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«Ich bin nicht ständig im Pitbull-Angriff-Modus»
  • Politik
Seit rund einem Jahr sitzt Franz Grüter im Nationalrat. (Bild: Facebook/Franz Grüter )

50 Fragen an … SVP-Nationalrat Franz Grüter «Ich bin nicht ständig im Pitbull-Angriff-Modus»

16 min Lesezeit 1 Kommentar 04.12.2016, 08:11 Uhr

Als erfolgreicher IT-Unternehmer wurde Franz Grüter reich – als Nationalrat will er die Politik prägen. In unserem 50-Fragen-Interview mit dem 53-Jährigen aus Eich ging es allerdings um viel mehr. Wir erfuhren, dass er neu ein Elektroauto fährt, nie Bundesrat werden will und sich ständig auf Youtube rumtreibt. Zudem fragten wir, ob er schon einmal in Christoph Blochers Pool gebadet hat.

1. Franz Grüter, schon wieder ein Interview, müssen Sie sich denken. Ihre Medienpräsenz ist enorm. Wie erklären Sie sich das?

Gut, für ein Medium aus meiner Heimat mache ich das gerne. Lacht. Aber ja, die Leute könnten das Gefühl bekommen, ich suche die Medienpräsenz. Dem ist aber nicht so, ich erhalte einfach sehr viele Anfragen zu ganz unterschiedlichen Themen. Wichtig scheint mir, nur dort in den Medien präsent zu sein, wo man effektiv etwas zu sagen hat.

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2. Ein grosses Thema derzeit ist die Wahl von Donald Trump. Sie haben sich früh als «grösster Trump-Fan im Bundeshaus» geoutet. Warum?

Ja, das löste tatsächlich eine grosse Resonanz aus. Auch das war nicht meine Idee. Zwei Journalisten wollten meine Meinung zu Trump hören und ich antwortete, bei der Wahl zwischen Clinton und Trump würde ich mich für Trump entscheiden. Das Wort Fan stammt aus der Feder des «Blick». Ich befürworte Trump, weil Clinton massgeblich daran beteiligt war, dass die Schweizer Banken derart unter Druck gerieten. Und sie ist eine Machtpolitikerin, deren Verflechtungen enorm sind. Für meine klaren Worte steckte ich einiges an Kritik ein – nach der Wahl erhielt ich allerdings viel Lob.

3. Aber der neue US-Präsident beleidigt Frauen, er will eine Mauer nach Mexiko bauen und die Rechte von Schwulen oder Muslimen einschränken. Bereitet Ihnen das keine Sorgen?

Schon im Frühling sagte ich: Man muss zwischen Wahlkampfrhetorik und Präsidentenamt unterscheiden. Bereits spürt man, dass er sich moderater gibt. Es soll etwa keine Mauer an der Grenze zu Mexiko geben, sondern lediglich einen Zaun. Trump hatte das Gespür dafür, dass die Leute genug vom Establishment haben. Sie wollten vielleicht gar nicht Trump, aber sie wollten jemanden, der nicht aus dem Politkuchen kommt.

4. Seine Versprechen wird er niemals halten können?

Die Frage ist, was er alles umsetzen kann. Ich bin sicher, Trump kann, wie damals Ronald Reagan, sehr viel bewirken. Man muss jetzt schauen, wie sich das Ganze entwickelt.

1989 verbrachte Franz Grüter ein Jahr in den USA.

1989 verbrachte Franz Grüter ein Jahr in den USA.

(Bild: Facebook/Franz Grüter)

5. Trump-Wähler werden gemeinhin als dumm und zurückgeblieben bezeichnet. Man könnte meinen, das auch über Minarettverbots-Befürworter gehört zu haben.

