Gesellschaft

Startschuss fürs grösste Holzhochhaus der Schweiz
HSLU-Campus: Ein «Tentakel» beginnt sich zu regen

  • Lesezeit: 3 min
<p>Wo bald ein Hochschul-Campus steht, klafft heute noch ein ziemliches Loch.</p>
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Wo bald ein Hochschul-Campus steht, klafft heute noch ein ziemliches Loch. (Bild: wia)

Nun geht’s aufwärts. In Rotkreuz beginnt mit der Grundsteinlegung offiziell der Bau des neuen Hochschulcampus, und damit auch des künftig höchsten Holzhochhauses der Schweiz. Viel schiefgehen darf nun aber nicht mehr, denn der Zeitplan ist äusserst sportlich ausgelegt.

«Den 14. und 15. September 2019 können Sie sich gleich in die Agenda eintragen», sagt Tobias Achermann, CEO der Zug Estates Holding AG. «Dann nämlich weihen wir das Hochhaus ein. Einfach findet die Rede 60 Meter weiter oben statt.»

Das will man Tobias Achermann nicht recht glauben. In eineinhalb Jahren soll hier, wo bis dato nur ein riesiges, betoniertes Loch klafft, das höchste Holzhochhaus der Schweiz stehen? Dass der Zeitplan sportlich ist, sind sich alle Fachleute bewusst, die am Donnerstag bei der Grundsteinlegung des neuen Hochschul-Campus dabei sind.

26’000 Quadratmeter Büro- und Gewerbefläche entstehen

Die Zeremonie findet im Untergrund statt, umgeben von Stahlträgern, Baggern und sehr viel Beton. Gerade entsteht hier das Fundament für drei Gebäude von insgesamt 26’000 Quadratmetern Büro- und Gewerbefläche. Davon werden 70 Prozent künftig an die Hochschule Luzern vermietet, genauer gesagt entsteht hier der neue Informatik- und Finanzcampus.

«Wir haben nun eine massgeschneiderte Lösung.»

Peter Hausherr, Gemeindepräsident von Risch Rotkreuz

«Die Ansiedelung der Hochschule Luzern war ein intensiver Prozess», sagt Peter Hausherr, Gemeindepräsident von Risch Rotkreuz. Nicht zuletzt habe der Konkurrenzkampf unter den möglichen Standorten für die Hochschule Luzern dafür gesorgt, dass man letztlich besonders gut auf die Bedürfnisse der HSLU eingegangen sei. «Wir haben nun eine massgeschneiderte Lösung», erklärt Hausherr und scheint zufrieden.

Auch wenn der Prozess, insbesondere in Bezug auf die Planung des Hochhauses, bei weitem nicht nur reibungslos vonstatten ging. 20 Einsprachen gingen seitens unzufriedener Einwohner ein und über langwierige Gespräche musste erst ein Konsens gefunden werden (zentralplus berichtete).

Bald geht's in die Höhe, noch wird jedoch gebaggert.

Bald geht’s in die Höhe, noch wird jedoch gebaggert.

(Bild: wia)

So wenig Verschwendung wie möglich

Nun aber kann gebaut werden, und das passiert auch schon tüchtig. Nächstes Ziel ist die Fertigstellung der Bodenplatte, auf der dann die drei geplanten Gebäude zu stehen kommen. Und dann kommt, zumindest bei einem der Häuser, viel Holz oben drauf. «Fichtenholz», so lassen wir uns von Paul Schneider sagen.

Seine Aufgabe ist eine äusserst wichtige im ganzen Bauprozess. Er ist für die sogenannte «Lean Construction» des Projekts zuständig, also dafür, dass während des Planungs- und Bauprozesses alles möglichst optimal und ohne Verschwendung von Ressourcen vonstatten geht.

Denn um den knappen Zeitplan einhalten zu können, bedarf es eines optimalen Zusammenspiels diverser Faktoren. Bauressourcen müssen zur richtigen Zeit in der richtigen Menge am richtigen Ort sein, Arbeitsprozesse müssen ideal ablaufen.

Weiter setzt man beim Bau des neuen Hochschulcampus auf BIM (Building Information Modelling). Diese Technologie macht äusserst detaillierte 3D-Modelle möglich, womit Simulationen, Prüfungen und Optimierungen vereinfacht werden.

Wie Schneider erklärt, ist die Verknüpfung zwischen Lean Construction und BIM, mit welcher die Fehlerquote möglichst tief und die Wirtschaftlichkeit entsprechend hoch gehalten werden soll, zurzeit noch ziemlich innovativ.

Die Grundsteinlegung findet bei null Grad und von viel Beton umgeben statt.

Die Grundsteinlegung findet bei null Grad und von viel Beton umgeben statt.

(Bild: wia)

Schlechtwettertage sind einberechnet

Und doch ist es möglich, dass noch irgendwas schiefgeht während der nächsten eineinhalb Jahre. Sind Hindernisse mit einberechnet?

Schneider erklärt: «Wir rechnen gewisse Unwegheiten ein. Gerade nächste Woche soll es besonders kalt werden, also können wir nicht betonieren. Aber weil wir 18 Schlechtwetter-Tage, und damit einen gesunden Puffer, eingeplant haben, ist das kein Problem.»

Jedenfalls scheint man allseits schon ziemlich aus dem Häuschen zu sein über die hölzerne Wucht, die da in Windeseile entsteht. Der Gemeindepräsident scheint zufrieden, der CEO von Zug Estates ebenfalls, und René Hüsler, der Direktor der Hochschule Luzern – Informatik, malt in seiner Rede ein spannendes Zukunftsbild.

«Themen wie etwa Blockchain sind erst vor zwei Jahren wirklich aktuell geworden und es ist wichtig, dass wir als Hochschule rechtzeitig auf solche Entwicklungen reagieren. Darum ist es gut, wenn wir hier unsere Fühler ausstrecken, und mit dem Campus quasi einen ersten Tentakel ausbreiten.»

Die Webcam-Ansicht zeigt in Echtzeit, wie weit das Projekt auf dem Suurstoffi-Areal ist.

Die Webcam-Ansicht zeigt in Echtzeit, wie weit das Projekt auf dem Suurstoffi-Areal ist.

(Bild: zVg)

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