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Hotel-Aktion lässt Luzerner kalt
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Marcel Perren, der Direktor von Luzern Tourismus. (Bild: rob)

Hotels ködern Einheimische mit Schnäppchenpreisen Hotel-Aktion lässt Luzerner kalt

5 min Lesezeit 14.12.2017, 09:46 Uhr

Luzerner können im Januar in ausgewählten Hotels zu Schnäppchen-Preisen nächtigen. Dies zu einem Zeitpunkt, wo Stimmen laut werden, dass es eine Eingrenzung des Tourismus brauche. Ist das Projekt unverfälschte Gefälligkeit oder reiner Eigennutz?

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Vom 1. bis zum 31. Januar lanciert Luzern Tourismus eine Aktion für die lokale Bevölkerung. In Zusammenarbeit mit 24 Hotels vor Ort werden den Luzernern zu Spezialkonditionen Zimmer vergeben. 2 Fünf-Sterne-Hotels, 14 Vier-Sterne-Hotels und 8 Drei-Sterne-Hotels machen beim Projekt «Nicht daheim und doch zu Hause» mit.

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So kostet eine Nacht in einem Drei-Sterne-Hotel 75 Franken pro Nacht und Zimmer. Für 125 Franken kann man in einem Vier-Sterne-Hotel übernachten. Und für die, die es gerne etwas luxuriöser haben: Für 250 Franken kann man im Schweizerhof oder National eine Nacht unter fünf Sternen verbringen. Profitieren von diesem Angebot kann jeder, der seinen festen Wohnsitz im Kanton Luzern hat. 

Reiner Goodwill der Luzerner Hotellerie?

Im Fünf-Sterne-Hotel «Schweizerhof Luzern» kostet im Normalfall eine Nacht in einem Einzelzimmer 380 Franken. Ein Doppelzimmer bekommt man zwischen 480 und 580 Franken. Die Kostendifferenzen werden von den Hotels selbst übernommen: «Dies ist das Geschenk der Hotels», bekräftigt Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus. Und weiter: «Wir wollen die Gastfreundschaft vor Ort zeigen.»

Anlass für das Projekt sei das 125. Jahres-Jubiläum von Luzern Tourismus, so Perren. Die Hoteliers möchten dazu beitragen und die Luzerner Bevölkerung miteinbeziehen, sagt er weiter.

«Wir möchten den Luzernern das Gefühl geben, selbst Gast zu sein bei uns.»

Arno Affolter, Direktor Hotel «Wilder Mann»

Im Fokus der Aktion stehe einerseits die Danksagung an die lokale Bevölkerung. Daneben will Perren die Bedeutung des Tourismus unterstreichen.

Dem schliesst sich auch Roman Omlin, Leiter Verkauf und Marketing vom Hotel Schweizerhof Luzern, seitens der Hotellerie an: «Wir wollen die Türe öffnen und der Bevölkerung einen Perspektivenwechsel ermöglichen.»

Oder doch aus eigenem Interesse des Tourismus?

Weltweit sind Tumulte spürbar, bei denen sich Einheimische gegen die Überflutung durch Touristen in ihrer Heimat massiv wehren, so etwa in Barcelona, Amsterdam und Venedig. Kristallisieren sich auch in Luzern Ängste heraus, dass sich die Situation zuspitzen wird? «Nein», sagt Perren, die Situation sei nicht vergleichbar. «Gleichwohl ist es wichtig, dass man auch kritische Stimmen ernst nimmt und gemeinsam eine Vision für den Tourismus in den kommenden Jahren entwickelt.»

Dazu passt eine Diskussion auf politischer Ebene: Die Fraktion der Grünen will mit einem Vorstoss den Stadtrat auffordern, einen Planungsbericht «Vision Tourismus 2030» zu erstellen. Die interessante Frage stellt sich in den Raum, ob Luzern eine Begrenzung des Tourismus benötigt (zentralplus berichtete).

«Eine positive Weiterentwicklung vom Tourismus braucht die Unterstützung der Bevölkerung und der Politik.»

