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«Ich bin zu 99 Prozent Fussballer»
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Mit der Verpflichtung von Burim Kukeli wirft der SC Kriens das Image eines Amateurvereins über Bord. (Bild: ain)

Burim Kukeli ist die prominente Kriens-Verstärkung «Ich bin zu 99 Prozent Fussballer»

5 min Lesezeit 17.07.2019, 05:11 Uhr

Er hat noch nicht genug: Burim Kukeli spielte schon an der EM und zweimal in der Gruppenphase der Europa League. Nun hält der 35-Jährige seine Knochen für Kriens hin. Auch, um seine Trainerkarriere zu lancieren.

Er betritt die Gartenwirtschaft eines nahe am Vierwaldstättersee gelegenen Restaurants, steuert auf einen freien Tisch mit der Nummer 22 zu und sagt lächelnd: «Das passt doch gut.» Die 22 trug Burim Kukeli in seinen viereinhalb Jahren für Luzern auf dem Rücken. Ab 2012 entschloss sich der defensive Mittelfeldspieler dazu, sein berufliches Glück beim FC Zürich und FC Sion zu suchen.

Jetzt, im Herbst seiner Karriere, ist er wieder zurück am Fusse des Pilatus. Und das ist keinesfalls dem Zufall geschuldet. Nur in den letzten beiden Saisons mit Sion hatte er eine Zweitwohnung im Wallis, sonst aber lebte er mit Frau und den beiden bald dreijährigen Zwillingstöchtern immer in der Umgebung von Luzern.

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Mit SCK-Image aufgeräumt

Kukeli schätzt nicht nur «die hohe Lebensqualität hier». Sondern auch die Macher des SC Kriens. Bruno Galliker hat dem Spätberufenen im Januar 2008 den Einstieg auf Profi-Stufe ermöglicht. Damals war er Sportchef des FC Luzern, heute ist er es beim Challenge Ligisten.

«Wenn sich meine Frau nicht plötzlich einem exklusiven Lebensstil verschreibt, sollte es für den Lebensunterhalt reichen.»

Für die Verpflichtung von Kukeli räumte Galliker mit dem fein säuberlich gepflegten Image, Kriens sei der einzige Amateurklub in der zweithöchsten Spielklasse, auf. Mittlerweile leistet sich auch der SCK Profis. Wegen des Geldes habe er aber nicht bei Kriens unterschrieben, hält Kukeli fest und schiebt lachend nach: «Wenn sich meine Frau nicht plötzlich einem exklusiven Lebensstil verschreibt, sollte es für den Lebensunterhalt reichen.»

Er ist, wie er selber sagt, «zu 99 Prozent Fussballer». Das eine Prozent hat Kukeli für eine Nebentätigkeit bei seinem neuen Arbeitgeber abgezogen. «Einmal pro Woche werde ich mit den 15- bis 18-jährigen Nachwuchsspielern ein Spezialtraining abhalten.» Kukeli erachtet es als «langsamen Einstieg» ins Trainerbusiness. Als Coach will er dereinst seine Brötchen verdienen, wenn er seine Tätigkeit als Abfangjäger im Mittelfeld aufgegeben hat. Das B-Diplom hat er in der Tasche.

Kukeli wollte nur für ein Jahr unterschreiben

Auch Bruno Berner, dem Trainer der Krienser, ist Kukeli in seiner Karriere schon mal über den Weg gelaufen. Es war beim FC Zürich, als Berner die U15 betreut hat. «Da durfte ich beim Training reinschnuppern», erzählt er.

Beim SC Kriens wird der Albaner kosovarischer Herkunft der verlängerte Arm des Trainers sein. Solange der am Knie verletzte Daniel Fanger ausfällt, trägt er die Captainbinde. «Ich bemühe mich nach bestem Wissen und Gewissen darum, den Trainer und meine Mannschaft zu unterstützen. Und ich will die Mentalität und Überzeugung, dass wir uns gegen jeden Liga-Konkurrenten durchsetzen können, in die Mannschaft tragen», sagt Kukeli.

