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«Ich gehöre sicher nicht zu den Dummen»
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Jost Schumacher ist kein Kind von Traurigkeit, wie sich in unserem Interview gezeigt hat. (Bild: Samuel Schalch)

50 Fragen an ... Jost Schumacher «Ich gehöre sicher nicht zu den Dummen»

16 min Lesezeit 4 Kommentare 30.01.2016, 11:49 Uhr

Er zählt zu den schillerndsten Immobilienbesitzern und Kunstmäzenen Luzerns: Jost Schumacher (68), Anwalt und Sprössling eines Patriziergeschlechts. Im Interview verrät er, wie er mal eine Million Franken in den Sand gesetzt hat, wieso er so gern mit dem Stadtrat streitet, was er von der SVP-Durchsetzungsinitiative hält und welches seine verwegensten Ideen waren. Und noch viel mehr.

Jost Schumacher? Diesen Namen kennt fast jeder in Luzern. Denn Schumacher verfügt über ein riesiges Imperium an Immobilien. In dieser Funktion legt er sich oft und gerne mit den Stadtbehörden an und sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Unter anderem betreffend gemeinnützigen Wohnungsbau. Schumacher ist aber auch Kunstliebhaber und hat etwa die Kapellbrückenbilder nachmalen lassen – die dem Stadtrat aber punkto Qualität nicht genügten. Aktuell lässt der umtriebige Anwalt auch die Totentanzbilder der Spreuerbrücke reproduzieren. Fürs Interview mit zentral+ erscheint er locker gekleidet in braunem Kittel, aber ohne Krawatte. Der 68-Jährige wirkt gut gelaunt und voll im Saft.

1. Wissen Sie, wie man Sie im Luzerner Stadthaus auch nennt? Und warum? (Man nennt ihn dort auch «Junker Jost», weil er eine interessante Mischung aus Selfmademan/Lebemann samt «adeliger» Herkunft sei.)
 
Jost Schumacher: (lächelt abgeklärt) Ja, das hab ich schon gehört. Ich finde das nicht so schlimm. Ich hab kein Problem damit, dass man mich dort als Junker bezeichnet. Das hat damit zu tun, dass meine Familie tatsächlich schon 1453 in Luzern war. Und dass die Mitglieder der Familie in die Regierung aufgestiegen und sie in diesem Sinne als Junker bezeichnet worden sind.
 
2. Sie stammen von den «von Schumachers» ab, dieser alten Patrizierfamilie, die in Luzern über Jahrhunderte an der Spitze des politischen Geschehens stand. Ist das mehr Fluch oder Segen?
 
Wie Sie sehen, führe ich das «von» nicht mehr im Namen. Ich lege mehr Wert darauf, dass man selber etwas leistet. Ich bin Rechtsanwalt und Notar, das ist für mich von grösserer Bedeutung. Aber natürlich finde ich es auch schön, zu einer alten Familie zu gehören, die in Luzern schon so lange angesiedelt ist.

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Jost Schumacher zeigt in seiner Anwaltspraxis an der Alpenstrasse in Luzern eines der neu gemalten Spreuerbrücken-Bilder.

Jost Schumacher zeigt in seiner Anwaltspraxis an der Alpenstrasse in Luzern eines der neu gemalten Spreuerbrücken-Bilder.

(Bild: Samuel Schalch)

 
3. Mozart oder Beatles?
 
Das eine wie das andere. Wenn Sie nun ganz moderne Bands aufzählen würden, würde ich wohl schon Mozart vorziehen. Aber die Beatles liebe ich auch sehr.
 
4. Man sagt, Sie gehören zu den grössten Grundstückbesitzern des Kantons. Über 1000 Wohnungen würden Ihnen gehören. Ist das korrekt?
 
Es sind sicher mehrere Hundert Mietwohnungen. (Tiefstapler. Vermutlich sind es einige mehr, denn rund 1000 waren es schon vor fünf Jahren.)
 
