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Hundestreit am Churchill-Quai nimmt bizarre Züge an
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Kurt Imhof, Mitgründer der IG Hundewiese, zusammen mit seiner Hündin Kira. (Bild: pze)

Zwei neue Hundezonen für Stadt Luzern Hundestreit am Churchill-Quai nimmt bizarre Züge an

5 min Lesezeit 3 Kommentare 27.02.2017, 05:15 Uhr

Am Churchill-Quai sind die Hunde los: Seit Jahren lassen Hündeler ihre Tiere auf der Wiese frei laufen, doch rechtlich gesehen ist das illegal. Nun scheint die Stadt Luzern hier eine offizielle Hundezone einrichten zu wollen. Der Widerstand dagegen ist aber gross – und erfolgt Gerüchten zufolge auch mit Giftködern.

Man hört sie von weitem: Die Hunde am Churchill-Quai jagen einander hinterher, sie bellen, geniessen die offene Wiese als Spielplatz oder nutzen den See für ein erfrischendes Bad. Doch rechtlich gesehen ist dieses Treiben illegal: Laut der Stadtgärtnerei, die für die Grünanlagen in Luzern verantwortlich ist, gilt am Churchill-Quai die Leinenpflicht.

Die Rechtslage sei verwirrend, sagt Kurt Imhof (66), Mitgründer der IG Hundewiese: «Wir möchten eine genaue gesetzliche Regelung und entsprechend eine klare Kommunikation.» Der Churchill-Quai sei seit Jahrzehnten eine Wiese, auf der sich Hunde frei bewegen dürften. Und plötzlich heisst es, das sei gar nicht gestattet. «Jetzt möchten wir von der Stadt, dass hier eine Hundefreilaufzone eingerichtet und so Verwirrungen vorgebeugt wird.»

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Dass die Situation momentan konfus ist, verdeutlicht die aufgestellte Verbotstafel (siehe Bild). «Am Churchill-Quai steht ein Schild aus dem Jahre 1966. Darauf steht, dass man hier nicht sonnenbaden oder Fussball spielen darf – das stimmt so nicht», sagt Kurt Imhof. Da amtliche Verbote nach 30 Jahren erneuert werden müssten, habe das Schild 1996 seine Wirkung verloren – und sorge nun für rechtliche Verwirrung.

Die IG Hundewiese zählt inzwischen über 1000 Mitglieder. Das zeige, wie wichtig das Anliegen für die Leute sei, so Imhof.

Gegner haben Angst um Sicherheit

Die Idee stösst nicht überall auf Begeisterung. Anwohner reklamieren über die freilaufenden Hunde. Die Gegner der Hundewiese sind aber nicht organisiert und bisher nur anonym aufgetreten. Bei der IG ist man überzeugt, dass es Einzelpersonen sind. Man hätte Angst vor Lärm und Dreck. Über die Medien liessen Kritiker aber auch verlauten, sich frei bewegende Hunde seien eine Gefahr für behinderte und alte Menschen oder für Kleinkinder.

Die Hunde und Spaziergänger auf dem Churchill-Quai: So ist die Situation heute.

Die Hunde und Spaziergänger auf dem Churchill-Quai: So ist die Situation heute.

(Bild: pze)

Der Argumentation kann Imhof nichts abgewinnen. Er sagt: «Hat jemand Angst vor Hunden, kann er um die Wiese gehen. Der Umweg beträgt weniger als 50 Meter.» Nach der Vorstellung der IG Hundewiese entstünde zwischen Freilaufzone und Teilen des Gehwegs eine Hecke. Dafür brauche man aber einen klaren Plan seitens der Stadt.

Bei der Stadt ist man scheinbar gewillt, sich des Themas anzunehmen. Die IG traf sich letzten Herbst mit städtischen Vertretern zwecks Hundewiese. Anfang Jahr traf man Stadtpräsident Beat Züsli. «Wir wollen gemeinsam mit der Stadt eine Lösung für die unbefriedigende Situation», so Imhof.

Die Verbotstafel im Churchill-Quai.

Die Verbotstafel im Churchill-Quai.

(Bild: pze)

Lösung kommt diesen Frühling

Man sei nun an die Stadt herangetreten, sagt Kurt Imhof. Cornel Suter, Leiter der Stadtgärtnerei Luzern, bestätigt: «Wir stehen in regelmässigem Austausch mit der IG Hundewiese.» Derzeit sei man daran, Lösungen zu erarbeiten. Diese sollen im Verlaufe des Frühlings kommuniziert werden. Mehr will er zurzeit nicht sagen. Aber: offenbar ist eine Hundezone im Gespräch. Auch wenn es die Stadt nicht bestätigt, so deutet Kurt Imhof an, der einzig offene Punkt sei nur noch der Wasserzugang.

Kurt Imhof zeigt den Wanderweg: Um von der Wiese zum Wasser zu gelangen, müssen die Hunde diese Strasse überqueren.

Kurt Imhof zeigt den Churchill Quai: Um von der Wiese zum Wasser zu gelangen, müssen die Hunde diese Strasse überqueren.

(Bild: pze)

Die Stadtgärtnerei bestätigt, dass der «Seezugang ein Thema» sei. Laut Imhof sollen die Hunde auf der Wiese frei laufen dürfen, aber um über den Weg zum See zu gelangen müsse man sie anleinen. «Das ist aber nicht praktikabel. Die Hunde wollen spielen und sich anschliessend abkühlen oder trinken, da kann man doch nicht mit der Leine hinterherlaufen.»