Das ist das, was mich am meisten stört. Man versucht die Leute in eine Schublade zu drücken. Es ist immerhin eine Mehrheit, und es wäre absurd, die Mehrheit der Amerikaner als unmündige Wähler abzutun. Mich interessieren an diesen Wahlen nicht unbedingt die amerikanischen Probleme. Mich kümmern die Auswirkungen auf die Schweiz. Ich bin sicher, dass Hillary Clinton für die Schweiz kein Glücksfall gewesen wäre. Die Beziehungen zu den USA sind sehr gut und gefestigt. Wir haben aber Themen, die wir eng verfolgen müssen. So zum Beispiel bei der grenzüberschreitenden Überwachung der NSA, die Freund und Feind nicht unterscheidet. Das ist eine Politik, in der Macht vor Recht gilt.

«Ich persönlich bin klar dagegen, dass ein System diktatorische Züge annimmt.»

6. Die SVP ist auch eine populistische Bewegung und schürt Angst etwa vor dem Fremden. Sehen Sie Parallelen zu Trump?

Nein, die sehe ich in diesem Bereich nicht. Ich stelle einfach fest, dass die Bevölkerung sich zu konservativen Werten rückbesinnt. Man will wieder Grenzen und ist kritisch gegenüber der Globalisierung. Dies findet nicht in den Köpfen der Politiker statt, sondern bei der Bevölkerung. Sie hat genug von der ganzen Migrationsproblematik. Und diese Ängste werden nicht geschürt, die sind ganz einfach vorhanden. Mich stört, dass man Kräfte, die darauf aufmerksam machen, stets als rechtspopulistisch bezeichnet. Die Sorgen der Bevölkerung werden zu wenig ernst genommen. Die überraschende Trump-Wahl verdeutlicht dies exemplarisch.

7. Aktuell wird viel über die Rolle der Medien diskutiert. Was ist Ihre Einschätzung dazu? Der ungarische Premierminister Viktor Orbàn zum Beispiel beschneidet ja die Pressefreiheit massiv.

Die SVP wird immer wieder mit der Alternative für Deutschland oder anderen nationalkonservativen Kräften in Verbindung gebracht. Aber es gibt entscheidende Differenzen, darum bin ich so dagegen, dass man alle Parteien in den gleichen Topf wirft. Ich persönlich bin klar dagegen, dass ein System diktatorische Züge annimmt. Die demokratischen Rechte und die Meinungsfreiheit sind ein wertvolles Gut, das man hochhalten muss. Dazu gehört auch die Pressefreiheit. Die Parallelen, etwa zu Orbàn, hören dann sehr schnell auf.

8. Trotz des Erfolgs dieser Parteien: Bei der Durchsetzungsinitiative hat das Pendel in der Schweiz auf die andere Seite ausgeschlagen. Man sprach vom Aufstand der Zivilgesellschaft gegen die «Unanständigen». Wie schätzen Sie das ein?

Natürlich akzeptiere ich diesen Entscheid, das gehört zur Demokratie. Spannend ist einfach, wie die DSI-Gegner gehypt werden, während wir von der SVP immer verpönt werden. Aber worum ging’s: Bei der Ausschaffungsinitiative wird mit allen «Buebetrickli» versucht, die Initiative zu verwässern. Aus meiner Sicht eine klare Missachtung des Volkswillens.

9. Sie sind nun ein Jahr Nationalrat. Erinnern Sie sich noch an Ihren Wahlslogan?

Klar, kompetent, sympathisch.

«Ich bin kein verbaler Hardliner, der ständig im Pitbull-Angriff-Modus ist.»

10. Sie sitzen in der Parteileitung. Erzählen Sie mal. Wie geht’s in der SVP zu und her? 

Ich bin verantwortlich für Finanzen und Steuern. Wir haben in der Fraktion eine sehr hohe Geschlossenheit. Intern gibt es keine Grabenkämpfe. Seit der Abspaltung der BDP braucht unsere Partei in den Kernfragen – da gehören Steuern dazu, aber insbesondere die Europa-Frage – keine Grundsatzdiskussionen mehr zu führen. Ich nehme unsere Arbeit als sehr zielgerichtet wahr.