5. Wie viel von Ihrem Wohlstand wurde Ihnen in die Wiege gelegt und wie viel haben Sie sich wirklich selbst erarbeitet?
 
Das ist eine gute Frage. Natürlich macht es etwas aus, dass ich von meinem Grossvater und Vater ein Anfangskapital erhalten habe. Aber schon allein die Herkunft war wichtig: Wenn man einigermassen aus einer guten Familie kam, wurde man damals von den Banken ganz anders bedient als «normale» Leute. Sie bekamen kraft ihres guten Namens viel leichter Kredit, um ein Grundstück zu kaufen. Das ist heute in keinster Art und Weise mehr der Fall.
 
6. Sie schreiben auch gerne mal Leserbriefe zu ganz unterschiedlichen Themen. Jüngst etwa zum Fall Walker in Uri oder zum Luzerner Kinderparlament. Was wollen Sie damit erreichen?
 
(lächelt) Ich rechne mich nicht zu einer ausgesprochen konservativen Gruppierung. Ich vertrete hin und wieder auch sozialdemokratische oder grüne Interessen. Ich bin da nicht dogmatisch programmiert. Gerade jetzt schreibe ich wieder einen Leserbrief gegen die 2. Gotthardröhre, über die wir am 28. Februar abstimmen.
 
7. Warum sind Sie dagegen?
 
Das ist ganz eindeutig: Am 1. Juni wird die Neat eröffnet. Und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, warum man jetzt so eine Abstimmung machen soll, bevor man nicht weiss, wie die Neat funktioniert und wie viel man dort auf die Bahn verladen kann. Ich bin 100-prozentig überzeugt, dass die Kapazität mit der Neat ausreicht. Den 2. Gotthard-Strassentunnel braucht es nicht.

8. Bleiben wir doch grad kurz beim Abstimmungssonntag vom 28. Februar. Wie stehen Sie zur SVP-Durchsetzungsinitiative (DSI)?
 
Das Schweizer Volk hat mal gesagt, man muss Begrenzungen machen. Und ich bin der Meinung, dass die Durchsetzungsinitiative notwendig wird, weil Frau Sommaruga das als Sozialdemokratin anders sieht als das Schweizer Volk. Ich würde mich aber dafür stark machen, dass man die Regelung anpassen sollte, so wie es aktuell nach Köln in Deutschland geschieht. Härtefälle sollen geprüft werden können.
 
9. Welches Ihrer vielen Gebäude würden Sie nie mehr hergeben?
 
(leicht süffisant-hämisch, ein nicht unsympathisches Merkmal von ihm) Ich würde alle wieder hergeben. Ich hänge an nichts. Alles ist vergänglich.
 
10. Welche Investition ging völlig nach hinten los?
 
(überlegt) Ich hatte sicher auch Rückschläge. Die muss man einfach in Kauf nehmen. Einen ziemlich heftigen Rückschlag hatte ich an der Börse.
 
11. Wie viel haben Sie damals verloren?
 
Damals war ich um die 30 Jahre alt. Verloren habe ich so um eine Million Franken. Das war viel Geld und hat mich eine ganze Weile lang geschmerzt.
 
12. Welches Engagement macht Ihnen am meisten Freude: Anwalt, Immobilienbesitzer, Mäzen?
 
(verschränkt die Arme. Langweilt er sich?) Am Anfang war ich lange nur Anwalt. Später hatte ich das Gefühl, dass man mit Immobilien mehr bewegen kann. Mit meinem Anwaltsbüro habe ich nicht das grosse Geld verdient. Bei den Immobilien war das schon anders. Und betreffend Mäzen muss man sehen, dass ein solches Engagement natürlich erst die Folge von genügend Einkommen und Vermögen sein kann.
 
13. Was möchten Sie schon lange mal tun, schieben es aber immer auf?
 
Das ist meine siebte Sprache, die ich lernen wollte, und das wäre Russisch gewesen. Ich habe mir immer vorgestellt, dass es eine interessante Tätigkeit im Rahmen des Anwaltsberufs sein kann, mit Russland spannende Geschäfte zu übernehmen. Sonst kann ich Spanisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Portugiesisch und Italienisch.
 