«Es gibt leider Einzelne, die sind sehr emotional.»

Kurt Imhof, Mitgründer IG Hundewiese

Der Fussweg (und damit der Seeanstoss) müsse deshalb auch zur Hundefreilaufzone erklärt werden. «Es muss doch möglich sein», so Imhof, «dass auch Hunde in der Stadt einen Ort haben, wo sie im See baden dürfen.»

Emotionen kochen auf

Der Kampf um die Wiese ist vor kurzem in aller Heftigkeit aufgeflammt. Auf Facebook kursierte ein Bild von angeblich vergiftetem Hundefutter, welches auf die Hundewiese gestreut worden sei. «Am Churchill-Quai bitte aufgepasst. Es wurden Giftköder ausgelegt. Habe heute welche gefunden und der Stadt übergeben», schreibt eine Userin unter dem Bild. Aber: Weder bei Polizei noch bei der Stadtgärtnerei noch beim Veterinäramt des Kantons weiss man etwas von den Giftködern. Die Situation scheint also emotional sehr aufgeladen – auf beiden Seiten.

 

Kurt Imhof bedauert, dass der Streit solche Ausmasse annimmt: «Es gibt leider Einzelne, die sind sehr emotional, zu Teilen bis hin zur Aggression gegenüber den Tieren.» Dabei seien die meisten, die sich gegen die Hundewiese stellten, keine Hundehasser. «Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, sagen: ‹Hundewiese ja, aber nicht hier.›» Dabei sei der Standort ideal, weil er am Ende der städtischen Quaianlagen liege und sich bereits seit Jahren als Hundefreilaufzone bewähre.

Ein Spielplatz für Hunde

Allerdings: Nur rund 42 Prozent der IG-Mitglieder kommen aus der Stadt selber. Wollen also Leute aus der Agglomeration die Stadt für ihre Zwecke gestalten?

«Luzern hat eine Zentrumsfunktion. Menschen die beispielsweise in die Stadt kommen um einzukaufen, möchten ihrem Vierbeiner auf dem Heimweg auch die Möglichkeit geben, sich noch etwas frei zu bewegen. Ich als Stadtbewohner muss andererseits für lange Spaziergänge auch Wege ausserhalb der Stadt nutzen.» Die Hundewiese sei nicht nur für die Bewegung, sondern auch für die Sozialisierung des Tiers wichtig, so der Pensionär.

Um diese Wiese geht es: Blick vom Parkplatz in Richtung Yachthafen.

Um diese Wiese geht es: Blick vom Parkplatz in Richtung Yachthafen.

(Bild: pze)

Dafür brauche es einen zentralen Platz, wo sich Hunde und Hündeler treffen. Man könne sich untereinander austauschen und Tipps geben. «Für die Hunde ist es wie der Spielplatz, wo sie ihre Freunde treffen. Und auch lernen, richtig mit anderen Tieren umzugehen.» Rund 300 IG-Mitglieder hätten selber keinen Hund. «Das zeigt, wie gut die Hundewiese in der Gesellschaft ankommt», sagt Imhof.

Stadt plant drei Hundefreilaufzonen

In der Stadt gibt es bisher nur eine Hundefreilaufzone. Diese ist in der Allmend. Das ist für die Städter vom rechten Seeufer ein sehr weiter Weg. Nun soll am Churchill-Quai also eine neue entstehen. Weiter gibt es Pläne für eine Hundewiese beim Wagnermuseum. Drei «Spielplätze» für Hunde – das wäre für Imhof ein Erfolg.

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3 Kommentare
  1. Pascal Zeder, 02.03.2017, 15:07 Uhr

    Danke für den Kommentar. So wie ich die IG Hundewiese verstehe, geht es darum, nicht nur auf das Gewohnheitsrecht zu pochen, sondern eine Lösung im Dialog mit der Stadt zu finden.

  2. Jörg Willi Dr.med.vet., 28.02.2017, 19:00 Uhr

    Hunde brauchen wie wir Menschen ihren Freiraum, sonst werden sie asozial und krank. Diese Forderung steht sogar im Gesetz. Die Hunde-LIGA (Luzerner Interessengemeinschaft Allmend) hat in den letzten Jahren für die Realisierung einer Freilaufzone auf der Allmend gekämpft und konnte den Stadtrat offenbar von der Legitimität dieses Anspruchs überzeugen. Wir freuen uns sehr, dass nun noch zwei weitere solche Zonen geplant sind, insbesondere solche, die den Zugang zum Wasser erlauben. Der Churchill-Quai und die Wagnerwiese sind dafür geradezu ideal. Jenen, die sagen: “Ja, aber bitte nicht hier!” möchte ich entgegnen, dass es hier nicht um den Bau eines Atomkraftwerkes geht, sondern um die Errichtung einer Zone, die eine artgerechte Hundehaltung fördert. Und wer eine Verschmutzung der Wiese befürchtet, ist freundlich eingeladen zu einem Rundgang auf der Allmend, damit er sich überzeugen kann, dass gerade wir Hundehalter am meisten an sauberen Wiesen interessiert sind. Und jenen, die Angst vor Hunden haben sei gesagt: Angst hat man vor Dingen, die man nicht kennt. Auf der Hundewiese kann man den besten Freund des Menschen kennen lernen und die Angst vor ihm verlieren.

    1. Pascal Zeder, 02.03.2017, 15:06 Uhr

      Danke für den konstruktiven Beitrag!

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