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«Ich hoffe, der Messerstecher erhält seine gerechte Bestrafung»
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Der 38-jährige Rolf Fähndrich zeigte an einer Techno-Party in Buchrain Zivilcourage und verhinderte Schlimmeres. (Bild: Christian Schnur/ Montage les )

Lebensretter von Buchrain für Preis nominiert «Ich hoffe, der Messerstecher erhält seine gerechte Bestrafung»

4 min Lesezeit 16.09.2016, 14:13 Uhr

Techno-Party Ende August in Buchrain: Plötzlich zückt ein Besucher ein Messer und beginnt auf Leute einzustechen. Rolf Fähndrich reagiert unverzüglich und stellt sich dem Angreifer. Er wird lebensbedrohlich verletzt. Für seinen Mut winkt ihm nun ein Preis. Sieht er sich als Helden?

An einer Techno-Party an der Reuss zwischen Buchrain und Rathausen kam es Ende August zu einem hässlichen Vorfall. Nach 22 Uhr verletzte ein Mann nach einer Auseinandersetzung mehrere Personen mit einem Messer zum Teil lebensgefährlich. Der Täter flüchtete, stellte sich jedoch nach zehn Tagen der Luzerner Polizei.

Unter den Verletzten war auch Rolf Fähndrich aus Egolzwil. Seine Kollegin wurde vom Täter wie aus dem Nichts mit einem Messer attackiert und in einen Busch gezerrt. Trotz des Versuchs, sich zu wehren, war die junge Frau machtlos. Ohne zu überlegen, sprang Fähndrich auf den Angreifer zu und schlug ihm gegen den Kopf. Der Angreifer liess zwar von der Frau ab, dafür stach er Fähndrich die Klinge in den Hals. Dieser war vier Tage im Spital, benötigte eine Notoperation und die Narbe musste mit 15 Stichen genäht werden.

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Rolf Fähndrich wurde lebensbedrohlich verletzt und lag vier Tage im Spital.

Rolf Fähndrich wurde lebensbedrohlich verletzt und lag vier Tage im Spital.

(Bild: zvg)

Für diese mutige Tat ist der Luzerner nun vom «Beobachter» für den «Prix Courage» nominiert. «Die Schweiz braucht Leute, die handeln, wo Zuwarten andere gefährdet. Solche, die laut werden, wo Schweigen Unrecht verdeckt, und die ehrlich sind, wo lügen leichter fiele», sagt Andres Büchi, Chefredaktor des Magazins. Insgesamt sind neun Anwärter nominiert. Die Wahl des Preisträgers erfolgt sowohl durch das Publikum als auch durch eine Jury. Der Preis ist mit 15’000 Franken dotiert und wird am 4. November vergeben.

Retter nennt Einschreiten «selbstverständlich»

zentralplus wollte vom 38-Jährigen Rolf Fähndrich natürlich als Erstes wissen, wie es ihm heute gehe. «Ich bin auf dem Weg der Besserung. Aber es geht nur langsam vorwärts.» Er habe viel Blut verloren und gerate auch heute noch schnell ausser Atem. «Zudem bin ich noch etwas schreckhaft», so der selbstständige Versicherungsberater. Die Situation von damals sei schon noch präsent.

«In diesem Moment denkt man nicht an sich, sondern handelt selbstlos.»

Rolf Fähndrich

«Meine Kollegin wurde gepackt und dann ging ich voll drauf los», schildert er sein Einschreiten. «Ich geriet völlig unerwartet in diese Situation und habe nur im Reflex gehandelt.» Die Situation war unberechenbar, Fähndrich begab sich in Lebensgefahr. «Selbstverständlich. In diesem Moment denkt man nicht an sich, sondern handelt selbstlos.» 