14. Bitte beantworten Sie folgende Frage ohne Worte: Was halten Sie von Christoph Blocher?
 

(Bild: Samuel Schalch)

 
15. Welche Bücher stehen auf Ihrem Nachttisch?
 
In erster Linie historische. Das können auch historische Romane sein.
 
16. Kriegen Sie oft Bettelbriefe?
 
Ja. Fast jeden Tag.
 
17. Am 4. Februar startet die Fasnacht – mit Ihnen oder ohne Sie?
 
(lächelt) Früher ging ich immer an die Fasnacht. Ich war immer verkleidet und ging intrigieren, das hab ich sehr gerne gemacht. Jetzt konzentriere ich mich auf die Umzüge und den Monstercorso. Dann geh ich jeweils auch unter die Egg, das macht mir viel Spass, mich dort zu bewegen.
 
18. Was halten Sie von einer Frauenquote in Unternehmen?
 
Das würde ich befürworten. Denn Frauen entscheiden oft intuitiver, das geht uns Männern manchmal ab. Ich habe zum Beispiel in meiner Liegenschaftsverwaltung Lubag ein reines Frauenteam. Und diese machen die Arbeit hervorragend! (für die DSI und für eine Frauenquote? Schumacher überrascht)
 
19. Ich habe gehört, dass Sie ein guter Gastgeber und Koch sind. Was ist Ihr bevorzugtes Menü?
 
Vor allem etwas grössere Sachen, zum Beispiel ein Rehrücken. Aber auch Hecht mache ich gern, der mir von Freunden aus dem Vierwaldstättersee geliefert wird. Und wenn es Reste gibt, mach ich Pastete daraus.
 
20. Jetzt wird’s persönlich: Sie lagen vor Jahren betreffend der Adoption eines Ihrer zwei Adoptivkinder mit den Luzerner Stadtbehörden im Streit. Um was ging’s da genau?
 
(ohne zu zögern) Als ich 57 war, nahm ich meine jüngste Tochter in Pflege. Bis dann eine Adoption anfing nach drei Jahren, war ich 60. Und dann sagte der damalige Regierungsstatthalter von Luzern: (hebt die Stimme) «Sie sind ein alter Chlaus, und einem alten Chlaus geben wir kein Kind mehr!» Obwohl meine Frau damals erst 44 war. Für mich war es aber kein Thema, das Kind wieder wegzugeben. Deshalb habe ich mich auf Anraten des damaligen Stadtpräsidenten entschlossen, ein paar Jahre im Kanton Zug zu wohnen. Denn dort galt eine liberalere Regelung. Ich hab das gemacht, und nach zwei Jahren war die Adoption vollzogen. Mit 62 (lächelt zufrieden).
 
21. Was bringt Sie zum Weinen?
 
Wenn zum Beispiel einem Vater in der Scheidung das Kind weggenommen wird. Das ist etwas vom Schlimmsten.
 
22. Was bringt Sie zum Lachen?
 
(Schumacher schüttelt sich und findet offenbar schon die Frage zum Lachen) Ha, sehr viel! Mein Leben besteht aus viel Lachen. Das ist wichtig und gesund. Ich erzähle auch gerne selber Witze und habe gerne lustige Gesellschaft.
 
23. Sie erzählen gerne Witze? Dann bitte los!

24. Sie sind seit 1994 Präsident der von Ihnen gegründeten Umweltstiftung. Warum engagieren Sie sich dort?

Der Kerngrund war: Ich habe ein paar Jahre zuvor ein Haus, das ich gekauft habe, völlig leeren müssen, um es zu restaurieren. Und jemand hat das in die Zeitung gebracht. In diesem Artikel kam ich nicht sehr gut weg. Dann dachte ich, ich muss irgendetwas machen, und habe die Umweltstiftung gegründet. (entwaffnend ehrlich: Ihm ging’s um sein Image)
 
25. Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie ökologisch bauen Sie selbst?
 
Ich lege sehr viel Wert auf ökologische Bauweise. Wir arbeiten viel mit Naturprodukten. Minergie etwa finden wir gut. Aber die kontrollierten Lüftungen werden oft beanstandet, weil der Unterhalt – etwa das Filterwechseln – oft vernachlässigt wird. Statt saubere, frische Luft zu ermöglichen wird die Anlage zur Bakterienschleuder. Auf der Skala würde ich mich bei acht oder neun einreihen.
 
