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Hotelneubau an Steinenstrasse: Jetzt sprechen die Bauherren
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Ratan Ashrafuzaman und Bernadette Bucher Ashrafuzaman vor dem Gipsmodell ihres neuen Projekts. (Bild: les )

Luzern: Geplanter Abbruch sorgt für Aufruhr Hotelneubau an Steinenstrasse: Jetzt sprechen die Bauherren

5 Min 02.12.2016, 18:27 Uhr

Das Masala und das Lion Lodge zwischen Zürich- und Steinenstrasse sollen einem neuen Hotel weichen. Einige Anwohner äusserten bei zentralplus scharfe Kritik wegen des Vorhabens. Im Interview zeigen die Bauherren zwar Verständnis dafür. Gleichzeitig erklären sie aber, dass ein Neubau eine Aufwertung mit sich bringe. Zudem sei der Abbruch des Gebäudes sowieso die einzige Option.

Seit einer Woche liegt ein Baugesuch für einen Hotelneubau zwischen der Zürich- und der Steinenstrasse öffentlich auf. Für rund 6 Millionen Franken wollen die Bauherren, das Ehepaar Ashrafuzaman-Bucher, ein neues Hotel bauen. Es soll ein Hotel mit 60 Zimmern und 120 Betten entstehen, inklusive einer Lounge und Frühstückbereich im Erdgeschoss. Das bisherige indische Tagesrestaurant soll wegfallen. Der Neubau würde um ein sechstes Stockwerk ergänzt und die Nutzfläche damit um 275 Quadratmeter auf 1410 Quadratmeter steigen. Gleichzeitig ist eine grosse Dachterrasse mit einer Fläche von 127 Quadratmetern geplant. Zu hoch und zu dominant, finden einige Kritiker und befürchten einen Monsterklotz (zentralplus berichtete).

In der Schutzzone B sind Gebäudeabbrüche nur unter gewissen Umständen möglich und bedürfen einer Ausnahmebewilligung. Im Baugesuch liegt eine Stellungnahme bei, welche den Gebäudezustand und die Notwendigkeit von Massnahmen eingeschätzt hat. Die Verfasserin, Schärli Architekten AG, stellt darin den Antrag an den Stadtrat, dass eine Ausnahmebewilligung zum Abbruch des Doppelhauses zu erwägen und auch zu erteilen sei.

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Im Baugesuch liegt eine Skizze der Fassade des geplanten Neubaus bei.

Im Baugesuch liegt eine Skizze der Fassade des geplanten Neubaus bei.

Zu den Gründen: Bereits 2008 wurde in beiden Häusern vom Keller bis ins zweite Obergeschoss der echte Hausschwamm «Serpula lacrymans» festgestellt. Dieser gilt allgemein als der aggressivste Pilzschädling für Immobilien. Spätere Untersuchungen ergaben, dass das Mauerwerk in einem dermassen schlechten Zustand ist, dass eine Sanierung aus statischen Gründen nicht möglich und aus wirtschaftlichen Gründen unverhältnismässig ist.

zentralplus traf das Ehepaar Ratan Ashrafuzaman und Bernadette Bucher zum Gespräch.

zentralplus: Herr Ashrafuzaman, das Baugesuch liegt nun öffentlich auf. Ein grosser Schritt für Sie?

Ratan Ashrafuzaman: Ja, bereits vor vier Jahren haben wir mit den Planungen begonnen. Wir müssen etwas machen. Durch die grossen Mängel ist die Erhaltung der bestehenden Gebäude nicht mehr möglich. Unser Hostelangebot hat nicht die Qualität, die wir uns wünschen. Das zeigt sich auch bei Fremdeinschätzungen auf Internetportalen. Der laufende Unterhalt wird teilweise verunmöglicht, die betrieblichen Mängel sind gross, es besteht Handlungsbedarf.

zentralplus: Frau Bucher, was ist Ihre Vision für das neue Hotel?

Bernadette Bucher: Mit einem preiswerten Angebot möchten wir urbane, junge und junggebliebene Individualreisende ansprechen. Der offene Loungebereich soll auch für die Bevölkerung zum Treffpunkt werden. Daneben ist uns wichtig, der Stadt und dem Quartier etwas zu geben, Arbeitsplätze zu schaffen und nicht stehen zu bleiben.

zentralplus: Gibt es nicht genügend Hotels in Luzern?

Bucher: Die Nachfrage nach preiswerten Angeboten in Luzern ist noch immer hoch.

«Eine Fachjury hat sich – in Kenntnis um die Bedingungen der Stadt – für das nun vorliegende Projekt entschieden.»

Bernadette Bucher

zentralplus: Ihre Gebäude liegen in der Schutzzone B. Ein Abbruch ist nur möglich, wenn eine Sanierung aus wirtschaftlichen Gründen unverhältnismässig wäre. Von aussen sehen die Gebäude doch gut aus, wo liegen die Probleme?

