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«Ich dachte zuerst, das sei ein Witz»
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In diesem Amt bleibt keiner lange. Rolf Fringer (Mitte) ist nach Alex Frei (rechts) und Heinz Hermann bereits der dritte FCL-Sportchef, der innert drei Jahren vorzeitig den Hut nehmen muss. (Bild: Collage les)

Rätsel um Entlassung von FCL-Sportchef Fringer «Ich dachte zuerst, das sei ein Witz»

6 min Lesezeit 08.01.2016, 18:18 Uhr

Diese Meldung hat eingeschlagen wie eine Bombe: Der FCL feuert Sportchef Rolf Fringer! Als Verlierer eines internen Machtkampfes musste der 58-Jährige seinen Platz räumen. Einmal mehr macht das Haifischbecken FCL seinem Namen alle Ehre. FCL-Legenden kritisieren unklare Hierarchien. Und langsam kristallisiert sich heraus, was wirklich hinter der Entlassung steckt.

Unverständnis, Kopfschütteln, Wut: Die Reaktionen auf die Entlassung von Rolf Fringer waren fast allesamt negativ. Alle, die sich für den FCL interessieren, wurden vor eine vollendete Tatsache gestellt, die so gar nicht zu erwarten war: Der Sportchef muss von Bord. Besonders heftig reagierten die Fans. Sie liessen auf Facebook und in Foren ihrem Unmut freien Lauf (zentral+ berichtete).

Doch weshalb immer diese Unruhe beim Luzerner Hausklub? Grosse Worte von Kontinuität und Langfristigkeit werden in den Mund genommen – und im nächsten Atemzug wird die gesamte sportliche Leitung infrage gestellt. Dies verdeutlicht ein Überblick über die Wechsel von Trainer, Sportchef und Präsident der letzten rund vier (!) Jahre – ganze zehn Personen waren involviert:

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Trainer Sportchefs Präsidenten
Markus Babbel (seit Okt. 2014) Rolf Fringer (Dez. 2014 bis 7. Januar 2016) Ruedi Stäger (seit 2014)
Carlos Bernegger (Apr. 2013 bis Okt. 2014) Alex Frei (Apr. 2014 bis Dez. 2014) Mike Hauser (2012 bis 2013)
Ryszard Komornicki (Aug. 2012 bis Apr. 2013) Heinz Hermann (Mai 2012 bis Feb. 2013) Walter Stierli (2005 bis 2012)
Murat Yakin (Juli 2011 bis Aug. 2012)    

Ex-Präsident Simioni teilt aus

Von 1975 bis 1998 war Romano Simioni Präsident des FC Luzerns. Auch heute noch verfolgt der 80-Jährige das Geschehen rund um den FCL. Zur Entlassung von Fringer meint er: «Ich dachte zuerst, das sei ein Witz.» Im Fussball werde immer die Zukunft zeigen, wer Recht habe. Aber für Simioni ist klar: «Beim FCL ist keine klare Linie erkennbar. Es gibt im Verein zu viele Leute, welche über Kapital verfügen, die mitreden.» Solche internen Machtkämpfe seien nie erfolgsversprechend, ist Simioni überzeugt.

«Sorgen machen müssen sich in erster Linie die Aktionäre.»

Romano Simioni, ehemaliger FCL-Präsident

Heisst im Klartext: Die sportliche Leitung um Präsident Stäger, Ex-Sportchef Fringer und Trainer Babbel hat laut Simioni nicht in Ruhe arbeiten können. Ständig hätten Leute im Hintergrund – wie Walter Stierli oder Bernhard Alpstaeg – reingeredet. Simioni legt nach: «Es gibt eindeutig zu viele Hierarchien: FCL Holding, FCL Innerschweiz AG, Swisspor-Arena, das alles hat mit dem Sport nichts zu tun.» So, wie er das von aussen betrachten könne, stimme beim FCL das Umfeld einfach nicht.

Ex-Präsident Romano Simioni (links) im Gespräch mit FCL-Präsident Ruedi Stäger im September 2015.

Ex-Präsident Romano Simioni (links) im Gespräch mit FCL-Präsident Ruedi Stäger im September 2015.

(Bild: Martin Meienberger)

Das tönt nicht gut. Muss man sich Sorgen um den FCL machen? Simioni relativiert: «Sorgen machen müssen sich in erster Linie die Aktionäre. Sie müssen das jährliche Defizit von zwei bis drei Millionen Franken decken.» In der Privatwirtschaft würde ein solcher Betrieb aufgelöst, so der ehemalige Präsident, aber mit fremdem Geld zu hantieren, sei halt einfach. Zur neuen Situation meint er: «Trainer Babbel hat nun eine riesige Verantwortung.» Die vorläufig Beteiligten wie Genesio Colatrella genügen laut Simioni den Ansprüchen an eine sportliche Führung nicht. «Der Schritt vom Juniorenbereich zu den Profis ist zu gross», meint er nur.