11. Und was können Sie bewirken?

Eine meiner ersten Aufgaben war, alle unsere Positionen schriftlich festzuhalten. Grundsätzlich geht es uns darum, das Staatswachstum zu bremsen. Aber wir machen nicht nur Polemik, sondern haben mit dem Papier viele Fakten belegt und Bestehendes hinterfragt. Basierend auf unserer Analyse haben wir unsere politischen Forderungen abgeleitet und den Medien am 1. November präsentiert. Die Reaktionen waren relativ zahlreich, die «Aargauer Zeitung» bezeichnete uns als «neue Wirtschaftspartei». Aber alleine geht es natürlich nicht, wir sind auf Mehrheiten aus dem bürgerlichen Lager angewiesen.

Franz Grüter stellt an der Pressekonferenz das neue SVP-Wirtschaftspapier vor. Ganz links Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher, in der Mitte SVP-Präsident Albert Rösti.

Franz Grüter stellt an der Pressekonferenz das neue SVP-Wirtschaftspapier vor. Ganz links Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher, in der Mitte SVP-Präsident Albert Rösti.

12. Sie wirken optisch brav, inhaltlich sind Sie ein Hardliner – sind Sie ein Wolf im Schafspelz?

Diese Einschätzung ist für mich schwierig. Als Mensch bin ich gerne unter Menschen und mag es gerne gemütlich. Ich bin also kein verbaler Hardliner, der ständig im Pitbull-Angriff-Modus ist, wie vielleicht andere. Aber in den politischen Fragen bin ich total überzeugt von dem, was ich mache. Sonst wäre ich wirklich in der falschen Partei.

13. Im letzten Jahr wurden im Parlament grosse Vorlagen behandelt. Was bewegte Sie stark?

Die Energiestrategie hat mich natürlich schon beschäftigt. Ich lebe auch nicht im Glashaus und behaupte, wir müssen noch in 30 Jahren Ölheizungen haben. Wenn ich meine Firma anschaue: Wir haben Millionen in nachhaltige Energien und effiziente Technologien investiert. Unsere Rechenzentren sind mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Ich fahre jetzt ein Elektroauto. Ich bin überzeugt, dass es einen Wandel gibt. Mich stört einfach das 200-Millionen-Franken-Umverteilungspaket, das man mit der Energiestrategie beschlossen hat. Irgendjemand muss das bezahlen.

14. Diese Diskussion würde wohl eines eigenen Artikels bedürfen. Themawechsel: Wie viele Liegestützen schaffen Sie?

Immer im Sommer-Halbjahr starte ich mit 20 Liegestützen. Und dann gehe ich rund eine Viertelstunde im Sempachersee schwimmen.

15. Wie viele Stunden hat der Tag des Franz Grüter?

Ich bin jetzt fünf Jahre Parteipräsident der SVP Luzern, ein Jahr im Nationalrat und im Unternehmen «Green.ch» noch bis vor Kurzem als CEO, jetzt als Verwaltungsratspräsident aktiv. Ich habe schon eine enorme Präsenz. Ich arbeite sechs Tage voll, am Sonntag nehme ich nie einen Termin an. Das ist mein freier Tag. Obwohl ich auch da noch Reden schreibe oder mich mit Politik beschäftige. Ich schreibe keine Stunden auf.

16. Ich frage, weil der Luzerner CVP-Präsident Pirmin Jung sein Amt aus Zeitgründen abgibt (zentralplus berichtete). Haben Sie eigentlich noch Zeit, die Luzerner SVP zu präsidieren?

Wir sind in einem sehr stabilen Zustand und haben uns intern gut organisiert. Meine Vizepräsidenten unterstützen mich. Solange es so läuft, ist es machbar.

17. Haben Sie als Nationalrat noch Zeit für Ihre Firma?

Für die operative Führung meines Unternehmen habe ich einen Geschäftsführer engagiert. Das hat sich gut eingependelt. Wir haben mittlerweile 120 Angestellte und ich konnte nicht mehr alles machen. Als Verwaltungsratspräsident bin ich natürlich nach wie vor stark involviert.