Marcel Perren, Direktor Luzern Tourismus

Marcel Perren nimmt dazu Stellung: «Eine Begrenzung ist nicht notwendig und in der Praxis auch nicht durchführbar.» Luzern habe eine lange Tourismustradition, von der viele profitieren würden, argumentiert er. «Wir wollen aber die Möglichkeiten einer besseren Besucherlenkung prüfen und auch die Übernachtungsgäste noch besser über das Jahr verteilen», sagt Perren.

Es sei ein wichtiges Thema, die Menschen für den Tourismus zu sensibilisieren, so Perren. «Eine positive Weiterentwicklung vom Tourismus braucht die Unterstützung der Bevölkerung und der Politik.» Man habe verschiedene Massnahmen ergriffen, wie öffentliche Podiumsanlässe oder einen Dankes-Event am Europaplatz, um die Bevölkerung direkt miteinzubeziehen. Dazu gehört auch das Projekt «Nicht daheim und doch zu Hause».

Das Gefühl, selbst Gast in der eigenen Stadt zu sein

Arno Affolter, Direktor vom «Wilden Mann» in Luzern, möchte Luzernern schmackhaft machen, weshalb Touristen aus aller Welt nach Luzern pilgern. «Es geht klar auch um die Sensibilisierung für den Tourismus», so Affolter. Viele seiner Gäste aus Luzern, die sein Restaurant besuchen, wüssten gar nicht, dass man im «Wilden Mann» 48 Zimmer mit 85 Betten vorfindet. «Wir möchten den Luzernern das Gefühl geben, selbst Gast zu sein bei uns», sagt Affolter.

Das Hotel Schweizerhof Luzern bei Nacht.

Das Hotel Schweizerhof Luzern bei Nacht.

(Bild: zvg.)

Dürftige Anzahl Buchungen

Und wie sieht es mit den Buchungen aus? «Bis jetzt sind die Reaktionen absolut bescheiden», meint Affolter lachend. «Wir haben aus dieser Promotion noch keine einzige Buchung für den Januar.»

Doch auch bei anderen Hotels sieht es nicht viel besser aus. Insgesamt seien in den diversen Drei- bis Fünf-Sterne-Hotels 42 Doppelzimmer gebucht worden, sagt Martina Achermann, Projektmanagerin von Luzern Tourismus. Start des Projekts war der 2. November.

«Die Hotellerie möchte der Luzerner Bevölkerung einen Perspektivenwechsel ermöglichen.»

Roman Omlin, Leiter Verkauf und Marketing vom «Schweizerhof» Luzern

Liegt es daran, dass die Aktion zu wenig bekannt ist? Die angefragten Hotels promoten das Angebot nur dezent aus eigener Hand. «Luzern Tourismus soll dies primär für alle kommunizieren», meint Roman Omlin. Das Hotel Schweizerhof Luzern habe die Aktion selbst auch in seiner Hotelzeitung aufgenommen und beworben.

Luzern Tourismus wirbt derweilen gezielt mit Radiospots. Weitere Werbemassnahmen seien geplant, um gezielt den Fokus auf Luzern zu richten, so Marcel Perren.

Aktion, um das Januarloch umgehen zu können?

Der Januar sei über das ganze Jahr betrachtet für die Luzerner Hotellerie der ruhigste Monat: «Im Januar ist unser Hotel durchschnittlich zu 40 Prozent ausgelastet», sagt Roman Omlin.

Dies ist laut Marcel Perren der Hauptgrund, dass die Aktion jetzt stattfindet. «In den Sommermonaten beträgt die Zimmerauslastung in der Stadt zirka 90 Prozent, da hätten die Einheimischen sehr wenig Optionen, einen passenden Termin zu finden», argumentiert Perren. Und zum anderen sei dies ein passender Abschluss des Jubiläumsjahres 2017 und ein Auftakt für die Zukunft.

Obwohl die Hotels um den einheimischen Zustupf froh sein dürfen: Sie möchten nicht primär aufgrund der schwachen Auslastung im Januar fehlende Gelder kompensieren. Der monetäre Ertrag sei absolut zweitrangig, so Affolter. Roman Omlin teilt diese Ansicht, denn mit einer Steigerung der Auslastung um fünf Prozent wäre das Hotel Schweizerhof Luzern bereits zufrieden: «Wenn wir jeden Abend fünf Zimmer mehr belegen könnten, wären das rund 300 Luzerner, die wir während eines Monats glücklich machen könnten.»

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