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Horwer Gemeindepräsident: «Luzerns komplette Ablehnung geht einfach nicht»
  • Politik
Der Horwer Gemeindepräsident Ruedi Burkard in seinem Büro.   (Bild: giw)

Differenzen wegen Spange Nord Horwer Gemeindepräsident: «Luzerns komplette Ablehnung geht einfach nicht»

6 min Lesezeit 03.04.2018, 04:48 Uhr

Während andere Agglomerationsgemeinden unter der Last ihrer Aufgaben stöhnen, steht Horw auf gesunden Füssen. Präsident Ruedi Burkard möchte weiter in die Mobilität investieren und sieht sich vorbereitet auf den Boom in Luzern Süd. Gar nicht einverstanden ist er jedoch mit Adrian Borgulas Blockade bei der Spange Nord. 

Der kleine Nachbar der Städte Kriens und Luzern scheint sich in deren Windschatten gut zu entwickeln. Während Kriens interne Grabenkämpfe ausficht und der Luzern Stadtrat sich mit dem Kanton bei der Spange Nord in den Haaren liegt, ist die Seegemeinde wirtschaftlich am florieren und kann sich als wichtigen Hochschulstandort etablieren.

Doch Gemeindepräsident Ruedi Burkard ist nicht ohne Sorgen – so aufgeräumt wie sein Schreibtisch ist die Kommune dann doch nicht. Insbesondere, weil da noch die Nachbargemeinden sind.

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zentralplus: Sie müssen als FDPler mit zwei linken Stadtpräsidenten zusammen arbeiten. Harmoniert das?

Ruedi Burkard: Differenzen bestehen eher auf der ideologischen Ebene. Da schaue ich mit kritischem Blick auf den Luzerner Stadtrat. Ich habe das Anliegen, dass die Differenzen um die Spange Nord endlich bereinigt werden. Denn auch für Horw ist der Bypass respektive die Stadtautobahn wichtig.

Wir haben in Horw unsere Hausaufgaben gemacht und allen Transitverkehr auf den Schlund ausgelagert. Auch die Erschliessung mit der Autobahn ist perfekt geregelt. Doch wenn die Kapazitätsprobleme auf der Autobahn nicht gelöst werden, spüren wir das in Horw eins zu eins. Wenn der Durchgangsverkehr nicht genügend kanalisiert werden kann, suchen sich die Leute einfach einen anderen Weg, unter anderem mitten durch das Zentrum.

zentralplus: Aber die Bevölkerung in Luzern und Kriens muss auch viel mehr zusätzliche Strassen verkraften, als die Bevölkerung von Horw, die vor allem profitiert. Verstehen Sie die kritische Einstellung?

Ruedi Burkard: Natürlich verstehe ich die Haltung der Stadt bei der Spange Nord. Der Stadtrat muss in der Interessenvertretung bei zukünftigen Verkehrsprojekten strategisch vorgehen – aber eine komplette Ablehnung, wie sie derzeit vertreten wird, das geht einfach nicht.

Kriens ist im Gegensatz dazu beim Bypass-Südportal den richtigen Weg gegangen – dort hat man hart verhandelt und mit dem Bundesamt für Strassen mit der begrünten Überdachung einen guten Kompromiss erzielt. Die Stadt hingegen ist zu sehr auf ihre eigenen Probleme fokussiert – was rundherum passiert, ist für sie nicht prioritär.

zentralplus: Obwohl Sie sich nicht einig sind – Horw scheint es gut zu gehen. Es ist eine der steuergünstigsten und reichsten Gemeinden des Kantons – was machen Sie besser als die Armenhäuser Kriens und Emmen?

Ruedi Burkard: Das ist natürlich zu einem Stück geographisch bedingt durch die tolle Lage mit viel attraktivem Wohnraum auf der Halbinsel. Meine Vorgänger haben nachhaltig geplant und damit einen Wildwuchs an Bauten verhindert, es wurde sehr moderat eingezont und viel Grünfläche frei gelassen. Hinzu kommen sehr restriktive Baubestimmungen entlang des Sees.

