momente der letzten fünf Jahre.

28. Finden Sie sich schön?

Ich kämpfe immer wieder darum. Denn wenn ich am Morgen in den Spiegel schaue und finde, ja, jetzt ist gut, dann wirke ich an diesem Tag ganz anders, als wenn ich am Morgen mein Füdli in den Jeans zu dick finde.

29. Seit 2002 gibt es Divertimento. Und wie lange noch?

Noch ein Weilchen. Doch bezweifle ich, dass ich das mit 50 noch mache. Wir planen nur bis zum Ende des aktuellen Programms. Das haben wir schon immer so gemacht und diese Taktik hat sich bewährt. Doch ob ich mit 42 oder mit 49 aufhöre, das kann ich heute nicht sagen.

30. Sie haben eine Gesangsausbildung. Welches Lied singen Sie, wenn Sie nach einem strengen Tag nach Hause kommen?

Einer der Nachteile, die meine Partnerschaft mit sich bringt, ist, dass ich abends nicht mehr singen kann. Mein Mann schläft nämlich schon, wenn ich nach Hause komme. Vorher habe ich das sehr häufig gemacht. Nun aber höre ich eher Musik. Als Letztes wohl «Who’s Loving You» von Jennie Lena von The Voice of Netherland. Diese Frau ist umwerfend.

«Der schönste Fehler, den ich je gemacht habe? Zu heiraten.»

31. Nun etwas, das für Sie einfach sein müsste: Erzählen Sie uns einen Witz.

Ich kann keine Witze erzählen. Das ist so peinlich, aber es stimmt. Manu und ich haben das anfangs ein paar Mal probiert, aber das hat jedes Mal katastrophal geendet.

32. Was bereuen Sie?

Ich bereue, dass ich mein Coming-Out so spät hatte. Ansonsten bin ich jemand, der oft Fehler begeht, dies aber als Chance sieht. Wenn ich etwas falsch mache, dann zu hundert Prozent. Dann verrenne ich mich katastrophal, bis ich mich mit aller Kraft wieder aus dem Schlamassel retten muss.

33. Was ist der schönste Fehler, den Sie bisher gemacht haben?

Dass ich geheiratet habe. Ich hab mir immer gesagt, das mach ich nie! Das kostet viel, bringt keine Vorteile und es ist total blöd, wenn wir uns nach fünf Jahren dann wieder trennen.

34. Was macht Ihnen Angst?

Manchmal das Weltgeschehen. Doch ich versuche darauf zu achten, dass es nicht Angst ist, sondern Respekt, den ich verspüre. Angst ist nämlich ein beschissener Ratgeber. Ausserdem plagen mich manchmal Verlustängste. Was, wenn mein Mann irgendwann nicht von der Arbeit zurückkommt? Ansonsten bin ich ziemlich zuversichtlich.

35. Sind Sie vor Auftritten nervös?

Normalerweise saumässig. Bei dieser Show, die wir schon 100 Mal gezeigt haben, nicht mehr. Doch sobald das Programm oder auch der Ort neu sind, bin ich sehr nervös. Nervosität ist ein guter Partner für Höchstleistungen.

36. Heisst das, Sie erbringen aktuell keine Höchstleistungen?

So kann man das auch nicht sagen. Es gibt zwei Komponenten. Einerseits die Nervosität, die eben zu Höchstleistungen verhelfen kann, aber auch die Entspanntheit, aus der Spontaneität und dadurch Höchstleistungen entstehen können.

37. Wie viel Prozent Ihres Programms ist improvisiert?

Aktuell sind es viele, also etwa 25 Prozent. Wenn wir einen schlechten Abend haben, improvisieren wir vielleicht nur zu fünf Prozent. Das kommt auch sehr aufs Publikum an.

38. Erzählen Sie uns Ihr schlimmstes Bühnenerlebnis.

39. Was, wenn ein Abend so gar nicht in die Gänge kommen will? Gibt es da Bühnentricks?

Ja, die gibt es. Beispielsweise, langsamer zu werden. Denn wenn’s nicht läuft, tendiert man dazu, zum Fluchttier, also schneller zu werden. Ausserdem kann man anfangen, spontaner zu werden. Und wenn’s ganz schlimm ist, dann fangen wir an, uns gegenseitig zu unterhalten und zu verarschen. Am liebsten so, dass Manu nicht mehr aufhören kann zu lachen.

40. Können Sie uns bitte ein Bild Ihres Bühnenpartners zeichnen?

Fischer ziert sich ein wenig. Und zeichnet dann los.

So zeichnet Jonny Fischer seinen Bühnenpartner. Geschickt, finden wir.