18. Konnten Sie loslassen?

Man muss sich einfach bewusst sein, was man machen will. Es läuft in der Firma derzeit sehr gut. Aber wenn diese in Schieflage geraten würde und ich mir die Frage zwischen Politik oder Firma stellen müsste, dann würde ich mich für die Firma entscheiden. In der Politik ist jeder ersetzbar. Wer dies anders sieht, lebt in einer Illusion.

19. Wenn wir Ihre Frau fragen würden: Welches ist Ihre schlechteste Eigenschaft?

Die mühsamste ist mein Schnarchen. Das regt meine Frau am meisten auf. Das zeigt aber auch, dass wir noch das gleiche Schlafzimmer haben. Lacht. Wir sind 26 Jahre verheiratet.

Franz Grüter und seine Frau Lucia vor dem Bundeshaus.

Franz Grüter und seine Frau Lucia vor dem Bundeshaus.

(Bild: Facebook/Franz Grüter)

20. Ihre Firma macht immer wieder mit Neubauten auf sich aufmerksam. Das IT-Geschäft scheint rentabel zu sein.

Wir sind stark gewachsen in den letzten fünf Jahren. Im aargauischen Lupfig haben wir zwei Rechenzentren gebaut. Dann haben wir in Zürich von einer Versicherung ein riesiges Rechencenter übernommen und erst gerade vor Kurzem haben wir ein neues Bürogebäude in Betrieb genommen – die ganze Firma ist umgezogen. Auch kommerziell haben wir Erfolg und heute lagern Firmen aus der ganzen Welt ihre Daten bei uns.

«Ein Unternehmer, der aus dem letzten Loch pfeift, ist nicht handlungsfähig.»

21. Ich hab’s schon mal erwähnt: Sie wirken optisch sehr harmlos, friedlich, durchschnittlich. Aber politisch und auch beruflich starten Sie durch. Werden Sie manchmal unterschätzt?

Wie ich eingeschätzt werde, weiss ich nicht. Aber was ich mache, versuche ich gut zu machen. Ich hatte auch etwas Glück. Als wir mit diesem Rechencentergeschäft starteten, spürte ich zwar, dass die Nachfrage vorhanden ist. Dass die Schweiz plötzlich einer der wichtigsten Standorte für Daten wird, konnte ich so nicht erahnen.

22. Sind Sie eigentlich der reichste Nationalrat?

Was heisst reich? Zögert. Natürlich, ich habe gutes Geld verdient. Mein Motto lautet: Ein Unternehmer, der aus dem letzten Loch pfeift, ist nicht handlungsfähig. Ich wünsche mir viele Unternehmer mit viel Erfolg. Dann geht es auch den Firmen gut.

23. Die SVP war geprägt von Unternehmern wie Peter Spuhler oder Christoph Blocher. Sind Sie nun in diese Rolle geschlüpft?

Vergleiche sind schwierig. Und mich mit der Ausnahmeerscheinung Christoph Blocher zu vergleichen, wäre völlig vermessen. Peter Spuhler beeindruckt mich stark. Er hat viel mehr erreicht als ich. Aber es sind Leute, mit denen ich mich sehr gut verstehe und auch oft austausche.

Zwei SVP-Unternehmer: Franz Grüter und Peter Spuhler.

Zwei SVP-Unternehmer: Franz Grüter und Peter Spuhler.

(Bild: Facebook/Franz Grüter)

24. Als IT-Unternehmer sind Sie innerhalb der SVP ein Exot. Wie finden Sie den Draht zu den Bauern und Handwerkern? Wie haben Sie es mit dem «Stallgeruch»?

Das ist überhaupt kein Problem. An einem Fest im Entlebuch mit Handörgeli fühle ich mich pudelwohl. Ich bin nie abgehoben. Das gilt auch für die Politik. Ich warne die SVP immer davor, arrogant oder überheblich zu werden. Wir müssen hart weiterkämpfen. Mit beiden Füssen am Boden zu bleiben, ist sehr wichtig. Bei ländlichen Leuten fühl ich mich also genauso wohl wie bei einem Referat an der ETH-Zürich über Digitalisierung.

