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«Ich bin nicht linker als Yvonne Schärli»
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Ladenhüter sind die Wahlplakate nicht, zumindest noch nicht: Das Wahlplakat der SP-Kandidatin Felicitas Zopfi. (Bild: lwo )

Regierungsratswahlen: Felicitas Zopfi «Ich bin nicht linker als Yvonne Schärli»

6 min Lesezeit 1 Kommentar 20.04.2015, 05:00 Uhr

Die SP-Kandidatin für den Regierungsrat hat nach dem ersten Wahlgang mässig abgeschnitten und musste einiges an Kritik einstecken. Zudem möchten FDP und SVP eine rein bürgerliche Regierung. Felicitas Zopfi gibt sich trotz diesen Widrigkeiten kampfesmutig.

zentral+: Schlafen Sie gut zur Zeit?

Felicitas Zopfi: Ich schlafe sehr gut, kein Problem.

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zentral+: Sind Sie nicht nervös? Immerhin geht es um viel am 10. Mai.

Zopfi: Ich bin sicher nervös, das ist doch klar.

zentral+: Können Sie uns Ihre Gefühlslage beschreiben?

Zopfi: Es ist ein gewisser Druck da, das kann ich nicht verleugnen. Und natürlich beschäftigt mich der zweite Wahlgang und nimmt mich in Beschlag.

zentral+: Gehen wir mal vom Schlimmsten aus: Sie werden klar nicht gewählt. Was würde das für Sie persönlich bedeuten?

Zopfi: Es wäre eine riesige Enttäuschung. Und das nicht nur für mich persönlich, sondern auch für die Partei. Aber ich gehe davon aus, dass dieses Szenario nicht eintritt.

zentral+: Trotzdem: Was würden Sie dann tun? Sich aus der Politik zurückziehen?

Felicitas Zopfi

Felicitas Zopfi

(Bild: rob)

Zopfi: Sie überlegt einen Moment. Wahrscheinlich würde ich mich zurückziehen, ja. Ich bin seit mehr als 20 Jahren in Parlamenten tätig. Das ist eine lange Zeit, ich will jetzt in der Exekutive, also in einem ausführenden Gremium, tätig werden.

zentral+: In der Stadt haben Sie ja das beste Ergebnis aller Kandidaten gemacht. Wäre es im Falle eines Misserfolgs am 10. Mai ein Option, für den Stadtrat im nächsten Jahr zu kandidieren?

Zopfi: Nein, für den Stadtrat werde ich nicht kandidieren.

zentral+: Was unternehmen Sie in den nächsten Tagen und Wochen, um noch möglichst viele Wähler zu gewinnen?

Zopfi: Im Moment läuft viel mit den Medien, zudem werde ich noch an einigen Anlässen und Podien teilnehmen. Am vergangenen Donnerstag war ich mit Ursula Stämmer auf dem Land und verteilte in Hitzkirch und Hochdorf Flyer. Ich mache, was möglich ist nebst meinem Beruf als Lehrerin.

zentral+: Sind Sie von morgens bis abends unterwegs?

Zopfi: Nicht ganz, einfach so viel wie möglich. Ich werde mich noch vermehrt auf der Landschaft zeigen. Es hat sich ja gezeigt, dass sich ein Stadt-Land-Graben aufgetan hat im ersten Wahlgang. Da gibt es für mich also sicher noch Potential.

zentral+: Auf Ihrer Homepage kann man nachlesen, dass Ihr Komitee zur Zeit aus 554 Mitgliedern besteht. Bei Ihren Konkurrenten sind es deutlich weniger, und man muss von Hand nachzählen: Schwerzmann bringt es auf ca. 140, Winiker listet gegen 400 «Persönlichkeiten» auf, die ihn unterstützen. Also haben Sie die Nase vorn?

