«Ich habe geschummelt, weil sich die Möglichkeit bot»
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Manche Studenten wurden zum Schummeln ermutigt, so etwa zu unterlaubten Gruppenarbeiten. (Bild: Unsplash/Scott Graham)

Prüfungsbschiss an Luzerner Hochschulen «Ich habe geschummelt, weil sich die Möglichkeit bot»

3 min Lesezeit 05.11.2020, 17:23 Uhr

Wegen der Corona-Pandemie mussten viele Prüfungen online und in den eigenen vier Wänden durchgeführt werden. Wir haben mit einem Luzerner Studenten gesprochen, der dies als Möglichkeit zum Schummeln nutzte.

Viele der Prüfungen des Frühjahressemesters 2020 wurden an Schweizer Hochschulen online durchgeführt. Dieser Umstand verleitete manche Studenten zum Schummeln (zentralplus berichtete).

zentralplus konnte mit einer Person sprechen, die durch die Onlineprüfungen zum Schummeln verführt, von der Prüfungsaufsicht jedoch nicht überführt wurde. Nennen wir diese Person Max. Er studiert in Luzern bereits im dritten Semester.

Gelegenheit macht Diebe

«Ich habe geschummelt, weil sich die Möglichkeit bot. Nicht weil ich Angst vor der Prüfung hatte oder weil ich mich nicht gut vorbereitet fühlte», erzählt uns Max.

Max hat auf zwei verschiedene Arten, bei zwei verschiedenen Prüfungen geschummelt. Zum einen hat er bei einer Frage um den Rat einer Bekannten gebeten, die dasselbe Studium bereits abgeschlossen hatte. Da sie diese Prüfung nicht selber schreiben musste, konnte er ihre Antwort eins zu eins übernehmen.

Zum anderen hat Max eine Prüfung im gleichen Zimmer wie eine Mitstudentin gelöst. Am Anfang der Open-Book-Prüfung – also einer Prüfung, bei der alle Unterlagen erlaubt sind – hätten sie sich zehn Minuten Zeit genommen und gemeinsam die wichtigsten Punkte der Fragen besprochen. «Wir tauschten uns stichwortartig darüber aus, welche Konzepte in den Antworten sicher enthalten sein müssen oder wo die Lösungen in unseren Unterlagen zu finden sind», berichtet Max. Anschliessend haben er und seine Mitstudentin jedoch die konkreten Antworten individuell ausgefüllt.

Schummeln trotz guter Vorbereitung

Max wusste bereits im Voraus, dass er die Prüfung mit einer Mitstudentin schreiben wird. Trotzdem habe er gleich viel Zeit in die Vorbereitung investiert wie in anderen Jahren. «Ich habe viel gelernt und war gut vorbereitet. Ich denke, ich hätte die Prüfung vermutlich auch alleine und ohne fremde Hilfe bestanden», sagt Max gegenüber zentralplus.

Ein schlechtes Gewissen hat er nur teilweise. «Ich finde es schon etwas unfair, dass ich für eine Frage eine Musterlösung erhalten habe, die ich identisch übernehmen konnte. Die Antwort zu dieser Frage hätte ich auf keinen Fall gewusst», sagt Max. Er wolle seine Taten nicht verharmlosen, jedoch müsse man sich auch bewusst sein, dass er sicherlich nicht die einzige Person war, die sich bei den Prüfungen helfen liess, findet er.

Keine Angst vor dem Auffliegen

«Vollständige Lösungen mit meinen Mitstudenten auszutauschen, hätte ich mich wahrscheinlich nicht getraut. So hätte die Möglichkeit bestanden, dass die Antworten zu ähnlich sind und man uns so auf die Schliche kommt», berichtet Max. Da er aber nur über Lösungsansätze und nicht über die exakten Lösungen diskutierte, hatte er keine Angst davor, von der Prüfungsaufsicht überführt zu werden.

Andere Studentinnen haben aber auch Gruppenchats genutzt, berichtet Max. Es wurden Fragen gestellt und Mitstudenten haben die Antworten geliefert. So kam ein reger Austausch zustande. Er persönlich habe diese Gruppenchats aber nicht genutzt.

Schwierige Situation für alle

Für Max, wie auch sicherlich für viele andere Studenten waren das Frühlingssemester und die anschliessenden Prüfungen nicht einfach. Obwohl die Hochschulen versuchten, deutlich zu kommunizieren, waren für Max nicht immer alle Abläufe und Regeln klar. Dazu kamen auch noch andere Probleme. «Bei uns in der Wohnung flog während der Prüfung einmal die Sicherung raus, worauf das Internet auch nicht mehr funktionierte und ich deshalb den Zugriff zum Prüfungsportal verlor», sagt uns Max. Trotz seiner Schummelei hofft er, dass die nächsten Prüfungen nicht wieder von zu Hause aus geschrieben werden.

Der Betrug bei Prüfungen kann weitreichende Folgen haben. An der Universität Luzern wurden beispielsweise zwei Studenten erwischt, die unerlaubt zusammengearbeitet hatten, wie es auf Anfrage hiess. Die beiden flogen deshalb durch die Prüfung. Trotzdem gehe man davon aus, dass sich der Grossteil der Studentinnen an die Regeln gehalten habe (zentralplus berichtete).

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