«Ich spiele nur weiter, solange mir der Fussball noch Spass macht.»

Für ihn ist das Engagement beim SC Kriens nicht einfach ein Aktivurlaub vor dem definitiven Übertritt ins Trainerbusiness. Kukeli sagt, dass er auch für länger als ein Jahr im Kleinfeld hätte unterschreiben können. «Aber das wollte ich nicht. Im fortgeschrittenen Fussballer-Alter plant man nicht mehr auf lange Dauer. Ich spiele nur weiter, solange mir der Fussball noch Spass macht.»

Als er dachte, es sei aus

Gerade Kukeli mag man glauben, dass das, was er sagt, nicht bloss leere Worthülsen sind. Zum einen musste er sich in seiner Karriere durchbeissen und beweisen, dass er zum Profi taugt. Und zum andern musste er eine happige Verletzung, die anderen schon das Karriereende bereitete, überwinden. Im Februar 2013, ein halbes Jahr nach seinem Wechsel zum FC Zürich, ist Kukeli vom damaligen Bellinzona- und aktuellen FCL-Spieler Simon Grether gefoult worden. Er büsste die Aktion mit einem Schien- und Wadenbeinbruch und fiel anderthalb Jahre aus. «Da dachte ich, es sei aus», gibt er im Nachhinein offen zu und ergänzt: «Es war eine Erfahrung, die mich als Mensch und Sportler geprägt hat.»

Doch der Kämpfer mit dem langen Atem kam zurück. Nicht ohne Stolz bemerkt er, dass er nach der schwerwiegenden Verletzung noch zwei Verträge bei speziellen Vereinen in der Super League habe unterschreiben und mit 32 die Europameisterschaft 2016 in Frankreich mit Albanien bestreiten dürfen. «Natürlich will man immer mehr, aber Verbissenheit kann einen auch kaputtmachen», zieht er eine erste Karriere-Bilanz. «Ich bin dankbar für das, was ich erreichen durfte.»

Seine Prioritätenliste beim SC Kriens

Jetzt will er seine neuen Teamkollegen von seinem Erfahrungsschatz profitieren lassen. «Wir haben spannende Nachwuchskräfte beim SC Kriens, und ich möchte ihnen dabei helfen, den nächsten Entwicklungsschritt zu machen», sagt Kukeli. Doch zuoberst auf seiner Prioritätenliste steht die eigene Leistung auf dem Platz. «Sie ist das Wichtigste für mich, weil sie stimmen muss», weiss er.

«Ich kriege es körperlich also problemlos hin.»

Letzte Saison hat er bloss drei Meisterschaftsspiele mit Sion gemacht. Er sieht das nicht als Problem: «Vieles lief gegen mich. Als ich mich zur Winterpause hin von einer Verletzung zurückgekämpft hatte, fiel ich nach dem ersten Einsatz von Beginn weg wegen eines Muskelfaserrisses wieder für sechs Wochen aus. Gegen Ende der abgelaufenen Saison sass ich aber zumindest wieder auf der Bank. Ich kriege es körperlich also problemlos hin.» Athletik und Fitness sind die Basis seines Spiels.

Kukeli wird auf dem Weg der Krienser zum angestrebten Ligaerhalt eine zentrale Rolle zukommen. Die zweite Saison nach dem Aufstieg in eine höhere Spielklasse gilt als anspruchsvoller als die erste, weil die Euphorie nach dem Erfolg entschwunden ist. Kukeli ist trotzdem guter Dinge: «Die Spieler haben ein Jahr mehr Erfahrung und die Mannschaft ist verstärkt worden. Wir wollen uns als unangenehmer Gegner verkaufen. Dabei wäre ein guter Saisonstart hilfreich.»

Bei diesem Unterfangen wird er die Nummer 13 auf dem Rücken tragen. Den Kriensern wäre es recht, wenn diese dereinst ebenfalls gute Assoziationen in Kukelis Gedankenwelt weckt.

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