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«Ich bin sehr gespannt, ob die Leute tatsächlich lokaler einkaufen werden»
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Franziska Bründler eröffnete ihre Laden «Fidea Design» im vergangenen Sommer. (Bild: ida)

Luzerner Altstadt wiedereröffnet «Ich bin sehr gespannt, ob die Leute tatsächlich lokaler einkaufen werden»

3 min Lesezeit 12.05.2020, 05:00 Uhr

Endlich werden Waren wieder in einem echten Laden verkauft. Bei den Besitzern pendeln die Gefühle zwischen Freude und Anspannung. Franziska Bründler wird nur eine Person aufs Mal in ihrem Laden begrüssen dürfen.

Franziska Bründlers Laden gehört zu den Kleinsten: An der Furrengasse 7 werden ab Donnerstag wieder lokale Designobjekte verkauft. Aufs Mal darf genau ein Kunde oder eine Kundin in den Laden, der komplett auf lokale Produkte setzt. Über 200 nützliche und schöne Dinge finden sich in der Kollektion von «Fidea Design» auf zwanzig Quadratmetern.

Darunter sind die Karten von Stadtkünstler Habakuk genauso wie Eigenkreationen, um einmal mehr den berühmt-berüchtigten magnetischen Kerzenhalter zu nennen (zentralplus berichtete). Die Bude eingerannt haben die Kunden schon vor Krise nicht, deshalb erwartet Bründler auch nicht gleich einen Ansturm. Aber sie verspricht: «Wer wegen der Massnahmen warten muss, der bekommt von uns ein Getränk vom Café Pura, gleich gegenüber, spendiert.»

Sie sei neugierig, wie das Geschäft in der Altstadt wieder anlaufen werde – nicht nur in ihrem Laden, der jeweils Donnerstag, Freitag und Samstag geöffnet hat. «Ich bin sehr gespannt, ob die Leute tatsächlich lokaler einkaufen werden», meint sie. Und: ob die Kundinnen und Kunden überhaupt Lust hätten, einzukaufen oder durch die Situation eher verunsichert seien.

Der Shop von «Fidea Design» ist für die Wiedereröffnung herausgeputzt.

Online-Shop floriert dank Grüssen aus der Distanz

Sie ist sich im Klaren, dass die Umsatzverluste der vergangenen Wochen nicht wettgemacht werden können – selbst, wenn die Leute in Scharen kämen. «Zum Glück ist unser Online-Shop in den vergangenen Wochen sehr gut gelaufen», sagt sie. Ein Renner seien Postkarten gewesen, besonders die selbstkreierten mit der Aufschrift «Es ist alles nur eine Phase» (zentralplus berichtete).

«Wir durften auch einige schöne Zusammenarbeiten realisieren», ergänzt Bründler. Für verschiedene Unternehmen hat sie Pakete zusammengestellt, die diese ihren Mitarbeitern ins Homeoffice schickten. «Neben nützlichen Dingen wie einem Bleistift oder einem Notizblock war in diesem Homeoffice-Kit etwa auch ein einfaches Badesalz dabei – zur Entspannung nach der Arbeit.»

Auch weitere Gegenstände, die als lokaler Gruss aus der sozialen Distanz gesendet werden konnten, liefen gut: Die Vasenkollektion, die Bründler just dann erreichte, als sie den physischen Laden schliessen musste, kam im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der Gärtnerei Blütenblatt unter die Leute.

Schwanken zwischen Aufbruch und Ungewissheit

Das Beispiel von Franziska Bründler zeigt: Die Notlage haben viele Unternehmen kreativ genutzt und zum Teil neue, lokale Netzwerke geknüpft. Nichtsdestotrotz freuen sich die meisten, ihren Laden wieder auftun zu dürfen. Wenn auch mit Plexiglasscheibe und der Unsicherheit, wie das Einkaufserlebnis unter dieser besonderen Situation trotzdem sympathisch gestaltet werden kann.

Die gemischten Gefühle zeigen sich, wenn man bei weiteren Geschäften in der Altstadt nachfragt. André Küchler vom Möbelgeschäft Wohnidee: «Wir freuen uns, dass wieder Leben in der Altstadt einkehrt, und hoffen, dass die Leute vor lauter Angstmacherei die Lebensfreude behalten.»

Der Old Town Store präsentierte auf den sozialen Medien stolz, dass er die vergangenen Wochen dazu genutzt hat, einen Online-Shop einzurichten. «Geboren aus der Corona-Krise anno 2020. Garantiert unpersönlich und virenfrei!», schreibt der Betreiber mit einem Augenzwinkern dazu.

Aufbruchstimmung gibt es auch bei Ochsner Sport und Aldi, die neue Shops an der Hertensteinstrasse eröffnen werden.

Unsicherheit überwiegt vor allem bei den stark vom Tourismus abhängigen Geschäften: Beim unter dem Touristenschwund leidenden Souvenirshops von Casagrande hat man sich entschieden, in der momentan unsicheren Situation keine Interviews zu geben. Bei den Uhrengeschäften wie Bucherer oder Gübelin ist die grosse Frage, ob die einheimische Bevölkerung wieder mehr Uhren kaufen wird.

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