Das trägt alles dazu bei, dass wir eine attraktive Wohngemeinde bleiben. Wir setzen auf Qualität statt Quantität. Die Horwer Bevölkerung hat diesen Kurs mit jeder Abstimmung in den vergangenen Jahren bestätigt und sich jeweils für ein intaktes Naherholungsgebiet eingesetzt. Und das Zentrum wurde verkehrsberuhigt und damit aufgewertet.

zentralplus: Dennoch verändert sich so einiges in Horw.

Ruedi Burkard: Es entstehen 1’700 Arbeitsplätze und 520 Wohnungen allein in Horw Mitte, hinzu kommt der Ausbau des Campus mit 2’000 zusätzlichen Studenten und auch die nahe Krienser Nachbarschaft erhält markanten Zuwachs. Ich rechne mit gegen 16’000 Einwohner bis ins Jahr 2028, also rund 2’000 mehr als heute.

Zur Person

Der Horwer Gemeindepräsident Ruedi Burkard wurde im Jahr 2016 gewählt. Der 61-jährige FDP-Kantonsrat lebt seit 15 Jahren in einer festen Beziehung und hat zwei erwachsene Söhne aus einer geschiedenen Ehe.

zentralplus: Rechnen Sie damit, dass sich das Dorfleben im Horwer Zentrum mit dem Wachstum in Luzern Süd stark verändern wird?

Ruedi Burkard: Je besser die Verbindungen mit öV, Velo und Fussgänger ist, desto beliebter und belebter wird unser attraktives Dorfzentrum. Wenn die Leute hier flanieren kommen, ist das natürlich auch im Interesse des Gewerbes.

zentralplus: Kann das die bestehende Verkehrsinfrastruktur schlucken, schliesslich führt nur eine kleine Strasse durchs Zentrum.

Ruedi Burkard: Wir haben bereits vor 15 Jahren, als die Autobahn tiefer gelegt wurde, ein Verkehrskonzept, das mit dem Wachstum Schritt halten kann. Dazu gehören die drei Stichstrassen, welche alle Autos aus dem Zentrum rasch auf die Autobahn beim Schlund leiten.

Rund um die Allmendstrasse sind im Horwer Talboden noch Wohnbauprojekte möglich.

Rund um die Allmendstrasse sind im Horwer Talboden noch Wohnbauprojekte möglich.

(Bild: giw)

zentralplus: Und wie sieht es beim öV aus – schliesslich möchte man den zusätzlichen Verkehr in Luzern Süd vor allem darüber abwickeln.

Ruedi Burkard: Da sind wir in Horw ebenfalls sehr gut aufgestellt. Einerseits wären da die vielen Busverbindungen – die jedoch noch ausbaufähig sind. Beispielsweise besteht mit der Linie 21, welche Luzern und Horw über die Halbinsel erschliesst, ein Halbstundenstakt. Das können wir bei Bedarf ausbauen. Bis ins Jahr 2021 entsteht ein neues Bahnhofsgebäude inklusive Bushof, welcher die zukünftige Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs bilden wird, nicht nur für die Agglomeration Süd, sondern auch nach Ob- und Nidwalden.

zentralplus: Nicht beteiligt haben Sie sich beim Freigleis. Kommt das Velo in Horw zu kurz?

Ruedi Burkard: Da gibt es durchaus noch gewissen Nachholbedarf. Die verkehrsberuhigte Kantonsstrasse durch das Dorfzentrum mit der 30er-Zone ist sehr gut geeignet für Velofahrer und Fussgänger. Diese Limite werden wir verlängern bis zum Rank, damit wird die Sicherheit für den Langsamverkehr verbessert. Ausserdem planen wir auch auf der Seestrasse nach St. Niklausen Tempo 30.