Zopfi:  Sie lacht herzhaft. Das weiss ich nicht, aber mein Komitee hat vor allem nach dem ersten Wahlgang viele neue Mitglieder erhalten. Ich bin sehr positiv überrascht über die grosse Unterstützung.

zentral+: Nun hat sich auch noch ein Gruppe von Frauen formiert, die sich «nichtohneuns» nennt, welche Sie unterstützt. Könnte das nicht kontraproduktiv sein, viele bürgerliche Wähler rümpfen möglicherweise die Nase über diese «Frauenpower-Aktion»?

Zopfi: Das ist immer möglich, damit muss man leben. Dennoch ist es nötig, dass sich Frauen zusammenschliessen und sich organisieren. Das zeigt ja auch die momentane Ausgangslage. Es geht darum, gegen die Kräfte, welche eine reine Männerregierung wollen, anzukämpfen. Es ist schade, dass ich die einzige Frau unter den Kandidaten bin. Nun hängt alles an meiner Person.

zentral+: Sie haben von bürgerlicher Seite einige Kritik einstecken müssen. Sie seien zu stramm links, zu wenig konsensfähig und hätten keine Führungserfahrung. Was sagen Sie zum jetzigen Zeitpunkt dazu?

Zopfi: Ehrlich gesagt bin ich über diese Vorwürfe erstaunt. Ich weiss nicht, wie man auf die Idee kommt, dass ich zu links sei. Ich bin nicht linker positioniert als zum Beispiel Yvonne Schärli und gehöre nicht zum linken Flügel der SP. Als Parteipräsidentin hatte ich natürlich eine andere Rolle, da musste ich teilweise pointierte Ansichten vertreten. Auch als Minderheit im Parlament muss man zum Teil klar Position beziehen.

zentral+: Manche befürchten, dass Sie sich auch in der Regierung so verhalten würden.

Der Showdown der drei Kandidaten

Am 10. Mai findet der zweite Wahlgang für die Regierungsratswahlen im Kanton Luzern statt, nachdem die Bisherigen Guido Graf (CVP), Robert Küng (FDP) und Reto Wyss (CVP) bereits im ersten Durchgang gewählt worden sind. Die Ausgangslage ist spannend: Für die restlichen zwei Sitze bewerben sich drei Kandidaten: Der Parteilose Marcel Schwerzmann, der seit 2007 im Amt ist, der SVP-Kandidat Paul Winiker und die SP-Frau Felicitas Zopfi, welche für die zurücktretende Yvonne Schärli kandidiert. Paul Winiker erreichte überraschend mit 42'842 Stimmen nur knapp weniger Stimmen als der bisherige Schwerzmann (43'562), Zopfi hingegen enttäuschte hingegen mit nur 34'231 Stimmen.

Interessant ist der Wahlgang, weil Gewerbeverbände sowie FDP und SVP auf eine bürgerliche Regierung setzen und Winiker und Schwerzmann unterstützen. Die CVP empfiehlt den Stimmberechtigten Zopfi und Winiker zur Wahl.

Zopfi: Das ist Unsinn, ich bin mir dieses Rollenwechsels voll bewusst. Mir ist völlig klar, dass man in einer Regierung gemeinsam nach Lösungen suchen muss.

zentral+: Sind Sie konsensfähig?

Zopfi:  Aber natürlich. Miteinander zu diskutieren und nach gangbaren Wegen zu suchen – auf diese Arbeit freue ich mich. Ich habe schon sehr früh gelernt, konsensfähig zu sein. Ich bin in einer Grossfamilie aufgewachsen, in der es unumgänglich ist, dass man miteinander Kompromisse findet.

zentral+: Und die fehlende Führungserfahrung?

Zopfi: Ich habe sehr wohl Führungserfahrung, vielleicht nicht in klassischer Weise in der Privatwirtschaft. Aber ich habe im politischen Bereich jahrelang Leitungsaufgaben innegehabt. Zudem habe ich diverse Vereine präsidiert und kann generell gut organisieren und Verantwortung übernehmen. Es ist interessant, dass diese Frage bei einem Mann nie gestellt wird, etwa bei einem Anwalt mit zwei Angestellten. Der hat Führungserfahrung, was ich hingegen gemacht habe, zählt nicht. Männern wird diese Fähigkeit viel selbstverständlicher zugestanden.

zentral+: Die CVP-Parteileitung wollte sogar, dass man Sie gegen eine andere Kandidatin austauscht für den 2. Wahlgang. Hat Sie das verletzt?