26. Was bedeutet Ihnen die Stadt Luzern?

Das ist meine Heimatstadt. Mir ist wichtig, dass die Stadt blüht. Deshalb unterstütze ich, dass man für Unternehmungen sehr günstige Steuern verlangt. Ich fände es völlig falsch, wenn man das schon wieder ändern würde. Ich setze mich auch dafür ein, alte Sachen zu restaurieren, kürzlich etwa ein Fresko, das wir am Rathausplatz aus einem Haus ausbauten.
 
27. Wenn wir gerade beim Thema sind: Was halten Sie von Street Art, wie sie kürzlich an der Himmelrich-Siedlung zu sehen war? (Bei einem «Toll!» hätten wir ihm kurzerhand ein Rendezvous mit den Luzerner Street-Art-Künstlern QueenKong vermittelt. Daraus wird aber leider nichts.)
 
Ich finde es nicht schön, wenn Häuser bemalt werden. Dann kommen andere und malen wieder dran. An Häusern in der Alt- oder Neustadt gefällt den Leuten das nicht.
 
28. Am 1. Mai finden die Luzerner Stadtratswahlen statt. Welche Politiker wählen Sie?
 
(Und da ist es wieder, dieses genüssliche, höhnische Lachen) Ich sähe alle gerne im Stadtrat, auch die SVP.
 
29. Dann müsste aber am ehesten die GLP raus, denn alle sechs Parteien haben nicht Platz im fünfköpfigen Gremium.
 
Ha, also wenn Sie es so genau wissen wollen: Ich finde, die GLP-Baudirektorin Manuela Jost macht einen guten Job. Wenn ich mich zwischen dem SVP-Kandidaten und Frau Jost entscheiden müsste, würde ich eher auf Frau Jost setzen. Die SVP könnte ja zu einem späteren Zeitpunkt in den Stadtrat rein.

Jost Schumacher in seiner Anwaltspraxis an der Alpenstrasse in Luzern.

Jost Schumacher in seiner Anwaltspraxis an der Alpenstrasse in Luzern.

(Bild: Samuel Schalch)

 
30. Sie sind jetzt 68 Jahre alt. Was bedeutet es für Sie, älter zu werden?
 
Jeder Lebensabschnitt hat seine Vorteile. Ich fühle mich irrsinnig wohl. Ich möchte es überhaupt nicht anders haben als jetzt. Zumal ich nun etwa mehr in die Ferien gehe als früher.
 
31. Auf einer Skala von 1 bis 10: Für wie schlau halten Sie sich?
 
Wenn Sie schlau meinen – Intelligenz ist etwas anders –, gehöre ich sicher nicht zu den Dummen. Ich würde sagen, etwa sieben oder acht.
 
32. Welche Charaktereigenschaften am Menschen bewundern, welche nerven Sie?
 
Ich ärgere mich über Leute, die nicht ehrlich sind. Auf der anderen Seite schätze ich, wenn jemand einsatzfreudig ist, etwas leistet. Ich sehe viele Leute, die mehr leisten könnten.
 
33. Was bedeutet Lebensqualität für Sie?
 
Wenn man sich in einer Umgebung befindet, wo einem wohl ist. Dabei spielen Luxus und Reichtum keine grosse Rolle. Ich versuche sparsam und bescheiden zu leben, das entspricht mir mehr.
 
34. Die 62 reichsten Menschen der Erde besitzen gleich viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, also rund 3,5 Milliarden Menschen. Zeit für eine Umverteilung?
 
Wenn man eine Umverteilung machen würde, würde das zu einem verhältnismässig extremen Sozialismus beziehungsweise Kommunismus führen. Da bin ich eindeutig dagegen. Ich bin der Meinung, dass die Leute, die gut und korrekt Geld verdienen, dieses Geld im Allgemeinen wieder am richtigen Ort einsetzen. Wenn wir nicht Leute haben, die Gelder für öffentliche Zwecke einsetzen, dann gibt’s keine genügende Entwicklung mehr. Und das kann absolut nicht im Sinn der Sozialdemokraten sein.
 