Bucher: Tatsächlich nimmt man diese Mängel über die Fassade nicht wahr. Als wir das Gebäude 2008 saniert haben, entdeckten wir den Hausschwamm sehr spät. Ein Hauptgrund für dessen Auftreten ist die Feuchtigkeit, welche insbesondere im Keller ein ständiges Problem ist.

Ein Blick in den Keller zeigt die Feuchtigkeit und das spröde Mauerwerk.

Ein Blick in den Keller zeigt die Feuchtigkeit und das spröde Mauerwerk.

(Bild: les)

Ashrafuzaman: Kommt hinzu: Das Mauerwerk besteht aus Kalkmörtel und verfügt über keine Eisenelemente. Dieser Mörtel ist sehr mürbe und kann im ganzen Haus mit blossen Fingern zerrieben werden. Laborwerte und Berichte der Statiker ergaben, dass bereits leichte Erschütterungen das Haus zum Einstürzen bringen könnten.

Bucher: Das bringt versicherungstechnisch Probleme mit sich. Wir sind haftbar, wenn einem Gast aufgrund dieser Mängel etwas zustösst. Und weil sie bekannt sind, könnten Versicherungen ihre Zahlungen zurückhalten. Ein Abbruch ist die einzige Option.

zentralplus: Ein Abbruch ist an viele Bedingungen geknüpft. Können Sie sagen, wie der Prozess bis zur öffentlichen Planauflage verlief?

Ashrafuzaman: Mit der BZO der Stadt Luzern sind die Rahmenbedingungen grundsätzlich definiert. In vielen Gesprächen, in die auch Stadträtin Manuela Jost involviert war, wurde uns dargelegt, welche Punkte wir erfüllen müssen. Von der Stadt wurden diverse Berichte und Gutachten verlangt.

«Wir haben Verständnis für die Aufregung in der Nachbarschaft und im Quartier.»

Bernadette Bucher

Bucher: Anschliessend mussten wir einen privaten Architekturwettbewerb durchführen. Und eine Fachjury hat sich – in Kenntnis um die Bedingungen der Stadt – für das nun vorliegende Projekt entschieden.

zentralplus: Dieses wird eine Etage höher als das bisherige Gebäude. Entspricht das noch der BZO?

Ashrafuzaman: Ja, diese Aufstockung ist möglich. Der Jury lagen verschiedene Varianten der obersten Etage mit oder ohne Dachterrasse vor.

Das vorliegende Projekt erfülle die Rahmenbedinungen der Stadt.

Das vorliegende Projekt erfülle die Rahmenbedingungen der Stadt.

(Bild: les)

zentralplus: Welche Reaktionen haben Sie bisher auf Ihre Pläne erhalten?

Ashrafuzaman: Vier direkte Nachbarn haben uns gratuliert. Von einem Nachbarn haben wir noch nichts gehört, wir hoffen, er meldet sich noch. Daneben haben uns auch eine grosse Zahl Leute aus der Bevölkerung beglückwünscht und finden es toll, dass wir nach vorne schauen und etwas anpacken.

Bucher: Daneben gibt es bis jetzt zwei Parteien in der Steinenstrasse, die gegen das Projekt sind. Einer davon hat sich öffentlich bei zentralplus geäussert. Wir haben mit ihm ein angenehmes Gespräch gehabt. Daraus hat sich ergeben, dass er mit der BZO auch grundsätzlich nicht einverstanden ist. Dann müssen wir das so stehen lassen.

zentralplus: Kritiker befürchten, ein Neubau zerstöre das Flair der Steinenstrasse. Was sagen Sie dazu?

Ashrafuzaman: Gemäss den vorgegebenen Kriterien fügt sich unser Projekt ins Ortsbild ein. Das ist nicht nur unsere Meinung, sondern auch die der Fachjury.

zentralplus: Aber Sie sind mit mir einig, dass die Steinenstrasse ein spezieller Fleck dieser Stadt ist?

Bucher: Ja, das ist so. Auch uns gefallen Altbauten und Historie. Wir haben Verständnis für die Aufregung in der Nachbarschaft und im Quartier. Klar gibt es auf der einen Seite eine traditionalistische Sichtweise. Aber gerade auch aus den Reaktionen der meisten Anwohner haben wir herausgespürt, dass das Projekt auch eine Chance für das Quartier sein und zu einer Aufwertung führen kann.

zentralplus: Trotzdem müssen Sie wohl mit Einsprachen rechnen.

Bucher: Wir werden sehen. Im bisherigen Prozess haben wir alle Bedingungen erfüllt. Deshalb sind wir auch sehr zuversichtlich, dass das Projekt realisiert werden kann.

Das Ehepaar Ashrafuzaman-Bucher vor dem Lion Lodge.

Das Ehepaar Ashrafuzaman-Bucher vor dem Lion Lodge.

(Bild: les)

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