25. Wie oft hat die FDP schon versucht, Sie abzuwerben?

Die FDP versuchte es nicht. Aber von FDP-nahen Kreisen werde ich schon an Referate eingeladen. Was Wirtschafts- oder Steuerfragen betrifft, haben wir viele gemeinsame Nenner. Aber wenn es Richtung Zuwanderung geht, ist es mit den Schnittmengen vorbei.

26. Welches Buch lesen Sie derzeit?

Ein Buch über Edward Snowden.

27. Thema Zuwanderung: Findet man im IT-Bereich eigentlich genügend Fachkräfte?

Nein. Die IT-Branche braucht mehr Leute – auch aus dem Ausland. Wir versuchen immer zuerst Schweizer einzustellen, das gehört zu unseren Pflichten. Wir müssen auch mehr IT-Fachkräfte ausbilden. Lobenswert ist die Hochschule Luzern, wo ich im Beirat bin. Im neuen Informatikdepartement werden pro Jahr 1000 Leute ausgebildet.

Ich besuche jährlich das Silicon Valley in den USA. Falls dort ein Unternehmer einen Ausländer holen will, dann müssen sie erst einen Antrag stellen, ein solcher kostet 6500 Dollar. Genau so ein Anreizsystem stelle ich mir in der Schweiz auch vor. Die SVP will nicht, wie es ständig heisst, das Land abschotten. Die Wirtschaft braucht ganz spezifisch in einigen Bereichen hochqualifizierte Arbeitskräfte. Es braucht also eine limitierte Zuwanderung, aber nicht in diesem Ausmass. Im Kanton Luzern steigt die Bevölkerung von jetzt 400’000 bis 2045 auf 495’000 Leute. Das ist nicht gesund.

28. Die Luzerner SVP fährt jetzt eine Inseratekampagne, in der sie den Ständeräten Graber und Müller Druck macht, für eine schärfere Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative (MEI) einzutreten. Warum?

Die Ständeräte sind Vertreter unseres Kantons Luzern. Und 53 Prozent der Luzernerinnen und Luzerner waren für die Masseneinwanderungsinitiative. Ich erwarte, dass dieses Anliegen in Bern vertreten wird. Und sie deshalb die Verwässerung ablehnen. Es kann nicht sein, dass sie im Wahlkampf sagen, wir setzen uns ein für die Anliegen der Luzerner Bevölkerung, und am Schluss machen sie in Bern etwas total anderes. Die SVP schaut hier genau hin.

29. Wäre es nicht ehrlicher, die SVP würde eine Initiative zur Kündigung der bilateralen Verträge lancieren?

Wenn die MEI so umgesetzt wird, wie es das Volk bestimmte und wie es im Initiativtext steht, dann wäre das nicht nötig. Aber ja, wird die MEI nicht in unserem Sinne umgesetzt, wäre das eine mögliche Konsequenz.

30. Und jetzt aus Unternehmersicht: Braucht es die Bilateralen gar nicht?

Doch, die Bilateralen braucht es, aber auch die EU braucht die Bilateralen. Wir dürfen uns bei der Verhandlung zur Personenfreizügigkeit nicht einschüchtern lassen von Drohungen. Selbst der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, sagt klar, dass die Bilateralen seitens der EU nicht gekündigt würden.

Franz Grüter vor den Neubauten seiner Firma «green.ch».

Franz Grüter vor den Neubauten seiner Firma «green.ch».

(Bild: Facebook/Franz Grüter)

31. War Ihnen auch schon eine Aktion der SVP peinlich? 

Peinlich nicht. Aber es gibt kleinere Sachen, die es nicht unbedingt gebraucht hätte. Wie etwa die Aktion der JSVP bei der «Mall of Switzerland» (zentralplus berichtete). Aber das haben wir intern geklärt und ist für mich wirklich nur ein Nebenschauplatz.

32. Für Aufsehen sorgte letztes Jahr das Video «Welcome to SVP». Haben Sie schon mal in Blochers Swimmingpool gebadet?

Nein. Ich war schon bei ihm zu Hause, gebadet haben wir aber nicht. Lacht. Aber der Wahlkampfspot war ein riesiger Erfolg. Er wurde über eine Million Mal angeklickt. Auch viele Leute ausserhalb unserer Partei haben diesen verbreitet.