Küdi Müller bleibt gelassen

FCL-Legende Kudi Müller sagt gegenüber zentral+: «Die Entlassung von Rolf Fringer kam für alle unerwartet.» Völlig aus den Socken haute ihn die Meldung aber nicht. Ganz sachlich meint er: «Solche Entlassungen sind im Endeffekt gang und gäbe und gehören zum Fussball. Ich habe das selber erlebt, das erschüttert mich nicht.» Habe man andere Auffassungen über die Weiterentwicklungen eines Vereins, dann müsse man die Reissleine ziehen, obwohl dies für alle unangenehm sei.

FCL-Legende Kudi Müller fühlt sich dem Verein nach wie vor stark verbunden.

FCL-Legende Kudi Müller fühlt sich dem Verein nach wie vor stark verbunden.

Aber weshalb immer beim FCL? Kudi Müller schwächt diese Einschätzung ab: «Schauen Sie mal zu Real Madrid. Dort wurde auch gerade der Trainer gefeuert und mit Zinédine Zidane eine Vereinsikone installiert, die überhaupt keine Erfahrung im Trainerbusiness hat – sowas gibt’s in allen Vereinen.» Beim FCL sei man einfach sehr nahe dran und deshalb so emotional dabei. «Die Fans klammern sich an die sogenannte Ruhe im Verein, aber ausser Basel hat das in der Schweiz niemand.» Schlussendlich seien Menschen am Werk, die Entscheidungen fällen müssen, auch unangenehme.

Galoppierende Ahnungslosigkeit?

Auch die Boulevardzeitung «Blick» findet zur Situation des FCL deutliche Worte: «Der Klub praktiziert an der Spitze weiter sein Management by Jeans: an jeder wichtigen Stelle eine Niete. An vorderster Front: der bezahlte Präsident Ruedi Stäger. Seine galoppierende Ahnungslosigkeit sorgt nun für einen erneuten Tiefpunkt», schreibt der Blick-Sportchef in einem Kommentar.

«Für die strategische Ausrichtung ist der Verwaltungsrat zuständig.»

Max Fischer, FCL-Mediensprecher

Zu dieser Beurteilung passt der Begriff des Haifischbeckens, der rund um den FCL immer wieder auftaucht. Der ehemalige FCL-Sportchef Alex Frei liess sich dazu in der NZZ kurz vor seinem Abgang wie folgt zitieren: «Ich wusste, dass der FCL ein Haifisch­becken ist. Aber mir war nicht ­bewusst, dass so viele Haie darin schwimmen.» Auch Frei hatte irgendwann genug und schmiss den Bettel hin. Auf Anfrage von zentral+ wollte sich Alex Frei zur aktuellen Situation des FCL nicht äussern.

FCL spricht von klarer Hierarchie

Sind die Strukturen beim FCL wirklich so schlecht? Und ist überhaupt nicht klar, wer was zu sagen hat? Mediensprecher Max Fischer nimmt Stellung: «Unsere Hierarchie ist entgegen dem, was Sie gehört haben, klar: Für die operative Führung von FCL und Swisspor-Arena sind der geschäftsführende Präsident Ruedi Stäger und die Geschäftsleitung zuständig, für die strategische Ausrichtung ist der Verwaltungsrat der FCL Holding verantwortlich. Zu den in verschiedenen Medien geäusserten Spekulationen und Interpretationen wollen wir uns nicht äussern. Wir wollen Interna nicht in der Öffentlichkeit diskutieren.»

Wer sprach das Machtwort?

Ein Aspekt dieses Statements lässt aufhorchen. «Für die strategische Ausrichtung ist der Verwaltungsrat zuständig.» Hiess es doch in der Medienmitteilung vom Donnerstag zur Entlassung Fringers: «Ausschlaggebend für die Entlassung sind unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung des Klubs.»

Dies widerspricht der Theorie, wonach Fringer einen Machtkampf mit Babbel verloren haben könnte. Es stützt eher die Vermutung, dass sich Fringer mit einzelnen Exponenten des Verwaltungsrates überwarf. Verwaltungsratspräsident Studhalter? Hauptinvestor Alpstaeg? Über die wahren Gründe der Entlassung hüllt der FCL bekanntlich den Mantel des Schweigens.

Am Ende entscheidet der sportliche Erfolg

Beeinflusst das ganze Drumherum auch die Spieler negativ? Kudi Müller glaubt das nicht. «Die Spieler sind bezahlte Fussballer. Sie müssen sich nicht um den Rest kümmern, sondern um sich selbst.» Er ist überzeugt, dass die FCL-Spieler in der Rückrunde ihre Leistung bringen werden. «Dies ist schliesslich ihr Job.» Müller blickt optimistisch in die Zukunft. «Es ist nicht einfach und die Beteiligten sind gut beraten, sich genügend Zeit bei der Suche nach einem neuen Sportchef zu lassen. Aber der FCL kann das lösen.» Er selbst möchte sich lieber auf das Sportliche konzentrieren: «Wenn der FCL Cupsieger wird, interessiert diese Geschichte nicht mehr gross.»

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