Fähndrich ist auch jetzt noch überzeugt, völlig richtig gehandelt zu haben. «Wenn ich nicht gehandelt hätte und meiner Kollegin etwas Schlimmes passiert wäre – damit hätte ich Mühe.» So habe er immerhin etwas bewirken könne. Seine Kollegin sei ihm sehr dankbar, erzählt er. «Dieses Ereignis hat uns beide geprägt.»

Die Narbe am Hals musste mit 15 Stichen genäht werden. Sie wird für immer sichtbar bleiben. (Bild: zvg)

Die Narbe am Hals musste mit 15 Stichen genäht werden. Sie wird für immer sichtbar bleiben. (Bild: zvg)

Zivilcourage im Blut

Nun ist er aufgrund seiner Zivilcourage für einen Preis nominiert. «Ich wusste nicht einmal, dass es diesen Preis gibt», lacht Fähndrich. Als besondere Tat sieht er seine Handlung nicht. Und als Helden will er sich schon gar nicht sehen. «Mir ist gar nicht so wohl, dass ich nun so ins Rampenlicht gerate», sagt er. «Schlussendlich ist es doch einfach ein gutes Gefühl, geholfen zu haben.»

Zivilcourage ist für Fähndrich etwas Selbstverständliches. «Ich denke, dass ich das im Blut habe. Ich würde mich als hilfsbereit und freundlich bezeichnen», so der Nominierte. Trotzdem: Bei allen Konflikten einzuschreiten, sei nicht sein Ding. «Ich hatte noch nie eine Schlägerei und suche sicher keinen Ärger.»

Rolf Fähndrich ist nominiert für den Prix Courage 2016.

Rolf Fähndrich ist nominiert für den Prix Courage 2016.

(Bild: Christian Schnur)

Täter soll bestraft werden

Der Täter ist mittlerweile gefasst. Fähndrich ist erleichtert. «Ich denke, die Beteiligten konnten einiges zur Aufklärung des Delikts beitragen.» Der mutmassliche 22-jährige Täter wurde auch dank Hinweisen der Bevölkerung gefasst. Er wurde bei der Fahndung als «Südländer-Typ» beschrieben. Nun sitzt er in Untersuchungshaft, wie Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, bestätigt. Weitere Auskunft kann Kopp aufgrund des laufenden Verfahrens keine geben.

Und Fähndrich, möchte er dem Messerstecher einmal in die Augen schauen? «Das weiss ich nicht. Der wird auch seine Vergangenheit haben und muss nun mit der Last dieser Tat leben.» Trotzdem könne er nie Verständnis für eine solche Tat zeigen. «Ich hoffe, der Messerstecher erhält seine gerechte Bestrafung», sagt Fähndrich. Man spürt seine Abneigung gegen Täter und Tat deutlich. «Ich hätte kein Mitleid, wenn ich ihn härter getroffen hätte.»

Auch ein Zuger unter den Nominierten

Nebst Rolf Fähndrich sind acht weitere Kandidaten für den «Prix Courage» nominiert. Darunter befindet sich auch Guido Fluri aus Cham. Der Zuger erreichte mit seinem konsequenten, unermüdlichen Einsatz für zahlreiche Verdingkinder und andere Opfer fürsorglicher Zwangsmassnahmen, dass man ihr Leid endlich ernst nimmt und sich der Staat für diese oft willkürlich getroffenen Massnahmen entschuldigte. Sein Engagement trug wesentlich zur Annahme der Wiedergutmachungsinitiative bei, schreibt der «Beobachter» in einer Mitteilung.

Unter den Nominierten befinden sich auch Saida Keller-Messahli (Zürich), die sich als Präsidentin des «Forums für einen fortschrittlichen Islam» unentwegt für einen weltoffenen, integrativen und toleranten Islam einsetzte. Oder Johanna Gündel aus Oberwil-Lieli (Aargau), die sich gegen Gemeindeammann und SVP-Nationalrat Andreas Glarner auflehnte und an der Gemeindeversammlung druchbrachte, dass die Aargauer Gemeinde auch Flüchtlinge aufnimmt.

 

 

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