Zopfi: Nein, das gehört zum politischen Spiel.

zentral+: Einige nehmen Sie als ernst und sogar etwas streng wahr – eigentlich müssten Sie jetzt eine Charmeoffensive starten.

Zopfi: Sie lacht verschmitzt. Warum nicht? Ich bin auf jeden Fall jemand, der sehr wohl auch lustig und fröhlich sein kann. Aber so eine Kantonsratssession ist nun mal per se keine lustige Sache. Obwohl man auch da manchmal etwas zu lachen hat.

zentral+: Und der Vorwurf, Sie seien aggressiv?

Zopfi: Das hat mich am meisten erstaunt. Bis zum Wahlsonntag am 29. März habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gehört, dass ich aggressiv sei. Dieses Attribut passt überhaupt nicht zu mir.

zentral+: Die CVP unterstützt Sie, FDP und SVP nicht. Wie werden Sie mit den Vertretern, die Sie ablehnen, dereinst zusammenarbeiten können?

«Ich habe bis zu den Wahlen in meinem ganzen Leben noch nie gehört, dass ich aggressiv sei. Dieses Attribut passt überhaupt nicht zu mir.»

Felicitas Zopfi

Zopfi: Das ist für mich kein Problem, ich kann durchaus mit Leuten zusammenarbeiten, die mich nicht unterstützt haben. Da werde ich keine Ressentiments haben.

zentral+: Sie setzen sich für höhere Unternehmenssteuern und Vermögenssteuern ein – und wären damit in der Regierung völlig allein mit dieser Haltung. Wie würden Sie damit umgehen?

Zopfi: Ich bin nicht allein auf weiter Flur, diese Ansicht wird bis weit in die Mitte der CVP unterstützt. Wir haben ein Ungleichgewicht bei den Finanzen. Ein Sparpaket folgt aufs andere und wir müssen uns fragen, wie weit wir Leistungen abbauen wollen, oder ob wir nicht besser mehr Mittel generieren. Die Initiative der SP, die Unternehmenssteuern zu erhöhen, muss in der Regierung diskutiert werden. Und dann muss man schauen, ob man Lösungen findet. Dazu würde ich, wenn ich in der Regierung bin, sicher beitragen. Und nicht stur auf einer Haltung beharren. Selbstverständlich werde ich Kompromisse eingehen müssen, das ist doch völlig klar.

zentral+: Dennoch werden Sie sich darauf einstellen müssen, dass Sie häufig allein gegen den Rest der Regierung dastehen mit Ihren Positionen.

Zopfi: Es wird auch für die anderen manchmal so sein, dass man mit seiner Haltung erst mal in der Minderheit ist. Damit kann ich umgehen.

zentral+: Zum Schluss bitte ganz ehrlich: Wie sicher sind Sie, dass Sie gewählt werden?

Zopfi: Ziemlich sicher. Aber sicher kann man nie sein.


zentral+ interviewt alle drei Kandidaten und fragt nach, was sie für einen Wahlkampf-Endspurt hinlegen und wie sie ihre Chancen auf einen Erfolg einschätzen. Die Interviews mit Marcel Schwerzmann und Paul Winiker folgen demnächst.

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1 Kommentare
  1. Sam Pirelli, 21.04.2015, 09:58 Uhr

    Und warum genau lässt man die bürgerlichen Kerle jetzt nicht eine Legislatur lang allein wursteln? Warum macht man sich zum Feigenblatt der Austeritätspolitik? In der Stadt Luzern fanden es noch genau 33 Prozent der Stimmberechtigten nötig, wählen zu gehen. Warum also will man sich das antun? Warum geht die SP nicht endlich in die Opposition?