So zeichnet Jonny Fischer seinen Bühnenpartner. Geschickt, finden wir.

(Bild: wia)

41. Welches ist Ihre liebste Bühnenfigur?

Oh, da gibt es viele. Für die aktuelle Show haben wir beschlossen, nur Figuren zu spielen, die wir auch wirklich gern haben. Also etwa die Ursula. Den Markus. Gian-Franco und Lala Leuenberger.

42. Wissen Sie eigentlich, wie viele Instagram-Abonnenten Sie haben?

Natürlich. 33’700.  Auf den Punkt. Wir sind beeindruckt. Es gehört zu meinem Beruf, dass ich Facebook und Instagram reglemässig abfrage. Ich verbringe täglich etwa eine Stunde nur damit.

43. Das klingt schlimm.

Das ist der Hass. Eine Katastrophe. Aber wenn das Management diese Arbeit übernähme, würde man das sofort merken. Eine Stunde nach unserer Hochzeit sass ich mit meinem Mann und einem Glas Champangner auf dem Bänkli, habe ein Foto gepostet und geschaut, wie’s abgeht auf den sozialen Medien. Diese Präsenz ist für uns jedoch essenziell. Wir haben seit 2007 keine Werbung mehr geschaltet. Ein Post bei Facebook reicht aus, um eine Tour zu verkaufen.

«Die Zuger tun alle so überoffen. Da bestelle ich quasi ein Kafi und die Servierfrau sagt, gern, und ich habe übrigens nichts gegen Schwule.»  

44. Was würden Sie sich von den Zugern wünschen?

Mehr Lockerheit und Offenheit. Weniger Eingesessenheit.

45. Ist es als Homosexueller in Zug schwieriger als in Zürich?

Ja. Die Zuger tun alle so überoffen. Da bestelle ich quasi ein Kafi und die Servierfrau sagt, gern, und ich habe übrigens nichts gegen Schwule. Da ist es an anderen Orten, etwa in nordischen Ländern, aber auch in Kapstadt, sehr anders. Die wollen gar nichts über meine sexuelle Orientierung wissen. Das bin ich nicht gewohnt.

46. Bis zum nächsten Sommer sind alle Ihre Tourdaten ausverkauft, was ja eigentlich immer so ist bei Divertimento. Wird Ihnen da auch mal mulmig zumute oder ist da nur eitel Sonnenschein?

Das ist ein Riesenprivileg. – Das klingt jetzt wie bluffen. Gut, das ist es auch ein wenig. Seit zehn Jahren waren alle Shows von uns ausverkauft. Ich kenne keine anderen Comedians in der Schweiz, welche dieses Privileg haben. Gleichzeitig ist das auch ein Stress. Da versuchen Leute seit sieben Jahren ein Ticket zu ergattern und haben nun eines für in eineinhalb Jahren gekauft. Die Erwartungen sind dann dermassen hoch, dass das bei mir schon einen grossen Druck verursacht.

47. Warum mögen die Schweizer Divertimento?

Weil wir vielleicht das richtige Momentum hatten. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren und das bisherige Comedy-Angebot durch etwas Eigenes ergänzt haben. Vielleicht auch, weil wir auf der Bühne eine Freundschaft vorleben, die von Ups und Downs geprägt ist, und am Schluss haben wir uns immer noch gern. Ausserdem lassen wir Themen wie Religion, Politik und alles unter der Gürtellinie bewusst weg. Somit können alle unsere Shows sehen.

48. Hatten Sie denn nie Lust, aus diesem doch eher braven Humor auszubrechen und auch mal Satire zu machen?

Wir haben auch schon darüber geredet, ein Programm für Erwachsene zu machen, in dem Unschönes vorkommt und wir politisch so richtig austeilen können. Doch Aufwand und Ertrag würden sich nicht lohnen. Für unsere jetzigen Shows diskutieren wir über jedes ansatzweise problematische Wort, wie etwa «Gopfriedstutz». Das haben wir dann drin behalten.

49. Was würde Manu an Ihnen kritisieren?

Meine Impulsivität. Meine Schnelligkeit. Vielleicht meine Offenheit gegenüber den Medien.

50. Wann haben Sie das letzte Mal richtig geheult?

Das war aus einem schönen Grund. Das war am Flughafen in Kapstadt, als wir dort angekommen sind. Das passiert mir dort jedes Mal. Ich weiss nicht, weshalb. Ich bin einfach so überwältigt, dass ich regelrecht zu schluchzen beginne. Meinem Mann ist das dann immer furchtbar peinlich.

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