33. zentralplus hat in die Zukunft geschaut und folgender Artikel kam dabei zum Vorschein:

Wie realistisch ist diese Schlagzeile?

Dazu wird es nicht kommen. Lacht. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich habe. Ich bin nicht in einem Karriere-Modus und habe keine weiteren politischen Ambitionen. Das erlaubt mir auch frei zu sagen, was ich denke. Ich will jetzt einen guten Job machen in der Firma wie in Bern. Und meine Frau hätte wohl auch etwas dagegen, wenn ich noch weniger zu Hause wäre.

34. Was war Ihr grösster Misserfolg?

Zögert. Ich habe keine grossen Rückschläge verkraften müssen. Nein, da kommt mir nichts in den Sinn, ausser dass mir das Referendum gegen das staatliche Überwachungsgesetz BÜPF nicht gelungen ist

35. Was mögen Sie lieber: Rindsentrecôte oder Cordon Bleu?

Am allerliebsten das Cordon Bleu meiner Frau.

36. Bier oder Wein?

Doch lieber einen Wein.

37. Sie besitzen eine Kampfkuh (zentralplus berichtete). Können Sie diese zeichnen?

Die Kampfkuh von Franz Grüter heisst Micabol. Ob die Sonnenstrahlen die Kuh zum kämpfen bringen, bleibt Interpretationssache.

Die Kampfkuh von Franz Grüter heisst Micabol. Ob die Sonnenstrahlen die Kuh zum Kämpfen bringen, bleibt Interpretationssache.

38. Sie sind Beirat des FCL. Welche Beziehung haben Sie zum Club?

Ich gehe nicht an alle, aber an möglichst viele Spiele. Ich schaue sehr gerne Fussball und kann während diesen 90 Minuten auch sehr gut abschalten.

39. Warum finanzieren Sie dem FCL nicht ein, zwei Klassespieler? Das würde Ihnen bestimmt viele Wählerstimmen bescheren.

Lacht. Ich kann das finanzielle Engagement seitens meiner Firma beurteilen. Wir waren Hauptsponsor des FC Zürich. Werbetechnisch ist der Breitensport für die Bekanntmachung einer Marke ein erfolgreiches Instrument. Viele kennen «Green» heute über dieses Engagement. Oder: Wer kannte früher die Firma «swisspor» als Produzent von Bauisolationen? Heute ist der Name national bekannt.

40. Na also, dann wäre unser Vorschlag doch eine gute Idee.

Green ist bereits Sponsor des FCL, jedoch in bescheidenem Ausmass.

«Ich bin ein heavy Youtube-Viewer.»

41. Welches Verhältnis haben Sie zur Schweizer Nationalmannschaft? Fast alle Spieler haben Migrationshintergund. Vertreten diese Spieler die Werte unseres Landes?

Meine Firma hatte während drei Jahren Ottmar Hitzfeld als Markenbotschafter unter Vertrag. Über ihn habe ich einiges über das Innenleben der Mannschaft mitgekriegt. Welche einzelnen Spieler dabei sind, spielt nicht so eine Rolle. Interessant ist, wie sich die ganze Bevölkerung mit der Mannschaft identifizieren kann und was sie als Team zu leisten vermag.

42. Aber es gibt eine Diskrepanz zwischen der SVP-Politik auf der einen Seite und dem Fan-Sein auf der anderen Seite?

Nein, das denke ich nicht. Das Gefühl, welches dieser Sport vermittelt – ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und der gemeinsamen Erlebnisse – ist einzigartig. Dort darf man die Flagge seines Landes hochhalten und muss sich nicht vor einer abstrusen «Political correctness» fürchten – Patriotismus ist legitim. Die Leute sehnen sich genau danach.

43. Was ist Ihre Lieblings-App?

Ich habe eine Vielzahl. Ich brauche Google Maps sehr oft. Dann konsumiere ich viele Medien. Und was ich am meisten brauche, ist Youtube. Ich bin ein heavy Youtube-Viewer.

