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«Ich habe als junger Stadtrat viel gelernt bei der Sache»
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Bald auch in Echtzeit auf Google Maps: Die Zuger Busse (Bild: zVg). (Bild: zVg )

Zug bekommt Haltestelle «Steinhof» zurück «Ich habe als junger Stadtrat viel gelernt bei der Sache»

3 min Lesezeit 21.06.2016, 17:00 Uhr

Die Bushaltestelle «Steinhof» feiert bald ein Comeback: Nach Protesten hat der Zuger Stadtrat beschlossen, die Haltestelle wieder einzuführen. Man habe die Auswirkungen auf ältere Menschen zu wenig beachtet, begründet Stadtrat Urs Raschle.

Die Haltestelle Steinhof an der Bahnhofstrasse kommt zurück. Das teilt die Stadt Zug am Dienstag mit. Angenehm habe er sich den Entscheid nicht gemacht, sagt Stadtrat Urs Raschle auf Anfrage. «Der heutige Tag war zwar nicht schlimm, aber ich habe doch einen Prozess durchgemacht. Natürlich ist es nicht schön, wenn man auf einen Entscheid zurückkommen muss. Aber das hat so viel ausgelöst in der Bevölkerung, dass ich mir doch Gedanken machen musste – war mein Entscheid gerechtfertigt? Und was steckt hinter diesem Widerstand?»

Er habe sich eine Weile damit getragen, sagt Raschle. «Und ich bin zum Schluss gekommen, dass ich den Entscheid zurücknehmen muss.»

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Coop beschwerte sich

Im Juni 2015 hatte der Stadtrat beschlossen, die Haltestelle zu streichen. Die Stadt erhoffte sich damit, 60’000 Franken zu sparen und die Fahrplanstabilität zu verbessern. Die definitive Aufhebung erfolgte im Dezember 2015. Gegen diesen Entscheid gingen bei der Zugerland Verkehrsbetriebe AG (ZVB), beim Amt für öffentlichen Verkehr und der Stadt Zug zahlreiche Beschwerden ein. Das schreibt die Stadt in einer Medienmitteilung. Beschwerden seien einerseits von Busbenutzerinnen und -benutzern eingegangen, aber auch von der Coop-Genossenschaft, die Verkaufseinbussen beanstandete.

Zusätzlich reichten zwei Gemeinderätinnen der CSP im Februar 2016 ein Postulat ein, welches einen benutzerorientieren öffentlichen Verkehr fordert. Insbesondere die Distanz zur nächsten Bushaltestelle am Postplatz sei für die ältere Bevölkerung ein Problem, schreibt die Stadt. Das bemängelte auch ein Leser von zentralplus. Die Haltestelle wurde werktags von rund 550, samstags von 450 und sonntags von 150 Personen benutzt.

«Es war uns zu wenig bewusst, dass von der Aufhebung der Bushaltestelle besonders ältere Menschen betroffen sind.»

Urs Raschle, Zuger Stadtrat

Daher habe der Stadtrat die Situation nochmals analysiert und nach gründlichen Überlegungen den Beschluss rückgängig gemacht. «Wir haben die Vor- und Nachteile nochmals einander gegenübergestellt» schreibt Urs Raschle, Vorsteher Departement Sicherheit, Umwelt und Soziales, in der Mitteilung. «Es war uns zu wenig bewusst, dass von der Aufhebung der Bushaltestelle besonders ältere Menschen betroffen sind.»

Die Haltestelle der Busstation Steinhof steht voraussichtlich mit Fahrplanwechsel im Dezember 2016 wieder zur Verfügung. Die Busbucht wird im Moment als Taxistandplatz und für den Güterumschlag verwendet.

«Wir sind alles nur Menschen»

Ist er vor dem Druck aus der Bevölkerung schlicht eingeknickt? «Das kann man mir unterstellen, aber ich bin der Meinung, wir sind alles nur Menschen – und da darf man auch mal die Grösse haben, auf einen Entscheid zurückzukommen. Ich habe als junger Stadtrat sicher viel gelernt bei dieser Sache.» Er habe gemerkt, dass vor allem ältere Menschen von der Aufhebung der Bushaltestelle betroffen wurden. «Es sind viele Arztpraxen in diesen Gebäuden, und entsprechend unserer Altersstrategie wollen wir die Mobilität älterer Menschen fördern, und nicht beschneiden.»  

Damit werden Kosten von rund 60’000 Franken auf die Stadt zukommen. «Nun muss ich andere Wege finden, diese Kosten einzusparen.» Einfach dürfte das nicht werden. Der Druck aus der Bevölkerung kommt offenbar sofort – und mit Erfolg. Raschle: «Es gibt noch einige Möglichkeiten, aber es wird bestimmt nicht einfach.»

 

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