35. Die Genossen sehen das wohl etwas anders. Nun aber wollen wir wissen, wie gut Sie zeichnen können. Bitte malen Sie ein Porträt von einer Person, die Ihnen sehr nahe steht. (Jetzt wird’s richtig lustig. Schumacher fängt zwar umgehend mit Zeichnen an, kriegt aber kurz darauf einen Lachkrampf, weil sein Werk, sagen wirs vorsichtig, von bescheidener Qualität ist. Schumacher zeichnet seine jüngste Tochter, Juliana, 12.)
 

36. Was werden Sie wohl ein Leben lang bereuen?
 
(lacht) Ich bereue nichts. Man muss dazu stehen, was man gemacht hat.
 
37. Was kostet ein Liter Milch im Coop? (passende Frage, um rauszufinden, wie viel Bodenhaftung reiche Leute haben. Doch Schumacher ist gewappnet, kennt die Antwort)
 
Ja, das weiss ich. Das gibt’s schon für 1,50 Franken. Ausser Bio-Milch, die kostet dann schon mal 1,90 Franken.
 
38. Drei Persönlichkeiten, die Sie besonders beeindrucken?
 
Den Luzerner Renward Cysat hab ich sehr geschätzt. Der hat etwa auf dem Weinmarkt die Osterspiele aufführen lassen. Er hat sehr viele historische Sachen geschaffen, die heute eine grosse Bedeutung haben. Sehr schätze ich auch Bundesrat Kurt Furgler. Der war eine sehr intelligente Persönlichkeit, ich hatte mit ihm viel zu tun. Und dann bewundere ich einen der besten Dirigenten, den wir jemals hatten, Herbert von Karajan, der konnte so super interpretieren.
 
39. Die verwegenste Geschäftsidee, die Sie jemals hatten?
 
(dröhnendes Schumacher-Lachen) Ich habe immer versucht, auf dem Boden zu bleiben. Mir kommen die verrücktesten Ideen meist während den Ferien. Eine der verwegensten war sicher, die Emmer Firma von Roll zu übernehmen, um sie mit der Firma von Moos zusammenzubringen. Das hat dann aber nicht geklappt, weil wir nicht alle Aktionäre vereinen konnten. Ebenfalls haben wir mal versucht, die Brauerei Eichhof zu übernehmen. Aber wir konnten nicht genügend Aktien aufkaufen. Ein gutes Geschäft war das dann beim Verkauf dieser Aktien trotzdem. (lächelt schelmisch)
 
40. Wieso wollten Sie die Brauerei kaufen? Wegen dem Bier? (blöde Frage, im Nachhinein, denn Schumacher hat ein Gespür für lukrative Immobilien – nicht für Gerstensäfte)

Nein, sondern weil sie einen sehr grossen Liegenschafbestand hatte. Bei von Roll war es genau das Gleiche.
 
41. Welches Bauprojekt möchten Sie unbedingt noch verwirklichen?
 
Da gibt’s nichts Konkretes. Wenn man noch etwas Kunsthistorisches für die Stadt Luzern schaffen könnte, würde ich es sehr gern machen. Aber ich unterstütze auch andere, aktuelle Projekte wie etwa das Parkhaus im Musegghügel. Vorerst aber nur moralisch, nicht finanziell. Ich bin der Auffassung, dass das eine gute Entlastung für die Stadt Luzern gäbe.
 
42. Sind Sie eitel?
 
(schüttelt sofort energisch den Kopf) Oh nein, überhaupt nicht. Ich fahre in der Stadt mit einem Smart rum. Für grössere Strecken habe ich dann aber schon einen Landrover.
 
43. Welche Fähigkeit würden Sie gerne besitzen? (Malen, Singen, ein Instrument spielen? Schumacher beweist auch hier, dass er durch und durch ein Gschäftlimacher ist.)

Schön wäre, wenn man voraussehen könnte, wie die Entwicklungen in verschiedenen Bereichen sind. Stellen Sie sich vor, man könnte sagen, wie sich die Börse entwickelt. Oder der Hypothekarzins.

