Hotel Pilatus steht vor der nächsten Zwischennutzung
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Das ehemalige Hotel Pilatus ist für die nächste Zwischennutzung bereit. (Bild: zvg)

Im alten Ortskern von Horw Hotel Pilatus steht vor der nächsten Zwischennutzung

5 min Lesezeit 1 Kommentar 06.07.2020, 05:05 Uhr

Das ehemalige Hotel Pilatus hat vieles schon erlebt: Nach einer Musiker-WG und einer Freien Schule steht der untere Stock des denkmalgeschützten Gebäudes wieder leer. Die Liegenschaftsbesitzerin tut sich schwer mit dem Schutzstatus – weshalb sich vorderhand nicht viel ändern wird.

Es ist eines der prägenden Bauten im alten Ortskern von Horw: das vormalige Hotel Pilatus. Es steht unter Denkmalschutz und bildet zusammen mit weiteren historischen Gebäuden rund um die Pfarrkirche den alten Horwer Dorfkern. Damit in diesem Gebiet gebaut werden kann, braucht es einen rechtskräftigen Bebauungsplan.

Das heisst, dass jedweder Um-, Neu- oder Ersatzbau des Hotels blockiert bleibt, bis der Einwohnerrat für den sogenannten «Dorfkern Ost» einen Bebauungsplan erlässt. Dieser Prozess dauert aus verschiedenen Gründen nun schon bald zehn Jahre. «Das ist viel zu lange und für alle Seiten unbefriedigend», sagt der Horwer Gemeinderat Thomas Zemp.

Ziel knapp verpasst

Eigentlich wollte man den Bebauungsplan noch vor diesen Sommerferien verabschieden, aber es gibt noch offene Punkte bezüglich eines Baufeldes der Kirchgemeinde. Das Grundstück des Hotel Pilatus wiederum gehört der Luzerner Transterra AG von Bruno Amberg.

«Als Hotel kann das Haus nicht mehr genutzt werden.»

Ronald Joho-Schumacher, Transterra AG

Darin gab es zuvor eine Musiker-WG und bis zum Ende des letzten Schuljahres eine alternative Privatschule (zentralplus berichtete). Da der gewünschte Aus- und Umbau blockiert ist, sucht man derzeit nach neuen Mietern, welche den unteren Stock des Hauses mit einer Zwischennutzung beleben.

Ausbau nur unter Auflagen

Die verhandelte Version des Bebauungsplanes sieht vor, dass das Hotel Pilatus mit einem Anbau versehen werden kann – aber nur unter bestimmten Auflagen. «Im Bebauungsplan ist angegeben, wie gross ein allfälliger Anbau sein darf», erklärt Thomas Zemp. So gebe der schematische Plan beispielsweise vor, «dass ein Anbau nur hinter dem Hotel und nicht grösser als das Hotel sein darf». Ein Ergänzungsbau habe sich gegenüber dem Haupthaus unterzuordnen.

Ausserdem müsste die Transterra AG bei der Einholung der Baubewilligung einen Sanierungsplan vorlegen. Das bedeutet, dass am ehemaligen Hotel Pilatus nur angebaut werden darf, wenn gleichzeitig auch das Haupthaus saniert wird. «Im Vordergrund steht, dass man dieses Haus erhalten will, weil es eine wichtige Stellung im historischen Dorfkern hat und ein ausdrucksvolles Gebäude ist», erklärt Zemp.

Wohnungen als einzige Option

Anderer Meinung ist man derweil bei der Transterra AG. Es ist fraglich, ob die derzeitige Liegenschaftsbesitzerin bereit ist, die hohen Investitionskosten mit Anbau und Sanierung für das ehemalige Hotel Pilatus zu tragen. «So wie heute im Bebauungsplan vorgesehen, wird das ökonomisch nicht passen», sagt Ronald Joho-Schumacher, Mediensprecher der Transterra AG.