44. Sie haben drei Kinder. Was wollen Sie ihnen als Vater mit auf den Weg geben?

Genau, Marco (22), Jasmin (18) und Michelle (20). Ich bin stolz auf sie und dass sie gut herausgekommen sind, obwohl ich wenig zu Hause war. Vielleicht macht es das aus. Lacht. Sie gehen mittlerweile ihren eigenen Weg. Gerade diesen Sommer haben wir aber gemeinsam sehr schöne Ferien in Schottland verbracht. Vielleicht ist es das Rezept: Ich war für sie da, wenn sie mich brauchten, und habe ihnen die Möglichkeit gegeben, sich zu entwickeln. Ich habe nicht das Gefühl, ihnen täglich irgendetwas mitgegeben zu haben.

Franz Grüter und seine Familie in Schottland. Sohn Marco (ganz links), Michelle (Bildmitte, hinten) und Jasmin (ganz rechts)

Franz Grüter und seine Familie in Schottland. Sohn Marco (ganz links), Michelle (Bildmitte, hinten) und Jasmin (ganz rechts)

45. Waren Ihre Kinder auch schon negativen Reaktionen ausgesetzt, weil Sie als SVP-Politiker doch auch harte Worte wählen?

Negative Reaktionen sind mir nicht bekannt. Eher das Gegenteil ist der Fall: Falls mal Kolleginnen oder Kollegen bei uns zu Hause sind, zeigen diese Interesse daran, was man als Politiker so alles macht. Und mir fällt auch auf, dass Jugendliche – entgegen dem oft gezeichneten Bild – gar nicht unbedingt links sind. Gerade in der ländlichen Gegend denken viele konservativer.

46. Und bei Ihnen am Familientisch, gibt es da ständig politische Diskussionen?

Wir diskutieren über politische Themen und tauschen Argumente aus. Bisher blieb es immer sehr besonnen. Ich stamme aus Ruswil, wir waren sechs Kinder und mein Bruder, ein Jahr jünger als ich, studierte Theologie. Er hat politisch eine völlig andere Gesinnung als ich. Mit ihm habe ich 20 Jahre das Zimmer geteilt und hatte stets einen sehr intensiven politischen Diskurs. Dieser dauert bis heute an.

«Wir befinden uns im Krieg der Daten.»

47. Sind Sie ein Fasnächtler?

Ich nehme teil, bin aber nicht in einer Zunft aktiv oder sowas.

48. Thema Datenschutz: Was weiss das Internet über Sie?

Über mich wohl alles. Ich bin eine Person des öffentlichen Lebens. Zu verstecken habe ich nichts. Aber politisch gesehen vertrete ich die Auffassung, dass es das Recht auf Vergessen geben muss. Es gibt Leute, die stark darunter leiden, dass eine Geschichte, die einmal publiziert wurde, ständig wieder hervorgekramt wird.

49. Wurde Green.ch auch schon gehackt?

Wir befinden uns im Krieg der Daten. Wir werden oft angegriffen, aber neben Angriffen – es gibt auch Erpressungsversuche, welche Serverdaten verschlüsseln und sich erst durch eine Zahlung entschlüsseln lassen – existieren auch Abwehrmassnahmen. Wir investieren sehr viel.

50. Bald ist Weihnachten. Werden Sie in die Kirche gehen?

Wenn man aus Ruswil kommt, dem Gründungsort der CVP, ist man schon stark katholisch geprägt. Ich bin aber nicht speziell gläubig. Sporadisch gehe ich in die Kirche.

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1 Kommentare
  1. Paul Huber, 06.12.2016, 23:27 Uhr

    Pitbull? Gutes Stichwort. Diese Hunde dürfen künftig, im Gegensatz zu anderen Kantonen, in Luzern (Dank Politiker wie Franz Grüter) ohne Ausbildung oder Auflagen gekauft und gehalten werden. Es ist zu hoffen, dass der Kanton Luzern hier etwas unternimmt (offenbar gibt es dazu bereits einen Vorstoss).

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