Jost Schumacher in seiner Anwaltspraxis an der Alpenstrasse in Luzern.

Jost Schumacher in seiner Anwaltspraxis an der Alpenstrasse in Luzern.

(Bild: Samuel Schalch)

 
44. Sind Sie ein mächtiger Mensch?
 
Mächtig? (überlegt) Nun, ich würd jetzt nicht die Macht in den Vordergrund stellen, sondern die Verbindungen, das Netzwerk. Wenn Sie in meiner Position mit der Regierung oder Firmen verhandeln, haben Sie einen ganz anderen Stellenwert, als wenn Sie ein Newcomer sind. Das funktioniert viel einfacher mit einem guten Netzwerk.
 
45. Was bewegt Sie, jährlich in der Reihe «Innerschweizer Schatztruhe» eine Hochglanzbroschüre zu historischen Themen, Häusern oder Landschaften herauszugeben?

Ich finde es schön, im Bekanntenkreis zu Weihnachten etwas herauszugeben, das etwas darstellt. So bleibt man bei den Leuten im Gespräch, das gehört zum Netzwerk. Es interessiert mich auf verschiedenen Gebieten, Neues zu entwickeln.
 
46. Sie haben kürzlich das Haus an der Tribschenstrasse, das mit dem Restaurant Elios im Erdgeschoss, gekauft. Im Dachgeschoss war vor dem Brand 2014 das Sexgewerbe einquartiert. Wie geht’s mit dieser Liegenschaft weiter?
 
Grundsätzlich war das ganze Gebiet verseucht von diesen Damen. Das war für viele Anwohner ein grosses Ärgernis. Ich habe das Haus umgebaut und das wurde wunderschön. Jetzt arbeiten dort keine Damen mehr im horizontalen Gewerbe. Und weil in einem Nachbargebäude ebenfalls aufgeräumt wurde, gibt’s nun in diesem Gebiet keine Prostituierten mehr. Wir sind stolz darauf, das geschafft zu haben.
 
47. Man sagt, Ihnen würde das halbe Eigental gehört. Wie sieht es konkret aus?
 
(lacht vergnügt) Diese Liegenschaften gehören nicht direkt mir, sondern unserer Familienstiftung. Vor rund 15 Jahren konnte ich mit dem Haus Gantersei eine weitere Liegenschaft kaufen. Heute sind das gut 1,7 Quadratkilometer Fläche, davon viel Wald. Das Eigental ist ein Ort, der viel Ruhe bringt. Ich bin dafür besorgt, dass das Eigental das bleibt, was es heute ist. Ich möchte den beiden Bauern, die dort zu Pacht sind, ein gutes Einkommen ermöglichen. Wir haben auch Grillplätze oder einen Sportplatz realisiert. Nun schaue ich, dass sich meine erwachsene Tochter etwas mehr damit beschäftigt. Viel Freude bereiten mir meine Liegenschaft in der Fontanne bei Wolhusen, dort «wärche» ich jeden Samstag, dort kann ich selber walten und schalten, wie ich will.
 
48. Mit dem Luzerner Stadtrat liegen Sie oft und gerne im Clinch. Beispiele: Kapellbrückenbilder, gemeinnütziger Wohnungsbau, Rechtsstreit in Littau und damit verbunden das Erni-Wandbild aus dem alten Hallenbad. Sind Sie so schwierig oder liegt’s am Stadtrat?
 
(lacht laut auf) Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen, es ist gegenseitig. Dieses Jahr wurde ich jedoch an den Aperitif des Stadtrats eingeladen. Dort wurde ich als eckig und kantig gelobt, das sehe ich positiv. Man hat mich zudem mit der eckigsten und kantigsten Stadträtin verglichen, mit Ursula Stämmer. Das hat mir gefallen.

49. Welches Land oder welcher Ort auf der Welt hat bei Ihnen den stärksten Eindruck hinterlassen?

(lehnt sich entspannt zurück) Ich war jetzt gerade wieder, zum dritten Mal, auf den Malediven. Vom Erholungswert her ist es das Beste, dass es gibt. Ich schnorchle dort sehr gerne, die Unterwasserwelt ist phantastisch.
 