Er kritisiert: «Das Hotel Pilatus wurde vor fast 20 Jahren gegen den Willen der ehemaligen Eigentümer Franz und Anna Küenzli unter Schutz gestellt.» Das Haus sei mittlerweile in einem sehr schlechten Zustand. «Ohne massgebliche Erweiterung um rund das Doppelte an vermietbaren Flächen, ist die Sanierung finanziell nicht mehr tragbar.»

Liegenschaftsbesitzerin stellt Schutzstatus in Frage

Im oberen Stock des Gebäudes befinden sich zurzeit Wohnungen. Der untere Stock ist komplett zur Nachmiete ausgeschrieben und könnte diverse Zwecke erfüllen. «Als Hotel kann das Haus nicht mehr genutzt werden», erläutert Joho-Schumacher, «und die Nachfrage nach Büro- und Gewerbeflächen ist gering.»

«Im Moment ist es nicht auf der politischen Agenda, dass die Gemeinde das Gebäude kauft.»

Gemeinderat, Thomas Zemp (CVP)

Es gebe deshalb kaum andere Optionen, als Wohnungen zu bauen. Ausserdem würde eine Sanierung die Auskernung des Gebäudes mit sich bringen. «Vor diesem Hintergrund ist die Unterschutzstellung des Hotel Pilatus fragwürdig», meint Joho-Schumacher und fügt an: «Ein Ersatzneubau wäre unseres Erachtens besser.»

Keine offenen Konflikte

Einen Ersatzneubau wird es beim Hotel Pilatus wohl nicht geben, da sowohl Gemeinde als auch Denkmalpflege das Haus erhalten wollen. Alternative Pläne gibt es bei der Transterra AG derzeit nicht. Daher wartet man ab, bis der Bebauungsplan vorliegt und sucht derweil nach passenden Mietern für den unteren Stock des historischen Hauses. «Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, sind betreibswirtschaftlich oft schwierige Objekte», erklärt Gemeinderat Zemp. Als Bauvorsteher von Horw muss er es bei der Erarbeitung des Bebauungsplanes vielen Parteien recht machen.

Er verweist in seiner Erklärung darauf, dass «die Planung für das Hotel Pilatus nicht bestritten» worden sei. Man sei mit der Eigentümerschaft regelmässig in Kontakt. «Für die Gemeinde ist es ein Anliegen, dass das Haus möglichst bald saniert wird», so Zemp. Man werde immer wieder darauf angesprochen und es sei schade, dass nichts gemacht werden kann. «Darum will ich auch, dass dieser Bebauungsplan jetzt zeitnah in Kraft treten kann.»

Platz für nächstes alternatives Projekt

Ob das ehemalige Hotel Pilatus in absehbarer Zeit neue Besitzer findet, scheint derzeit noch offen. Im Horwer Einwohnerrat wurde vor rund zehn Jahren einmal diskutiert, ob die Gemeinde das Gebäude kaufen solle, um darin Platz für Musikräume zu schaffen. Aber dieses Szenario scheint unwahrscheinlich. Thomas Zemp: «Im Moment ist es nicht auf der politischen Agenda, dass die Gemeinde das Gebäude kauft.»

Die Privatschule Kompass, die bis zum Sommer den unteren Stock mietete, zog letztlich auch deshalb aus, weil ein baldiger Ausbau der Schule unter den gegebenen Umständen nicht möglich war. Daher sucht die Transterra AG nun neue Mieter, die in den vorgegebenen Räumen eine Zwischennutzung realisieren. Nach der Musiker-WG und der Freien Schule scheint nun wieder Platz für das nächste alternative Projekt im ehemaligen Hotel Pilatus zu sein.

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1 Kommentare
  1. Vogel, 06.07.2020, 15:41 Uhr

    Eine Nutzung als eine Art Jugendherberge Süd könnte sinnvoll sein, da an dieser Lage alle andern für Jugendliche wichtigen Strukturen und Infrastrukturen vorhanden sind. Duschen oder Kochen sind auch in der Nähe möglich, wenn man mag und will.

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