Apropos Veloverkehr: Durch die Quartiere im Horwer Talboden führen gut gekennzeichnete Velowege quasi vom Luzerner Stadtrand bis an den See. Wichtig scheint mir aber insbesondere die Veloverbindung zum neuen Zentrum Kriens Mattenhof – hier braucht es die Süd-Allee, welche das Freigleis verlängert und den Krienser Mattenhof mit dem Horwer Seebecken verbindet.

zentralplus: Stichwort Süd-Allee: Hier formieren sich die Anwohner bereits gegen den Durchstich durch das Kuonimattquartier.

Ruedi Burkard: Auf Horwer Boden bereiten wir die Schritte vor, um diese Achse zu verlängern. Anstelle der geplanten Linienführung der Süd-Allee durch das Gartenquartier könnte es sein, dass eine alternative Route einfacher zu realisieren wäre.

zentralplus: Kriens hat mit dem relativ starken Wachstum zu kämpfen. Sind Sie in Horw vorbereitet?

Ruedi Burkard: Die Planung wurde ausserordentlich langfristig angelegt. Wir haben im Zentrum von Horw sicherstellen wollen, dass das Wachstum geordnet vonstatten geht. Das ist uns gut gelungen – weil wir klare Vorgaben gemacht haben. Das erste hohe Haus in Horw ist nun im Bau – da sprechen wir aber von 44 Metern, nicht von über 100 Metern wie beim Mattenhof II.

«Der Campus Horw ist ein Grossprojekt, welche das Bild der Gemeinde verändern wird.»

zentralplus: Horw hat noch verschiedene kleinere Ortsteile und viele attraktive Landreserven. Wird es dort bald eine Umzonung und weitere Wohnprojekte geben?

Ruedi Burkard: Nach meiner persönlichen Einschätzung wird in Horw in den nächsten 30 Jahren nichts mehr eingezont. Erst müssen wir im Zentrum verdichten, das schreibt auch das nationale Raumplanungsgesetz vor. Ich sehe auch gar keinen Bedarf hierfür.

Ruedi Burkard ist seit 2016 Gemeindepräsident von Horw.

Ruedi Burkard ist seit 2016 Gemeindepräsident von Horw.

(Bild: giw)

zentralplus: Im Dorfkern hat es jedoch noch Platz.

Ruedi Burkard: Selbstverständlich bestehen im Dorfkern noch zusätzliche Flächen. Dazu gehören beispielsweise die Bach- und Allmendstrasse, wo wir derzeit im Rahmen einer Projektstudie eruieren, was wir auf dem Areal noch bauen können. Da ist es sehr wichtig, dass wir auch Freiräume und velofreundliche Wege erhalten und ermöglichen – es soll auf keinen Fall alles verbaut werden.

zentralplus: Insgesamt 330 Millionen Franken investiert der Kanton bis ins Jahr 2026 beim Campus Horw, das ebenfalls zum Entwicklungsgebiet Luzern Süd gehört  – das ist ein Grossprojekt, welche das Bild der Gemeinde verändern wird.

Ruedi Burkard: Das ist eine grosse Chance für Horw. Dennoch braucht es das richtige Mass: Wichtig ist, dass die Bauhöhe sich in Grenzen hält – ansonsten beissen wir auch bei der Horwer Bevölkerung auf Granit. Für eine optimale Erschliessung des Areals wird ausserdem ein neuer Bahnhof in Horw See angestrebt in den kommenden zehn oder 15 Jahren.

Ausserdem wollen wir das Parkplatzproblem lösen – bisher sind auf dem Campus grosse oberirdische Flächen für Autos reserviert. Da muss ein Parkhaus realisiert werden – inklusive geeignetem Anschluss an die Autobahn. Der Kanton macht grossen zeitlichen Druck, aber diese Punkte müssen zuvor geklärt sein. Die Bevölkerung wird in ein paar Jahren das letzte Wort haben.

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