50. So, zum Schluss bitte ich Sie noch, uns ein paar Sätze zu beenden, die wir Ihnen vorgeschrieben haben.

«Vater» von sechs Kindern

Jost Schumacher (68) ist seit rund 20 Jahren geschieden. Seit einiger Zeit lebt er mit einer Architektin (45) zusammen. Schumacher sorgt(e) u.a. finanziell für insgesamt sechs Kinder. Zwei hat er adoptiert, zwei stammen direkt von ihm ab und für zwei weitere «zugelaufene» hat er die Verantwortung übernommen. Es handelt sich dabei um zwei Kinder, die von (Ex)-Partnerinnen mit in die Beziehung gebracht wurden und bei denen die Väter keinen Unterhalt bezahlen wollen.

Mitte der 70er-Jahre machte sich der Rechtsanwalt und Notar selbstständig. Ab 1977 erstellte er die ersten Bauten, gründete später die LUBAG Immobilienverwaltung und übernahm in Luzern das Zepter als Investor. Die Karten unter den wenigen einflussreichen Familien wurden neu gemischt. Heute stellt Jost Schumacher mit seinem Besitz die von Balthasars und Schönbühl-Schumachers in den Schatten.

Schumacher wohnt und steuert (abzüglich kurzem Abstecher nach Zug) in Luzern. An der Alpenstrasse 1 in Luzern betreibt er eine Anwaltskanzlei.

Patrizier mit Freude an Kunst

Jost Schumacher stammt von den von Schumachers ab. Diese gehörten im 18. Jahrhundert zu einem kleinen, besonders einflussreichen Zirkel von rund 40 Familien. Sie hatten in Luzern damals Zugang zu den Ratsstellen und partizipierten an der Regierungsgewalt und den damit verbundenen Ämtern und Einkommen.

In Luzern ansässig ist die Familie Schumacher bereits seit 1540. Sie teilte sich damals in drei Zweige auf: einerseits die sogenannten «Laternen-Schumacher», die nicht dem Luzerner Patriziat angehörten. Ein zweiter Teil erhielt durch den italienischen König den erblichen Baronentitel und der dritte Zweig diente im Luzerner Staatswesen. Die beiden letztgenannten waren patrizisch und führten teilweise das «von» im Namen. Auch Jost Schumachers Bruder Beat ist in Luzern als Anwalt und im Immobilienbereich tätig.

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4 Kommentare
  1. Robert Münch, 03.02.2016, 09:19 Uhr

    Klasse Format, gerne mehr davon.

  2. Tonino Bucherinsky, 31.01.2016, 12:21 Uhr

    Neben der klaren Ansage zu 2. Gotthardröhre freut mich die ungeschminkte zur Frauenquote.
    Schade, beim gemeinnützigen Wohnungsbau fehlt mir einiges und bei der DSI schliesse ich mich Roland Wiprächtiger an.
    Super der Witz mit Erkenntniszuwachs nach 2 Minuten.

  3. Robert Casagrande, 30.01.2016, 16:29 Uhr

    50 Fragen und ehrliche Antworten.

  4. Roland Wiprächtiger, 30.01.2016, 16:14 Uhr

    Herr Schumacher ist für die Durchsetzungsinitiative (DSI), möchte aber, dass Härtefälle geprüft werden könnten. Mit einem Ja zur DSI ist dies unmöglich. Denn die Initiative erlaubt es gerade nicht, im Sinne einer Härtefallüberprüfung ausnahmsweise von einer Ausweisung abzusehen.
    Wenn die Initiative aber abgelehnt wird, sieht es anders aus. National- und Ständerat haben nämlich – leider fast ganz im Sinne der SVP – die Ausschaffungsinitiative umgesetzt (Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 20.März 2015), mit einer wesentlichen Ausnahme allerdings. Sie haben eine Härtefallklausel beschlossen, die es den Gerichten erlauben würde, ausnahmsweise von einer Ausweisung abzusehen.